Fredrick „Joe“ Evans IV

Raut-Oak Fest 2018 @ Riegsee, 2018-06-09

Tag 2 Raut-Oak Fest 2018: Nach erneutem Transit München/Riegsee via Garmischer Highway am frühen Samstag-Nachmittag wieder ins Festival-Geschehen eingestiegen. Die beiden ortsansässigen Combos Abyssy und Optimal Standard mussten wegen anderweitiger Verpflichtungen ungehört/unbesehen bleiben, mit der dritten bundesrepublikanischen Beteiligung im Tagesprogramm hätte es sich auch gerne so verhalten dürfen, dazu später mehr.

Zunächst jedoch zu weitaus einnehmenderen Operetten: Mit dem Duo Freight Train Rabbit Killer aus Kansas City standen zwei wundersame wie einzigartig verkleidete Blues-Männer auf der Raut-Oak-Bühne. Kris „Freight Train“ Bruders und Mark „Rabbit Killer“ Smeltzer bezeichnen ihre Kunst selbst als Doom Blues und Apocalyptic Roots Music, eine Trash-Blues-Spielart des Southern Gothic, finstere Geschichten von der anderen Seite des Lebens erzählend, dunkle Moritaten im religiösen, mystischen, alttestamentarischen Kontext, die Bilder vom Teufel, von Selbstjustiz, von zweifelhaften Kaschemmen in the middle of nowhere und Dunst-verhangenen Sumpflandschaften heraufbeschwören. Der Schamane vom Hügel und der gesetzlose Rächer sind die „band that will play the party after the world ends“, und wenn’s dann dort inklusive seltsamer, bizarrer Hasen- und Outlaw-Maskierungen und hart angeschlagener Gitarrensaiten genau so schwarzhumorig zugeht wie am vergangenen Samstag, soll uns vor dem Jüngsten Tag nicht mehr bange sein. Gebt mir ein „Amen“ und ein „Satan, the kingdom is calling you home“.

Der Güterzug und der Karnickel-Killer haben mit ihrem vehementen Krach-Blues-Exorzismus das Feld für die Molly Gene One Whoaman Band bestellt und die gute Molly vor ihrem eigenen Vortrag bereits partiell in ihr finsteres Schwadronieren eingebunden, so war der Übergang vom Low-Budget-Kostümball zum intensiven One-Woman-Band-Trashen ein fließender. Die junge Frau aus Warrensburg/Missouri trieb mit Fußtrommel, Halbakustischer und National Resonator Gitarre den Delta-Blues in die vollgemüllte Garage und zerpflückte ihn dort auf das Brachialste, was für sich besehen bereits ein respektables Unterfangen war, immer dann jedoch, wenn die amerikanische Midwestern-Schönheit ihr nach Schmutz, harten Drinks und vielen weggeschmauchten Kippen klingendes Intensiv-Blues-Sangesorgan zum Einsatz brachte, musste man notgedrungen zweimal hinsehen und verwundert die Augen reiben ob der Tatsache, dass ein derart lärmendes, raues Fauchen und Herausschreien aus einer dergestalt zierlichen Person grollen mag, hört, hört.
Nicht für möglich gehaltene Intensitäts-Steigerung sodann nach sehr gelungenem Solo-Vortrag durch Hinzugesellen von Jay Linhardt an den Drums, der wie Molly Gene in Warrensburg ansässige Raut-Oak-Soundmixer trieb mit einem kompromisslosen Trommelanschlag den Trash-Blues in Richtung Heavy-Rock, die Duo-Benamung Doomblues haben sich die beiden Musizierenden damit redlich verdient.

Das Duo Hopeless Jack aus der Dead-Moon-Heimat Portland/Oregon ließ in Sachen flotte Bühnenshow, schöne Tätowierungen und tanzbares Blues-Trash/Roots/Rock’n’Roll-Gebräu nichts anbrennen, Jack Beisel – Wiener Gastronomen dürften allein bei diesem Familien-Namen in Verzückung geraten – an Rasiermesser-scharfer Slide-Gitarre und sein Kompagnon Spencer York an den Drums ergingen sich in beschwörenden Blues-Howlern über die Unebenheiten des Lebens in der Tradition vom frühen Cash, alten Mississippi-Größen und den krachenden Crypt-Records-Bands. Guter, unverstellter, spielfreudiger Live-Spaß vor und auf der Bühne, der das Volk zum Abhotten und die Musiker zum Fliegen brachte.

Am späten Nachmittag ein absolutes Festival-Highlight: Im Vorjahr gestaltete Sänger/Gitarrist Ben Todd den Auftritt von Lonesome Shack solistisch als Verneigung vor den großen Altvorderen des Country- und Delta-Blues mit einem zeitlosen, entspannten wie exzellenten Akustik-Vortrag, in diesem Jahr nun Lonesome Shack in full flight als Trio mit den kongenialen Musikern Luke Bergman am unvergleichlich groovenden Bass, Kristian Garrard an virtuos treibenden Drums und selbstredend nicht zuletzt einem im Saiten-Anschlag glänzend aufgelegten Ben Todd, der neben seinem stets latent klagenden Vokal-Vortrag seine elektrische Gitarre im herrlichen Fluss zum Singen brachte. Wo die Hopeless-Jack-Kameraden im vorangegangenen Auftritt noch maximalst aufs Blech hauten hinsichtlich extrovertierter Show und ruppigem Saitenanschlag, boten die drei Sympathieträger von Lonesome Shack das Kontrastprogramm: freundliche, entspannte Ansagen und ein auf das eigene Musizieren konzentriertes Tun, mit dem die Band die perfekte Balance zwischen roher Delta-/Garagen-Blues-Kraft, „Haunted Boogie“ und einem gefangen nehmendem Flow zauberte, der nicht selten an den Trance-Blues und die Wüsten-artige Mystik der Tuareg-Bands aus der Sahara-Wüstenregion erinnerte – womit sich letztendlich der Kreis zwischen nord/westafrikanischem Ursprung und Weiterentwicklung des Blues auf der anderen Seite des Atlantiks schloss. Lonesome Shack: immer ein musikalischer Hochgenuss, ob solo, im vollen Band-Ornat oder auf exzellenten Tonträgern wie „The Switcher“, „More Primitive“ und dem grandiosen Live-Dokument „City Man“.

Mit Andrew McGibbon Jr und Chris McMullan aus der nordirischen Provinz Ulster und ihrem Power-Duo The Bonnevilles sodann altbekannte und gern gesehene Raut-Oak-Gäste – einmal mehr ein Energie-geladener Auftritt der beiden Gentlemen, der befeuert von einem stoisch immer weiter treibenden, nie aufgebenden Rhythmus, ultrascharfen Gitarren-Riffs und einem leidenschaftlichen, überschwänglichen Vortrag mit einem pikant kredenzten Hardblues/Pubrock/UK-Punk-Gebräu vornehmlich unter Verwendung der Zutaten des aktuellen Albums „Dirty Photographs“ die Hörerschaft in Öl-verschmierte Garagen, Zigaretten-gegerbte Pubs und raue Arbeiterviertel-Hinterhöfe versetzte, dorthin, wo das Leben hart, ungeschminkt und mit der direkten Wucht konfrontiert – wer könnte einen besseren Soundtrack dazu spielen als die Bonnevilles? Hart abrockende, Bewegungsdrang-fördernde Mitzuck-Abtanz-Shake-Your-Moneymaker-Garantie inklusive. Musik muss nicht kompliziert sein, es geht auch direkt in the face, nice and easy in der konzertanten Rundum-Bedienung.

Und dann war’s mal wieder höchste Zeit für etwas Regen. Wo das Line-Up für 2018 beim Raut Oak extra dick aufgetragen wurde, mochte sich der Wettergott auch nicht lumpen lassen und gab zum Vortages-Wüten eine abnässende Zugabe, die den offiziellen Festival-Betrieb erneut für ein paar weitere Stunden in die Warteschleife schickte, oder, für einen spontan zusammengekommenen kleinen Zirkel, in eine nahe gelegene Scheune, wo Almost-Boheme-Best-Buddy k.ill die harten Drinks seiner 24/7-Open-Tiki-Bar aus dem Limousinen-Kofferraum direktemang unters Volk brachte, doch damit nicht genug, durch eine glückliche Fügung des Schicksals waren auch die Freunde der Donkeyhonk Company nicht weit, und so improvisierten Wig Drumbeat, Lametto und Don Pedro mit sporadischer Unterstützung des unbekannten Blues-Harp-Spielers aus dem Hintergrund kurzerhand einen Jam-Gig in the wooden barn mit einer Handvoll eigener Perlen aus dem Honkrock/Bluegrass/Muddy-Roots-Fundus und einer Auswahl an Traditionals aus der reichhaltigen und wundersamen Welt des amerikanischen und irischen Folk. „Nichts Schlechtes, das auch was Gutes hat“ heißt es immer, und so hat uns der Regenguss unverhofft ein paar intensive und schöne Live-Momente beschert, wie so manchem wohl auch einen dicken Schädel mit dem einen berühmten Schnaps zuviel…

Nach dem obligatorischen Festival-Regen dann das Konzert, das selbigem gerne komplett und ersatzlos zum Opfer hätte fallen dürfen. Auch auf die Gefahr hin, mit der Meinung bei Weitem nicht Mehrheits-fähig zu sein: Die Berliner Combo Odd Couple und das Kulturforum werden in diesem Leben wohl keine dicken Freunde mehr. Was sich vor Wochen bei mehrfachem Tonträger-Abhören andeutete und zu obstinater Haltung hinsichtlich Rezension führte, bestätigte sich im konzertanten Vortrag des zum Live-Trio gewachsenen Duos aus der Bundeshauptstadt. Dabei war der Start in den vom anhaltenden Nieselregen begleiteten Gig ein vielversprechender, mit einer energetischen Uptempo-Nummer deutete die Band an, dass sie durchaus zu Brauchbarem befähigt ist – nur um im weiteren Verlauf in einem zwar intensiven, letztendlich aber doch austauschbaren Prog-/Kraut-/Psychedelic-Brei und in stumpfem Stoner-Gepolter zu versinken. Alles schon tausendmal gehört und bei einem Deep-Blues-Festival auch irgendwo mindestens latent deplatziert, der Funke mochte einfach ums Verrecken nicht zünden. Und mit dem finalen Hinschlachten eines alten Kinks-Klassikers war der Ofen dann endgültig aus. Auf der anderen Seite: ein Streich-Ergebnis neben acht absoluten Live-Perlen, who fuckin‘ cares?

Um die mitternächtliche Stunde dann die vollumfängliche Fort- und Ausführung des abgebrochenen Konzerts vom Vorjahr: Nachdem beim 2017er-Raut-Oak der Arm des Gesetzes allzu geflissentlich Fürsorge für Gehörgänge der Nachbarschaft, die Milchqualität der im Umland weidenden Rinder und vor allem einen verheerenden Musikgeschmack an den Tag (oder vielmehr in die späte Nacht) legte und den Headliner-Auftritt von Left Lane Cruiser vor der Zeit zum Erliegen brachte, durften der unglaubliche Fredrick „Joe“ Evans IV und sein Drummer-Spezi Pete Dio in der ROF-Neuauflage in einem wilden Ritt endlich über die volle Neunzig-Minuten-Distanz gehen. Den gedehnten zeitlichen Rahmen optimalst füllend, gab das Duo aus Fort Wayne/Indiana nicht weniger als alles in Sachen rauer, wuchtigst abrockender Trailer-Park-Hard-/Slide-Blues mit einer Prise Southern Rock, hingeknurrten „Dankeshooones!“ für hochverdienten Applaus, von vielen „fuckings“ begleiteten Kurzdialogen, und neben genügend „High Voltage North Mississippi Hill Country Sound“-Eigenmaterial in Hochdruck-Frequenz mit den Geschichten über das prekäre Leben der Abgehängten der US-amerikanischen Gesellschaft auch eine exzellente Auswahl an Fremdkompositionen aus der Feder von alten Säulen-Heiligen wie R.L. Burnside oder John Lee Hooker, dem obligatorischen wie unverwüstlichen „Black Betty“-Brüller, und mit „T.V. Eye“ einen hier nicht erwarteten alten Stooges-Kracher im Trash-Blues-Outfit, Nachgespieltes wie Eigenes wohlfeil herausgerotzt und mit leidenschaftlichem Ungestüm vor die Bühne gespuckt.
Left Lane Cruiser: wie zu vergangenen Gelegenheiten live stets eine Bank, zum 2018er-ROF-Gig ohne jegliche Abstriche einmal mehr. Immer wieder gern genommen, das Ohren- und Hirnwindungen-Durchblasen der beiden Blues-Granaten. Gäbe es diese Band nicht bereits seit fast 15 Jahren, man müsste sie für das Raut Oak im Kontext des rohen Underground-Blues erfinden…

Lebenslange Daueranstellung beim Raut Oak für den großartigen James Leg, so soll es sein. Das Festival ist ohne den son of a preacherman John Wesley Myers nicht mehr denkbar. Der Tastengott aus Tennessee war sich zu weit fortgeschrittener Stunde des Umstands bewusst, wo seine getreuen Fans unterwegs sind und bespielte seine Fender-Rhodes-Orgel nebst Support durch den neuen Drummer Darren Moore (of The Approved/ Magick Godmothers-fame) intensivst im schwer dröhnenden, psychedelischen Blues- und Boogie-Anschlag, brachte die Tastatur des Instrumentariums wie die Wangen der animierten Gefolgschaft zum Glühen und röhrte alte Black-Diamond-Heavies-Hauer und Solo-Hits wie „Casa De Fuego“ oder „October 3rd“ in rauer Stimmlage irgendwo zwischen Tom Waits und Lemmy Kilmister durch die finstere Nacht, man ist geneigt zu behaupten, wie gehabt, aber damit würde man diesem Soundorkan-artigen Auftritt nicht gerecht werden, selten war Leg inspirierter, intensiver, kompromissloser im Vortrag und versierter in der Songauswahl als beim jüngsten ROF-Auftritt. Wenn jemand überragend gute Auftritte des Keyboard-Berserkers aus der Vergangenheit toppen kann, dann ist es nur er selbst, man mochte es im Vorfeld nicht glauben, gleichwohl wurde man Zeuge dieses Wunders, irgendwo weit nach Mitternacht und kurz vor Anbruch des neuen Tags.
Und als die einleitenden Töne zu „A Forest“ erklangen, spätestens dann schwebte das gesamte Festival-Gelände in anderen Sphären, im Original eine leidlich brauchbare Nummer der gerne latent überschätzten, seit Jahrzehnten vor sich hin gruftenden Gothic-Kapelle The Cure, in der Version von James Leg bis dato einer der fünf besten Cover-Versionen in der weiten Welt der populären Musik-Historie und damit der Einspielung der Dudler um den dicken Robert um Lichtjahre enteilt. Im vehement geforderten und großzügig gewährten Zugaben-Teil bot der Ausnahme-Musiker unter andrem ein weiteres Fremdwerk mit der Young/Young/Scott-Weisheit über den weiten Weg an die Spitze, wenn man im Rock’n’Roll-Business zugange ist, aber Hand auf’s Herz, wer braucht die Seelen- und Charakter-kompromittierenden Charts-Spitzenplätze, solange es weitaus ehrlichere Alternativen wie das Raut-Oak Fest gibt?
When the great Reverend James Leg starts to play church organ in the holy house of the blues, we get on our knees and pray. In dem Fall Nacht- oder fast schon wieder Morgen-Gebet, denn mit dem letzten Krachen des Keyboards war die Messe für den zweiten Tag des Raut-Oak-Hochamts gelesen und der erholsame Schlaf nach einem langen wie grandiosen Festival-Tag dringend angezeigt. Hallelujah!

Raut-Oak Fest 2018-06-10 / Tag 3 – coming soon…

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Left Lane Cruiser + Donkeyhonk Company @ Garage Deluxe, München, 2017-10-27

Die Erinnerungen an das vergangene Raut Oak Fest am schönen Riegsee wehen noch angenehmst nach, die 2018er-Neuauflage wirft bereits ihre Schatten voraus, damit sich das Warten auf den kommenden Sommer angenehmer gestaltet, lud Festival-Betreiber und AWay-Konzert-Booker Christian Steidl für vergangenen Freitag-Abend ein Hochkaräter-Doppelpack in die Garage Deluxe auf dem demnächst weggentrifizierten Optimol-Gelände hinter dem Münchner Ostbahnhof, das Deep-Blues-Volk pilgerte zahlreich wie dankbar und sorgte für eine volle Lokalität beim Vorgeschmack auf das nächstjährige Raw-Underground-Open-Air vor grandioser oberbayerischer Berglandschaft.

Den stimmigen Abend eröffnete das Trio Donkeyhonk Company mit ihrem Hallertau-Blues, der einen weiten Bogen spannte von den Schwarzbrenner-Hütten der US-Südstaaten-Swamplands bis zum lamentierenden Sinnieren vor dem dritten oder achten Bier im bayerischen Wirtshaus, der Uptempo-Bluegrass und Muddy-Roots-Hardcore-Countryfolk der Band aus den Badlands zwischen Ingolstadt und München funktioniert in der Muttersprache wie im Englischen gleichermaßen prächtig, die bayerischen Song-Texte im balladenhaften Moritaten-Blues sind Gottlob weit von Söllner’scher Brachial-Kraftausdruck-Lautmalerei wie von absurd-befremdlichem Kofel-Gschroa entfernt, vielmehr im Nachdenken, kritischen Hinterfragen und im Nachspüren düsterer Gedanken verhaftet, was die „Honkrock“-Nummern weit aus dem Sumpf der neu-bayerischen (Volks-)Musiziererei herausragen lässt, in der sich immer mehr die Blindheit vor dem Umstand breitmacht, dass Deppen-Texte aus der bayerischen Indie-Ecke trotzdem nur Deppen-Texte bleiben, aber das ist dankenswerter Weise eine Thematik, um die sich die Company keine Gedanken machen muss.
Den internationalen Vergleich muss die Formation auch nicht scheuen, nur wenigen ist es gegeben, das Material des großen Tom Waits zu adaptieren, ohne dabei peinliche Berührtheit auszulösen, der Donkeyhonk Company gelang dieses Kunststück an dem Abend mehrfach, Frontmann Lametto brachte sein rauhes, voluminöses Blues-Organ wie seine beseelt-gespenstischen Akkorde auf Banjo und Wandergitarre optimal zur Geltung in einer Speed-Flamenco-Version von „Jockey Full Of Bourbon“ sowie weitaus originalgetreueren Interpretationen von „Way Down In The Hole“ und dem „Blood Money“-Stück „Starving In The Belly Of A Whale“, eine intensive Neuauflage der Leadbelly-Nummer „Where Did You Sleep Last Night“ rundete den Fremdkompositionen-Block ab.
Den rhythmischen Rahmen für die Polter-Blues-Klassiker wie das eigene Werk steckten gekonnt mit variabel-inspiriertem Getrommel Wig Drumbeat und Basser Don Pedro mit knarzendem Kontrabass-Schnalzen inklusive vehementer Bühnenshow in Richtung wilder Rockabilly-Hund, ein tragfähiges wie solides Fundament für die knurrenden, kompromisslosen Blues-Howler aus der Kehle des Grimassen-schneidenden Entertainers Lametto.
Das begeisterte Publikum wäre zur dankbaren Entgegennahme von mehr rohem Donkeyhonk-Blues bereit gewesen, Gelegenheit hierzu wird sich spätestens beim Raut Oak 2018 finden, das Trio ist bereits fest für das Lineup von 8. bis 10. Juni gebucht.
(*****)

Wie zu erwarten schraubten Gitarrist/Knurrhahn Fredrick „Joe“ Evans IV und Drummer Pete Dio nach der kurzen Umbaupause das Level hinsichtlich Trash und Intensität um etliche Stufen hoch, Left Lane Cruiser aus Fort Wayne/Indiana gelten bei der sachkundigen Hörerschaft als Bank schlechthin in Sachen Trailerpark-Blues, Rasiermesser-scharfe Slide-Gitarren-Glissandi und -Vibrato, stoischem Nach-vorne-Treiben der Rhythmik und wütendem Herauspressen der Verzweiflung über prekäre Lebensumstände und dem Verlangen nach dem nächsten Glas Hochprozentigem, diesem Ruf wurde das Duo vom Start weg gerecht. Der Heavy-Blues-Rock nahm im ersten Teil der ergiebigen Garagen-Messe derart Fahrt auf beim mentalen Seelen-reinigen und dem Zelebrieren des Schmutzigen, Geerdeten, Lauten wie unnachgiebig Zupackenden, womit dem Experimentieren mit einer kurzen Rap-Einlage und der Darbietung einiger geradliniger, für Band-Verhältnisse nahezu stumpfer Hardrock-Nummern kurzfristig die Luft auszugehen drohte, dem rabaukenden Tanzvolk war’s einerlei, sollte eine vom Start weg in allen Belangen auf Anschlag aufdrehende Formation wie Left Lane Cruiser kurzzeitig ein paar Minuten den Gang herunterschalten, trägt eben das Publikum das Feuer bis zum nächsten brachial-lärmenden Flächenbrand weiter.
Wenn ein Angus Young nicht schon vor Dekaden ein Schulranzen-schwingender Stadienrock-Kasperl, die Black Keys mit den Jahren nicht solche Langweiler geworden wären und Rose Tattoo mit der ersten, sehr guten Scheibe vor gefühlt hundert Jahren nicht ihr gesamtes Pulver verschossen hätten, dann hätten Left Lane Cruiser heutzutage vielleicht noch ein paar weitere ernst zu nehmende Mitstreiter in Sachen unverstellter Heavy-Slide-Vollbedienung an ihrer Seite, so darf man dem Herrgott zu jeder Gelegenheit für diese Combo als einzigartiges Ereignis auf Knien danken, wie auch dem Veranstalter Christian Steidl für wiederholtes Organisieren solcher Festivitäten.
Ob Left Lane Cruiser bei der nächsten Riegsee-Sause vertreten sein werden, wird sich beizeiten finden, immerhin am beidseitigen Willen wie optimistischen Hoffen mangelt es dahingehend derzeit nicht.
(*****)

Konzert-Vormerker: Left Lane Cruiser + Donkeyhonk Company

Die Erinnerungen an das 2017er-Raut-Oak-Festival im vergangenen Sommer am schönen Riegsee schwingen immer noch angenehmst nach, schon befeuert der mit einem untrüglichen Gespür für exzellente Band-Auswahl gesegnete Konzert-Veranstalter Christian Steidl die Vorfreude auf die für Juni 2018 anstehende Neuauflage des dreitägigen Underground-Blues-Hochamts mit einem handverlesenen Muddy-Roots-Doppelpack:

Am 27. Oktober kommt es in der Garage Deluxe auf dem ehemaligen Münchner Kunstpark-Ost-Gelände zum interkontinentalen, transatlantischen Brückenschlag zwischen dem mittleren Westen der Vereinigten Staaten und dem zentralen Oberbayern in Sachen geerdet-roher Hard-Blues- und Alternative-Country-Intensität.
Band-Gründer und Slide-Gitarren-Berserker Fredrick „Joe“ Evans IV und das Trommel-Tier Pete Dio aus Fort Wayne/Indiana mussten ihren Raut-Oak-Auftritt als finaler Act vor ein paar Monaten auf Anordnung der Staatsmacht wegen Lautstärke-Beschwerden der Nachbarschaft vorzeitig beenden, in der Garage werden sie mit ihrem Duo Left Lane Cruiser wieder über die volle Distanz gehen und alle Register ziehen in Sachen Rasiermesser-scharfer Ritt auf den Saiten der Slide-Gitarre, Heraus-Brüllen und -Knurren des kompromisslosen Trailerpark-Blues und stoisch nach vorn treibender Uptempo-Rhythmik – und damit den Saal über den Siedepunkt hinaus zum Kochen bringen, falls das nicht bereits die nördlich von München beheimateten Musikanten Lametto, Wig Drumbeat und Pedl von der Donkeyhonk Company mit ihrem Opener-Programm eintüten, das Trio wird qualitativ hinsichtlich handwerklichem Können und präsentierter Songs weit über das durchschnittliche Vorband-Niveau hinausragen, wie sie das mit ihrer unverstellten wie zupackenden Spielart des Swamp-Blues, massiv polternden Folk-/Bluegrass-/Country-Bastarden und ureigenem Honk-Rock bereits zu diversen Gelegenheiten eindrücklich unter Beweis gestellt haben.
Be there or be deaf, dumb & blind.

Left Lane Cruiser + Donkeyhonk Company – 27. Oktober 2017, Garage Deluxe, München, Friedenstraße 10, 20.00 Uhr.