Jazz

Reingelesen (61): Barney Hoskyns – Tom Waits: Ein Leben am Straßenrand

„Dieses ganze geheimnisvolle Getue um diesen total abgefahrenen Kerl und all dieser Charles-Bukowski-Mist. Niemand war wirklich so. Im Grunde genommen war er ein Lehrersohn aus der Mittelklasse von San Diego. Und was er da vorführte, war seine Vorstellung davon, wie abgefahren arme Leute waren.“
(Robert Marchese)

Barney Hoskyns – Tom Waits: Ein Leben am Straßenrand (2009, Heyne)

Eine Kultfigur, die sich von der Öffentlichkeit abschottet, ist schwer greifbar, siehe Extrembeispiel J. D. Salinger, derart vollumfänglich radikal wie einst der „Fänger im Roggen“-Autor entzieht sich Ausnahmemusiker Tom Waits den Medien zwar nicht, die Adresse seiner Heimstatt ist für Außenstehende indes streng geheim, für den Autor der vorliegenden Biografie waren weder er noch sein näheres Umfeld für Gespräche und Hilfestellung bereit, somit also kein leichtes und risikofreies Unterfangen, den kalifornischen Barden, Songwriter und Schauspieler Waits zu porträtieren, der englische Musikkritiker Barney Hoskyns ist das Wagnis eingegangen und hat trotz der widrigen Umstände im Rahmen der Recherche durchaus Passables zu Papier gebracht.

Tom Waits kommt 1949 in Pamona im Los Angeles County als Kind eines Schullehrer-Ehepaars zur Welt, der Vater Jesse Frank Waits verlässt 1960 die Familie, dem Musiker bleibt in späteren Jahren vor allem die Alkoholsucht des Altvorderen als familiäres Erbe, erst im mittleren Alter wird er seine eigenen Probleme als regelmäßiger Trinker in den Griff bekommen. Geschichten aus dem persönlichen Umfeld und die speziellen Marotten der Verwandtschaft finden mehrfach thematisch in späteren Songtexten Eingang.

„Da ich ohne Vater aufwuchs, war ich ständig auf der Suche nach einer Vaterfigur. Diese Typen wurden so etwas wie Vaterfiguren für mich. Kerouacs „On the Road“ zu lesen, bereicherte meinen Alltag um ein aufregendes Quäntchen Mythologie und führte dazu, dass ich mich, angetrieben von Forscherdrang und voll Neugierde auf die Details des Lebens, selbst on the road begab.“
(Tom Waits)

Waits heuert im Alter von 21 Jahren beim Zappa-Manager Herb Cohen an, der bringt ihn 1972 beim Asylum-Label unter, der Plattenfirma von Bands und Musikern wie den Eagles oder Jackson Browne, deren Musik wie auch deren Lebensstil Waits völlig fremd sind. Der amerikanische Westcoast-Sound ist sein Ding nicht, eine bekannte Folk-Formation verspottete er als „Crosby Steals The Cash“, über die Cover-Version von „Ol‘ 55“ der Eagles, die ihm immerhin ordentlich Tantiemen in die Kasse spülte, rümpfte er verächtlich die Nase.

Für landesweite Konzertreisen schickt Cohen seinen Schützling zur Promotion als Eröffnungsnummer auf Tour mit Frank Zappa und den Mothers, Waits geht beim feindseeligen, extrem kritischen Zappa-Publikum durch eine harte Schule und stellt aufgrund der negativen und ablehnend Resonanz, die er aus diesem Lager erfährt, erstmals die Sinnfrage hinsichtlich seines künstlerischen Schaffens.

Autor Hoskyns widmet sich in seiner Waits-Biografie ausführlich den ersten Engagements des Sängers im Troubadour Nightclub in West Hollywood Anfang der Siebziger, den musikalischen wie literarischen Einflüssen, Dylan, Monk, Louis Armstrong, Dr. John, Howlin‘ Wolf auf der einen, explizit die Beat-Autoren Kerouac und Ginsberg plus Suff-Poet Bukowski auf der anderen Seite, bei letzterem stößt die Musik Waits‘ auf wenig Gegenliebe, erst kurz vor seinem Ableben wird der Underground-Schreiber mildere Worte für den geistesverwandten Songwriter finden. Seine Freundschaft zum Musiker-Kollegen Chuck E. Weiss und seine Affäre mit der Sängerin Rickie Lee Jones werden ausführlichst thematisiert, wie sein Abhängen im vermüllten Zimmer des Tropicana Motel, das er jederzeit der von ihm verachteten Laurel-Canyon-Szene um Joni Mitchell und David Crosby vorzog.

„Natürlich war sein Gehabe aufgesetzt, und natürlich rieb man sich daran und dachte: ‚Okay, dass er in Wahrheit kein Jazzbo-Beatnik aus den Fünfzigern ist, weiß jeder‘. Aber was er tat, hatte einfach Qualität.“
(Tom Nolan)

Hinsichtlich Plattenaufnahmen gelingt Waits mit einer feinen Bar-Jazz- und Folk-Balladen-Sammlung ein mehr als passabler Einstieg in die Musikindustrie, ergreifende Nummern wie das bereits erwähnte „Ol‘ 55“, „I Hope That I Don’t Fall in Love with You“, „Ice Cram Man“ und „Rosie“ tragen auf „Closing Time“ (1973, Asylum) zu einem exzellenten Debüt-Album bei, auf den folgenden Longplayern wird sich der Waits-Stil bis Anfang der Achtziger weg vom Folk, hin zum Piano-Jazz und Bar-Blues entwickeln, in den Texten thematisch permanent in einer Verbindung aus Tragik und Romantik zugange. Ab den späten Siebzigern ist Waits – oft nur in Nebenrollen – als Schauspieler in Kinofilmen zu sehen, diverse Male in Produktionen von Francis Ford Coppola, herausragend in seiner Karriere als Mime sind die Hauptrolle in Jim Jarmuschs Low-Budget-Klassiker „Down By Law“ aus dem Jahr 1986 an der Seite von Avantgarde-Jazz-Musiker John Lurie und dem italienischen Schauspieler Roberto Benigni und sein Auftritt in Robert Altmans Episoden-Film-Meisterwerk „Short Cuts“ im Jahr 1992.

Seine frisch angetraute Frau Kathleen Brennan bringt ihm Anfang der Achtziger die musikalische Welt des Blues-Avantgardisten und Zappa-Spezis Don Van Vliet aka Captain Beefheart näher, unter dem Einfluss der Arbeiten des unkonventionellen Experimental-Rock-Musikers und weiterer Outsider-Komponisten wie dem kalifornischen Musik-Theoretiker Harry Patch entwickelt Waits die Songs für sein Album „Swordfishtrombones“ und gibt damit gleichzeitig die stilistische Marschrichtung vor für weitere, folgende Ausnahme-Alben wie „Rain Dogs“, „Bone Machine“ oder seine musikalischen Kollaborationen mit dem experimentellen Theatermacher Robert Wilson. Elektra-/Asylum-Chef Joe Smith ist entsetzt vom neuen Material, es kommt 1982 zum endgültigen Bruch mit seinem angestammten Plattenlabel, das Werk erscheint auf dem Island-Label von Chris Blackwell, die Welt lernt den experimentierfreudigen Kunstmusiker Waits kennen, wie er ab diesem Zeitpunkt bis zum heutigen Tag in den Feuilletons dieser Welt abgefeiert wird, passe ist der von Thelonious Monk, Dr. John, Randy Newman und Charles Bukowski beeinflusste Bar-Blues und Jazz früherer Tage. Waits‘ weitere Alben sind geprägt vom Tüfteln auf kaputten Instrumenten, Kurt-Weill-Anlehnungen, exotischer Marimba-Rhythmik, New-Orleans-Beerdigungskapellen-Gebläse, schrägem Folk, Swamp-Blues und dem Avantgarde-Gitarrenspiel seines zukünftigen, langjährigen Kollaborateurs Marc Ribot.

Barney Hoskyns hat von Seiten Waits/Brennan beim Verfassen seiner Biografie keinerlei Unterstützung in Form von Interviews, beantworteten Briefen oder telefonischen Gesprächen bekommen, darüber hinaus hat das Paar offensichtlich nichts unversucht gelassen, um den eigenen Inner Circle von einer Zusammenarbeit mit dem Autor abzuhalten, der im Anhang veröffentlichte Mail-Verkehr, unter anderem mit dem Management von Stones-Gitarrist Keith Richards und mit Rickie Lee Jones, dokumentiert das hinlänglich.
Hoskyns stützt sich in seiner Recherche auf wenige, Jahrzehnte-alte Interviews, die er in seiner Eigenschaft als Musikjournalist in der Vergangenheit mit dem Star führen durfte, und auf Erinnerungen von Zeitgenossen, denen das Wohlwollen des Musikers egal war oder die längst keinen Kontakt mehr zu Waits hatten.
Unter diesen Umständen ist die Arbeit von Hoskyns grundsätzlich zu loben, auch wenn der Leser aufgrund fehlender Informationen aus erster Hand die unterhaltsamen Anekdoten aus dem Leben des großen Musikers oft vergeblich sucht. Der Autor lässt seine eigenen Interpretationen und Eindrücke zur Waits-Musik und -Vita Revue passieren, dass ist nichts Verwerfliches, der deutsche Autor Christoph Geisselhart hat es mit diesem Ansatz zu einer dreibändigen, lesenswerten, 1.400-seitigen Dokumentation über die britische Rock-Institution The Who gebracht, auch im Fall von Hoskyns und Waits funktioniert diese Herangehensweise leidlich, zumal sie gespickt ist mit latent zur Ironie neigenden Spitzen des Autors in Richtung seines Helden, die jedoch nie sein Fan-Dasein verleugnen und die grundlegende Zuneigung zum verehrten Musiker erkennen lassen.
Die ausführliche Besprechung und Interpretation der kompletten Songs jeder einzelnen Waits-Veröffentlichung zelebriert der Autor bis zum Exzess, so genau mag man’s als Hörer oder Leser dann oft doch nicht wissen, und den Begriff der „Pastiche“, den Hoskyns bei seiner vergleichenden Beschreibung von einzelnen Waits-Songs weit über Gebühr bemüht, den mag man als Leser irgendwann auch nicht mehr durchgehen lassen, ohne aufkommende Verärgerung über diese auf Dauer unoriginelle Form der Referenz zu verspüren.
Anyway, ein willkommener Anlass, um den ein oder anderen Tonträger des Sängers mit der ruinierten Stimme aus dem Plattenschrank zu ziehen und abzutauchen in die wundersam-wirre Welt einer alkoholgetränkten, versponnenen Parallelwelt-Romantik ist die Lektüre des Hoskyns-Werks allemal.

Bezeichnend ist die Geschichte zum Schlusskapitel des Buchs: Barney Hoskyns wartet im verregneten schottischen Sommer 2008 nach einem Waits-Konzert im Edinburgher Playhouse am Tourbus auf seinen Star, um persönlich endlich ein paar Worte mit ihm zu wechseln, Waits indes sitzt bereits im Bus, ist dem Fan wieder einmal enteilt und bleibt für ihn weiter unerreichbar, eine bezeichnende Metapher für die Arbeitsgrundlage zu dieser Biografie.

„Wenn Sie heute wirklich etwas suchen müssen, dann den Ausweg.“
(Tom Waits)

Der Brite Barney Hoskyns ist Musikjournalist und Redakteur des Online-Musikarchivs Rock’s Backpages. Seine Artikel erschienen unter anderem in Fachpostillen wie Melody Maker, New Musical Express und Rolling Stone. In den neunziger Jahren war er US-Editor des renommierten Mojo Magazine. Hoskyns ist der Autor mehrerer Bücher über Themen wie Glamrock, die Laurel-Canyon-Szene, Haight-Ashbury und die englischen Hardrock-Pioniere Led Zeppelin. Barney Hoskyns und seine Familie leben in London, mit dem Ultravox-Musiker Midge Ure ist er verschwägert.

Tom Waits veröffentlicht sporadisch weiterhin Alben, zuletzt im Jahr 2011 den sehr hörenswerten Experimental-Blues-Longplayer „Bad As Me“ beim kalifornischen Indie-Label ANTI-. Etliche Mainstream-Artisten wie Rod Stewart und Bruce Springsteen haben in der Vergangenheit Coverversionen seiner Songs interpretiert und somit, durch die Verkaufszahlen bedingt, einen nicht unerheblichen Anteil an der Vermögensbildung des Kultmusikers.

Soul Family Tree (14): Aretha Franklin, Chaka Khan, Nancy Wilson, John Lee Hooker, Billie Holiday, Jimmy Cliff

Black Friday mit einem weiteren Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase, here we go:

Heute ist Ladies Day mit den März-Geburtstagskindern Aretha Franklin und Chaka Khan und der großartigen Nancy Wilson, die im Februar Geburtstag hatte. Dann gibt es den dritten und letzten Teil mit „Hymnen der Bürgerrechtsbewegung“ mit John Lee Hooker, Jimmy Cliff und Billie Holiday. Es wird eine musikalische Reise in die Vergangenheit, u.a. in die der 1960/70er Jahre.

„Trouble in mind, I’m blue
But I won’t be blue always
Cause I know the sun’s gonna shine in my back door someday…“

Was ist Soul? Aretha Franklin, die vor wenigen Tagen, ihren 75. Geburtstag feiern konnte, wusste darauf eine einfache wie verständliche Antwort. Man muss kein Afroamerikaner sein, um Soul zu haben. Was man aber braucht, ist Kreativität, Leidenschaft, Lebendigkeit und Ehrlichkeit. Aretha Franklin wuchs quasi in der Kirche auf und wollte eigentlich Gospel singen. Mit 18 Jahren ging sie nach New York und unterschrieb bei Columbia Records ihren ersten Plattenvertrag. In den 1960er Jahren nahm sie verschiedenste Platten auf und spielte mit den Stilrichtungen Blues, Jazz, Pop, Balladen. Erst nachdem sie 1966 zu Atlantic Records wechselte, stellte sich auch der kommerzielle Erfolg ein. Sie präsentierte sich in den späten 1960er Jahren als stolze Afroamerikanerin. Aus ihren Zeit bei Columbia habe ich einen Bluessong ausgesucht. Man beachte besonders, wie sie den Klassiker „Trouble In Mind“ aus der Feder vom Jazz- Pianisten Richard M. Jones interpretiert. Die Beschreibung „Live“ ist missverständlich. Zwar wurde die Aufnahme unter Live-Bedingungen im Studio aufgenommen, doch ohne Zuschauer. Die einzigen, die dabei applaudierten, waren die Mitarbeiter der Plattenfirma. Aus dem Album „Yeah!!!“ aus dem Jahre 1965 kommt nun die Queen of Soul Aretha Franklin.

„If you’re down and confused
And you don’t remember who you’re talking to
Concentration slips away
Because your baby is so far away…“

Kommen wir von der Queen of Soul zur Queen of Funk, wie Chaka Khan gern genannt wird. Ihre Karriere begann in den frühen 1970er Jahren als Sängerin der Funk-Band Rufus. Mit Rufus hatte Chaka Khan einige Hits. Und mit dem größten Hit aus 1983 „Ain´t Nobody“ beendete sie auch die Zusammenarbeit und startete als Solokünstlerin. Ihr Repertoire geht sehr tief. Sie hat mit Jazz-Größen wie Herbie Hancock und Miles Davis zusammen gespielt und von Disco, Soul bis Funk alle Stile erfolgreich bedient. Den meisten ist sie mit „I Feel For You“ bekannt. Übrigens ein Lied, welches ihr Prince geschrieben hatte. Ausgesucht habe ich ein Stück aus der Zeit mit der Funk-Band Rufus, den Song „Love The One You´re With“, geschrieben von Stephen Stills. Der Song beginnt ruhig mit einem Piano. Aber dann… und ab Minute 3:30 ändert sich wieder das Tempo. Ladies and Gentleman. Hier kommt die Queen of Funk Chaka Khan. Welch eine kraftvolle Stimme.

„It was the third of June, another sleepy, dusty Delta day
I was out choppin‘ cotton and my brother was balin‘ hay
And at dinner time we stopped and walked back to the house to eat
And Mama hollered out the back door, „Y‘ all remember to wipe your feet.“

Nancy Wilson hatte im Februar Geburtstag und gilt zurecht als seine der großen Jazz-Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Repertoire ging weiter, als nur Jazz zu singen. Sie sang und nahm ebenso Blues-, Soul- und Disco-Alben auf. Hier zu hören mit einem Cover von Bobby Gentrys „Ode To Billie Joe“, arrangiert von Oliver Nelson. Ein Song, der dank des wunderbaren Arrangements auf dem Album „Welcome To My
Love
“ so zeitlos daher kommt.

Hymnen der Bürgerrechtsbewegung – Teil 3

„I don’t know what the trouble is
I can’t stay around to find it out
I don’t know, I don’t know
What the trouble is, this mo’nin’…“

Blues Musiker waren keine Unbekannten, wenn es um Diskriminierung ging. Einer der ersten, der die Verhältnisse und Rassenunterdrückung anprangerte, war Lead Belly 1938 mit seinem Lied „Bourgeois Blues“. Der Sommer 1967 in Detroit erlebte mit die brutalsten Unruhen in den USA. Dutzende Menschen starben dabei und Tausende wurden verletzt und verhaftet. John Lee Hooker beschreibt die dunklen 5 Tage, als Detroit brannte.

“Southern trees bear a strange fruit
Blood on the leaves and blood at the root
Black bodies swinging in the southern breeze
Strange fruit hanging from the poplar trees…”

Es gibt Lieder, die überdauern Generationen, weil sie ein Monument sind. “Strange Fruit” ist so ein Lied. Wie ein Testament, Mahnung und Herausforderung gleichsam. Im Jahre 1936 war ein Lehrer so geschockt von einer Fotografie, die zwei Menschen zeigte, die am Galgen hingen, dass er aufgewühlt darüber ein Gedicht mit dem Titel “Strange Fruit” schrieb. Er sprach Billie Holiday an, ob sie sein Gedicht nicht vertonen möchte. Ihre damalige Plattenfirma verweigerte die Aufnahme. Für eine andere kleine Plattenfirma nahm sie dennoch das Gedicht als ihr Lied auf ,und es wurde der vielleicht erste und nachhaltigste Protestsong seiner Zeit. “Strange Fruit” ist eine Metapher und Ausdruck für die damaligen Lynchmorde.

„Vietnam, Vietnam, Vietnam, Vietnam
Vietnam, Vietnam, Vietnam
What I’m saying now somebody stop that war…“

Als letztes Lied in dieser Reihe habe ich „Vietnam“ von Jimmy Cliff aus dem Jahr 1970 ausgesucht. Dieses Lied ist so simpel wie direkt und klar in der Aussage. Auch viele Afroamerikaner wurden nach Vietnam geschickt und allein gelassen. Nicht nur Martin Luther King, auch Muhammad Ali verweigerten sich gegen den Vietnam-Krieg. Für Jamaikas Künstler wie u.a. Bob Marley oder Peter Tosh waren diese unruhigen Jahre eine künstlerische wie fruchtbare Basis, klare Statements zu setzen. Jimmy Cliffs Hymne ist einer der besten Protestsongs aller Zeit. Ein Lied, dessen Echo nie verklingen wird, weil die Geschichte immer weiter getragen wird.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (13): Thundercat, Bobby Womack, Notorious B.I.G., Dave Valentin, Jodi Sledge, James Brown, Canonball Adderley, Sam Cooke

Black Friday, my dudes, in das Wochenende gegroovt mit einem weiteren Black-Music-Beitrag vom Hamburger Soulbrother und Freiraum-Blogger Stefan Haase, keep yourself entertained:

Zum Wochenende gibt es neue Musik von Thundercat, Erinnerungen an Bobby Womack und Notorious B.I.G, Kerzen für Dave Valentin und Jodi Sledge, und den zweiten Teil der Hymnen der Bürgerrechtsbewegung mit James Brown, Cannonball Adderley und Sam Cooke. Let´s go!

Starten wir mit neuer Musik von Stephan Bruner aka Thundercat von seinem dritten Album „Drunk“. Musik liegt bei Thundercat in der Familie. Sein Vater war Schlagzeuger, u.a. bei den Temptations und Diana Ross. Er selbst fungiert als Bassist, Keyboarder und als Produzent. Nach Zusammenarbeiten mit Flying Lotus spielte er zusammen mit Kendrick Lamar, Kamasi Washington, Erykah Badu und anderen. Für sein neues Album holte er sich wieder namhafte Gäste. Hier die erste Auskopplung „Show You The Way“ mit Michael McDonald und Kenny Loggins als Gastsänger (ehemals Doobie Brothers).

Im März hätte Bobby Womack Geburtstag gehabt. Vor knapp 3 Jahren ist er gestorben. Er war, ist und bleibt eine Ikone der Soul-Musik und einer meiner Lieblingssänger. Fünf Jahrzehnte lang machte er Musik. Bereits gesundheitlich angeschlagen, nahm er 2012 zusammen mit Damon Albarn (Blur, Gorillaz) ein letztes Album auf. Keine Frage, er ist „The Bravest Man In The Universe“.

20 Jahre ist es her. Der Rapper Christopher George Latore Wallace aka Notorious B.I.G. wurde im März 1997 erschossen. Er war bereits damals der kommerziell erfolgreichste Rapper weltweit und auch alle Veröffentlichungen nach seinem Tode blieben erfolgreich. Entdeckt wurde er von Puff Daddy. Bereits sein Debut „Ready To Die“ erreichte mehrfach Platinstatus in den USA. Es war auch die Zeit in den 1990er Jahren, in denen es offene Konflikte zwischen Musikern der West- mit der Ostküste gab. Hier kommt „Biggy“ mit seinem Hit „Juicy“. Das Hauptsample stammt von Mtume´s „Juicy Fruit“.

Vor wenigen Wochen starb der Latin-Jazzflötist Dave Valentin. Er war übrigens der erste Künstler, den Dave Gruisin und Larry Rosen zum neu gegründeten GRP Plattenlabel holten. Dort nahm er seit 1979 immer wieder Alben auf. Sein Einfluss auf den Latin-Jazz insgesamt bleibt sein großes Vermächtnis wie auch sein unverkennbares Flötenspiel. Als Erinnerung an einen großen Künstler kommt nun „Clove & Cinnamon“.

Hymnen der Bürgerrechtsbewegung – Teil 2

“I was born by the river
in a little tent
and just like the river
I’ve been running ever since…”

Sam Cookes „A Change Is Gonna Come“ war und ist bis heute ein Meilenstein in der Musik. Er wurde nicht als Protestsong von Cooke geschrieben und wurde später doch eine der Hymnen der Bürgerrechtsbewegung, er bewegt bis heute. Cooke, der bereits 1964 unter tragischen Umständen starb, hielt den Song lange zurück, wegen der oben genannten Anfangszeilen, die er als zu persönlich empfand. Dennoch nahm er mit Streichern in den RCA Studios diesen Song auf, der als B-Seite zur Single „Shake“, nach seinem Tode, im Dezember 1964 veröffentlicht wurde. Ein Lied, das Generationen überdauerte und heute noch aktuell und inspirierend ist.

Während im traditionellen Gospel die Erlösung meist am jüngsten Tag geschehen wird, so war sich Cooke sicher, dass die Veränderung kurz bevor besteht:

“It’s been a long time coming
But I know a change is gonna come”.

„I don’t want nobody
To give me nothing
Open up the door...“

Denkt man an James Brown und an Hymnen der Bürgerrechtsbewegung, fällt einem spontan „Say It Loud. I Am Black And Proud“ ein. Doch ich habe mich für einen anderes Lied entschieden: „I Don’t Want Nobody To Give Me Nothing“, vom 1970er Album„Sex Machine“. Selten war James Brown politischer und radikaler in seinen Aussagen. Einer seiner besten Songs und für die Black Community die alternative Nationalhymne.

„Just Walk Tall“

„Soul Power“ wurde in den 1960Jahren zum Zeichen für ein neues Selbstbewusstsein in den Black Communities. Der feste Glaube an Veränderung und an den Fortschritt . Einer der wichtigsten Bands dieser Zeit war die des Saxofonisten Cannonball Adderley.

Im Oktober 1969 trat die Band in einer Kirche in Chicago auf. Reverend Jesse Jackson, der spätere amerikanische Präsidentschaftskandidat, hatte im Rahmen der „Operation Breadbasket“ zu einem Wohltätigkeitsgottesdienst mit anschließenden Konzert eingeladen. Was dann passierte, ist auf dem Album „Country Preacher. Live at Operation Breadbasket“ dokumentiert. Die „Operation Breadbasket“ wurde übrigens von Martin Luther King ins Leben gerufen, um jungen Talenten ein Stipendium zu besorgen. Reverend Jackson nutze den Moment und sprach zu Beginn eine Einführung. Dann beginnt der „Walk Tall“. Später nahm Adderley diesen Song noch im Studio auf, zusammen als Doppeltitel mit „Mercy, Mercy,Mercy“.

Beim nächsten Mal gibt es den 3. Teil mit weiteren Hymnen der Bürgerrechtsbewegung. Bis bald.

„We’re lost in music
Caught in a trap
No turnin‘ back
We’re lost in music…“

Vor wenigen Tagen ist Jodi Sledge, eine der vier Sister-Sledge-Schwestern, gestorben. Sister Sledge haben das beste Chic-Album aller Zeiten aufgenommen. Bernhard Edwars und Nile Rodgers von Chic kreierten in den 1970er Jahren einen völlig neuen Musikstil, eine Melange aus Soul, Funk und Disco-Musik, und schrieben für Sister Sledge deren Welthits. We´re lost in music. Rest in peace.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum