Funk

Soul Family Tree (34): Can You Dig It? – The Music And Politics Of Black Action Films 1968-75

„After we go to the movies, ok?“ – Die 14-tägige Black-Friday-Serie geht heute Filme schauen:

Vor 1968 waren Afro-Amerikaner im US-Kino vornehmlich in Nebenrollen als Butler, Haushalts-Hilfen, Farm-Arbeiter oder Gärtner zu sehen, in zentralen Rollen war das schwarze Amerika kaum mehr als in Auftritten bekannter Stars wie Louis Armstrong oder Sammy Davis Jr und vor allem mit Oskar-Preisträger Sidney Potier auf den Leinwänden der Lichtspieltheater präsent. Ab Ende der sechziger Jahre spielte Black America in Hollywood erstmals eine gewichtigere Rolle, das unter dem Begriff „Blaxploitation“ bekannt gewordene Actionfilm-Genre war geprägt von schwarzen Regisseuren, Drehbuchschreibern, Kameraleuten und Schauspieler_Innen wie der herausragenden Charakter-Darstellerin Pam Grier, dem Musiker Isaac Hayes, Karate-Champion und Martial-Arts-Star Jim Kelly oder den ehemaligen American-Football-Profis Jim Brown und Fred Williamson – und nicht zuletzt durch Black-Music-dominierte Soundtracks, die zum Teil eigens für diese Filme von Motown- und Stax-Stars wie Martha Reeves, Marvin Gaye, Quincy Jones und Solomon Burke komponiert und aufgenommen wurden.
Letztendlich dürfte der Aufstieg des afro-amerikanischen Kino weniger den gesellschaftlichen Strömungen in den USA wie dem Civil Rights Movement der fünfziger und sechziger Jahre oder dem Agitieren radikalerer Bewegungen wie der Black Panther Party zu verdanken sein als vielmehr knallharten wirtschaftlichen Überlegungen der Filmindustrie, die in der schwarzen Bevölkerung der US-Großstädte schlichtweg ein Riesen-Potential an zahlungswilligen Kinogängern sah.

Die 2009 beim Londoner Label Soul Jazz Records erschienene Sammlung „Can You Dig It? The Music And Politics Of Black Action Films 1968-75“ dokumentiert auf zwei CDs ausführlich die wichtigsten Film-Songs dieser Kino-Ära und gibt in einem beigelegten, fein aufgemachten 98-Seiten-Taschenbuch einen reich bebilderten Überblick über die relevanten Filme, thematischen Schwerpunkte, wichtigsten Schauspieler und Regisseure sowie die Rolle der führenden Black-Music-Plattenfirmen dieser Black-Cinema-Hochphase.

Eine der bekanntesten Nummern des Samplers ist das großartige „Across 110th Street“, der Titeltrack der NYPD-Krimi-Verfilmung von Barry Shear aus dem Jahr 1972 mit dem späteren „Homicide“-Serienstar Yaphet Kotto und Kalkleiste Anthony Quinn in den Hauptrollen. Der Song über die informelle Grenzlinie in Harlem stammt aus der Feder von Soul-Performer/Songwriter/Produzent Bobby Womack und Jazz-Posaunist J. J. Johnson, er kam später im Soundtrack von „Bobby Brown“ erneut zu cineastischen Ehren, die Tarantino-Verfilmung des Elmore-Leonard-Krimis „Rum Punch“ war 1997 eine gelungene Verneigung des Quent-Man vor dem Blaxploitation-Genre, formvollendet in Szene gesetzt mit der Black-Movie-Ikone Pam Grier in der Titelrolle.

Der Stax-Records-Songwriter und Soul-Musiker Isaac Hayes komponierte 1971 die Filmmusik zum Blaxploitation-Actionkrimi „Shaft“, für die berühmt gewordene Titelmelodie „Theme From Shaft“ erntete er im selben Jahr den Oscar für den besten Original-Song. 1974 stand er selbst zweimal in Hauptrollen vor der Kamera, im Kopfgeldjäger-Thriller „Truck Turner“, den die unter anderem auf „Black Action Films“ spezialisierte Produktionsfirma American International Pictures (AIP) im Double-Feature mit dem Pam-Grier-Streifen „Foxy Brown“ auf den Markt brachte, und in der Produktion „Three Tough Guys“, zusammen mit Lino Ventura und Fred Williamson, für beide Filme hat Isaac Hayes auch den Soundtrack geschrieben und eingespielt, aus „Truck Turner“ hier die neun-minütige Instrumental-Nummer „Pursuit Of The Pimpmobile“:

B-Movie-Autor Larry Cohen wollte sich mit „Black Caesar“ 1973 an den „Paten“-Erfolg von Francis Ford Coppola hängen und adaptierte den Stoff des Hollywood-Klassikers „Little Caesar“ aus dem Jahr 1931 für einen zeitgenössischen Harlem-Mafia-Thriller. Die Titelrolle spielte der ehemalige American-Football-Defense-Back Fred „The Hammer“ Williamson, der bis heute in aktuellen amerikanischen Filmen und Fernseh-Serien zu sehen ist, weithin bekannt ist unter anderem sein Auftritt als „Frost“ im Rodriguez-/Tarantino-Vampir-Trash-Streifen „From Dusk Till Dawn“.
Den Soundtrack für „Black Caesar“ arrangierte „The Godfather Of Soul“ James Brown unter maßgeblicher Mitarbeit seines Bandleaders Wesley Willis, daraus das opulente Stück „Down And Out In New York City“:

Weißbrot durfte beim Filmmusik-Produzieren für das Black-Movie-Kino auch ab und an mitmischen, so zum Beispiel R&B-Gitarrist Dennis Coffey, der als Studiomusiker auf zahlreichen Sixties-Motown-Aufnahmen zu hören ist, 1971 war er bei den Aufnahmen zum Nummer-1-Hit „War“ von Edwin Starr beteiligt, im gleichen Jahr landeten Coffey und seine Detroit Guitar Band mit der Instrumental-Nummer „Scorpio“ einen Billboard-Top-10-Hit. 1970 entdeckte er zusammen mit dem Musiker Mike Theodore den Folkrock-Songwriter Sixto Rodriguez, dem Regisseur Malik Bendjelloul mit dem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „Searching For Sugar Man“ ein cineastisches Denkmal setzte.
1974 schrieb Dennis Coffey das Titelstück für den Karate-Film „Black Belt Jones“ mit Kampfsport-Champion Jim Kelly in der Hauptrolle. Hier eine Live-Version der Nummer, die der renommierte Gitarrist zusammen mit der Don Was Detroit All-Star Revue einspielte:

Der Horror-Film trieb in der Blaxploitation-Hochphase bunte oder vielmehr schwarze Blüten, neben Perlen wie „Blackenstein“ und „Dr Black, Mr Hyde“ finden sich mit „Blacula“ aus dem Jahr 1972 und der „Scream, Blacula, Scream“-Fortsetzung die afro-amerikanischen Anlehnungen an den klassischen Bram-Stoker-Stoff, der mit Größen wie den Four Tops, Marvin Gaye, Cher oder den Temptations arbeitende Komponist und Produzent Gene Page zeichnete für die Filmmusik zum schwarzen Vampir-Trash verantwortlich, der immerhin mit Top-Performern wie Shakespeare-Schauspieler William Marshall und der wunderbaren Pam Grier besetzt war. Die Original-LP zum „Blacula“-Score ist heute im Übrigen ein gesuchtes Sammlerobjekt unter Vinyl-Jägern.

„Can You Dig It? The Music And Politics Of Black Action Films 1969-75“ ist nach wie vor im gut sortierten Fachhandel erhältlich. Dig it, Soul Brothers and Sisters…

Reingehört (333): Here Lies Man, Blind Mess, Willie Nile

Here Lies Man – Here Lies Man (2017, Riding Easy)

Psychedelic-Trance, Afro-Beat und Elektro-Funk sind die stramm groovenden Zutaten des Debüts von Here Lies Man, einem Nebenprojekt von Marcus J. Garcia, der hauptamtlich als Sänger und Gitarrist beim Brooklyn-Afrobeat-Kollektiv Antibalas engagiert ist.
Schwere 70er-Prog-Gitarren, hart zupackender Stoner-Rock und Garagen-taugliche Fuzz-Gitarren bilden den Körper, den Weltraumorgel-artiger Keyboard-Space und schwer vor sich her treibender Bass/Drum-Beat im repetitiven Flow zum hypnotischen Zappeln bringen. Mosh Pit trifft Club-Groove. Over the top gelungenes Crossover in Anlehnung an Funkadelic, Parliament, Fela Kuti, Goat, The Budos Band. Muss man nicht viel drüber labern, muss man hören, eintauchen, mitzucken…
(*****)

Blind Mess – Blind Mess (2017, Record Jet)

Support your local Stoner Gangs: Blind Mess aus München haben sich erst im vergangenen Jahr gegründet, wegen rechtlichem Zirkus bereits eine Namensänderung von „Black“ zu „Blind“ hinter sich, und dieser Tage nun in kürzester Zeit ihr Debütalbum vorgelegt. Wer sich hinsichtlich Drive, Energie und Präsentation im Live-Vortrag mit Größen wie den Misfits oder den einzigartigen, schmerzlich vermissten Motörhead vergleichen lassen darf, kann so daneben nicht liegen mit seinem Verständnis und Interpretieren von harter Rock-Musik, und tatsächlich präsentiert sich das kürzlich erschienene Erstwerk des Trios im klassischen Bass/Gitarre/Drums-Gewerk mit stramm polterndem, druckvollem Bass, einer die zügige Marschrichtung vorgebenden Rhythmik und schneidenden, schnörkellosen Rock-and-Roll-Krach-Gitarren im Stoner-/Metal-/Hardrock-Anschlag, gepaart mit der Frische einer flotten Punk-Gangart, messerscharfen Gitarren-Riffs und garniert mit einem forschen Rock-Shouter-Gesang, der Großes einfordert und das mit diesem solide nach internationalen Standards produzierten Erstwerk auch bekommen sollte. Hat sich was zugetraut, das Trio, und das dann auch unvermittelt mit Wucht, einer Portion Garagen-Schmutz und Desert-Psychedelic umgesetzt. Munich rocks, keine Frage.
Blind Mess spielen am 3. November live in München im Rahmen der Zombie-Sessions im Feierwerk. Kühles Bier am Sunny-Red-Tresen einfangen und gefälliges Mitnicken ist angezeigt.
(**** ½)

Willie Nile – Positively Bob: Willie Nile Sings Bob Dylan (2017, River House Records)

1980 hat Willie Nile unter anderem mit Patti-Smith-Drummer Jay Dee Daugherty sein zu Recht hochgelobtes Debüt-Album eingespielt, 2006 konnte er qualitativ mit „Streets Of New York“ und einem zwei Jahre später veröffentlichten, ergänzenden Live-Album an das Erstwerk anknüpfen, dazwischen und danach ist er sporadisch mit unterschiedlichster Tonträger-Güte vorstellig geworden, in seinem langen Musiker-Dasein ist er mehrfach über viele Jahre von der Bildfläche verschwunden und kam, obwohl von Folk- und Heartland-Rock-Fans und KollegInnen wie Lucinda Williams und Pete Townshend geschätzt, letztendlich nie über den Status eines „Springsteen für Arme“ hinaus.
Für sein 2017er-Werk bedient er sich ausschließlich bei Songmaterial aus der Feder des aktuellen Literaturnobelpreisträgers, ein wenig originelles Unterfangen, zumal die Set-List gespickt ist mit allseits bekannten Dylan-Gassenhauern, die heutzutage in etlichen Fällen wegen Bis-zum-Erbrechen-runtergespielt selbst im Original kaum mehr jemandem vor dem Ofen hervorlocken, der vom Meister selbst heutzutage in Schock-Starre-auslösender, Western-Swing-Version angestimmte Rentner-auf-dem-Kirchentag-Hit „Blowin‘ In The Wind“ schon mal gar nicht.
In „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ entwickelt Nile kurz hypnotische, beschwörende Kraft beim intensiven Text-Runterbeten, mit der Interpretation von „Every Grain Of Sand“, der brauchbarsten Nummer vom ansonsten grottigen „Shot Of Love“-Album, und dem lange unveröffentlichten „Abandoned Love“ aus den „Desire“-Sessions beweist er immerhin etwas Mut in der Songauswahl, ansonsten ist der Rest in weitaus genehmerer Form bereits vom Zimmerman selber oder den üblichen Verdächtigen aus dem Dylan-Interpreten-Lager wie etwa den Byrds hinlänglichst in x-facher Ausführung durchexerziert.
(** ½ – ***)

Soul Family Tree (18): Sampha, Mikey Dread, Lexsoul Dancemachine, Chuck Jackson, The Ebonys

Black-Friday-Soul-Weekender mit einem Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan, so groovt und läuft der Haase ;-)) :

Heute gibt es wieder einen abwechslungsreichen Mix aus der Soul Kitchen, mit neuer Musik von Sampha, Funk aus Estland, Reggae aus Jamaika, Northern Soul und einem raren Phillysound-Song.

Sampha aus England ist ein ungewöhnlicher Künstler. Man konnte ihn oft als Gastsänger, zum Beispiel bei SolangeFrank Ocean oder Kanye West, hören. Er produzierte auch das erfolgreiche Debut von SBTRKT und dazu veröffentliche er einzelne Singles. Erst seit Februar 2017 gibt es das lang erwartete Debütalbum „Processing“, das erfolgreich in die internationalen Charts einstieg. Daraus eine Ballade, sparsam von Sampha am Klavier begleitet, ein Lied, das nachklingt. Hier kommt „(No One Loves Me) Like The Piano“.

Michael George Campbell, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mikey Dread, war einer der einflussreichsten Musiker, Produzenten und Moderatoren für jamaikanische Musik. Besonders die Freundschaft zur Band The Clash und seine Mitarbeit am Album „Sandinista“ machten ihn weltweit bekannt. 2008 starb er im Alter von 54 Jahren. Aus seinem Album „Pave The Way“ von 1982 habe ich einen Kultsong ausgesucht: „Roots And Culture“.

Von Jamaika und England geht die Reise weiter nach Estland. Soul und Funk gibt es weltweit. Und auch die Esten haben den Groove. Die Mitglieder der Lexsoul Dancemachine kommen aus Tallin und beschreiben sich in eigenen Worten so:
„Raw street funk on one side, sweet soul on the flipside – Lexsoul Dancemachine is known for tearing venues apart with their merciless stage presence. Active since 2013, the aim of the machine is to hypnotize feelgood music lovers with fundamental basslines, syncopated rhythms and repetitive grooves“.
Soulbrothers and Sisters, jetzt wird es funky:

Kommen wir zum Northern Soul,  der besonders in England populär wurde. Hier geht es nicht um die große Namen, sondern um seltene, rare Songs von Künstlern, die man fast schon wieder vergessen hat. Innerhalb der Popkultur gehört die Northern Soul-Bewegung zu den ältesten. Jetzt gibt es raren Soul mit Chuck Jackson und seinem Song „Hand It Over“ aus dem Jahre 1964. Einige seiner Songs wurden später durch andere Interpreten populär. Am bekanntesten ist darunter Michael McDonalds Version von „I Keep Forgotten“. Doch wir bleiben beim Original:

Mit The Ebonys darf die Woche relaxed ausklingen. Das Vokal-Quartett hatte mit „Making Love Ain’t No Fun (Without The One You Love)“ 1976 ihren größten Hit. Phillysound at his best.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (17): Prince Special

Black Friday Weekend Welcome, heute mit einem Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase und seiner Erinnerung an das Multitalent Prince Rogers Nelson, der vor einem Jahr die Bühne in Richtung ewige Jagdgründe verlassen hat, here we go:

Vor einem Jahr starb völlig unerwartet, im Alter von 57 Jahren, Prince. Eine Ikone, Sänger, Songwriter, Produzent… ein Multi-Instrumentalist, der über 100 Millionen Tonträger verkauft hat. Zu seinen Ehren und als Erinnerung an einen Giganten in der Musik gibt es heute ein Special mit Prince. Und es gibt ein berührendes Tribute zu „Purple Rain“ und einen Auftritt der Superlative.

“Sometimes it snows in April
Sometimes I feel so bad, so bad
Sometimes I wish life was never ending
and all good things, they say, never last”
(Sometimes it snows in April)

Vor 12 Monaten schrieb ich einen Nachruf, aus dem ich hier zitiere. Musikalisch gibt es kein Best Of, sondern einen kleinen Rückblick auf sein zu Unrecht unterschätztes Spätwerk. Auf YouTube werden viele Videos von und mit Prince, wegen Urheberrechtsverletzungen, schnell wieder herunter genommen. Darum ist die Auswahl diesem Umstand geschuldet.
Los geht es mit Prince und „Word“, aus dem Album „3121“ aus 2006.

Als kleiner Junge lernte er bereits Klavier und brachte sich später selbst Gitarre und Schlagzeug bei. Mit 17 Jahren startete er seine musikalische Karriere. Mit 19 Jahren unterschrieb er seinen ersten Millionen-Dollar-Plattenvertrag bei Warner Bros. 1983 wurde er vom Musiksender MTV im Tagesprogramm gespielt und erreichte mit Songs wie „1999″ oder „Little Red Corvette“ zum ersten Mal die amerikanischen Charts. 1984, mit 26 Jahren, kam der internationale Durchbruch mit dem Album „Purple Rain“.

Wenn ein Künstler schon früh einen solchen Erfolg hat ist dies Fluch und Segen zugleich. Doch Prince kümmerte sich nicht darum diesen Erfolg zu konservieren und zu wiederholen. Für ihn schien es keine Grenzen zu geben. Er hatte in den 1980er Jahren einen ekstatischen kreativen Output und probierte sich an neuen Sounds und Formen aus. Er verschmolz Soul, Funk, R&B, Blues, Rock, Pop zu einem eigenen Stil. Zudem fand er Zeit für andere Künstler Lieder zu schreiben. U.a. den Hit der Bangles „Manic Mondays“ oder Sinhead O‘ Connors „Nothing Compared 2U“, Chaka Khans „I Feel For You“. Er schrieb auch für Stevie Nicks „Stand Back“, Sheila E., Sheena Easton, Alicia Keys und andere.

Aus seinem letzten Projekt 3RDEYEGIRL kommt „Another Love“, vom Album „Plectrumelectrum“ welches parallel mit seinem Album „Art Official Age“ 2014 und wieder bei Warner Bros. erschien.

Zu Beginn seiner Karriere pflegte er einen androgynen universellen Auftritt, war weder Schwarz noch Weiß, wechselte seinen Stil in der Musik und Mode mehrfach und blieb jemand, der seinen Stil damit früh kultivierte. Er kämpfte ein Leben lang für seine künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit. Vor 2 Jahren konnte er sich nach einem jahrelangen juristischen Streit mit Warner Bros. einigen und erhielt die Rechte an seinen Songs zurück.

Wenn man sich auf die Suche macht nach dem musikalischen Werk von Prince im Netz, wird man auf den bekannten Streaming-Portalen kaum fündig werden. Sein gesamtes Werk gibt es nur bei Tidal, was Jay-Z gehört. Prince wusste, dass ein Künstler nicht durch einen Streaming-Dienst reich wird, die Betreiber jedoch schon. Da blieb er konsequent.

Kommen wir zu einem weiteren Höhepunkt. Sein legendäres Konzert beim Super Bowl 2007. Was für ein Auftritt. Und das bei strömenden Regen und starken Winden. Man hatte das Gefühl, es sei ein Prince Konzert und der Super Bowl das Vorprogramm.

Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige Künstler schaffen. Nicht das er als Künstler nur seinen Musikstil änderte. Er wechselte die Leinwand seines eigenen Gemäldes und wurde früh künstlerisch einzigartig. So gibt es nicht den einen Song, der stellvertretend für sein Werk steht. Seine Konzerte waren einzigartig, mit magischen Momenten, und ihn aus wenigen Metern Entfernung spielen zu sehen ließ Raum und Zeit vergessen.

„Purple rain, purple rain
Purple rain, purple rain
Purple rain, purple rain
I only wanted 2 see U bathing in the purple rain“
(Purple Rain)

Jools Holland hatte mit seiner BBC-Musiksendung „Later“ einige Tage nach dem Tod von Prince einen TV-Auftritt. Und es gab ein berührendes Tribut mit ihm am Piano, Gregory Porter und alle anderen Gäste stimmten zu „Purple Rain“ mit ein.

„Purple Will Never Sound The Same“

Zum Schluss noch etwas Aktuelles. Gerhard fand einen Konzertmitschnitt von Lambchop, aufgenommen am 30. März in New York. Als Zugabe gab es den Prince-Song „When You Were Mine“. Das feine wie lässige Konzert kann man hier komplett nachhören.

Bis zum nächsten Mal. Und wie immer schließe ich hier in Gedenken an den legendären TV-Moderator vom „Soul Train“, Don Cornelius, mit seinen letzten Worten in der Sendung.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (14): Aretha Franklin, Chaka Khan, Nancy Wilson, John Lee Hooker, Billie Holiday, Jimmy Cliff

Black Friday mit einem weiteren Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase, here we go:

Heute ist Ladies Day mit den März-Geburtstagskindern Aretha Franklin und Chaka Khan und der großartigen Nancy Wilson, die im Februar Geburtstag hatte. Dann gibt es den dritten und letzten Teil mit „Hymnen der Bürgerrechtsbewegung“ mit John Lee Hooker, Jimmy Cliff und Billie Holiday. Es wird eine musikalische Reise in die Vergangenheit, u.a. in die der 1960/70er Jahre.

„Trouble in mind, I’m blue
But I won’t be blue always
Cause I know the sun’s gonna shine in my back door someday…“

Was ist Soul? Aretha Franklin, die vor wenigen Tagen, ihren 75. Geburtstag feiern konnte, wusste darauf eine einfache wie verständliche Antwort. Man muss kein Afroamerikaner sein, um Soul zu haben. Was man aber braucht, ist Kreativität, Leidenschaft, Lebendigkeit und Ehrlichkeit. Aretha Franklin wuchs quasi in der Kirche auf und wollte eigentlich Gospel singen. Mit 18 Jahren ging sie nach New York und unterschrieb bei Columbia Records ihren ersten Plattenvertrag. In den 1960er Jahren nahm sie verschiedenste Platten auf und spielte mit den Stilrichtungen Blues, Jazz, Pop, Balladen. Erst nachdem sie 1966 zu Atlantic Records wechselte, stellte sich auch der kommerzielle Erfolg ein. Sie präsentierte sich in den späten 1960er Jahren als stolze Afroamerikanerin. Aus ihren Zeit bei Columbia habe ich einen Bluessong ausgesucht. Man beachte besonders, wie sie den Klassiker „Trouble In Mind“ aus der Feder vom Jazz- Pianisten Richard M. Jones interpretiert. Die Beschreibung „Live“ ist missverständlich. Zwar wurde die Aufnahme unter Live-Bedingungen im Studio aufgenommen, doch ohne Zuschauer. Die einzigen, die dabei applaudierten, waren die Mitarbeiter der Plattenfirma. Aus dem Album „Yeah!!!“ aus dem Jahre 1965 kommt nun die Queen of Soul Aretha Franklin.

„If you’re down and confused
And you don’t remember who you’re talking to
Concentration slips away
Because your baby is so far away…“

Kommen wir von der Queen of Soul zur Queen of Funk, wie Chaka Khan gern genannt wird. Ihre Karriere begann in den frühen 1970er Jahren als Sängerin der Funk-Band Rufus. Mit Rufus hatte Chaka Khan einige Hits. Und mit dem größten Hit aus 1983 „Ain´t Nobody“ beendete sie auch die Zusammenarbeit und startete als Solokünstlerin. Ihr Repertoire geht sehr tief. Sie hat mit Jazz-Größen wie Herbie Hancock und Miles Davis zusammen gespielt und von Disco, Soul bis Funk alle Stile erfolgreich bedient. Den meisten ist sie mit „I Feel For You“ bekannt. Übrigens ein Lied, welches ihr Prince geschrieben hatte. Ausgesucht habe ich ein Stück aus der Zeit mit der Funk-Band Rufus, den Song „Love The One You´re With“, geschrieben von Stephen Stills. Der Song beginnt ruhig mit einem Piano. Aber dann… und ab Minute 3:30 ändert sich wieder das Tempo. Ladies and Gentleman. Hier kommt die Queen of Funk Chaka Khan. Welch eine kraftvolle Stimme.

„It was the third of June, another sleepy, dusty Delta day
I was out choppin‘ cotton and my brother was balin‘ hay
And at dinner time we stopped and walked back to the house to eat
And Mama hollered out the back door, „Y‘ all remember to wipe your feet.“

Nancy Wilson hatte im Februar Geburtstag und gilt zurecht als seine der großen Jazz-Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Repertoire ging weiter, als nur Jazz zu singen. Sie sang und nahm ebenso Blues-, Soul- und Disco-Alben auf. Hier zu hören mit einem Cover von Bobby Gentrys „Ode To Billie Joe“, arrangiert von Oliver Nelson. Ein Song, der dank des wunderbaren Arrangements auf dem Album „Welcome To My
Love
“ so zeitlos daher kommt.

Hymnen der Bürgerrechtsbewegung – Teil 3

„I don’t know what the trouble is
I can’t stay around to find it out
I don’t know, I don’t know
What the trouble is, this mo’nin’…“

Blues Musiker waren keine Unbekannten, wenn es um Diskriminierung ging. Einer der ersten, der die Verhältnisse und Rassenunterdrückung anprangerte, war Lead Belly 1938 mit seinem Lied „Bourgeois Blues“. Der Sommer 1967 in Detroit erlebte mit die brutalsten Unruhen in den USA. Dutzende Menschen starben dabei und Tausende wurden verletzt und verhaftet. John Lee Hooker beschreibt die dunklen 5 Tage, als Detroit brannte.

“Southern trees bear a strange fruit
Blood on the leaves and blood at the root
Black bodies swinging in the southern breeze
Strange fruit hanging from the poplar trees…”

Es gibt Lieder, die überdauern Generationen, weil sie ein Monument sind. “Strange Fruit” ist so ein Lied. Wie ein Testament, Mahnung und Herausforderung gleichsam. Im Jahre 1936 war ein Lehrer so geschockt von einer Fotografie, die zwei Menschen zeigte, die am Galgen hingen, dass er aufgewühlt darüber ein Gedicht mit dem Titel “Strange Fruit” schrieb. Er sprach Billie Holiday an, ob sie sein Gedicht nicht vertonen möchte. Ihre damalige Plattenfirma verweigerte die Aufnahme. Für eine andere kleine Plattenfirma nahm sie dennoch das Gedicht als ihr Lied auf ,und es wurde der vielleicht erste und nachhaltigste Protestsong seiner Zeit. “Strange Fruit” ist eine Metapher und Ausdruck für die damaligen Lynchmorde.

„Vietnam, Vietnam, Vietnam, Vietnam
Vietnam, Vietnam, Vietnam
What I’m saying now somebody stop that war…“

Als letztes Lied in dieser Reihe habe ich „Vietnam“ von Jimmy Cliff aus dem Jahr 1970 ausgesucht. Dieses Lied ist so simpel wie direkt und klar in der Aussage. Auch viele Afroamerikaner wurden nach Vietnam geschickt und allein gelassen. Nicht nur Martin Luther King, auch Muhammad Ali verweigerten sich gegen den Vietnam-Krieg. Für Jamaikas Künstler wie u.a. Bob Marley oder Peter Tosh waren diese unruhigen Jahre eine künstlerische wie fruchtbare Basis, klare Statements zu setzen. Jimmy Cliffs Hymne ist einer der besten Protestsongs aller Zeit. Ein Lied, dessen Echo nie verklingen wird, weil die Geschichte immer weiter getragen wird.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum