Gitarren-Pop

Soundtrack des Tages (198): The Stone Roses

Ostersonntag-Messe mit den Stone Roses, die 1989 auf ihrem Debüt-Album frech behaupteten, sie wären die Wiederauferstehung. Fragt sich nur von was. Eklektisches britisches Gitarrenpop-Gedudel, via seinerzeit gehyptem Manchester-/Rave-/Neo-Psychedelia-Geschrammel. Wasser in Wein umwandeln oder über den See tanzen hätte weitaus mehr beeindruckt als dieser Brückenschlag vom Sgt.-Pepper-Geleier der Sixties zu den Britpop-Belanglosigkeiten der Neunziger. Anyway, trotzdem ein nettes Liedlein – und den „Messias“ von Händel würde sich hier heute in schlechter youtube-Qualität am PC oder Notebook weit über zwei Stunden lang freiwillig sowieso niemand anhören… ;-))
Frohe Ostern allerseits.

Soundtrack des Tages (179): Snowfall

Birte Hanusrichter und Oliver Anders Hendriksson sind Snowfall. Das Duo aus Berlin macht charmanten Alternative-Noir-Pop mit Sex-Appeal und dezentem Hang zu angenehmst angetrashtem Großstadt-Blues und finsterem Garagen-Rock-and-Roll, zwischen großer Indie-Tradition und einem Hauch von grübelnder Experimentiererei.
Snowfall trauen sich was: neben dem Vortrag des feinst komponierten Eigenwerks bedienen sie sich bei keinen Geringeren als The National und covern „Bloodbuzz Ohio“ vom sehr genehmen „High Violet“-Album, und das machen sie richtig gut.
Einen eigenen Tonträger haben sie seit 25. August mit der „Gold“-EP (Henriks & Son Records) auch am Start.
Und sie spielen morgen, am 1. September, live auf dem Münchner Isarinselfest, ab 18.00 Uhr auf der Kulturbühne, auf der Insel an der Ludwigsbrücke.

Reingehört (282): The Bats

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The Bats – The Deep Set (2017, Flying Nun Records)

In den Achtzigern gab es einen mittelgroßen, nicht unberechtigten Hype im Indie-Bereich zum Thema „Pop-Musik aus Neuseeland“ im Allgemeinen und um das Flying-Nun-Label im Besonderen, losgetreten durch einen längeren Artikel im Fachblatt Spex, Tonträger-Würdigungen im britischen New Musical Express und nicht zuletzt den herrlichen Sampler „Tuatara – A Flying Nun Compilation“ aus dem Jahr 1985 mit tollen Bands vom anderen Ende der Welt wie den Sneaky Feelings, The Clean, den Chills oder den Verlaines und eben auch den Bats, das Quartett glänzte wie die genannten Kollegen mit dem Stück „I Go Wild“ in Sachen Indie-Rock und Gitarren-Pop im für das Umfeld typischen „Dunedin Sound“ und machte schwer Laune auf Alben wie die „By Night“-EP oder das 1987er-Werk „Daddy’s Highway“.
Velvet-Underground-beeinflusstes Gitarrengeschrammel, überschaubare Komplexität bei Bass-Spiel und Getrommel und ansprechendes, der Melodie zugewandtes Songwriting bestimmte das Klangbild der Combo aus Christchurch, die sich 1982 als Quartett formierte und seitdem personell unverändert mit einer zwischenzeitlich längeren Auszeit zwecks Familiengründungen und anderen lebenswichtigen Dingen sporadisch ihre Tonträger und Konzerte bespielte.
Auf „The Deep Set“ mag es ein wenig an Ecken und Kanten fehlen, welche Werke früherer Dekaden vor allzu viel Wohlklang bewarten, der Biss der Jugend ist dieser in die Jahre gekommenen Band zwangsläufig wie so vielen anderen auch etwas abhanden gekommen, für ein ansprechend-behagliches Indie-Gitarrenpop-Album im Geiste der Go-Betweens, „16 Lovers Lane“-Phase, Grant-McLennan-Abteilung, reicht es allemal noch, die Rein- und Schönheit der Melodie bricht sich in nahezu allen zwölf Stücken Bahn, ohne in saumseeligen Dreampop zu verkommen, und solange feinstes Liedgut wie das eindringliche, Ohrwurm-taugliche „Antlers“ oder melancholische Kleinode wie die Eröffnungsnummer „Rooftops“ ein Bats-Album zieren, muss man sich um die Band im Jahr 2017 keine Sorgen machen.
Wie schön, dass es in dieser sich ständig schneller drehenden Welt noch Dinge von Bestand gibt.
The Bats sollen laut Gerüchten im kommenden Sommer für einige Konzerte auch in Deutschland aufschlagen, man darf gespannt sein.
(**** ½)