Heavy Metal

Eine Kerze für „Fast“ Eddie Clarke

Haben alle, die es interessiert oder betroffen machte, sowieso schon mitgekriegt, muss an der Stelle trotzdem würdigend erwähnt werden: „Fast“ Eddie Clarke, der Gitarrist des klassischen Motörhead-Lineups, ist am Mittwoch im Alter von 67 Jahren in einem Londoner Hospital an den Folgen einer Lungenentzündung verschieden. Er war zusammen mit Lemmy Kilmister und „Philthy Animal“ Taylor an allen relevanten Alben der englischen Heavy-Metal-Institution vom Debüt im Jahr 1977 bis zum „Iron Fist“-Album beteiligt, mit dem Sound der letztgenannten Aufnahmen war er seinerzeit nicht glücklich, was 1982 zu seinem Ausstieg bei der Band führte. Nach dem Dahinscheiden von Kilmister und Taylor im Jahr 2015 war Clarke der letzte Überlebende des legendären Trios.
Er war jedoch nicht – wie gerne kolportiert wird – der erste Motörhead-Gitarrist, diese Ehre gebührt dem Engländer Larry Wallis, der auf den 1976 entstandenen, erst 1979 veröffentlichten „On Parole“-Einspielungen zu hören ist und kurz nach den Aufnahmen von Eddie Clarke ersetzt wurde.
Nach seinem Abgang bei Motörhead formierte Clarke mit dem UFO-Bassisten Pete Way die britische Hardrock-Band Fastway. In seinen letzten Lebensjahren ist der Gitarrist musikalisch zu seinen Blues-Wurzeln aus den frühen Siebzigern zurückgekehrt.

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The Black Dahlia Murder + Pighead @ Kranhalle, München, 2017-07-03

Massiver Voll-auf-die-Ohren-Doppelpack zum Wochenauftakt in der Münchner Kranhalle: Am vergangenen Montag gaben sich zwei Vertreter der härteren Gangart im Feierwerk-Areal die Ehre, ohne großes Warten und Vorabgeplänkel ging es direktemang zur angekündigten Anstoß-Zeit in die Vollen mit der Berliner Combo Pighead, die tonale (?) Kunst des Quartetts nennt sich „Brutal Death Metal“, vielleicht am ehesten als Crossover aus dem Surf-Trash der Suicidal Tendencies mit beinhartem Hardcore-Punk und dem brachialen Grindcore-/Death-Metal-Zeug der frühen Earache-Records-Bands zu skizzieren, mit durchgehend gutturalem Gröhl-Gesang begleitet vom durchtätowierten, durchtrainierten Frontmann Phil, der formvollendet als geborene Rampensau den Metal-Henry-Rollins gab – strammer, energiegeladener Auftritt, als Abend-Eröffner für eine halbe Stunde von hohem Unterhaltungswert und somit durchaus ansprechend.
Wie heißt es in der Fisherman´s-Friend-Werbung so schön: „Sind sie zu stark, bist Du zu schwach!“. In diesem Sinne…
(****)

Der bis heute ungeklärte Mord an der 22-jährigen Amerikanerin Elizabeth Short im Jahr 1947 in Los Angeles ist als „Black Dahlia Murder“ in die US-Kriminal-Historie eingegangen, Hardboiled-Gigant James Ellroy hat später einen seiner wuchtigsten Romane über den Fall als Auftakt seiner grandiosen L.A.-Quartet-Serie geschrieben. 2001 haben sich fünf junge Brüller in Waterford/Michigan zusammengetan, um unter diesem Namen eine Metal-Combo zu gründen, die Band hat mittlerweile sieben Studioalben veröffentlicht und zahlreiche personelle Umbesetzungen hinter sich, von der Stammformation sind nach wie vor der gewichtige Frontmann Trevor Strnad und Rhythmus-Gitarrist Brian Eschbach am Start, und die haben im Verbund mit den drei neuen Mitmusikanten im Hauptteil des Doppelpacks über gute 75 Minuten einen heftigen Orkan ihrer als „Melodic Death Metal“ bezeichneten Krach-Offensive über die Kranhalle hereinbrechen lassen. Der „Gesang“ Strands mag in den höheren Tonlagen ab und an nicht nur durch Mark und Bein, mitunter auch gehörig auf den Zeiger gehen, dem Wechsel in die kehligen Growls wohnte etwas Erlösendes inne, das „Melodic“ im Tempo-gesteigerten Death Metal der Amis sucht man in den meisten Passagen auch vergeblich, anyway, für altgediente Carcass-, Hardcore- und Speedpunk-Freunde war’s nichtsdestotrotz eine spaßige Sause zum Durchpusten der Gehörgänge, für den Metal-Nachwuchs ohnehin, inklusive großartiger Publikumsbeteiligung am Entertainment durch ausgiebiges Headbanging, Stagediving, Mosh-Pit-Slaming und Konzertbesucher-über-Kopf-durch-die-Halle-weiterreichen. Der Saal hat gekocht, gleichsam vor Energie geborsten, vom Startpunkt weg, strahlende Metaller-Augen und beseeltes Grinsen allerorten, insofern können The Black Dahlia Murder bei ihrem jüngsten München-Gig nichts Grundlegendes verkehrt gemacht haben. Und im Vergleich zu den experimentellen Spielarten des Metal-Genres, wie sie etwa von Bands wie Sumac oder Sunn O))) aktuell dargereicht werden, ist es letztendlich sowieso leicht zu konsumierender Pop… ;-)))
(**** – **** ½)

Saxon + Phil Campbell And The Bastard Sons @ Backstage, München, 2016-12-06

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Jahrzehntelang Gitarrist bei Motörhead, jahrein-, jahraus nonstop durch die Lande touren, dazwischen als mehr oder weniger einzige Auszeit ein Abstecher ins Aufnahmestudio, und dann stirbt einem zwar nicht völlig unerwartet, aber doch recht plötzlich der Chef weg. Phil Campbell hat sich nicht lange im kreativen Loch aufgehalten und den eigenen Nachwuchs für neue Abenteuer rekrutiert, was die Campbell-Junioren an guter Kinderstube hinsichtlich alten Damen die Türe aufhalten, freundlich grüßen plus schulischer Leistungen so mitbringen, interessierte an der Stelle nicht, hinsichtlich Fruchten der musikalischen Frühförderung kann sich der olle Phil im Bezug auf die eigene Brut nicht beschweren, die drei jungen Männer lieferten mit Vattern und dem Sänger Neil Starrs eine honorige Vorstellung zum Auftakt des lauten Abends am vergangenen Dienstag im Münchner Backstage. Raus aus der Komfortzone: wo der Waliser Campell an der Seite von Lemmy Kilmister in den vergangenen 30 Jahren stets den krönenden Abschluss des jeweiligen Brachial-Abends bespielte, gibt er derzeit mit den Seinen mit schmalem Equipment den Anheizer im Saal.
Mangels Fülle an eigenem Material bediente sich das Quintett vorwiegend und naheliegend im reichhaltigen Motörhead-Fundus, Nummern wie „R.A.M.O.N.E.S.“, „Killed By Death“ und das obligatorische „Ace Of Spades“ stießen beim Publikum selbstredend auf offene Ohren, Hirnzellen-vernichtendes Headbangen und den ein oder anderen in die Luft gereckten Teufelsgruß. Die Anfrage „Do you want to hear a Motörhead-Song?“ an die vollgefüllte Werk-Halle des Backstage war nicht überraschend eine rein rhetorische. „Spiders“ aus der eigenen Feder unterlegte die Band mit einer feinen Hard-Blues-Note, im „Sweat Leaf“-Klassiker von Black Sabbath konnte Frontmann Starrs sein vermutlich nicht zuletzt durch Körpermasse bedingtes, wuchtiges und schwer beeindruckendes Stimmvolumen ausleben, und mit dem Hawkwind-Space-Prog-Hit „Silver Machine“ brannte die Band in Erinnerung an die verstorbenen Musikergrößen des vergangenen Jahres ein energiegeladenes, beschwingt abrockendes Feuerwerk ab.
Phil Campbell mit gewohnt schneidenden, wuchtigen, locker aus dem Handgelenk gespielten Gitarrensoli, eine treibende Rhythmuscombo aus dem eigenen Stall, die ohne großen Firlefanz den guten alten Hardrock in ihrer ölverschmierten, straßentauglichen Herrlichkeit durch die Boxen wuchtete, und ein Sänger, der in dem Genre zweifellos seinen Weg machen wird, ergaben gute 40 Minuten mit bestem Heavy-Entertainment, an dem es nix rumzumäkeln gab. Und das mit den Eigenkompositionen wird auch noch…
(**** ½)

„The New Wave Of British Heavy Metal“ ist mittlerweile gut in die Jahre gekommen, leise oder gar langweilig ist die Nummer deswegen noch lange nicht, wie zuletzt die Kollegen von Iron Maiden mit ihrem hörenswerten „Book Of Souls“-Doppelalbum oder eben auch die Mannen von Saxon als Headliner des vergangenen Mittwochabends im 39. Jahr ihres Bestehens im Backstage eindrucksvoll unter Beweis stellten. Knappe 110 Minuten geballte Metal-Power der britischen 80er-Jahre-Schule brachten die Stimmung der Fans im vollgepackten Saal zum Kochen, groß war die Freude der Anhängerschaft, die Band nach vielen Jahren im Vorprogramm von Kilmister und Co. endlich wieder über die volle Distanz zu erleben, Silbermähne und Sympath-Mann Biff Byford, neben Gitarrist Paul Quinn einziges verbleibendes Bandmitglied der Urbesetzung, und seine Sachsen aus dem nordenglischen Barnsley (Achtung, Fußballfans: Lars Leese, „Der Traumhüter“, you know) ließen an dem Abend keine Wünsche offen hinsichtlich treibender Gitarren-Wucht, Laune-machendem Hardrock-Entertainment und Zelebrieren der eigenen, ellenlangen Historie, wo das aktuelle Material des jüngsten Tonträgers „Battering Ram“ (2015, UDR Music) durchaus gefiel, aber nicht zwingend zu Begeisterungsstürmen hinriss, kannte die Euphorie der altgedienten Saxon-Freunde bei bewährten Bandklassikern wie „And The Bands Played On“, „Never Surrender“, „747 (Strangers In The Night)“, dem ergreifenden „Power And The Glory“ oder dem finalen Konzerthöhepunkt „Princess Of The Night“ keine Grenzen mehr, da ist in Reminiszenz an die eigene, längst vergangene Jugend das Moped nochmal auf den Landstraßen vor dem geistigen Auge vorbeigebrettert, und nicht nur Mr. Campbell hatte an dem Abend den Nachwuchs in Begleitung, der eigene war auch zugegen, und höchstselbst erneut sehr angetan vom Werken der altgedienten Metal-Recken aus dem hohen Norden. „Ninety Tons Of Thunder, Lighting Up The Sky“, eh klar… ;-)))
(**** – **** ½) Animationsgrad der Gesellschaft im Saal, Stimmung Hilfsausdruck  (******)