John Maloof

Finding Vivian Maier

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„Eine Anti-Facebook-, Anti-Glamour-Geschichte, ein Affront für alle, die am Tropf des bedeutungsverheißenden Kulturbetriebs hängen.“
(Susanne Mayer, Die Zeit)

“An absolute must see.”
(Pretty Clever Films)

Man stelle sich vor: eine begnadete Künstlerin, die sich jahrzehntelang ihren Lebensunterhalt als Kindermädchen in amerikanischen Haushalten verdient, in ihrer Freizeit ihrer Passion nachgeht, kistenweise verwertbares Material ihrer Kunst neben anderem Messie-Kram hortet, Container zur Einlagerung ihres umfangreichen Werks anmietet und bis zuletzt völlig desinteressiert an der Veröffentlichung ihres Werks und dementsprechend unentdeckt von ihrem sozialen Umfeld und vor allem der geneigten Kunstwelt bleibt und schließlich völlig unbekannt im Alter von 83 Jahren 2009 in Chicago stirbt.

Als Anfang des Jahrzehnts erste Meldungen über einen Fund herausragender Portrait- und Straßenfotografien der bis dahin völlig unbekannten Fotokünstlerin Vivian Maier die Runde machten, wähnte sich die Kunstwelt auf der Spur eine mittleren Sensation, als solche sollte die Geschichte sich letztendlich auch erweisen.

Im Jahr 2007 ersteigerte der junge Makler John Maloof auf der Suche nach Bildmaterial für ein historisches Buch-Projekt in Chicago bei einer örtlichen Auktion einen Bestand von 30.000 Negativen und Abzügen einer unbekannten Fotografin, die sich für sein Vorhaben zwar letztendlich als nutzlos, für die Kunstwelt im Nachgang jedoch als äußerst wertvoll erweisen sollten.
Maloof erkannte das unglaubliche Talent hinter den entdeckten Fotografien, erwarb weitere Bestände aus dem Nachlass der unbekannten Vivian Maier, bloggte zuerst einzelne Fotografien und holte sich später den professionellen Rat renommierter Fotografen, um das Werk über Ausstellungen und Museen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Der Film „Finding Vivian Maier“ erzählt die spannende Suche John Maloofs – der bei der Dokumentation für Regie, Kamera, Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet – nach der unbekannten Frau hinter der Kamera, deren Werke von Experten in die Nähe von vergleichbaren Arbeiten renommierter Fotokünstler wie Diane Arbus oder Walker Evans gestellt werden.
Dabei legt er mithilfe von Zeitzeugen, zumeist ehemaligen Arbeitgebern und ehemals von der Nanny betreuten Kindern, das Leben einer zutiefst privaten Künstlerin offen, deren Wurzeln in das alte Europa in die französischen Alpen reichen und die mitunter vehement mit inneren Dämonen zu kämpfen hatte, wie ihre obsessive Verteidigung des persönlichen Lebensraums, ihre zwanghafte Sammelwut hinsichtlich Tageszeitungen und ihre düsteren Anwandlungen im Umgang mit ihren Schutzbefohlenen offenbaren.

Der höchst sehenswerte Dokumentarfilm entwirft das Portrait einer weitgereisten Fotografin, die neben sozialkritischer Straßenaufnahmen und charakteristischer Portraitfotografie auch ein ausgewiesenes Talent für Landschafts- und Reisemotive offenbarte, im alltäglichen Leben durch ihr verschlossenes und mitunter verschrobenes Wesen jedoch weit vom Gebaren einer Kosmopolitin entfernt war.
Im hohen Alter war Vivian Maier von Unterstützungszahlungen von Bekannten abhängig und starb schlussendlich völlig verarmt.
In den letzten Jahren wurde ihr weltweit über groß angelegte Ausstellungen die Ehre und die Popularität zuteil, nach der sie zu Lebzeiten offensichtlich nie strebte.

Die Dokumentation zeigt neben diversen Interviews mit Zeitzeugen und Fotos auch privat aufgenommenes Filmmaterial der Künstlerin, sie ist rasant und spannend erzählt und fügt sich so – der Suche nach Sixto Rodriguez in dem Musiker-Portrait „Searching For Sugarman“ nicht unähnlich – zu einem investigativen cineastischen Puzzle zusammen.
Der für den Oscar nominierte Film lief im Sommer 2014 nach Veröffentlichung nur wenige Wochen in den deutschen Programmkinos und so ist in dem Fall einmal mehr die Erfindung der DVD nicht hoch genug zu loben…

„Sie war Sozialistin, Feministin, Filmkritikerin und eine Art Sagen-wir-es-wie-es-ist-Mensch. Sie lernte Englisch, indem sie Theater besuchte, was sie liebte. Sie trug ein Herrenjackett, Herrenschuhe und meistens einen großen Hut. Sie machte ständig Fotos und zeigte sie niemandem.“
(John Maloof)

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