FREIRAUM

Soul Family Tree (27): R&B-Perlen

Passend zur Jahreszeit gibt es heute jede Menge heißen Rhythm and Blues/R&B im Gastbeitrag von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog und eine Zeitreise zurück in die 1940er bis 1960er Jahre. Damals stand die Jukebox im Mittelpunkt und war neben dem lokalen Radio ein willkommenes Medium, um Musik zu hören. Zudem wurden viele afroamerikanische Künstler in dieser Zeit auch einem weißen und damit breiteren Publikum bekannt. Die Plattenfirmen erkannten bereits früh, wie man mit Musik Geld verdienen konnte, nämlich über die Credits. Die Künstler hingegen mussten u.a. Knebelverträge unterschreiben und bekamen kaum Geld, auch wenn sie den Song hauptsächlich getragen hatten. Erst in den 1960er Jahren änderte sich langsam etwas, indem Künstler selbst aktiv wurden, wie z.B. Sam Cooke, der seine eigene Plattenfirma gründete und damit unabhängig wurde. Hier, im Soul Family Tree, wurde bereits über die Geschichte des Funkiest Drummer aller Zeiten, Clyde Stubblefield, geschrieben, der verarmt im März diesen Jahres starb, nachzulesen hier: klick.

Mittlerweile ist diese alte Musik wieder modern geworden, dank vieler DJs, die tief in die Archive eintauchten, und es wurden bereits in England sog. Jukebox Jams veranstaltet. Also lassen wir die alten Zeiten musikalisch heute wieder etwas aufleben.

Den Anfang macht der Blues-Klassiker „Baby Please Don´t Go“ aus der Feder von Big Joe Williams. Der Song wurde ursprünglich 1935 veröffentlicht und bis heute unzählige Mal gecovert. Eine der kraftvollsten Aufnahmen kommt aus den 1950er Jahren von der Tänzerin und Sängerin Jo Ann Henderson. Diese rare Version ist mehr als hörenswert:

Etta James war eine der Königinnen des R&B und gehört zurecht in alle Listen, wenn es darum geht, die besten Sänger(innen) aller Zeiten zu küren. Im Soul Family Tree kam sie schon vor. Wer es verpasst hat, klickt hier. Für diese Ausgabe habe ich einen ruhigeren Song mit „Almost Persuaded“ ausgesucht, der 1968 als Single erschien:

Mabel Louise Smith, besser bekannt als Big Maybelle aus Jackson/Tennessee, war eine amerikanische R&B-, Jazz- und Blues-Sängerin der Sonderklasse. Was für eine Stimme. Sie wurde auch bekannt als Mother of Soul. Ihre große Zeit waren die 1940er und 1950er Jahre. Später verglühte ihr Stern und es kamen Drogenprobleme dazu. 1972 starb sie, und 2011 wurde sie in die Blues Hall of Fame aufgenommen. Aus der fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem OKeh-Label in den 1950er Jahren habe ich den Song „Just Want Your Love“ ausgesucht:

Mit Marga Benitez geht es weiter. Leider kann ich nichts über sie sagen. Bei Apollo Records nahm sie den Song „Geechie Goomie“ in den 1950er Jahren auf. Das Schöne ist, dass z.B. kleine Plattenlabels heute nach solchen Schätzen suchen. Man begibt sich auf die Suche nach längst geschlossenen Plattenfirmen, gräbt in den Archiven, klärt die Rechtefrage und bringt mit viel Leidenschaft diese alten Perlen wieder als Singles heraus.

Mit Otis Blackwell streifen wir verschiedene musikalische Stile. Er selbst war nicht nur Musiker, sondern er komponierte auch für andere Künstler. „Fever“ stammt von ihm wie auch Jerry Lee Lewis‘ „Great Balls Of Fire“ oder „Don´t Be Cruel“, den er für Elvis Presley schrieb. Seine erste Blütezeit hatte er in 1950er Jahren. Aus dieser Zeit kommt nun „Let The Daddy Hold You“:

Der Rausschmeißer ins Wochenende kommt von Mr. Sad Head, passend zur Jahreszeit der Song „Hot Weather Blues“. Bob Dylan spielte diesen Song in seiner legendären Radio-Show, die Single wurde vor einigen Jahren wieder neu aufgelegt:

Mit diesem Song verabschiede ich mich und hoffe, es hat wieder Spaß gemacht. Eine Fortsetzung mit mehr R&B-Musik aus dieser Zeit ist nicht ausgeschlossen.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Soul Family Tree (25): Tanzbar 2

REINGEHÖRT Juni 1

Heute heißt das Motto wieder: Tanzbar Spezial. Es gibt Soul, Swing und R’n’B fürs Herz, aber auch für die Arme und Beine. Floorfillers zum Vorglühen auf das Wochenende. Rare, teils abgefahrene, Grooves treffen auf fast vergessenen Perlen der Tanzmusik. Und wie stets heißt es: All Killer, No Fillers! – ein Beitrag von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog zur Black-Friday-Reihe, die ab jetzt im gedehnteren 14-Tages-Rhythmus groovt:

Schwungvoller Pop aus Frankreich samt Einkaufstipps für die nächste Party, Swing und Jazz und groovend-rockige Orgelklänge mit einer schwarzen Katze und einen Dancehall Reggae-Klassiker. Let´s go.

Den Anfang macht der Franzose Nino Ferrer mit seinem Evergreen „Les Cornichons“. Ferrer wurde in den 1960er Jahren in der Schublade „Spaßvogel“ abgelegt. Er zog sich aus der Musik zurück und wurde für einige Jahre Pferdezüchter. In den siebziger Jahren kam er wieder als Komponist zurück. Wer also noch Einkaufstipps für die nächste Party braucht, wird hier bestens bedient.

Brian Auger ist ein Abenteurer. Soul, Rock, Pop, Jazz-Fusion… für ihn und seine Hammond-Orgel kein Problem. Sein erstes Bandprojekt war The Steampacket, zusammen mit Rod Stewart, John Baldry und Julie Driscoll. Nachdem Stewart und Baldry ihre Solokarrieren starteten, gründete er mit Julie Driscoll die Band Trinity und hatte u.a. mit „This Wheel´s On Fire“ mehrere Single-Hits. Ich habe für das Tanzbar-Special den Song „Black Cat“ ausgesucht, mit einem Kuckuck gleich zu Beginn. Selten hat man eine Orgel so rockig gehört wie hier.

Mit Sister Nancy geht es lässig weiter. Sie war die erste weibliche Stimme der Dancehall-Szene. Und mit Dancehall ist eine Spielart des Reggaes mit Hip-Hop-Einflüssen gemeint. Vor fast 20 Jahren zog sie sich bereits aus der Musik zurück und arbeitet heute als Bankkauffrau in den USA. Wir hören ihren größten und internationalen Hit „Bam Bam“, der wunderbar zur Tanzbar passt.

Der Rausschmeißer zum Wochenende kommt vom Sänger, Komponisten, Trompeter und Entertainer Louis Prima. 1935 komponierte er den Welthit „Sing, Sing, Sing (When You Swing)“, der seine Weltkarriere begründete. Es sollten noch viele weitere Hits folgen. Als sich Las Vegas in den 1950er Jahren als Unterhaltungsmetropole zu etablieren versuchte, war Louis Prima bereits dort. Gerade in dieser Zeit folgten weitere Hits wie u.a. „Just A Gigolo“. Ausgesucht habe ich ein Duett mit seiner späteren Ehefrau Keely Smith, den Song „Jump Jive An‘ Wail“.

Ich hoffe, es hat wieder Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Soul Family Tree (24): Al Green, Junior Parker, Timmy Thomas, Stetsasonic, Donny Hathaway

Mit Groove und Soul ins Wochenende. Musik zum Vor- oder Nachglühen. Der wöchentliche Gruß aus der Soul Kitchen mit einer neuen Langen Rille, einem Hip-Hop-Klassiker, Timmy Thomas, Junior Parker, Al Green und der Geschichte hinter dem Hit „Take Me To The River“ – Der Black-Friday-Weekender von Stefan Haase, here we go:

I was trying to get more stability in my life. I wrote:
Take me to the river
Wash me down
Cleanse my soul.
(Al Green)

1971 erschien der Song „River´s Invitation“ von Junior Parker, den später Al Green zum Anlass nahm, seinen großen Hit „Take Me To The River“ zu schreiben. Anfangs erwähnt Green Junior Parker und widmete ihm den Song. Interessanterweise entschied Greens Plattenfirma sich dagegen, den Song als Single zu veröffentlichen und so erschien er nur auf dem Al-Green-Album von 1974, „Explores Your Mind“. In der Zwischenzeit wurde der Song recht erfolgreich von Syl Johnson gecovert und ein Jahr später auch als Single von Al Green veröffentlicht. Es gibt unzählige Coverversionen. Die meisten werden sicher das Cover der Talking Heads kennen. Im April feierte Green seinen 71. Geburtstag und ist weiter aktiv als Sänger und Prediger unterwegs.

No more wars, no more wars, no more war
Mmm, just a little peace in this world
No more wars, no more war
All we want is some peace in this world

Timmy Thomas war Begleitmusiker u.a. für Donald Byrd. 1972 debütierte er gleich mit seinem größten Hit, der viele Male gecovert wurde. Am bekanntesten ist die Version der Sängerin Sade von 1984. Thomas hatte danach einige weitere Hits. Doch „Why Can´t We Live Together“ war sein Debut als Solokünstler und wurde eine zeitlose Nummer. Allein das lange instrumentale Intro führt wunderbar in das Lied ein. Diese Aufnahme ist ursprünglich eine Demo-Version gewesen und sollte aufgemotzt werden mit einer Band. Doch der Produzent entschied sich glücklicherweise, die Version mit Keyboard und Drum-Machine in ihrer Ursprungsform zu belassen. Der Rest ist Geschichte.

Stop, check it out my man
This is the music of a hip-hop band
Jazz, well you can call it that
But this jazz retains a new format

Gehen wir in die 1980er Jahre und kommen zu einem Klassiker des Hip Hops. Stetsasonic wurden mit ihrem Jazz beeinflussten Rap weltweit bekannt. „Talkin’ All That Jazz“ basiert auf zwei Songs von Donald Byrd und Lonnie Liston Smith. Anfang der 1990er Jahre lösten sie sich wieder auf. Jetzt kommt aus ihrem 1988er Album „In Full Gear“ ihr größter Hit.

Die Lange Rille kommt heute von einem der essentiellsten Live-Alben. Geschrieben wurde der größtenteils instrumentale Song „The Ghetto“ von Donny Hathaway und Leroy Hutson und erschien 1970 auf dem Debütalbum von Hathaway in einer Länge von 6:50 Minuten. 1972 nahm Hathaway den Song, der im Jazz/Latin-Stil aufgenommen wurde, für sein Live-Album „Donny Hathaway Live“ auf. Dieses Mal mit einer Länge von 12:08 Minuten. Auf dem Album sind zwei Live-Auftritte von Hathaway zu hören, die er 1971 in New York gab, sowie Klassiker wie „What´s Going On“ von Marvin Gaye oder Carole Kings „You´ve Got A Friend“ und John Lennons „Jealous Guy“. Donny Hathaway, den vermutlich die meisten aus der Zusammenarbeit mit Roberta Flack kennen, konnte eigentlich alle Stilrichtungen singen. Ob R&B, Soul oder Pop. In den 1970er Jahren hatte er viele Hits. Leider endete sein kurzes Leben bereits 1979, als er leblos aufgefunden wurde. Er wurde nur 34 Jahre alt. Geblieben sind Klassiker der Soul-Geschichte.

Das war es für heute. Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum