Jonathan Richman

Eine Kerze für Kim Fowley

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Der amerikanische Musikproduzent und Songwriter Kim Fowley ist gestern in Hollywood, Kalifornien, im Alter von 75 Jahren verstorben. In den siebziger Jahren managte er die Frauen-Glam-Band The Runaways, Joan Jett war eine der Musikerinnen der Combo. Wichtige Produktionsarbeiten Fowleys waren das Debüt-Album von Warren Zevon und – zusammen mit John Cale – die erste Platte von Jonathan Richmans Modern Lovers. Er arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern und Bands wie KISS, Slade, Alice Cooper, Leon Russell, Vicky Leandros, Kris Kristofferson, Gene Vincent und Leather Nun.
Vor Jahren lief im ZDF eine Doku über Charles Manson und sein Verhältnis zu den Beach Boys und im speziellen zu Brian Wilson, da verwies der Produzent Don Was auf Fowley als Interview-Partner mit den Worten: „Fragen Sie Kim Fowley, der hat nie Drogen genommen, der kann sich an alles erinnern.“ Ich werde mir heute Abend zum Gedenken „Kings Of Saturday Night“ zu Gemüte führen, Kim Fowley hat die Platte vor vielen Jahren zusammen mit dem Songwriter Ben Vaughn aufgenommen und pflegt hier eine besonders lakonische Spielart des Rock ’n‘ Roll.

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Neue Reihe im Kulturforum. Woanders heißt das „Platten, die Du gehört haben musst, bevor Du in die ewigen Jagdgründe eingehst“ oder „Die 500 wichtigsten Alben ever, gewählt von der ‚Frau-im-Spiegel‘-Redaktion“ oder so ähnlich…

Los geht’s mit „It’s Time For Jonathan Richman And The Modern Lovers„, einer tollen Platte für den Sommer (es besteht ja noch Hoffnung auf ein paar sonnige Tage).

Jonathan Richman And The Modern Lovers – It’s Time For (1986, Rough Trade)
In einer besseren Welt wäre Jonathan Richman der King of Pop, nicht der gebleichte Affenonkel aus Neverland. So bleibt ihm nur die Rolle als ewig junggebliebener Harpo Marx des Indie-Folk-Rock. Mit seiner eigentlich sehr simpel gestrickten Auffassung von Rock n Roll, beeinflusst von Velvet Underground, Chuck Berry und altgedienten Folkveteranen, schafft er es immer wieder, ein seeliges Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer zu zaubern. Perfekt gelingt ihm dies auf der 1986er-Scheibe „It’s Time For“ mit schmachtenden Liebesliedern, treibenden Rock n Roll-Instrumentals und ohrwurmartigem Folk-Pop. Mit „Corner Store“, einer Nummer über den Verfall der Tante-Emma-Läden, ist einer der charmantesten Protestsongs enthalten, die ich kenne. Als ich das Stück seinerzeit zum ersten Mal im Radio hörte, war sofort klar, welchem Objekt der Begierde der nächste Besuch beim Plattendealer gilt.
Schlechte Scheiben hat er meines Wissens sowieso nie abgeliefert, aus seinem reichen Fundus möchte ich noch folgende Werke hervorheben: Das von John Cale produzierte Debüt „The Modern Lovers“ aus dem Jahr 1976 mit dem Klassiker „Roadrunner“ und dem oft gecoverten „Pablo Picasso“, „Jonathan Sings!“ von 1983 und „Rockin‘ & Romance“ (1985), beide von ähnlicher Güte wie „It’s Time For“ und die mit Live-Klassikern der späteren Phase gespickte „I, Jonathan“ von 1992.
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