Cosmic Psychos

Cosmic Psychos + Zoo Escape @ Strom, München, 2016-07-26

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Werden derzeit allerorts hochgelobt, aber offensichtlich ist das eher was für die jüngeren Semester, die den originären Punk-Rotzlöffel-Zirkus nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen: Zoo Escape aus München durften mit ihrem Epigonen-haften Power-Pop-Punk das Eröffnungsprogramm für den hiesigen Gig der altgedienten australischen Punk-Heroen Cosmic Psychos geben, wir alten Säcke haben uns während der Aufführung permanent gefragt, ob die Nummer als Tote Hosen für Arme oder als Casting-Show einer Sex-Pistols-Klon-Band mit versteckter Kamera gedacht war. Vielleicht haben die fünf jungen Männer aber auch einfach nur „The Great Rock ’n‘ Roll Swindle“ einmal zu oft gesehen, wer weiß? Den Rotten/Lydon hat der Frontmann hinsichtlich Posen immerhin formvollendet gegeben, hätte eigentlich nur noch der „Ah-ha-ha. Ever get the feeling you’ve been cheated? Good night“-Spruch vom finalen Pistols-Konzert anno 1978 im Winterland Ballroom zu San Francisco gefehlt…
(mag ich nicht bewerten)

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“I think the Cosmic Psychos were a band that was highly influential on the Seattle so called grunge scene. I know that Kurt and Nirvana were fans, they played shows with Pearl Jam. Even thou the Cosmic Psychos never had the commercial impact or success that those bands had, they were still a major influence on them, and I think a lot of it had to do with the spirit and the sound of their music.”
(Butch Vig)

Im Winter 1988, als Grunge noch kein massenkompatibles Chart-Phänomen war, sind sie im mittlerweile längst abgefackelten, legendären Circus Gammelsdorf aufgeschlagen, der etatmäßige Gitarrist konnte seinerzeit nicht mit auf Tour gehen, weil im heimischen Australien Erntezeit war und er auf seiner eigenen Farm nicht abkömmlich war, auch heutzutage ist das Original-Line-Up der Cosmic Psychos schon lange Geschichte, Bandgründer und Chef-Berserker Ross Knight ist aber nach wie vor am Start und poltert sich stoisch seit über 30 Jahren im Verbund mit dem Gitarristen John McKeering und Drummer Dean Muller durch die Konzertsäle dieser Welt.
Auf dem Cover ihres 1989er-Albums „Go The Hack“ (Survival/Normal) ist die Band auf einem Bulldozer stehend abgebildet, optisch hat das den bis heute unveränderten Sound des Trios aus Melbourne recht treffend visualisiert, nach wie vor zelebriert die Combo ohne Umschweife direkt auf den Punkt gebracht den schwerst vom Punk und den Stooges infizierten Grunge „with a healthy dose of yobbo humour“, wie der australische Rock-Historiker Ian McFarlane mal so passend anmerkte.
Die Wah-Wah-/Fuzz-Gitarren-Riffs fräsen sich nach wie vor wie der Bohrer beim Zahnarzt in Nerv und Hirn, der Bass von Ross Knight scheppert unvermindert krachend durch die 3-Minuten-Knaller der Psychos, einzig sein Gesang ist nicht mehr der alte, vermutlich unzählige Drinks haben das Organ in den vergangenen Jahrzehnten Richtung Lemmy-Kilmister-Grollen driften lassen.
Den zahlreich erschienenen Besuchern im gut gefüllten Münchner Strom war’s einerlei, es genoss die alten Hauer wie „Pub“, „Rip’n’Dig“ oder „David Lee Roth“ genauso wie die Kracher vom jüngsten Album „Cum The Raw Prawn“ (2015, Desperate). Ob wir dann in knapp 30 Jahren nochmal alle so schön zusammenkommen, wage ich mal ob des Lebenswandels von Band und Publikum zu bezweifeln, aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben…
(**** 1/2 – *****)

Reingehört (72)

REINGEHÖRT 2015-08-11
 

Eleventh Dream Day – Works For Tomorrow (2015, Thrill Jockey/Rough Trade)
Alte Helden mit unerwartetem neuen Output: Die grandios-gute und permanent erfolglose Alternative-Rock-Combo Eleventh Dream Day aus Chicago/Illinois hat im Jahr 1988 mit ‚Prairie School Freakout‘ beim französischen Indie-Label New Rose (2004, Thrill Jockey Reissue) ein exzellentes Volle-Länge-Debüt nach einer bereits sehr respektablen, selbstbetitelten EP (1987, Fan Club / New Rose) veröffentlicht, auf dem die Band einen betörenden, Gitarren-lastigen, Neil-Young-beeinflussten, hoch-energetischen Sound transportierte, der sich im Lauf der Jahrzehnte auf den folgenden, stets empfehlenswerten Werken der Band mal mehr in traditionellere Gefilde – als Beispiel sie hier das grandiose Album ‚Lived To Tell‘ (1991, Atlantic/WEA) genannt – mal in experimentellere Bereiche bewegte, hier seien die Werke ‚Ursa Major‘ (1994, City Slang) oder ‚Stalled Parade‘ (2000, Thrill Jockey/Rough Trade) exemplarisch erwähnt.
Seit der Jahrtausendwende haben Eleventh Dream Day nur noch sporadisch, wohl dem ausbleibenden Erfolg geschuldet, veröffentlicht, die Bandmitglieder tummelten sich parallel bzw. zwischenzeitlich in diversen anderen Projekten: Schlagzeugerin Janet Beveridge Bean war alternativ beim hervorragenden Bluegrass-Projekt Freakwater am Start und veröffentlichte 2003 mit ‚Dragging Wonder Lake‘ unter Janet Bean And The Concertina Wire auf Thrill Jockey ein respektables Solodebüt, Bassist Doug McCombs kam als festes Bandmitglied beim Post-/Experimental-Rock-Quintett Tortoise zu internationalem Renommee. Bandleader Rick Rizzo ist inzwischen im Hauptberuf Lehrer, soweit kommt’s, wenn man vom Plattenverkauf nicht leben kann, eine Schande im Falle dieser Combo.
2011 veröffentlichte die Band mit ‚Riot Now!‘ (Thrill Jockey) das Vorgänger-Album der aktuellen Songsammlung, die Band promotete dankenswerte Weise im selben Jahr – leider bei geringem Zuschauerzuspruch – live auch in unseren Gefilden, hier deutete sich bereits vehement an, was auf ‚Works For Tomorrow‘ seine ganze Pracht entfaltet: die Combo pflegt neben vertrauteren, Americana-beeinflussten, traditionelleren Indie-Gitarrenrockern vermehrt eine härtere, direktere, zornigere, mitunter an Sonic Youth/Thurston Moore gemahnende Variante unter Einsatz von Feedbacks und sonstigen Verzerrungen. Die Rohheit des Punk stand wiederholt Pate für drängende, ungebändigte, vor Tatendrang strotzende Stücke, die in der Mehrzahl von Janet Beveridge Bean nahezu geschrien werden, man hört das „Nehmt uns endlich ernst oder geht zum Teufel!“ förmlich heraus, und im Falle dieser erneut erfreulich gelungenen Eleventh-Dream-Day-Platte kann ich das nur unterstreichen: Kauf den Tonträger und macht die Combo reich, verdient haben sie es schon lange.
Was immer diese Band durchhalten lässt: möge es als Inspiration/Motivation noch lange anhalten…
(***** ½)

Cosmic Psychos – Cum The Raw Prawn (2015, Desperate)
Alte Helden mit noch wesentlich weniger erwartetem neuen Output: Von den australischen Cosmic Psychos war mir bis vor ein paar Wochen nicht bewusst, dass das Punkrock-Trio aus Melbourne nach wie vor aktiv ist und seit der zuletzt wahrgenommenen ‚Blokes You Can Trust‘ (bereits von 1991, Amphetamine Reptile Records) weitere sieben Alben, das aktuelle mitgerechnet, veröffentlichte.
Von der Originalbesetzung ist einzig Sänger und Bassist Ross Knight nach wie vor mit von der Partie, der Sound der Band wurde vom australischen Musikjournalisten Ian McFarlane als Punk-Krach in einer Mischung aus Birthday Party und narkotisierten Ramones beschrieben, „equal parts Stooges riffs, Ramones tempos, lashings of wah wah guitar, American 1980s hardcore attitude and a healthy dose of yobbo humour. [They] played no-frills, stripped-down punk rock“, kann man getrost so stehen lassen, die verzerrten Uptempo-Stooges-Gitarren waren für meine Begriffe immer das Markenzeichen dieses kompromisslosen, zupackenden Sounds, der auf Konserve kaum anders klang als konzertant, Ende der Achtziger stellte die Band das während einer Europatournee, welche sie auch in den längst abgefackelten, legendären Circus Gammelsdorf verschlug, eindrucksvoll unter Beweis, das Fachblatt Spex berichtete seinerzeit ausführlichst.
Grunge-Größen wie Kurt Cobain, Eddie Vedder, Donita Sparks von L7 und nicht zuletzt der großartige Buzz Osbourne von den Melvins nannten die Band als frühe Einflüsse für ihren inzwischen weltberühmten Seattle-Sound.
Das neue Werk unterscheidet sich hinsichtlich energischem Drive, Themen und repetitiver Texte nicht groß von früheren Alben und das ist auch gut so – ab und an ist Konstanz in der weiten Welt der Musik etwas Wunderbares.
(**** ½ – *****)