Das Band

Reingehört (58)

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Münchner Formation mit drei Herrenhemden, liefert vom Erzeuger zum Verbraucher. Direkt in die Welt.
Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Fürchtet euch nicht, denn es wird also gut.
Phil Benke: Gesang, Gitarre / Mic Haarnagell: Bass, Gesang / Hermann Köpf: Schlagzeug, Gesang

„Besorgte verzweifelte Kinderwagen-schiebende Glockenbach-Frau: ‚Halt doch mal die Tür auf!'“
(dAS bAND, Zorniger junger Mann)

„Die sind so in unserem Alter und man hört auch gut, dass sie nicht erst seit gestern ihre Instrumente spielen. Trotzdem schaffen sie es, Elemente des jugendlich destruktiv-dilletantischen Sounds von, sagen wir mal: Pavement und The Fall in ihren fein gewirkten Songs unterzubringen, die ansonsten auch noch durch kleine Artrock- Anspielungen bestechen. Und deutsche Texte natürlich, denen man auch anhört, dass die nicht mehr gerade 23 sind. Aber ohne das selbstmitleidige ,What a drag it es getting old‘-Gewimmer, das man von dir immer hören muss. Check nur mal ,Zorniger junger Mann‘ aus!“
(Martin Posset)

dAS bAND – Also Gut (2015, Little Teddy Recordings)
Dem ein oder anderen aus meinem Bekanntenkreis ging’s da ganz ähnlich: vor ein paar Jahren über die schmissige Indie-Rock-Nummer „Zorniger junger Mann“ der Münchner Combo dAS bAND gestolpert, seitdem hat sich der Ohrwurm einen festen Platz im Hinterstübchen des Gehörgangs eingerichtet und will da nicht mehr raus, aber was soll ich sagen: das ist auch gut so.
Der exzellente erste Eindruck hat sich dann beim Konzert der Ami-Punks The Thermals vor circa anderthalb Jahren im Feierwerk bestätigt, zu dem das Münchner Trio das Vorprogramm bestritt.
Nun also ein neuer Longplayer, für dessen Opener zur allgemeinen Freude der zornige Jungspund nochmals herausgekramt wurde und die Richtung vorgibt für die nächsten vierzig Minuten: grundsolider, lakonischer, schnoddrig-rotziger Deutsch-Indie-Rock, der vor allem auch hinsichtlich Texten einiges zu bieten hat und Combos wie Tocotronic, Blumfeld oder den hiesigen Monostars zeigt, dass es zu verspult-spätpubertierendem Oberstufen-Geschwurbel durchaus ernstzunehmendere Alternativen geben kann.
Und wenn dann die drei Herrschaften im Stück „Sakra-Mento“ sowie beim Posieren für das Pressefoto in Gringo-Zorro-und-Zapata-Manier vor dem Siegestor aufm Pferd einen meiner Lieblingswestern, eine Episode aus den „Münchner Geschichten“ vom kürzlich verstorbenen Kult-Regisseur Helmut Dietl zitieren, dann haben sie sich bei mir sowieso Sonderlob, Heiligenbildl und Fleiß-Bilettl verdient. Stellt sich die Frage: „Ist das nicht gefährlich?“ Nö, eigentlich nicht… ;-))
Apropos Kult: der Entwurf für das Cover stammt vom Münchner Ausnahme-Maler Florian Süßmayr. Kultiges Kritzelbild eben…
(**** ½)

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dAS bAND / hOMEPAGE

Soundtrack des Tages (30)

Das Band – Zorniger junger Mann


 
Katie Smokers Wedding Party – Winnie Too


 
Elektrik Kezy Mezy – Live @ Theatron Munich


 
G.Rag & Zelig Implosion – Just Got Back


 
Ramonas – Klärwerk / How To Buy A Ramonas CD At Saturn


 
Rauschangriff – Too Old To Run (Live)


 
Donkeyhonk Company – No Limb To Shake


 
The Moonband – Marta Says (Live)

Reingehört (18) – München Spezial

KULTURFORUM Reingehört München Spezial X www.gerhardemmerkunst.wordpress.com

The Moonband – Atlantis (2014, Rockville Music)
Asche über mein Haupt: als ich die Band erstmals vor etlichen Jahren im Vorprogramm von Willard Grant Conspiracy sah, dachte ich noch naserümpfend „CSN für Arme“, irgendwann liefen sie mir nochmal im Rahmen eines Giant-Sand-Auftritts über den Weg, da war ich mir meines despektierlichen Urteils bereits nicht mehr so sicher und spätestens seit dem Theatron-Auftritt in diesem Jahr kann ich nicht mehr anders, als diese Band über den Schellenkönig loben. Vom Saulus zum Paulus, so kann’s gehen… Alle Achtung, da haben sich talentierte junge Menschen musikalisch prächtig entwickelt. Sowohl Live-Darbietung als auch die neue CD „Atlantis“ brauchen den Vergleich mit bekannten Alternative-Country- und Acoustic-Folk-Größen nicht zu scheuen. Die neue Platte besticht durch einen tollen Mix an einfühlsamem Alternative-Country- und Folk-Songwriting, flottem Roots-Rock („Joe Stack“ !!!), äußerst gelungenen Bluegrass-Beimischungen und einem glasklaren Sound. Das Jahr neigt sich ganz langsam dem Ende entgegen, insofern hänge ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich die Scheibe schon mal für die vorderen Plätze meiner persönlichen Jahrescharts einplane.
(*****)

Nasmyth – 2012 / EP (2014, Eigenvertrieb)
Münchens Newcomer in Sachen instrumentaler Postrock/Postmetal. 6 fulminante Stücke, die Freunde von Caspian oder Russian Circles beglücken dürften. Live eine dicke Empfehlung, das Konzert vor kurzem in der Glockenbachwerkstatt hat keine Wünsche offen gelassen.
(**** ½)

Waves – Lights & Colors (2012, Eigenvertrieb)
Nochmal instrumentaler Postrock aus München, hiermit dürften sich geneigte Mogwai- und Explosions-In-The-Sky-Hörer rundum wohl fühlen. Haben mich erstmals letztes Jahr im Vorprogramm von Russian Circles aufhorchen lassen und haben vor kurzem in der Glockenbachwerkstatt den exzellenten ersten Eindruck mehr als bestätigt.
(**** ½)

Das Band – Zorniger junger Mann / Single (2012, Little Teddy Recordings)
Mein Song des Jahres 2013. Zaubert jedem Griesgrämigen ein Grinsen ins Gesicht. Auf der B-Seite gibt’s flotten Trash-Punkrock. Live wusste das Trio im vergangenen Dezember im Vorprogramm der Thermals mit deutschem Indie-Gitarrenrock zu überzeugen, stilistisch ist die Combo irgendwo zwischen rotzigen Ton Steine Scherben und frühen Fehlfarben zu verorten.
(******)

V.A. – Minga Calling – A Munich Pop Underground Compilation / Single (2012, Little Teddy Recordings)
Mit den Combos Das Band (siehe oben), Katie Smokers Wedding Party (mit einer charmanten Lo-Fi-Popnummer im Stil Young Marble Giants/Television Personalities) und Productionerror (Deutschpunk im Geiste der Aufbruchjahre).
(****)

Elektrik Kezy Mezy – Simple Pleasures (2013, Flowerstreet Records)
Holen Dich an der Stelle ab, an der sich Jack und Meg White das letzte Mal geküsst haben, die Black Keys nicht mehr weiterwissen und Fredrick Joe Evans IV von Left Lane Cruiser besoffen vom Stuhl fällt und zeigen Dir, wie Trash Blues funktioniert. Laute, enthusiastische, verzerrte Gitarren, treibendes Getrommel, 2 Mann, mehr braucht’s nicht, live kaum zu toppen. Inklusive gelungenem Spandau-Ballet-Cover „Gold“.
(*****)

Ramonas – Isar-Punk (2012, Rough Trade)
Ramonas – Isarlive (2014, Rough Trade)
Der “Do-bin-i-dahoam”-Landi und seine Rabauken pflegen den Ramones-Punk der frühen Tage (was Wunder bei dem Namen) und treiben das ganze textlich ins Lustig-Bayerische. Aus „Rockaway Beach“ wird der „Feringasee“, aber Unterföhring ist halt nicht Brooklyn. Punk, wie er in den ursprünglichen Tagen mal war: rotzfrech, flott, tanzbar, manchmal ordinär und ausfallend, mit riesigem Spaßfaktor – Back to the Roots!
(****)

Rauschangriff & Michael Biggs – Free Ronnie Biggs / Single (2004, VPS Records)
Bei Trikont gibt es noch 30 Exemplare, allein schon deswegen soll diese schon etwas ältere Benefiz-Single in dieser Rubrik Erwähnung finden. Der Sohn von Ronnie Biggs hat zusammen mit den Münchner Alt-Punks Rauschangriff seinerzeit fünf Nummern über den weltberühmten Posträuber und Teilzeit-Sex-Pistol aufgenommen, um seine Freilassungskampagne zu unterstützen. Inklusive „Trainrobber“, einer Adaption des Clash-Klassikers „Bankrobber“. Die Benefiz-Nummer hat sich inzwischen leider erledigt, der gute Ronnie ist letztes Jahr im Alter von 84 Jahren in die ewigen Jagdgründe eingegangen.
(**** ½)

The Almost Boheme – Loss – man, woman, men & women (2013, Der Präsident Geht Fremd)
Wurde in diesem Blog ja schon mal erwähnt, exzellenter Songwriter-Pop, cooler, reduzierter Vortrag. Grummeliger Herrensprechgesang trifft angenehmen Damenbackgroundgesang. Unter anderem wird über die Punk-Rockerin Sheena in einer extrem entschleunigten Version erzählt, man kennt die Geschichte irgendwoher ;-)) Für die relaxten Stunden. Ich leg noch einen halben Stern drauf.
(**** 1/2)

4Shades / G.Rag & Zelig Implosion – Split EP (2014, Gutfeeling Records)
Jeweils 4 Stücke der beiden Münchner Combos, die vor kurzem konzertant bei ihren Theatron-Auftritten rundum überzeugen konnten.
4Shades glänzen mit gitarrenlastigem Songwriter-Pop/-Rock, der die Velvet-Underground-Einflüsse nicht verleugnet und mitunter an die frühen Go-Betweens oder an psychedelische Belle & Sebastian erinnert.
G.Rag & Zelig Implosion nennen ihre Musik No Wave, mich läßt dieser mäandernde, gitarrenlastige Sound an den stoischen Bluesrock der Jon Spencer Blues Explosion denken, was ja weiß Gott nicht die schlechteste Referenz ist.
(**** ½)

Donkeyhonk Company – Long Way Home (2012, Reverbnation)
Streng genommen nicht aus München, aber die Hallertau ist in unserer globalisierten Welt ja praktisch umme Ecke. Ein zeitloses, rohes Banjo-Blues-Folk-Honkytonk-Meisterwerk, hätte so auch in den 30er Jahren aus den Sümpfen Louisianas kommen können. Mit großem Sinn für Dramatik zelebriert Sänger Lametto seinen Tom-Waits-ähnlichen Gesang (muss man auch erst mal hinkriegen, ohne dass es peinlich wirkt), Freunde von eben jenem oder von Seasick Steve und dem kanadischen Agnostic Mountain Gospel Choir (da hab ich die mal im Vorprogramm entdeckt) dürften mit der Scheibe ihre helle Freude haben.
(*****)