Dokumentation

Soul Family Tree (59): Soul goes Country, again – und eine Handvoll Jubiläen…

Black Friday, heute mit einem neuen Beitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase: „Soul goes Country“ hieß es in dieser Reihe bereits im November 2017 mit der Würdigung der „Dirty Laundry“-Sampler aus dem Hause Trikont, mit Johnny-Cash-Nummern in der Soul-Interpretation von Brian Owens und ausgewählten Songs der Altmeister Solomon Burke und Charlie Rich, heute knüpft Stefan an das Thema an und erinnert darüber hinaus an einige Jubiläen aus der Welt des Hip Hop:

Heute geht es im Soul Family Tree um die Begegnung von Country und Soul. Countrystars singen Soul. Und mit Ray Charles gibt es einen recht prominenten Vorreiter des Soul-Genres, der gleich mehrere Country-Alben aufnahm. Bereits 1959 legte er mit dem Album „Modern Sounds In Country & Western“ einen Meilenstein vor. Dazu blicken wir 30 Jahre zurück und erinnern an das Debüt von De La Soul und an das vor 15 Jahren erschienene Meisterwerk von Madvillain. Und als Bonus gibt es obendrauf eine sehr gute Musik-Dokumentation.

Kommen wir gleich zu Beginn zu Ray Charles. Er perfektionierte seinen eigenen Stil aus Blues, Gospel und Jazz und hatte bereits früh einen Plattenvertrag bei Atlantic Records. Angetrieben von dem Wunsch, ganz nach oben zu kommen, nahm er zahlreiche Hits auf: „What I’d Say“ oder „Hit The Road Jack“ stürmten die R&B- und Pop-Charts. Ende der 1950er Jahre war er bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wechselte zu ABC Paramount. Dort bekam er volle künstlerische Freiheit und schrieb mit dem Album „Modern Sounds In Country & Western“ Musikgeschichte.

Als Kind saß er vor dem Radio und hörte die Sendung „Grand Ole Opry“, die bekannteste Country-Show des Landes. Seitdem träumte er davon, ein Country-Album aufzunehmen. Mit dem neuen Plattenvertrag ist er selbstbewusst genug, es zu tun. Doch spielte er die Songs nicht einfach nach. Er machte daraus swingende Pop-Nummern mit üppigen Streicher- und Bläser-Arrangements.

„Modern Sounds In Country & Western“ gilt als eines der erfolgreichsten Country-Alben überhaupt. Aber Ray Charles erreicht damit sehr viel mehr als ein paar Hits in den Billboard Charts. Auf seinen Konzerten tanzen schwarze und weiße Jugendliche gemeinsam. Er verband beide Welten, was einer kleinen Revolution im Amerika der Rassentrennung gleichkam.

Ray CharlesJust A Little Lovin‘

Und hier ein Wiederhören mit dem König des Swamp-Rock, Tony Joe White, der leider im Oktober letzten Jahres verstarb:

Tony Joe WhiteDid Somebody Make A Fool Out Of You

Townes Van ZandtBlack Widow Blues

Bobbie GentryMississippi Delta

Johnny DayeStay Baby Stay

The Country Soul ReviewSapelo (feat. Larry John Wilson)

Millie JacksonPick Me Up On Your Way Down

Blicken wir zurück. Im März 1989 veröffentlichten De La Soul ihr Debüt „3 Feet High And Rising“. Das Hip-Hop-Trio aus New York begründete damit einen Stil-Wechsel. Weg vom Gangsta-Rap und hin zu einem mehr freundlicheren Auftritt. Das nannte sich Native Tongues Posse und erlebte in den 1990er-Jahren seine Blütezeit. Aus dieser Zeit stammen Künstler wie Queen Latifah, Jungle Brothers oder A Tribe Called Quest.

De La SoulPlug Tunin‘ (Last Chance To Comprehend)

Und vor 15 Jahren erschien das Debüt vom Hip-Hop-Duo Madvillain. Damals zunächst kein großer kommerzieller Erfolg, dieser sollte sich erst mit den Jahren einstellen. Heute zählt das Debüt zu den besten HipHop-Alben aller Zeiten. Besonders die gekonnte Sample-Technik, unter anderem der Einfluss von Jazz-Samples, macht dieses Album auch heute noch zu einem hörenswerten Kunstwerk.

MadvillainAll Cabs

Vor fast 20 Jahren kamen die damaligen Rapper Dr. Dre, Snoop Dogg, Ice Cube und Eminem für eine Konzerttour zusammen. In der Arte-Dokumentation „Up In Smoke“ sieht man nicht nur eine grandiose Hip-Hop-Show, sondern erhält auch einen Blick hinter die Kulissen. Gefilmt wurde die Tournee und das Konzert am 20. Juli 2000 in Worcester, Massachusetts. Und diese sehenswerte Dokumentation gibt es noch bis zum 1. Juni in der arte-Mediathek.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Reingelesen (76): Dietrich Schulze-Marmeling – Celtic

„‚Hibs‘-Sekretär John McFadden macht seinen Glasgower Gastgebern den Vorschlag, dem Edinburgher Beispiel zu folgen und auch in ihrer Stadt einen „irisch-katholischen“ Klub zu gründen. Der Vorschlag wird zum größten Eigentor der schottischen Fußball-Geschichte.“
(Dietrich Schulze-Marmeling, Celtic, Kapitel 2, Der Club der Einwanderer)

Dietrich Schulze-Marmeling – Celtic. Ein „irischer“ Klub in Glasgow
(2018, Verlag Die Werkstatt)

Fußball-Schauen konnte in den vergangenen Wochen dank der laut FIFA-Boss Infantino „besten Weltmeisterschaft aller Zeiten“ inklusive des in deutschen Landen auftretenden Nachbebens aufgrund unterirdischer Turnierleistung „der Unseren“ (aka „Die Mannschaft“), unsäglichem Funktionärs-Nachtreten und unfassbaren Steuerhinterzieher-Auswürfen in der Causa Özil mitunter von hohem Unterhaltungs- und Erkenntnis-Wert sein, die Lektüre zu ausgewählten Themen aus der weiten Welt des runden Leders erfüllt diesen Zweck ab und an nicht weniger, wie der renommierte Fachbuch-Autor Dietrich Schulze-Marmeling mit seinem jüngst erschienenen Werk über The Celtic Football Club eindrucksvoll unterstreicht. Und politisch wie sozial-historisch spannender sind die 288 Seiten zwischen den Buchdeckeln von „Celtic. Ein ‚irischer‘ Verein in Glasgow“ allemal mehr als die kürzlich über die Bühne gegangene Putin-WM – das ist nahe liegend bei einem katholischen, weit über die schottischen Landesgrenzen hinaus verehrten wie gleichsam verhassten Verein im protestantisch geprägten Kaledonien, wie auch bei einem Autor, der in seiner beschriebenen Celtic-Historie neben der chronologischen Abhandlung der sportlichen und Vereins-politischen Entwicklung seit Club-Gründung durch den irisch-stämmigen Ordensbruder Andrew Kerins/Brother Walfried im Jahr 1887, der Dokumentation der nationalen und internationalen Erfolge und der Würdigung einzelner, verdienter Spieler-Ikonen vom „Lord Of The Wing“ Jimmy Johnstone bis zum schwedischen Top-Stürmer Henrik Larsson ausführlich den komplexen inner-irischen Konflikt behandelt, der über die grüne Insel hinaus seit Dekaden das Handeln der mehrheitlich von katholisch-irischen Auswanderern abstammenden Vereinsführung wie die anti-royalistischen/anti-unionistischen Schlachtgesänge und Fan-Aktionen der Celtic-FC-Anhängerschaft durchdringt und vor allem immer wiederkehrend im „Old Firm“ seine ganze politische, religiöse und soziale Brisanz in der schottischen Liga, in der Medien-Landschaft und letztendlich der gesamten Zivil-Gesellschaft entfaltet, jenem legendären, vor 130 Jahren erstmals ausgetragenen Lokalderby zwischen Celtic und dem protestantisch-sektiererischen Stadtrivalen Rangers.

„Die Mauer zwischen dem Shankill- und dem Falls-Gebiet ist so hoch, dass diese Leute niemals Menschen in Celtic-Trikots gesehen hatten. Obwohl nur zwei Meilen entfernt, wussten sie nichts von einer Welt wie Ardoyne, wo die irische Trikolore weht und Kinder mit Hurling-Schlägern und in GAA-Trikots herumlaufen. Auf der Shankill Road hätten sie jeden, der ihnen in einem Celtic-Trikot begegnet wäre, ermordet.“
(Peter Shirlow, University of Ulster)

„You can shove your Royal wedding up your arse!“ schmetterten die Celtic-Fans im vergangenen Mai zum Boulevard-Presse- und Mainstream-Medien-gehypten, royalen Markle/Windsor-Vermählungs-Event beim selben Tags stattfindenden schottischen Pokalfinale, der Schmäh-Gesang bringt die Haltung der irisch-katholisch verwurzelten Anhängerschaft zu den Repräsentanten des längst verblassten britischen Empires und zum Establishment des United Kingdom treffend auf den Punkt. Schulze-Marmeling holt weit aus in seinem Buch und dokumentiert sorgfältig wie differenziert die Wurzeln, historischen Stränge und Gründe der exponierten Outsider-Stellung des Clubs in der britischen Gesellschaft wie das politisch-soziale Fundament seiner Verehrung durch die katholische Fan-Basis aus der nordirischen Konflikt-Region und der irischen Republik, ausgehend von den zur Massen-Migration zwingenden Hungersnöten im Irland des 19. Jahrhunderts, der Club-Gründung als ursprünglich karitative Wohlfahrtsorganisation zur finanziellen Unterstützung der katholischen Unterschicht und Arbeiterklasse Glasgows, dem Dubliner Osteraufstand und dem irischen Unabhängigkeitskrieg, sozialrevolutionären Ideen innerhalb der Vereinsführung wie die mitunter nicht abschließend geklärte Haltung zur IRA und ihrer terroristischen Aktionen gegen die britischen Institutionen. Gerade zu diesen Themen regt die Lektüre zu weiteren, ausführlicheren Studien an, vor allem auch durch den zweiten Teil des Buches, „Celtic, Irland und die ‚Troubles'“, in dem der Autor profund aufzeigt, dass eine rein aus sportlicher Sicht erzählte Celtic-Vereinsgeschichte kaum Sinn macht, da sie sich in den seltensten Fällen von der sozio-politischen Komponente des Themen-Komplexes trennen lässt. Bereits in der Fußball-Historie durch die sich zwingend aufdrängende Auseinandersetzung mit der unionistischen, sektiererischen Vereinspolitik des Lokalrivalen Rangers und den zahlreichen Querverbindungen der protestantischen Anhängerschaft zu loyalistischen Vereinigungen wie dem Oranier-Orden und zu den paramilitärischen Terror-Organisationen Ulster Defence Association und Ulster Volunteer Force untermauert Schulze-Marmeling diesen Ansatz eindrücklich, im speziell der irischen Komponente der Thematik gewidmeten zweiten Teil ist die Bedeutung des Clubs und seines protestantischen Stadtrivalen zu Zeiten der nordirischen „Troubles“ als Projektionsfläche separatistischer/unionistischer Standpunkte zentraler Dreh- und Angel-Punkt, ob in der Geschichte des 1949 aufgelösten Vereins-Pendants Belfast Celtic FC, in Reflexionen zur nordirischen Fußball-Verbands-Politik, Berichten über No-Go-Areas in der durch Mauern geteilten Hauptstadt Belfast, über persönliche Verbindungen von kickenden Rangers-Stars zu paramilitärischen, protestantisch-unionistischen Serien-Killern oder den Geschichten über die Morde an jugendlichen Celtic-Fans, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, Geschichten über kranke Parallel-Welten und fanatischen Irrsinn, die den Sport zur schaurigen Nebensache und zum Aufhänger für massive politische und soziale Verwerfungen degradieren.

„Die Italiener sahen aus wie Filmstars – und wir sparten für die dritten Zähne.“
(Bill McNeill, Celtic-Kapitän der „Lisbon Lions“)

Ein zentraler Abschnitt jeder Vereins-Chronik des Celtic FC – so hier nicht anders – gehört der ausführlichen Würdigung der „Lisbon Lions“, jener hinsichtlich Kult-Status in der internationalen Welt des Vereinsfußballs den „Busby Babes“ von Manchester United, der Mannschaft von Nottingham Forest unter Brian Clough in den Endsiebzigern oder den 78er-Double-Gewinnern des 1. FC Köln vergleichbaren Celtic-Jahrhundert-Elf um Wunderstürmer Jimmy Johnstone und ihren Trainer Jock Stein, einem heute über die Vereinsgrenzen hinaus legendären, über 13 Jahre die sportlichen Geschicke der „Bhoys“ lenkenden ehemaligen Celtic-Spieler, Sozialisten und – paradoxerweise – Protestanten, der mit religiösem Sektierertum nichts am Hut hatte, der den Menschen vor Nationalität und Glauben stellte, mit seiner offensiven Fußball-Philosophie die Kunst des holländischen Totaalvoetbal vorwegnahm und damit den Celtic FC bis dato zu seinen größten Erfolgen führte. Der Triumph der ersten britischen und nordeuropäischen Mannschaft überhaupt in einem Europapokal-Finale im Landesmeister-Wettbewerb 1967 in Lissabon gegen den berüchtigten Catenaccio-Riegel von Favorit Inter Mailand war seinerzeit ein nicht erwarteter Sieg gegen südländische Defensiv-Künste wie Krönung einer ganzen Reihe von nationalen Meisterschafts- und Pokal-Titeln unter der Ägide des Ausnahme-Trainers, der von Fußball-Historikern in einer Reihe mit schottischen Koryphäen wie Matt Busby, Bill Shankly und Alex Ferguson genannt wird, der bis heute der letzte der Jahrzehnte-lang engagierten Celtic-Trainer bleibt – neben dem ersten Coach Willie Maley (43 Jahre) und Jimmy McGrory (20 Jahre von 1945 bis 1965) – und der – tragisch wie stilsicher als Vollblut-Coach – im September 1985 als schottischer Nationaltrainer während eines WM-Qualifikationsspiels gegen Wales im Stadion in Cardiff einem Herzinfarkt erlag.

Dass die seit 1890 ausgespielte Scottish League Championship für Außenstehende und keinem der beiden Glasgow-Clubs Zugewandten bis zur Rangers-Insolvenz im Jahr 2012 kaum Spannendes zu bieten hatte, belegt der Blick in die Statistik, von den bis dahin ausgespielten 116 Titeln gingen 43 an Celtic und 54 an den (Noch-)Rekordmeister Rangers, der FC Aberdeen war 1985 der letzte schottische Meister außerhalb „The Old Firm“, seit dem zwischenzeitlichen Zwangsabstieg des Lokalrivalen in die vierte Liga als Folge der Vereins-Pleite der Rangers kann die alljährliche Dauer-Meisterschaft der Grün-Weißen hinsichtlich Langeweile mittlerweile mit dem Bundesliga-Monopol des Münchner Steuerhinterzieher-Vereins konkurrieren. Das Verblassen des Celtic-Sterns trotz nationaler Dominanz auf internationaler Bühne vor allem mangels konkurrenzfähiger finanzieller Mittel und die Folgen für den Verein dokumentiert Schulze-Marmeling ausführlich wie die bisher gescheiterten Bemühungen einer Anbindung an die englische Premier League.

Der mehrseitige „Einwurf“ – eines von mehreren ergänzenden, eigenen Kapiteln zu expliziten Themen – über die Fan-Freundschaft zwischen Celtic- und Hamburger St.-Pauli-Supportern dürfte unter den deutschen Lesern über die Anhängerschaft des norddeutschen Kiez-Clubs hinaus kaum auf gesteigertes Interesse stoßen, die unterm Strich sehr oberflächlich umrissenen Reise-Eindrücke des ehemaligen Pauli-Fanbeauftragten Sven Brux aus der geteilten Stadt Belfast zu Zeiten des Nordirland-Konflikts vor dem Karfreitags-Abkommen dann wahrscheinlich im Zweifel nur noch bei einer Handvoll politischer Wichtigtuer unter den Totenkopf-Shirt-Trägern, und den komplett abgedruckten, an Banalität kaum mehr zu unterbietenden Songtext von „The Celtic and St. Pauli Song“ hätte man sich getrost komplett sparen können, wegen der zwölf Seiten der ansonsten sehr lesenswerten Vereinshistorie muss man selbstredend nicht päpstlicher als der Papst sofort die gelbe Karte zücken, aber ohne eine kurze Ermahnung geht es an der Stelle dann auch nicht ab.

Mit vernachlässigbaren Abstrichen ist das Buch somit eine äußerst lohnende Lektüre für Freunde des internationalen Fußballs und seiner in den vergangenen Jahren zusehends aus dem Fokus geratenen schottischen Spielart, die einst in mittlerweile längst vergangenen Zeiten mit zur Weltspitze zählte, die Doku ist guter Lesestoff und idealer Einstieg für Interessierte an irischer, schottischer und britischer Geschichte, Kultur und Politik, und natürlich nicht zuletzt für die auch hierzulande zahlreichen Freunde und Sympathisanten des faszinierenden grün-weißen Kult-Vereins aus Glasgow – fundiert, flüssig lesbar und der komplexen Thematik gerecht werdend beschrieben von einem ausgewiesenen Kenner der Szene. Darüber hinaus dürfte die im Mai beim Verlag Die Werkstatt erschienene Vereins-Doku derzeit die einzige verfügbare deutsche Publikation zum Thema sein.

Autor Dietrich Schulze-Marmeling wurde 1956 in der nordrhein-westfälischen Hansestadt Kamen geboren, im Göttinger Verlag Die Werkstatt sind zahlreiche weitere seiner Publikationen über die Entwicklung des Profi-Fußballs, über Vereins-Historien von Borussia Dortmund, Preußen Münster, Manchester United, die FCBs aus Barcelona und München und einzelne Biografien herausragender Spieler-Persönlichkeiten wie Lew Jaschin, George Best oder Johan Cruyff veröffentlicht worden. 2011 erschien von ihm die von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur als „Fußballbuch des Jahres“ ausgezeichnete Dokumentation „Der FC Bayern und seine Juden“, die Thesen des Buches, die den Club als rühmliche Ausnahme hinsichtlich antisemitischer NS-Vereinspolitik stilisieren, werden mittlerweile aufgrund neuerer Forschungsergebnisse mindestens angezweifelt, wenn nicht widerlegt.
Neben zahlreichen Büchern zum Thema Fußball hat Dietrich Schulze-Marmeling eine Reihe von Sachbüchern über die Geschichte, Kultur und Landschaft Nordirlands veröffentlicht, über politische Theorien und Praxis im nordirischen Konflikt und die britische Politik in der Region in den Siebziger und Achtziger Jahren. Sein immenses und fundiertes Wissen zum Thema fließt nahe liegend in die aktuelle Dokumentation über Celtic Glasgow und die gesellschaftliche, politische und kulturell-soziale Relevanz des Vereins ein. Ende der Achtziger lebte der Autor selbst für ein Jahr in Nordirland.

Der Blog-Platzwart bedankt sich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

Reingelesen (72): Charlie Gillett – The Sound Of The City

„The first serious and comprehensive history of rock & roll, and remains one of the best.“
(Richie Unterberger)

Charlie Gillett – The Sound Of The City (1978, Zweitausendeins)

Die Rockmusik als Sound der Großstadt, der englische Autor Charlie Gillett hat ihr in seinem seinerzeit allseits hochgelobten Standardwerk vor fast fünfzig Jahren nachgespürt und ist dem Phänomen der „Krachmusik“ hinsichtlich Entstehungsgeschichte, Wurzeln, Auswüchsen und kommerzieller Verwertung in wissenschaftlicher Akribie auf den Grund gegangen.
„The Sound Of The City“ dokumentiert die Geschichte der Popularmusik der Vereinigten Staaten ab den dreißiger Jahren, die in weit zurückliegenden Dekaden vor dem Auftauchen des Rock ’n‘ Roll im Mainstream dominiert wurde von Jazz-Big-Bands, regional bekannten Rhythm-and-Blues- und Country-Swing-Größen, Pionieren diverser Blues-Spielarten und kurz vor dem Rock-Urknall von weißen Croonern wie Frank Sinatra oder Perry Como.
Gillett geht explizit auf die Rolle der schwarzen Musiker und Songwriter in den jeweiligen Hochphasen diverser stilistischer Ausprägungen ein, die ihren Sound weiterentwickelten, ihre Aufnahmen bei unabhängigen Kleinstlabels veröffentlichten und ihre Kompositionen der Musik der Weißen anpassten oder deren Songs adaptierten und so schrittweise zur Entwicklung der Rockmusik, wie wir sie heute kennen, beitrugen.
Gillett dokumentiert die Marktstellung und Politik der großen Plattenfirmen wie die oft Rassen-spezifischen Sub- und Nischen-Märkte, bedient von historischen Vorläufern der heutigen Indie-Labels, er zeigt die Einflüsse der ländlichen Country- und Western-Swing-Musik und die Rolle des afroamerikanischen, urbanen Rhythm & Blues auf für die Entwicklung des Rock-Genres, hier vor allem auch durch den von ihm so benannten „Tanz-Blues“, wie ihn Musiker wie Fats Domino oder Amos Milburn spielten, die den Pop jener Tage um eine bis dato nicht gekannte Rhythmik und einen euphorischen Ausbruch bereicherten.

„Der Rhythm & Blues brachte der amerikanischen Populärmusik sehr viel – Worte, Phrasen, Rhythmus, Instrumentierung, musikalische Organisation und Versstruktur. Aber wichtiger noch als all das: Der Rhythm & Blues brachte dem Rock ’n‘ Roll ein Gefühl für Stil.“
(Charlie Gillett, The Sound Of The City, Nach dem Blues: Gospel und Gruppen Sound)

Nicht zu unterschätzen war nach Gillett der Einfluss eines Minoritätspublikums, dass Tendenzen im musikalischen Ausdruck hinsichtlich Gesellschaftskritik und radikalerer Weiterentwicklung goutierte, dem Punk- und Alternative-Publikum in den Siebzigern und Achtzigern nicht unähnlich, das Trends weitertransportierte, so zu einem Massenphänomen werden ließ und in den Fünfzigern dazu führte, dass sich der Rock ’n‘ Roll dieser Jahre für das Establishment und die Plattenfirmen-Bosse vor allem durch ein Übermaß an unterschwelligen oder eindeutigen Inhalten mit sexueller Konnotation in den Songtexten, einer antiautoritären Grundhaltung und einem „Negergeheul“-artigen Gesang definierte.
Das mag mit den Umstand erklären, warum die großen Labels in den ersten Jahren weitaus weniger in die Verbreitung des Rock ’n‘ Roll investierten, lange an ein vorübergehendes, auf Dauer kommerziell kaum lohnendes Phänomen glaubten und dadurch bedingt vor allem weniger Nummer-1-Hits mit ihren Acts platzierten als die unabhängigen Plattenfirmen wie Sun Records, Atlantic oder Chess. Gillett untersucht hierzu dezidiert neben den Verdiensten der regionalen Klein-Labels die Rolle der damals dominanten Majors Decca, Mercury, Victor, Columbia, Capitol, MGM und ABC-Paramount, ihre Versuche, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, ihren Beitrag bei der Domestizierung der wilden Musik in Richtung steriles Pop-Entertainment, aber auch ihre unerwarteten, aus dem Nichts gelandeten Volltreffer mit im Repertoire so nicht erwarteten Ausnahme-Krachern wie Screamin‘ Jay Hawkins oder dem heute weithin unbekannten Eskew Reeder Jr. aka Esquerita, der Little Richard mit seinen ungebändigten Shows maßgeblich beeinflusst haben soll.

„Da sie normalerweise Anfang der fünfziger Jahre keinen Zugang zu den Sounds von Hank Ballard, Amos Milburn, Wynonie Harris oder Muddy Waters gehabt hatten, reagierten die meisten Leute mit großer Überraschung, als Ende 1954 „Shake, Rattle And Roll“ und „Rock Around The Clock“ von Bill Haley erschienen.“
(Charlie Gillett, The Sound Of The City, Transatlantische Echos)

Als wichtigste Initial-Zünder für den Siegeszug des Rock ’n‘ Roll sieht der Autor vor allem den Radio-DJ Alan Freed und den Rockabilly-Musiker Bill Haley. Haley ein ehemaliger Western-Swing-Gitarrist, der sich den Rhythmus der schwarzen Musik zu eigen machte, Freed vormals Moderator für klassische Musik, der nach einem Erweckungserlebnis in einem Plattenladen 1952 „Moondog’s Rock and Roll Party“ als Radio-Programm ins Leben rief und kurz darauf Live-Bühnenshows mit Fats Domino, Joe Turner und den Drifters präsentierte.
Im Nachgang zum „Rock Around The Clock“-Urknall analysiert Gillett die Rollen, ihre stilistischen Charakteristika, Verkaufszahlen und den jeweiligen Stellenwert bei Musik-Konsumenten von wichtigen wie naheliegenden Pionieren des Rock ’n‘ Roll wie Chuck Berry, Little Richard, Bo Diddley oder Elvis Presley. Viele Randfiguren, deren kurzfristige Erfolge und hybride Weiterentwicklungen in Richtung Pop, Surf-Sound und Teenager-Balladen erfahren ihre kritische Würdigung in geradezu statistischer Sorgfalt, mit welcher der Autor auch ganze Kapitel zu den Themen Blues, Soul, Gospel-/Vokal-Gruppen, Rhythm & Blues und der Situation in der britischen Musik-Szene ab Anfang der Sixties inklusive der wechselseitigen UK/US-Einflüsse durchexerziert, die Gebetsmühlen-artigen Aufzählungen hinsichtlich Chart-Erfolgen, regionaler Unterschiede der Ausprägungen im Klangbild, in den Produktionsbedingungen und in der spezifischen Käuferschaft, Veränderungen im Sound und im Songwriting, der Firmenpolitik einzelner Labels, der permanenten Anpassung von Musikern als Repräsentanten diverser artverwandeter Genres und die herausragenden Leistungen von Songwritern, Produzenten und Stil-prägenden Musikern und Komponisten wie Jerry Leiber und Mike Stoller, Lee Hazlewood, Ronnie Hawkins, Ike Turner oder James Brown (um nur einige wenige zu nennen) genügen in diesen Passagen kaum höheren literarischen Ansprüchen, als ergiebiges und ausführliches Nachschlagewerk taugt die Dokumentation dahingehend aber allemal in erschöpfender Art und Weise.
Je weiter sich die historische Abhandlung auf der Zeitachse den sechziger Jahren nähert, umso detaillierter fällt das Urteil zu den jeweiligen Protagonisten und die Einschätzung ihres Einflusses auf Ausprägungen und Strömungen der Rockmusik wie die Bewertung des musikalischen/lyrischen Outputs aus.

„Aber die Rock ’n‘ Roll Sänger behandelten die Populärmusik als Medium der Selbstdarstellung, und die Rock ’n‘ Roll Komponisten bezogen ihre Songtexte auf spezifische Situationen anstelle von nicht dingfest zu machenden Allgemeinplätzen.“
(Charlie Gillett, The Sound Of The City, Transatlantische Echos)

Charlie Gillett vermeidet als Autor die Rolle des voreingenommenen, in seinem Enthusiasmus gefangenen Fans und seziert die Entstehungsgeschichte der Rockmusik im Stil eines nüchternen Analytikers, das erlaubt ihm, unaufgeregt mit unfundierten Mythen der Pophistorie aufzuräumen und Fakten gerade zu rücken, ob das die Wandlung eines Elvis Presley vom wilden Mann und Teenager-Idol zum mit den Jahren zunehmend mehr manieriert schmalzenden Witwentröster betrifft, der mit der Vorstellung eines Rock’n’Roll-Kings sehr schnell wenig gemein hatte, ob die schlichte wie ergreifende Erkenntnis, dass „Sgt. Pepper“ ein doch ziemlich durchschnittliches und mitunter wenig aufregendes Machwerk ist und die hochgejubelten Arbeiten der Beatles für die weitere Entwicklung der Rockmusik kaum von Belang waren, oder der Umstand, dass ein Genie wie Pete Townshend so ziemlich der einzige Akteur im Popmusik-Zirkus war, der dem Druck der unreflektierten und unkritischen Verehrung standhielt und dadurch vor allzu viel Selbstgefälligkeit bewahrt blieb  – der beinharte Who-Fan vernimmt’s mit zustimmendem Wohlwollen…
Im Schlusswort als Ausblick auf folgende, zu erwartende Glanzlichter der Rockmusik aus der Perspektive Anfang der siebziger Jahre lag Charlie Gillett mit seiner Prognose unfreiwillig erheiternd weit daneben: „Zusammen mit Sly Stone, Joe South, Tony Joe White und Bob Dylan schien John Fogerty – Leadsänger, Gitarrist, Songschreiber und Produzent von Creedence Clearwater Revival – Anfang 1970 einer für die Zukunft meistversprechenden Musiker zu sein.“

„The Sound Of The City“ ist im Original 1970 in New York und im Deutschen 1978 im Frankfurter Zweitausendeins-Verlag erschienen, die Dokumentation ist sowohl in englischer wie in deutscher Version seit langem vergriffen, im gut sortierten Antiquariat aber nach wie vor zu finden. Eine Neuauflage wie auch eine grundlegend neue Übertragung ins Deutsche wäre dringend angezeigt, zumal das in unzähligen Beispielen zu monierende, seelenlose Beamtendeutsch und partiell wortwörtliche Übersetzen inklusive englischem Satzbau in der deutschen Fassung des ehemaligen Sounds-Musikredakteurs (Hans-)Teja Schwaner den Lese-Fluss, das literarische Vergnügen und selbst das Interesse an der Thematik an sich mitunter stark beeinträchtigen.

Charlie Gillett wurde 1942 in nordenglischen Küstenort Morecambe/Lancashire geboren, er studierte an der Columbia University in New York City und arbeitete später als Journalist, Musikforscher und Autor. Ab 1972 betätigte er sich für etliche Jahre als DJ bei Radio London und förderte in der Zeit maßgeblich die Karriere von Ian Dury. Er war der erste Moderator, der in den vom Punk dominierten Spät-Siebzigern Demo-Tapes von Graham Parker und Elvis Costello im Radio spielte und die Dire Straits für ein größeres Publikum entdeckte, die Band widmete ihm zum Dank ihr erstes und einziges rundum brauchbares Album, Gillett wiederum revanchierte sich knapp 20 Jahre später mit den Liner-Notes zur digital remasterten CD-Neuauflage des englischen Rhythm-&-Blues-Klassikers aus dem Jahr 1978.
Später arbeitete er als Moderator für Capitol Radio und die BBC, wo er sich vermehrt mit Independent- und Ethno/World-Musik beschäftigte.
Charlie Gillett ist 2010 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer seltenen Blutgefäß-Erkrankung gestorben.

Das Double

„Dat is dat Allerschönste, wenn se sehr schön spielen!“

Frank Steffan – Das Double – 1977/78: Die Dokumentation einer außergewöhnlichen Epoche (2017, Edition Steffan)

Was heutzutage durch die Dominanz des von Vorbestraften geführten Münchner Mia-san-Mia-Syndikats zur tödlich langweilenden Routine im nationalen Liga-Betrieb geworden ist, hatte bis Anfang der 2000er absoluten Seltenheitswert im deutschen Fußball: Der Gewinn von Bundesliga-Meisterschaft und DFB-Pokal innerhalb einer Spielzeit durch den selben Klub, das sogenannte Double. Bis zur Jahrtausendwende ist das seit 1937 – die Schalker waren seinerzeit die ersten – ganze vier Mal gelungen, seitdem ödet der Rekordmeister aus dem Süden mit nahezu unschöner Regelmäßigkeit durch Einfahren beider Titel die Sport-interessierte Republik an.
Für den 1. FC Köln war es 1978 soweit: Als gerade mal dritter Double-Gewinner schrieb das Team aus der Domstadt am Rhein Fußball-Geschichte.
Hennes Weisweiler, Trainer-Unikat und Meistermacher der Gladbacher „Fohlen“ in den frühen Siebzigern, kehrte nach einem kurzen, unerfreulichen Gastspiel beim FC Barcelona, das vor allem durch sein von Beginn an zerrüttetes Verhältnis mit dem holländischen Superstar Johan Cruyff geprägt war, 1976 als Trainer zu den „Geißböcken“ zurück, in der Spielzeit vor dem Double gelang Weisweiler 1977 bereits ein Titelgewinn mit den Kölnern im DFB-Pokalfinale. Für die folgende Spielzeit ging der knorrige Trainer mit der bei Fans und Funktionären nicht unumstrittenen Demontage von Club-Legende, Führungsspieler und Weltmeister Wolfgang Overath ein hohes Risiko, die Fäden im Spiel des FC sollte zukünftig der Weltklasse-Techniker Heinz Flohe mit Hilfe von Herbert Neumann und Bernd Cullmann im Mittelfeld ziehen, im Sturm war man seinerzeit mit dem deutschen Nationalstürmer Dieter Müller und seinem belgischen Kollegen Roger Van Gool exzellent aufgestellt, Müller sollte in der Double-Saison mit 24 Liga-Treffern die Torschützenkönig-Auszeichnung einfahren.

Der Kölner Regisseur Frank Steffan hat über die Ausnahme-Saison der „Geißböcke“ einen sehenswerten Dokumentar-Film gedreht. Wie bereits bei seinem exzellenten Spieler-Portrait über Heinz Flohe „Der mit dem Ball tanzte“ aus dem Jahr 2015 hält sich Informatives und Unterhaltsames gekonnt die Waage in der chronologischen Erzählung dieser turbulenten „Effzeh“-Saison 77/78, in der sich ein Deutscher Meister auch ab und an eine krachende Niederlage leisten konnte, wie auch der Ausgang in Sachen erster Platz bis zuletzt offen war, die im Film fein inszenierte Dramatik des Fernduells Köln/Gladbach inklusive der unerklärlichen Torflut der „Fohlen“ gegen den BVB am letzten Saison-Spieltag spricht dahingehend Bände. Insofern ist die Doku nicht zuletzt für Fußball-Nostalgiker eine lohnende Angelegenheit, jeder, der Jahr für Jahr etliche Wochen vor Saisonende vom uneinholbaren Punktestand und damit der vorzeitigen Meisterschaft der rot-weißen Münchner Arroganz-Truppe angenervt ist, kann sich nach jenen vergangenen Zeiten nur sehnen, als der Champion erst am letzten Spieltag Samstags gegen 17.15 Uhr dann langsam feststand…
Der Film zeigt einen Tor-Reigen zum Zungen-Schnalzen in historischem Film-Material, dokumentiert das frühe wie desaströse Aus der Kölner Ausnahme-Mannschaft gegen den FC Porto im Pokalsieger-Europacup wie auch die Geschichte vom ersten japanischen Profi in der Bundesliga und lässt vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen, beinharte FC-Fans wie Kult-Trainer Peter Neururer, den Kölner Künstler Anton Fuchs oder Hardcore-Supporter Jacki Nimmesgern und damals aktive Spieler wie den späteren National-Keeper Harald „Toni“ Schumacher, den Sympathie-Träger Dieter Müller, FC-Manager Karl-Heinz Thielen, Kölner Originale wie den damaligen Mannschaftsarzt Dr. Alfons Bonnekoh und den dänischen Entertainer Preben Elkjær Larsen, der in jener Zeit vor allem das Kölner Nachtleben genoss und seine großen Fußballer-Momente erst nach seiner kurzen Zeit am Rhein haben sollte.
Relativ kurz kommt der einhergehende Pokalsieg der Kölner zur Sprache, das mag an mangelndem Filmmaterial liegen, wohl aber auch am Losglück, der FC traf erst ab dem Halbfinale mit Werder Bremen und dann im Endspiel mit den rivalisierenden Nachbarn von der Düsseldorfer Fortuna auf ebenbürtige Gegner.

Steffan dokumentiert die Erfolgsgeschichte des FC im Kontext des damaligen Zeitgeschehens, Rock’n’Roll-King Elvis Presley stirbt 1977, das Beben des Punkrock ist vor allem durch die Krawall-Aktionen der Sex Pistols auf der britischen Insel zu vernehmen und wird später auch in der rheinischen Republik seine Spuren hinterlassen, Köln im Speziellen ist nicht nur wegen dem Fußball-Gekicke im Fokus, darüber hinaus ist die Stadt auch zentraler Schauplatz im „Deutschen Herbst“ mit der gewaltsamen Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer durch das „Kommando Siegfried Hausner“ der linksextremen RAF wie auch Epizentrum der deutschen Kunstszene in jenen Jahren, ein zeitweiliger Aufenthalt von Pop-Art-Ikone Andy Warhol in der Domstadt war diesem Ruf gewiss nicht abträglich. Der Chef der legendären New Yorker Factory outete sich als wahrer Fußball-Experte, für den stürmenden FC-Außenverteidiger Harald Konopka, der im Übrigen in seiner Funktion als rheinische Frohnatur, ehemaliger Spieler und befragter Zeitzeuge keinen geringen Anteil am Unterhaltungswert des Films hat, signierte Warhol einen Druck mit der Widmung „To the best soccer player in the world“„Who the fuck is Cruyff?“ mag sich da so mancher im Kölner Umkreis gefragt haben…

„Das Double“ wird wie bereits der Flohe-Film vom ex-Schroeder-Roadshow-Sänger Gerd Köster kommentiert, der ehemalige Musiker und Hörbuch-Sprecher bringt die Nummer unaufgeregt wie grundsolide und mit eigener Note zum Vortrag. Der angepunkte, perfekt zur damaligen Zeit passende Soundtrack stammt von der Früh-Achtziger New-Wave-Combo mit dem sinnigen Namen „The Cöln“ um den Gitarristen Dirk Schlömer, der später auch bei der Deutschrock-Legende Ton Steine Scherben zugange war.

Beim momentanen Tabellenstand kann man in Köln von diesen glorreichen Zeiten nur träumen, zur seelischen Erbauung und moralischen Stütze sollte die Doku in jedem Fall für alle Fans und Sympathisanten des „Effzeh“ in Reminiszenz an bessere Tage taugen, für alle anderen Fußball-Interessierten ist es immer noch ein herausragendes, informatives Stück Zeitgeschichte aus einer Ära, in der die Welt in Sachen Bundesliga-Fußball weitestgehend in Ordnung war – Platz zwölf, ein negatives Tor-Verhältnis, 13 Saison-Niederlagen, zwischenzeitliche Abstiegs-Gefahr sowie eine Derby-Klatsche inklusive Platzverweis für den späteren Luxusuhren-Schmuggler in der Saison-Endabrechnung 1977/78 des rot-weißen Großkotz-Vereins aus München sind dahingehend ein untrügliches Indiz, da muss man die tolle Saison der rot-weißen, hochsympathischen Jahrhundert-Mannschaft des 1. FC Köln jener Jahre noch gar nicht in die Waagschale schmeißen…

Die DVD „Das Double“ ist bei Edition Steffan erschienen, wie auch das bereits im November 2016 publizierte, um viele historische Foto-Aufnahmen bereicherte Buch mit gleichem Titel.

Herzlichen Dank an Frank Steffan.

Reingelesen (70): Christof Meueler mit Franz Dobler – Die Trikont-Story: Musik, Krawall & andere schöne Künste

„Im Übrigen meinen wir, dass nicht die Musik in der Krise ist, sondern ihre industrielle Verwertung und das ständige Schielen nach dem statistischen Durchschnitt. Deshalb nehmen wir uns die Freiheit nach allen Seiten zu schauen und immer noch und immer wieder die Musik ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen.
Und vor allem: Wir machen weiter.“
(Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann, Trikont-Katalog 2015)

Christof Meueler mit Franz Dobler – Die Trikont-Story: Musik, Krawall & andere schöne Künste (2017, Heyne Hardcore)

Im bisher noch nicht völlig zu Tode gentrifizierten Münchner Arbeiterviertel Obergiesing, an der Tegernseer Landstraße, findet sich die alternative Kneipe „Café Schau ma moi“, einen Steinwurf entfernt von der ersten deutschen McDonalds-Filiale, von der Kultur-/Öko-Freifläche Grünspitz und dem Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße, der Heimat der Münchner „Löwen“, vor und in der schmalen Bar tummelt sich an Regionalliga-Spieltagen die links-alternative Fanszene der „Sechziger“, etlichen aus dem treuen Haufen dürfte durchaus geläufig sein, dass sich im Hinterhof zur Kneipe seit 1977 die Heimat des ältesten deutschen – vielleicht sogar weltweit ältesten – Independent-Labels findet, und für die, die es nicht wissen, gibt der große Trikont-Schaukasten am winzigen Biergarten der Wirtschaft und Portraits von Querdenkern wie Oskar Maria Graf, Karl Valentin oder Erich Mühsam an der Wand der Café-Bar unübersehbare Hinweise auf die unmittelbare Nachbarschaft in der Kistlerstraße.

Die unvergleichlich feine Münchner Plattenfirma Trikont feiert in diesem Jahr 50-jähriges Gründungsjubiläum, und das ist mindestens genauso viel Grund zum Jubeln wie die Rückkehr der „Löwen“-Kicker an die innig geliebte Spielstätte in der Nachbarschaft, gebührend gewürdigt wird der runde Geburtstag nebst einiger „Trikont wird 50!“-Konzerte mit einem opulenten Prachtband zur Label-Historie der beiden Autoren Christof Meueler und Franz Dobler, dieser Tage im Heyne-Verlag im Hardcore-Programm erschienen.

„Wir schrappen immer wieder an so einem Grat entlang und wissen nicht, wie lang wir uns da noch halten. Aber wenn du Spaß dran hast, willst Du nicht aufhören! Uns trägt immer noch das Gefühl: Wir können euch Musik zeigen, die ihr sonst nicht findet.“
(Eva Mair-Holmes, in: Trikont, Interview mit Petra Kirzenberger, curt. Stadtmagazin München #87, Sommer 2017)

„Die Trikont-Story“ dokumentiert chronologisch die wechselvolle Geschichte der heute weit über Münchens Stadtgrenzen hinaus bekannten Indie-Institution, die ihren Anfang nahm in den Studenten-bewegten, Autoritäten anzweifelnden, rebellischen Sechzigern, in denen die heutige Platten-Firma als linker Sponti-Buchverlag mit Publikationen wie der Mao-Bibel, Schriften vom nordvietnamesischen Onkel Hồ, dem „Bolivianischen Tagebuch“ des im Jahr der Trikont-Gründung ermordeten lateinamerikanischen Guerillaführers Ernesto ‚Che‘ Guevara und der von der Staatsanwaltschaft verbotenen Autobiographie „Wie alles anfing“ des ausgestiegenen ex-Terroristen Bommi Baumann auf sich aufmerksam machte. Die Musik kam erst später ins Programm, anfangs trat der Trikont-Verlag nur als Vertrieb für den Deutsch-Rock von Ton Steine Scherben in Erscheinung, in späteren Jahren dann mit eigen-eingesungenen Arbeiterliedern der Label-Betreiber zur Unterstützung von Streiks in den Münchner BMW-Werken, als Label für Folk-Musik und Protest-Songs aus dem Bereich der indigenen Völker, des linken europäischen Untergrunds und Widerstands gegen die Diktaturen in Spanien, Griechenland oder Chile, und nicht zuletzt als Soundtrack-Lieferanten der in den Siebzigern aufkommenden Anti-Atomkraft-Bewegung.

Mit den Jahren wechselte die Verlags- und Plattenfirma-Führung, wo zu Beginn der Schriftsteller Herbert Röttgen und die heutige Grünen-Politikerin Gisela Erler mit Achim Bergmann die Geschicke bei Trikont lenkten und sich später der daraus hervorgegangene Dianus-Trikont-Verlag unter der Ägide von Röttgen vermehrt mit esoterischer Literatur beschäftigte und daran auch pleite ging, haben Bergmann und Eva Mair-Holmes mit dem 1980 abgespaltenen Trikont-Plattenlabel „Unsere Stimme / Our Own Voice“ bis heute fast fünfhundert Tonträger auf den Markt gebracht. Darunter finden sich mutige Musik-verlegerische Glanztaten wie eine neun-teilige Samplerreihe zur Cajun- und Zydeco-Musik Louisianas, die vom Münchner Künstler und Journalisten Jonathan Fischer herausgegebenen, größtenteils politischen Schwerpunkt-Sampler zum Thema Soul, das gesammelte gesprochene Wort vom bayerischen Urgestein des absurden Theaters Karl Valentin, exzellente Dokumentationen von FSK-Musiker, Autor und Radio-DJ Thomas Meinecke über die von texanischen Polka-Bands jenseits des Atlantiks fortgeführte bayerisch-böhmische Musiktradition, die Begleitmusik zur eigenen Beerdigung aus den „Dead & Gone“-CDs, zusammengestellt vom hochverehrten Wiener (was Wunder bei dem Thema?) Ö3-Musicbox-Moderator Fritz Ostermayer, die beiden grandiosen DVDs „Hard Soil“ und „The Folk Singer“ von Slowboat-Filmemacher und Sargasso-Herausgeber M. A. Littler und der hierzu ergänzende, nicht minder gelungene CD-Sampler „Strange & Dangerous Times“ von Sebastian Weidenbach zum Thema Muddy Roots/US-Folk-/Blues-Underground wie auch tonale Feldforschungen über vietnamesische Straßenmusik, äthiopischen Funk, die Wurzeln und Ausblicke in der jüdischen Klezmer-Musik oder den Rembetiko-Underground der griechischen Hafen-Spelunken – um nur einige ausgewählte Glanzlichter des Trikont-Backkatalogs zu nennen, die in ihrer Vielfalt ein weites, globales wie heterogenes musikalisches Feld abdecken, sich aber durch die Bank durch hohe Qualität und bei den Themen-Sammlungen durch erschöpfend-umfängliche Zusammenstellungen und in den beigelegten, mit Liebe und Herzblut verfassten Booklets durch kenntnisreiches Detail-Wissen und Einordnen in einen größeren gesellschaftlichen Kontext auszeichnen. Und nicht selten werden durch die jeweiligen Sampler Querverbindungen zu anderen Musikgattungen offen gelegt und Einflüsse thematisiert, die sich auf den ersten Blick bzw. das erste Hören so nicht offenbaren wollen. Die im Bezug auf die ausgeprägte Trikont-Compilation-Kultur seit jeher angestimmten Lobpreisungen etwa von BBC-Kult-DJ John Peel oder aus der versammelten in- wie ausländischen Presselandschaft kommen nicht von ungefähr.

Daneben hatte das Label stets Auflagen-starke Einzelkünstler und Bands unter Vertrag, früher die in jeder Schul-Aula progressiver Gymnasien präsenten Deutsch-Anarcho-Rocker Schroeder Roadshow, später den Bayernrock-musizierenden Oberarzt Georg Ringsgwandl und die Pioniere der neuen Volksmusik-Bewegung, La Brass Banda und Kofelgschroa, über die Qualitäten der beiden letztgenannten Formationen darf man durchaus geteilter Meinung sein, wie auch über die brachial-derben und oft ausfälligen Ansagen und Songs von CSU-Intimfeind Hans Söllner, über den man viel sagen kann, aber nicht, dass er sich je von Trends, politischen Opportunitäten oder gar richterlichen Beschlüssen hätte verbiegen lassen, und damit hat er viel gemein mit den Trikont-Machern und somit auch jederzeit seine Existenzberechtigung beim Münchener Vorzeige-Label. Über jeden Zweifel erhaben hingegen  der großartige Alpenbeat-/Punkfolk-/Hiphop-Crossover des bis heute unvergleichlichen oberösterreichischen Duos Attwenger und das Deutschpop-Philosophen-Songwriting von Eric Pfeil, der in seinen unnachahmlich geistreichen Ausführungen im Buch unter anderem auch zum letztjährigen Literaturnobelpreisträger-Witz zu Wort kommt und damit den Leitfaden zum unverkrampften Umgang mit vermeintlichen Mega-Stars gibt: „Bob Dylan ist wirklich der seltsamste Popstar, den es gibt. Er hat auf seinen Platten jahrelang nur mit Tom-Waits-Stimme gegrunzt, und auf einmal fängt er wieder an zu singen – ausgerechnet bei Frank-Sinatra-Songs. Ich glaube, bei Dylan ist man immer gut beraten, wenn man ihn als Komiker begreift. Das hilft extrem. Wenn man ihn so sieht, dann kann man sehr viel Spaß haben, und dann nimmt man ihn nicht so ernst.“

Den Punk mag das Label weitestgehend verschlafen haben, kurzfristige Moden waren sowieso nie das Ding von Trikont, dafür sind über die Jahre bis heute anhaltende Beziehungen zu den Künstlern gewachsen wie riesige Themensammlungen aufgebaut worden, ob das eine mehrteilige CD-Dokumentation mit 83 Variationen über die Ursonate des Pop „La Paloma“ ist oder ein inzwischen riesiger, grenzen-erweiternder Fundus zur bayerischen Musik, der von alten Schellack-Aufnahmen Münchner Volkssänger_Innen, Best-Of-Doppel-CD-Sammlungen von Ausnahmekünstler_Innen wie der einzigartigen Bally Prell und dem Bayern-Krautrock von Sparifankal bis hin zur um Chanson und modernes Liedgut erweiterten neuen Traditionsmusik von Mrs. Zwirbl reicht – ausgerechnet ein linker Musikverlag wurde damit zum Vorreiter und Erneuerer in Sachen Bayerische Volksmusik.

„Trikont macht komische Sachen. Das Ganze funktioniert nur wegen der Leidenschaft, die drinsteckt. Es geht nicht nur um den kommerziellen Erfolg. Man ist hier gut aufgehoben und bekommt zu jeder Zeit alles.“
(Eric Pfeil, in: Stimmen über Trikont, curt. Stadtmagazin München #87, Sommer 2017)

„Die Trikont-Story“ funktioniert als Buch auf mehreren Ebenen, zum einen als opulente, Kilo-schwere, robust gebundene Festschrift zum Jubiläum eines großartigen Platten-Labels, wie auch als gut zu lesende Geschichte der APO, linker Sponti-Aktionen, alternativer gesellschaftlicher wie subkultureller Gegenentwürfe und daraus entstandenen Musik-historischen Trends und Bewegungen, die bereichert wird durch zahlreiche Abbildungen, Schlaglicht-artige Statements und Ausführungen der Labelmacher, Musiker und weiterer Zeitzeugen aus dem kulturellen wie historischen Kontext im Stile des maßgeblichen Standardwerks zum US-Punkrock „Please Kill Me: The Uncensored Oral History of Punk“ von Legs McNeil und Gillian McCain.
Aufgrund der ausführlichen Dokumentation jeder einzelnen Trikont-Tonträger-Veröffentlichung inklusive abgebildeter Plattencover und Anekdoten um Musiker, Auftritte, den thematischen, Musik-historischen und/oder gesellschaftspolitischen Kontext, dem Bezug der Label-Chefs zu den Künstlern und dem jeweils individuellen Verhältnis zur Musik, zur Entstehungsgeschichte der Aufnahmen und den Geschichten, wie sie letztendlich bei Trikont gelandet sind, ist das gewichtige Werk selbstredend auch ein umfassender und sorgfältig gestalteter Plattenkatalog geworden, und sollte man dann nach Stunden der Muße und des Quer-Checkens mit der Wunsch-Liste zur Schließung der Lücken im eigenen Plattenschrank fertig sein, kann man den Wälzer nochmal von vorne aufschlagen und die Zitate-Sammlung, die sich wie ein Endlos-Laufband am unteren Ende jeder Buchseite findet, in einem Rutsch von vorne bis hinten durchackern und genießen, Zitate-Daumenkino, quasi.
Als Einblick in zahlreiche Musiker-Biografien taugt es nicht minder, wie auch als weitere Leseanregung, wem etwa die 3 Seiten über das unfassbare Leben des Berliner Swing-Gitarristen Coco Schumann nicht ausreichen, die oder der greift weiterführend zur Autobiografie „Der Ghetto-Swinger. Eine Jazzlegende erzählt“ des musizierenden KZ-Überlebenden – „Theresienstadt, Auschwitz, Dachau – das glaubst du mir sowieso nicht…“

Wie wichtig Engagement, Einmischen, Querdenken gerade auch in diesen Tagen wieder sind, hat kürzlich der tätliche Angriff auf Trikont-Chef Achim Bergmann bei der Frankfurter Buchmesse durch einen Vertreter der sogenannten „Neuen Rechten“ nach einer kurzen, kontroversen Diskussion gezeigt, Ausführlicheres hierzu auf der Label-Homepage.

Der Journalist und Soziologe Christof Meueler wurde 1968 geboren und lebt in Berlin. Er gab in den 80er-Jahren das Noisepop-Fanzine „Rat Race“ heraus und schrieb in den 90er-Jahren unter anderem für das Hardcore-Magazin „Zap“. Seit 2001 ist er Ressortleiter für Feuilleton und Sport bei der linken Tageszeitung „junge Welt“. Meueler ist Autor von Biografien über den ex-Terroristen Bommi Baumann und den Indielabel-Betreiber Alfred Hilsberg.

Franz Dobler, Jahrgang 1959 , lebt in Augsburg. Er ist als Journalist, Schriftsteller und DJ tätig. Die Welt hat ihm neben seinen mit dem deutschen Krimi-Preis ausgezeichneten Büchern „Ein Schlag ins Gesicht“ und „Der Bulle im Zug“ sowie weiterer Prosa und Sammlungen kürzerer Texte die grandiose Johnny-Cash-Biografie „The Beast In Me“ zu verdanken. Bei Trikont hat er die mehrteilige Sampler-Serie „Perlen deutschsprachiger Popmusik“ herausgegeben, die 1995 mit „Wo ist zuhause Mama?“ startete, 2002 kompilierte er für das Label den Johnny-Cash-Tribute-Sampler „A Boy Named Sue“, für die wunderbare Doppel-CD-Dokumentation „Sonntag“ über den legendären Kraudn-Sepp hat er den kundigen Text zum Beiheft verfasst und das bei Trikont verlegte Buch „Bloss a Gschicht“ von Hans Söllner ins Hochdeutsche übersetzt. Der grandiose Franz Dobler halt… (um den Ball mal wieder zurückzuspielen ;-))

Herzlichen Dank an Gabi Beusker von Heyne Hardcore für das Rezensionsexemplar.

Konzertant werden 50 Jahre Trikont zu folgenden Gelegenheiten gefeiert:
Am 15. November im Bi Nuu in Berlin, Kreuzberg, Im U-Bahnhof Schlesisches Tor, ab 19.00 Uhr, mit Konzerten von Bernadette La Hengst, Lydia Daher, Textor & Renz und Kofelgschroa.
Und am 30. November am Münchner Feierwerk-Gelände, Hansastraße 39 – 41, im Farbenladen und im Hansa39, ab 18.00 Uhr, auftreten werden die grandiosen Attwenger, der großartige Eric Pfeil, die wunderbare Mrs. Zwirbl, Coconami, die Express Brass Band und die Zitronen Püppies.

Das Kulturforum hebt das Glas mit Hans-Peter Falkner von Attwenger
auf die nächsten 50 Jahre Trikont.

Prost & Alles Gute!