Cornelia Zetzsche

Salman Rushdie @ Bayern 2-Diwan, Gasteig, München, 2015-11-19

Zum Auftakt des diesjährigen Münchner Literaturfestes startete der Bayerische Rundfunk seine in dem Rahmen stattfindende werktägliche Talkrunde „Bayern 2 Diwan“ fulminant: B2-radioTexte-Moderatorin Cornelia Zetzsche durfte zur 2015-Premiere der Veranstaltungsreihe mit dem Booker-Preisträger Salman Rushdie einen der weltweit bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Literatur auf der orangen Couch im Gasteig-Foyer willkommen heißen.

Die zahlreichen Gäste begrüßten den Jahrzehnte lang von der Fatwa bedrohten indisch-britischen Literatur-Weltstar frenetisch. Neben der Vorstellung seines aktuellen, vor kurzem bei Bertelsmann erschienenen Romans „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“ war das Gespräch thematisch selbstredend von den jüngsten Terroranschlägen in Paris und dem Phänomen der militanten Islamisten bestimmt.
Rushdie merkte an, dass fundamentalistischem Terror immer auch ein Element des Puritanismus innewohnt, die Fanatiker konnten es nicht ertragen, dass Menschen sich amüsieren, der Anschlag von Paris galt seiner Meinung nach neben der freien Gesellschaft und der westlichen Welt dem Entertainment und der Freude am Leben. Er wies darauf hin, dass man sich vergegenwärtigen solle, wer den IS finanziert, neben der Türkei, die Öl von den Terroristen am Schwarzmarkt kaufe, seien vor allem die Saudis verantwortlich zu machen, das Land habe in den vergangenen Jahren enorme Summen zur Finanzierung des radikalen Islam und zum Aufbau fundamentalistischer Koran-Schulen verwendet. Der Westen sei in seiner politischen Allianz mit Ländern wie Saudi-Arabien und Katar schlecht beraten, zum Dank für die Verschärfung der Lage im Nahen Osten habe man, so Rusdie, letzteren zu allem Überfluss auch noch die Fußball-WM geschenkt.

Zu seinem neuen Roman sagte Salam Rushdie, er lehne sich stark an der Märchentradition aus Tausendundeiner Nacht an, thematisch handle er hauptsächlich von Dschinns, den Flaschengeistern aus der arabischen Welt, „bad, but sympathetic ghosts“, und deren zahlreicher sexueller Aktivitäten, worauf Cornelia Zetzsche einwandte, das Buch wäre wohl nicht die passende Lektüre für die unter Sechzehn-jährigen, Rushdie konterte, speziell für diese Altergruppe wäre es besonders geeignet.

Zur aktuellen Flüchtlings-Thematik gefragt, meinte Rushdie, Chancellor Merkel sei derzeit vor allem dafür zu bewundern, das sie nicht frage, was man tun soll, sondern was man tun kann. Rushdie, der mit 14 Jahren nach England kam, nannte Großbritannien als ein positives Beispiel, wie Immigration ein Land bereichern könne, der Zuzug der Menschen aus Ländern wie Jamaika, Indien, Pakistan und Bangladesh habe dem Land eine kulturelle Vielfalt beschert („better music, better food“), die jeder Gesellschaft auf lange Sicht nur zum Vorteil gereichen könne. Seit dem Jahr 2000 lebe er in New York, einer Stadt, deren Einwohner sich nur aus Einwanderern oder deren Abkömmlingen zusammensetzen, er genieße täglich die Vielfalt der Kulturen auf den Straßen Manhattans, so der Autor der „Satanischen Verse“. Das 21. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Migranten, man müsse diese Realität anerkennen.

Eine detaillierte Inhaltsangabe zu Salman Rushdies neuem Roman findet sich seit gestern bei Sabine/bingereader.org in ihrem Beitrag über die Rushdie-Lesung vom selben Tag im Münchner Cuvilliés-Theater.

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