Fish ’n‘ Blues

Matthew Matilda @ Fish ’n‘ Blues, Glockenbachwerkstatt, München, 2017-06-21

Matthew ohne Matilda, wie schade: Zum Fish’n’Blues Special war am vergangenen Mittwochabend das Blues-/Folk-Duo Matthew Matilda geladen, Sänger und Gitarrist Matthew Austin musste den Gig bei hochsommerlichen Temperaturen und drohender Gewitterprognose im lauschigen und vollbesetzten Glockenbachwerkstatt-Biergarten solo bestreiten, die Cellistin/Bassistin Matilda Pfeiffer war wegen einer Sommergrippe leider verhindert.
Somit also keine Darbietung der außerordentlich bemerkenswerten Songwriter-Kunst des Münchner Duos im Spannungsfeld von unverbrauchten Blues-Phrasierungen, Cello-Kammer-Folk und Anklängen an die Neo-Klassik, der junge Mann aus Manchester und Wahl-Münchner machte das Beste aus diesem Umstand und bot einen zum schwer-schwülstigen Sommerabend passenden Vortrag seiner Delta-/Desert-Blues-Kunst, die rohen, oft bewusst unsauber gespielten Akkorde auf der Halbresonanzgitarre schwankten zwischen entspannter Lässigkeit und unterschwelliger Drohung von Ungemach, in welcher Ausprägung auch immer. Garniert wurde der formvollendet vorgetragene, uralte Baumwollpflücker-Folk im tiefgründig-atmosphärischen Grundton vom lakonischen Klage-Gesang des Engländers, der sich an großen Vorbildern von Dylan (aka „Der Literaturnobelpreisträger“) über beide Buckleys bis hin zum Gospel-Blues der großen Nina Simone orientierte.
Im weiteren Verlauf des Konzerts wurde Austin von Mateo Navarro, Fish’n’Blues-Mitorganisator und Bandleader der Münchner Bluesrock-/Soul-Combo Inside Golden, begleitet, gemeinsam ergingen sich die beiden Musiker vorrangig im Interpretieren von Fremdmaterial, der leider ab und an an alte Zauseln wie Crosby und Nash erinnernde Duett-Gesang wurde durch die feine Auswahl von altbewährten Glanzstücken wie „Foxy Lady“ oder den „Folsom Prison Blues“ halbwegs wett gemacht.
Und dann zogen, um das Bild von der heißen Schwere des Südens perfekt zu machen, die schwarzen Wolken des dräuenden Gewitters auf, Southern-Gothic-Romantik und so, weißt eh…
(**** ½)

Matthew Matilda spielen bereits morgen wieder in der Glockenbachwerkstatt, dann vielleicht auch wieder nach auskurierter Grippe mit der feschen und kongenialen Matilda, im Rahmen des dritten Glockenbach Blues Festivals, Mateo Navarro wird mit seiner Band Inside Golden auch am Start sein, des Weiteren die ortsansässigen Formationen The Black Submarines, Lovewash und Muddy What?, das tolle Wiener Trash-Blues-Paar Ash My Love, der ehemalige Zündfunk-Redakteur, Autor und Sparifankal-Musiker Carl-Ludwig Reichert und der Glockenbach-Bluesfest-Gründer Marc Tepelmann. Tür 17.00 Uhr, Beginn 18.00 Uhr, und für 16 Eier an der Abendkasse bei dieser hochkarätigen Besetzung quasi geschenkt.

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Brother Grimm @ Fish’n’Blues Special, Glockenbachwerkstatt, München, 2017-01-25

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„Scott Walker trifft auf Godspeed trifft auf Mogwai trifft auf Tom Waits – eine verrückte Mischung und eben deshalb interessant, 08/15-Musik gibt’s genug. Brother Grimm muss die Musikwelt aufmischen, falls es in dieser noch gerecht zugeht.“
(MD, Eclipsed-Magazin)

„Albträume in Fuck-Moll. Verwischter Geisterhausblues und grimmige Oden an Verblichene“, so zeugt der Infotext von der Musik des Berliners Dennis Grimm auf der Homepage seines Plattenlabels Magnificent Music, und da hat der unbekannte schreibende Mensch den Mund nicht zu voll genommen, Brother Grimm bot am vergangenen Mittwochabend auf der Bühne der Glockenbachwerkstatt-Kneipe eine eindrucksvolle Demonstration seiner Spielart des sinisteren Desert-Blues, der die Arme weit öffnet und das klangliche Experiment, geloopte Düster-Drones und die Vehemenz des Postrock willkommen heißt.
Der Musiker gab in einem intensiven Vortrag klagend und fordernd, hadernd und beschwörend seinem Begehr nach Erlösung Ausdruck, die Songs seines 2016 veröffentlichten Tonträgers „Kind For A Day, Cool For A Lifetime“ arrangierte Grimm im Solo-Vortrag oft mehr als Rohentwürfe, weitab von stringent durchkomponiertem Songwriting, die Grundmuster des Hugo-Race-/Birthday-Party-geprägten Wüstenblues wurden durchbrochen, ergänzt und bereichert durch beklemmende Beschwörung der ureigenen Dämonen, gesampelte Electronica-Loops und düster-dunkel klopfendes Rhythmus-Gepolter, die Gitarre erging sich in berauschenden Feedbacks und nachdrücklichem Klang-Experiment. Der Minimalismus des Blues-Grundmusters traf auf frei fließenden Ausbruch und schuf so neue Kategorisierung für die uralte Magie der US-Südstaaten-Musik.
Brother Grimm spielte charmant über diejenigen ignoranten Teile des Publikums, die da meinten, dem beseelten, direkten, Aufmerksamkeit-fordernden und mitunter auch verstörenden Drone-Blues-Rohentwurf via ausgelassener Konversation ihre persönliche Note aufdrücken zu können, mit der Interpretation des „Heroes“-Hits seines ehemaligen Berliner Mitbürgers David Bowie im Zugabenteil brachte er den unkonventionellen Vortrag zu einem würdigen Ende, mittels einer Version des Art-Rock-Klassikers, die an roher Energie, übersteuerten, wiederholt ins Atonale kippende Gitarren-Feedbacks/-Drones und abstrakter Ambient-Atmosphäre nichts zu wünschen übrig lies, derart individuell gelungen dürften das Werk bisher die Wenigsten dekonstruiert haben, Respekt, ein Held für mehr als nur einen Tag…
(**** ½ – *****)

Brother Grimm spielt die abschließenden Konzerte seiner Solo-Tour zu folgenden Gelegenheiten:

03.02.2017Hamburg – Gängeviertel
04.02.2017Lüneburg – Jekyll & Hyde
05.02.2017Berlin – Monarch

Soundtrack des Tages (161): Brother Grimm

Brother Grimm: Berlin-Blues im Geiste der großen australischen Wüstenfüchse. Live am Mittwoch, 25. Januar, im Rahmen von Fish’n’Blues Special in der Münchner Glockenbachwerkstatt.