Jóhann Jóhannsson

Reingehört (219): Jóhann Jóhannsson

dscf3582

Jóhann Jóhannsson – Orphée (2016, Deutsche Grammophon)
Feierlich-würdevolle, eindringliche Klaviermeditationen, dezentes Sampling und dunkel-schwere Streichinstrumente dominieren das thematisch an den Orpheus-Mythos angelehnte Konzeptwerk des isländischen Komponisten und Filmemachers Jóhann Jóhannsson, mit seinem Grenzgang zwischen Neoklassik und Ambient ist der Nordländer mittlerweile beim weltältesten Plattenlabel gelandet, die ehrwürdige Deutsche Grammophon ist ein perfekt passendes Forum für diese zeitlosen und erhabenen Klanggebilde, die unaufdringliches Electronica-Experimentieren und um ein Vielfaches mehr an getragenem Wohlklang bieten.
Stilelemente der seriellen und Minimal Music bereichern den im Grundton klassischen Ansatz, vereinzelte Sequenzen erinnern an Filmmusik, nicht weiter verwunderlich, im Œu­­re von Jóhannsson finden sich etliche Kompositionen für Theater, Dokumentationen und Kinoproduktionen.
Den krönenden Schlusspunkt setzt ein atemberaubendes Ausklingen mit der rein vokalen „Orphic Hymn“, der großartige Paul Hillier bietet hier mit dem Theatre Of Voices die von ihm erwartet-gewohnte, erstklassige Choralkunst.
Hörer, die sich für die bedächtig-dramatischen Werke des polnischen Komponisten Henryk Górecki, die Minimal Music des Engländers Michael Nyman oder den schweren Postrock des kanadischen Musikerkollektivs Godspeed You! Black Emperor begeistern können, greifen hier beherzt zu.
(*****)