Kal Marks

Reingehört (431): Kal Marks

Kal Marks – Universal Care (2018, Exploding In Sound)

Schau einer an, Indie-Rock kann dieser Tage auch noch was anderes als belanglose Fahrstuhl-Muzak verbrechen oder den Soundtrack für die Beschallung zum nächsten Kartoffel-Sack-Einkauf im Supermarkt um die Ecke liefern, Ihr wisst schon, The War On Drugs und ähnlich befremdliches Kroppzeug, groß überraschend ist das im Fall der Bostoner Band Kal Marks allerdings kaum, bereits mit ihrem Pessimismus-durchtränkten Werk „Life Is Alright, Everybody Dies“ aus dem Jahr 2016 wusste das Trio im Wesentlichen zu überzeugen, mit dem im Februar veröffentlichten neuen Tonträger „Universal Care“ verhält sich das nicht anders.
Die drei Marksisten mit den konspirativen Pseudonymen A, B und C lassen einmal mehr kaum überraschend kräftig den Bass dröhnen und grollen, die Trommeln scheppern und die Gitarren jaulen, schneiden und verzerren, begleitet von einem Sangesvortrag, der sich durchaus mit eigener Note und Zungenschlag zwischen den hysterischen, aggressiv-durchgeknallten Ausbrüchen eines Frank Black aus dem exzellenten Pixies-Frühwerk und dem lakonischen Nihilismus des jüngst in die ewigen Jagdgründe eingegangenen, ewig schlecht gelaunten Weltverneiners Mark E. Smith austobt.
Intelligent-beseelter Postpunk/Postcore, deftig-kompromissloser, gleichwohl melodischer Noise-Rock, über den Tellerrand blickender, ambitionierter Free-Flow-Jazzpunk und nicht zuletzt ein vehementes Protopunk-Gelichter, das vermutlich von vertieftem Studium diverser Nordost-Staaten-Bands von MC5 über die Stooges bis hin zu Pere Ubu/Erste Phase 1975-1982 zeugt, formen den eruptiven 2018er-Ausbruch der Ostküsten-Kapelle zu einem einnehmendem und schwerst überzeugenden Indie-Rock-Manifest, in dem permanent eine improvisatorische Note und ein spontanes Ad-hoc-Agieren mitschwingen und so das Studio-Werk mit gehörig Ecken und Kanten ausgestattet in einem charmant-unperfektionistischen Licht schimmern lassen.
Selbst im zurückgenommenen Tempo – von Balladen mag man in dem Fall weiß Gott nicht sprechen – zeugt das Songmaterial von unterschwelligem Drängen, finsterem Dräuen, angeschrägter Drone-Rock-Dissonanz, durchgeknallter Weirdness und sich langsam, aber stetig entfaltender Wucht.
Mit „Universal Care“ verfügen Kal Marks über schlagende Argumente, um nicht zu sagen die fundierte Dialektik, und sind damit für den Klassenkampf im Indie-Lager bestens gerüstet. Watch out, Granduciel- und Berninger-Dodeln, euer musikalischer Gulag lauert hinter dem nächsten Power-Chord… ;-))
(*****)

Reingehört (164)

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Kal Marks – Life Is Alright, Everybody Dies (2016, Run For Cover / Exploding in Sound Records)
We are a band from Boston, MA. We make a variety of sounds“ gibt das US-Indie-Trio auf ihrer Bandcamp-Seite zum Besten, das macht die interessierte Hörerschaft erst mal auch nicht schlauer, auf ihrem letzten Album findet sich folgende Textzeile vom Band-Songschreiber Carl Shane, die die pessimistisch-realistische Grundstimmung der Combo inhaltlich weitaus griffiger definiert: „Life is murder, and we’re forced to fight a war that we can’t win“, die Songs über die Schmerzen und Obsessionen der Mitmenschen und den eigenen Standpunkt zu diesen schwergewichtigen Themen passen perfekt zum schnoddrig-illusionslosen Gesangsvortrag, den morbid-heftigen Garagen-Prog-/Noise-Rock-Gitarren und zu den Bass-dominierten, massiven musikalischen Breitseiten, die gekonnt von der Band auf den Hörer abgefeuert werden. Keine leichte, aber eine lohnende Kost.
(**** ½)

Future Of The Left – The Peace & Truce Of Future Of The Left (2016, Prescriptions / Rough Trade)
Das Indie-/Post-Hardcore/Punk-Trio Future Of The Left aus Cardiff glänzt auf dem fünften Longplayer der Band mit schweren Punk-/Noise-Attacken, im Stile artverwandter Rabauken wie den New Yorker Industrial-Rockern von Cop Shoot Cop oder den Sleaford-Mods-Punk-Minimalisten Williamson und Fearn kommen die Waliser thematisch und musikalisch sofort zum Punkt, abgehackte, gnadenlose Gitarren-Riffs und Stakkato-artige Parolen sorgen reichlichst dafür, dass sich die Hörerschaft auf diesem Album nicht allzu gemütlich einrichtet. Muss man laut hören. „Everything is fucked. Still, this is the funny side.
(****)