Gun Outfit

Gun Outfit @ Unter Deck, München, 2018-02-26

Der entspannte Start in die Woche am vergangenen Montagabend, von der stets verehrten Münchner Konzertagentur Clubzwei auf die Spur gebracht: Wenn es draußen bei zweistelligen Minus-Graden schneit, eist und windet, kommt im heimeligen Münchner Innenstadt-Club Unter Deck die Sonne Kaliforniens gerade recht daher, in Form des ureigenen Downtempo-/Slowcore-Westcoast-Rocks der L.A.-Formation Gun Outfit, die bereits im Vorjahr mit dem Album „Out Of Range“ unsere Herzen wärmte und das Gemüt erhellte, gleichwohl dem Umstand gewahr werdend, dass auch im Sound der Wahl-Kalifornier nicht alles eitel Sonnenschein ist und die Nebel-verschleierte und Wolken-verhangene Stimmung aus der ursprünglichen Heimat im Bundesstaat Washington herüberweht und weiter seinen Platz findet.
Zu intelligent, vielschichtig und doppelbödig ist der vordergründig luftige Gitarren-Flow des Quintetts, als dass der herkömmliche Westküsten-Softrock zum passenden Vergleich taugen würde – Cosmic American Music oder „Western Expanse Music“, wie die Combo selbst ihre Tonkunst benennt, im besten Sinne des Wortes, Alternative Country und Folk-Rock im Geiste der Byrds und der Dead in die Jetztzeit verfrachtet, staubtrockener, sandiger Desert-Sound und eine ergreifende Melancholie in den Indie-Balladen, von musizierender Versiertheit der Band dominiert, in der sich Sängerin/Gitarristin Carrie Keith mit ihrem Duett-Partner Dylan Sharp im Sangesvortrag und in der launigen Anmoderation die Bälle zuschmeißt, Basser Adam Payne, Drummer Daniel Swire und nicht zuletzt Multiinstrumentalist und Rauschebart David Harris an diversen Saiten-Instrumenten kongenial begleiten wie im Verbund eine feine, unterschwellige, dauerhaft präsente Psychedelic-Note und souveräne Entspanntheit im Vortrag präsentieren, wie man sie bis dahin nur von geschätzten Könnern wie Steve Gunn, Yo La Tengo oder den Feelies kannte.
Einen erhebenden wie würdigen Schlusspunkt setzte die Band nach einer guten Stunde kredenztem Eigenmaterial vornehmlich aus dem aktuellen Werk mit der Psychedelic-/Indie-Rock-Version der J.J.-Cale-Nummer „Downtown L.A.“, wie uns bereits seinerzeit der große Schweiger aus Oklahoma auf seinem 1982er-Album „Grasshopper“ glaubhaft versicherte, ist diese Gegend der City of Angels „a depressing place“, ein Moloch mit unzähligen Schattenseiten, und so war dann der Übergang nach Konzertende von der gewärmten Stube des Unter Deck hinaus in die frostige Münchner Winternacht hinsichtlich mentalem Umschwenken ein abgefedertes und thematisch halbwegs Vorbereitetes in Richtung unwirtliche Realitäten…
Gun Outfit unterstrichen einmal mehr im Nachspüren der Prärie-Geister und im musikalischen Durchstreifen der kalifornischen Canyons  – wie im vergangenen Jahr artverwandt etwa auch die Brüder Kenny und Hayden Miles vom Americana-Duo Wayne Graham – warum Jeff Tweedy und die Seinen trotz wesentlich üppigerer finanzieller und technischer Möglichkeiten in der Sparte immer mehr ins Hintertreffen geraten hinsichtlich Songwriting, Kreativität und schlauen Ideen, vielleicht sollten sie beizeiten einen „Grasshopper“-Grundkurs durchexerzieren, auch Wayne Graham haben sich seinerzeit mit „Drifters Wife“ dahingehend beim alten Cale bedient und das in letzter Zeit arg anödende Wilco-Zeug schnell vergessen gemacht – zeichnet sich da etwa ein Trend ab?
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Gun Outfit spielen heute im Hamburger Hafenklang, die restlichen Termine der Europa-Tournee wären die folgenden:

01. MärzAarhus – Tape
02. MärzKopenhagen – Stengade
03. MärzBerlin – Schokoladen

Reingehört (385): Gun Outfit

Gun Outfit – Out Of Range (2017, Paradise Of Bachelors)

Exzellenter Indie-/Desert-Rock der L.A.-Combo Gun Outfit mit verhallten Gitarren in gespenstisch-verhuschter Brachland-Atmosphäre inklusive Pale-Blue-Eyes-Fata-Morgana und einer geballten Portion Paisley Underground. Die Band knüpft ungefähr dort an, wo sie bereits vor zwei Jahren mit dem Album „Dream All Over“ eine hochanständige Arbeit in Sachen intelligent-inspiriertes Geister-Geschrammel hinterließ, neben ein paar Bouzouki- und Dulcimer-begleiteten Cosmic-American- und Slowcore-/Alternative-Country-Balladen dominiert auf dem aktuellen Werk vor allem eine ausgeprägte Gitarren-Psychedelic zwischen lockerer Entspanntheit und schlafwandlerischer Downtempo-Melancholie im verwaschen-nachschallenden Sound, vorgetragen mit raffinierter Spielfreude, Versiertheit und einem untrüglichen Gespür für die Balance zwischen Tradition und Moderne, die wie auch das erkennbar Artverwandte im hochqualitativen Indierock-Feld zwischen Yo La Tengo und Steve Gunn nie den entsprechenden Tiefgang und die nötige Reife vermissen lässt.
Schön auch mit anzuhören, wie das Bandleader-Paar Carrie Keith und Dylan Sharp jeweils in etwa hälftig den Gesang übernimmt und so ganz ohne verordnete Frauen-Quote in völliger Gleichberechtigung das Mikrophon hin- und her wandern lässt.
Kendra Smith und Steve Wynn versuchen im Grateful-Dead-Kostüm als Wander-Musikanten in der Wüste, wie das Brian Jonestown Massacre zu klingen, oder so ähnlich…
Konzert-Termin zum Dick-Anstreichen im Kalender: Die Veranstalter vom Clubzwei präsentieren Gun Outfit am 26. Februar im Münchner Unter Deck.
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