Glockenbachwerkstatt

Konzert-Vormerker: After Is Better Than The Party / ABOP

„ABOP is best consumed live“ – Der monatlich im Münchner Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt  stattfindende Maj Musical Monday als Plattform für experimentelle Musik hat morgen in seiner 83. Auflage die kroatische Live-Techno-Band After Is Better Than The Party aka ABOP zu Gast, die ihre Einflüsse aus Trance, Chicago House und Detroit Techno speist und den tanzbaren Club-Sound mit analogen Instrumenten und digitalen Electronica-Gerätschaften live auf der Bühne produziert. Man darf gespannt sein – und bei Gefallen auch abzappeln…

Maj Musical Monday #83: After Is Better Than The Party / ABOP – 20. November 2017, Glockenbachwerkstatt, München, Blumenstraße 7, 21.00 Uhr.

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Oiseaux-Tempête @ Glockenbachwerkstatt, München, 2017-10-30

Der Herbststurm „Herwart“ war Stunden zuvor über die Republik gefegt und gerade abgeklungen, da brachten die französischen Sturmvögel die Orkan-artige Naturgewalt im Saal der Münchner Glockenbachwerkstatt in musikalischer Form für kurze Zeit zurück: Die beiden federführenden Pariser Musiker Frédéric D. Oberland und Stéphane Pigneul des Instrumental-Duos Oiseaux-Tempête wurden am Montagabend von Drummer Sylvain Joasson und dem Produzenten und Electronica-Mixer Paul Régimbeau aka Mondkopf an Synthie-/Sampling-/Knopfdreh-Maschinen begleitend verstärkt, nach ausgedehntem, sorgfältigstem Soundcheck überwältigte die Formation die leider nur spärlich erschienene Zuhörerschaft mit einem Klang-Tornado in einem Windstärken-Bereich, der den Werten auf der Beaufort-Skala des klimatischen „Herwart“-Verwandten in nichts nachstand.
Wo Oberland und Pigneul auf ihren jüngsten Tonträger-Arbeiten „AL-‘AN ! الآن“ und „Ütopiya?“ im Verbund mit zahlreichen Mitmusikern die gesellschaftlichen Strömungen und Verwerfungen im Mittelmeer-Raum, speziell in der Türkei und im Libanon thematisieren und dahingehend das Postrock-Grundgerüst unter anderem um mediterrane wie orientalistische Musik-Traditionen bereichern, spielte im konzertanten Vortrag das Ethno-Element nur eine untergeordnete, dezent wahrnehmbare Rolle, der Vielschichtigkeit der rauschhaften Aufführung tat dies keinen Abbruch, die Multi-Instrumentalisten formten den intensiven Gitarren-Flow, schwere, dunkel gefärbte, durch Keyboards, Synthie-Gerätschaften und elektrische Drehleier generierte Trance-Drone-Klanggebilde, Free-Jazz-artige Saxophon-Exerzitien und das komplexe Rhythmus-Konstrukt zu einem großartigen, einnehmenden Post-, Prog-, Kraut-, Psychedelic- und Experimental-Rock-Gesamtkunstwerk. Selten war das Konzert-Jahr intensiver und instrumental versierter, selten war mehr Inspiration, Ideen-Reichtum, Vision, formvollendete wie stimmige Vereinbarkeit unterschiedlichster Stilrichtungen mit ergänzenden Abstraktionen – die Band selbst war vom eigenen Vortrag und der Publikumsresonanz beeindruckt und gab so wider eigener Gewohnheiten eine Dreingabe in Form einer 15-minütigen Tonal-/Atonal-Übung, die sich wie das gesamte Konzert permanent an der Klang-Vollrausch-Grenze bewegte.
Exzellenter Nachschlag mit der Nummer #7,2 zum diesjährigen Noise Mobility Festival wie herausragende Ergänzung zum monatlichen Maj Musical Monday. Gibt Abende, da schmerzt es dann doch etwas weniger, dass man mangels Jahresringen nie in den Genuss eines Can-Konzerts kam, dass die Swans demnächst Geschichte sein werden und Godspeed You! Black Emperor im Rahmen ihrer herbstlichen Europa-Tour einen weiten Bogen um München machen, vergangener Montagabend mit Oiseaux-Tempête war so einer, die ca. 30 Anwesenden dürfen sich dahingehend beglückwünschen, dass sie ihren Allerwertesten hochbekommen und ihren Kadaver in die GBW geschleppt haben, der Rest hat wahrscheinlich beim Prä-Halloween rumspakuliert oder urfade Luther-Dokus geglotzt und sollte sich somit in Grund und Boden schämen.
(***** ½ – ******)

Matthew Matilda @ Fish ’n‘ Blues, Glockenbachwerkstatt, München, 2017-06-21

Matthew ohne Matilda, wie schade: Zum Fish’n’Blues Special war am vergangenen Mittwochabend das Blues-/Folk-Duo Matthew Matilda geladen, Sänger und Gitarrist Matthew Austin musste den Gig bei hochsommerlichen Temperaturen und drohender Gewitterprognose im lauschigen und vollbesetzten Glockenbachwerkstatt-Biergarten solo bestreiten, die Cellistin/Bassistin Matilda Pfeiffer war wegen einer Sommergrippe leider verhindert.
Somit also keine Darbietung der außerordentlich bemerkenswerten Songwriter-Kunst des Münchner Duos im Spannungsfeld von unverbrauchten Blues-Phrasierungen, Cello-Kammer-Folk und Anklängen an die Neo-Klassik, der junge Mann aus Manchester und Wahl-Münchner machte das Beste aus diesem Umstand und bot einen zum schwer-schwülstigen Sommerabend passenden Vortrag seiner Delta-/Desert-Blues-Kunst, die rohen, oft bewusst unsauber gespielten Akkorde auf der Halbresonanzgitarre schwankten zwischen entspannter Lässigkeit und unterschwelliger Drohung von Ungemach, in welcher Ausprägung auch immer. Garniert wurde der formvollendet vorgetragene, uralte Baumwollpflücker-Folk im tiefgründig-atmosphärischen Grundton vom lakonischen Klage-Gesang des Engländers, der sich an großen Vorbildern von Dylan (aka „Der Literaturnobelpreisträger“) über beide Buckleys bis hin zum Gospel-Blues der großen Nina Simone orientierte.
Im weiteren Verlauf des Konzerts wurde Austin von Mateo Navarro, Fish’n’Blues-Mitorganisator und Bandleader der Münchner Bluesrock-/Soul-Combo Inside Golden, begleitet, gemeinsam ergingen sich die beiden Musiker vorrangig im Interpretieren von Fremdmaterial, der leider ab und an an alte Zauseln wie Crosby und Nash erinnernde Duett-Gesang wurde durch die feine Auswahl von altbewährten Glanzstücken wie „Foxy Lady“ oder den „Folsom Prison Blues“ halbwegs wett gemacht.
Und dann zogen, um das Bild von der heißen Schwere des Südens perfekt zu machen, die schwarzen Wolken des dräuenden Gewitters auf, Southern-Gothic-Romantik und so, weißt eh…
(**** ½)

Matthew Matilda spielen bereits morgen wieder in der Glockenbachwerkstatt, dann vielleicht auch wieder nach auskurierter Grippe mit der feschen und kongenialen Matilda, im Rahmen des dritten Glockenbach Blues Festivals, Mateo Navarro wird mit seiner Band Inside Golden auch am Start sein, des Weiteren die ortsansässigen Formationen The Black Submarines, Lovewash und Muddy What?, das tolle Wiener Trash-Blues-Paar Ash My Love, der ehemalige Zündfunk-Redakteur, Autor und Sparifankal-Musiker Carl-Ludwig Reichert und der Glockenbach-Bluesfest-Gründer Marc Tepelmann. Tür 17.00 Uhr, Beginn 18.00 Uhr, und für 16 Eier an der Abendkasse bei dieser hochkarätigen Besetzung quasi geschenkt.