Elvin Bishop

Reingehört (193): The Paul Butterfield Blues Band

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The Paul Butterfield Blues Band – Got A Mind To Give Up Living / Live 1966 (2016, Real Gone)
Ganz was Feines aus der Bluesrock-Historie: Das Real-Gone-Label veröffentlichte dieser Tage einen Konzert-Mitschnitt der Butterfield Blues Band von einem Gig der Combo im Unicorn Coffee House Boston, aufgenommen während eines zweiwöchigen Engagements der Chicago-Blueser in besagtem Laden im Mai 1966.
Paul Butterfield, Mike Bloomfield, Elvin Bishop und Co. hatten zu der Zeit ihr hochgelobtes Debütalbum auf dem Markt und standen kurz vor der Veröffentlichung ihres bahnbrechenden Zweitwerks „East-West“ (1966, Elektra), der vom Coltrane-Jazz und indischer Raga-Musik beeinflusste Bluesrock-Meilenstein ist hier mit „Never Say No“ und „Get Out Of My Life Woman“ im Repertoire der Live-Aufnahme vertreten, mit der Smokey-Robinson-Nummer „One More Heartache“ findet sich auch bereits ein Stück vom „The Resurrection Of Pigboy Crabshaw“-Album (1967, Elektra).
Die Aufnahmequalität des vorliegenden Tonträgers mag nicht die exzellenteste sein, der Umstand wird aber mehr als wett gemacht durch die dokumentierte Spielfreude der Band, durch die beherzten Gitarrensoli von Bloomfield und Bishop und vor allem durch den ausgeprägten Hang zur Improvisation, der wesentlich durch das Jazz-orientierte Spiel des Trommlers Billy Davenport getrieben wurde und in seinen besten Momenten mit den konzertanten Höhenflügen vom Southern-Blues-/Jam-/Jazz-Rock-All-Time-Favourite „At Filmore East“ (1971, Capricorn) der Allman-Brüder gleichzusetzen ist.
(**** 1/2)

Reingehört (57)

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Robert Pollard – Faulty Superheroes (2015, Fire Records)
Wenn’s in exakt der Form und der Güte eine neue Scheibe von The Who wäre, die Gazetten würden sich wochenlang in Lobeshymnen ergehen und verbal einen runter… Ihr wisst schon. So isses halt „nur“ die neue CD vom Guided-By-Voices-Chefvorturner Robert Pollard und es interessieren sich wahrscheinlich wieder nur einige Wenige für diesen Output, der immens fleißige Songschreiber hat erneut ein auf höchstem Niveau daherkommendes Indie-Rock-Meisterwerk mit einer extremst griffigen Melodien-Vielfalt abgeliefert, so wie man es von ihm solo oder mit GbV-Combo seit Jahrzehnten gewohnt ist. Immer wieder gern genommen!
(*****)

Steve Von Till – A Life Unto Itself (2015, Neurot)
Steve Von Till, der Sänger und Gitarrist der kalifornischen Post-Metal/Post-Rock/Dark-Ambient-mit-Folk-Einflüssen-Band Neurosis frönt hier seinem Hang zum Folk-Songwriting der reinen Lehre. Auf seiner vierten Solo-Scheibe ist er erwartungsgemäß wieder weit entfernt von irgendwelchem leicht verdaulichem Folk-Tralala, für die sieben atmosphärischen, ausladenden Stücke nimmt er sich viel Zeit und gibt den Songs Raum, ihre schwarz-funkelnde Düsternis zu entfalten und zum Strahlen zu bringen.
“When you make a big life decision and then you hear a raven’s call out in the sky, it wasn’t chance – it was an affirmation, it was meant for you, even if that might seem ridiculous in a conventional sense. When you hear a melody and it takes you back a thousand years to a memory you’re not even sure you were a part of. When folklore and history become ways of how you see the world, it allows things to become more mystical and take on deeper meaning. When you’re walking through ordinary, mundane situations, you have this frame of reference that takes on great personal significance beyond surviving the day-to-day: it’s surviving the day-to-day with meaning.”
Selten hat ein an sich total düsteres Werk bei mir – auch bei wiederholten Hördurchgängen – für derart gute Laune gesorgt, obwohl die Platte weiß Gott keinen Raum lässt für humorige Gedanken. Zu tiefgreifend, allumfassend und mit Inbrunst vorgetragen ist dieser Songzyklus, als dass ich ihm meine uneingeschränkte Hochachtung verweigern könnte. Wird wohl in meinen persönlichen Jahrescharts 2015 recht weit vorne landen…
(***** ½)

Other Lives – Rituals (2015, Play It Again Sam)
Grundsätzlich finde ich den hier vorgetragenen minimalistischen Ansatz der Indie-Rock-Band aus Stillwater, Oklahoma, höchst löblich und interessant, aber die Umsetzung auf dem neuen Werk der Other Lives erscheint mir dann doch bei weitem zu seicht und leichtfüßig. Mögen sich andere ausführlicher und von mir aus auch positiver über die Scheibe auslassen, aus der Nummer bin ich raus.
Sänger und Gitarrist Jesse Tabish merkte zum neuen Werk unter anderem Folgendes an: “This one was a real journey. It was a long time spent searching for a new identity … still trying to retain the past of our musical palate but also really trying to stretch ourselves into a new type of music.”
Dann sucht mal schön weiter…
(**)

Elvin Bishop – Can’t Even Do Wrong Right (2014, Alligator)
Grundsolide Scheibe des kalifornischen Blues-Rock-Gitarristen, der sich bereits in den sechziger Jahren mit der Paul Butterfield Blues Band und hier vor allem mit dem hervorragenden Debütalbum der Band (1965, Elektra) sowie der bahnbrechenden „East-West“-Aufnahme (1966, Elektra) seine Meriten erwarb und später mit absoluten Größen des Metiers wie John Lee Hooker, Bo Diddley, Mike Bloomfield, Al Kooper, Warren Haynes, Derek Trucks und Clifton Chenier zusammenarbeitete. Das vorliegende Werk bietet schnörkellosen, auf den Punkt gebrachten Blues-Rock, wie man ihn von Bishop erwarten durfte und zur Abwechslung den ein oder anderen Ausflug ins Tex-Mex- und Cajun-Lager. Nix grundlegend Neues, aber beileibe nicht belanglos.
(****)

Hugo Race & True Spirit – The Spirit (2015, Glitterhouse)
Seit sieben Jahren das erste Lebenszeichen vom wicked Hugo und seinen True Spirit, der zur Veröffentlichung seiner Düsterblues-Balladen zum Beverunger Indie-Label Glitterhouse zurückkehrt, auf dem zuletzt sein exzellentes Album „Taoist Priests“ (2006) erschien.
Der australische Finsterling machte stets eine gute Figur, mit seiner ersten Band The Wreckery, ebenso bei den Bad Seeds auf den Nick-Cave-Alben „From Her To Eternity (1984, Mute) und „Kicking Against The Pricks“ (1986, Mute) wie auch auf seinen zahlreichen True-Spirit-Platten, die hervorragenden Scheiben „Rue Morgue Blues“ (1988, Normal) und „Second Revelator“ (1991, Normal) seien hier exemplarisch genannt, auch die Zusammenarbeit mit Chris Eckman und Chris Brokaw beim DirtMusic-Projekt soll hier nicht unerwähnt bleiben.
Früher hab ich mir zu vorgerückter Stunde alternativ zu Tom Waits, den Beasts Of Bourbon oder Johnny Dowd Platten von Hugo Race angehört, dazu einen schönen Malt gezuzelt und eine Tschick angezündet, heute bin ich längst Nichtraucher und gehe mit den Hühnern ins Bett, den düsteren, staubtrockenen Blues vom Hugo, den er auf dem neuen Werk gekonnt um dezente Cool-Jazz- und entspannt-finstere Ambient-Elemente anreichert, höre ich immer noch gerne. Klasse Comeback im „wahren Geiste“…;-))
(**** ½)