Karaba

!GeRald! + Karaba @ Glockenbachwerkstatt, München, 2019-02-21

„Sigmund Freud would have loved it!“

Deutsch-Französischer Kulturaustausch im weiten Feld des Crossover am vergangenen Donnerstagabend in der Münchner Glockenbachwerkstatt, der Maj-Musical-Monday-Mitorganisator und Experimental-Musiker Chaspa Chaspo lud als Veranstalter zur illusteren Runde.

Den intensiven Abend brachte das Quartett !GeRald! in die Gänge, die junge Combo aus der west-französischen Gemeinde Niort beschreibt ihre Klangkunst auf der Band-eigenen Homepage mit „None / Any / Jazz / Experimental“, damit wird man nicht zwingend schlauer, und selbst das Abhören der wenigen verfügbaren youtube-Videos und Bandcamp-Streams liefert nur eine ungefähre Ahnung, zu welch gigantischen Sound-Orkanen diese Band im konzertanten Vortrag fähig ist. Eine Formation eben, die man live erleben muss – und damit reich beschenkt wird. Eingangs ein kurzes Intro, zu der Schlagzeuger Teddie den freien Fluss der Gitarren und die klassischen, zuweilen hochmelodischen E-Piano-Phrasierungen mit seinem Saxophon-Spiel durchdringt und damit an diesem Abend erst- wie gleichsam letztmalig eine eindeutiges Statement in Sachen Jazz abgibt, der großteilige Rest des !GeRald!-Konzerts explodierte im Anschluss förmlich in unzählige Richtungen an stilistischer Vielfalt. Der tonale Frontalangriff der Franzosen wurde Multimedia-begleitet durch einen großformatigen, rasant-nervösen Mix aus Film-Sequenzen, der sich bei Szenen aus alten Horror-Klassikern, Jarmusch-, Buñuel- und Lynch-Zitaten und zeitkritischen, verstörenden Sequenzen zu Themen-Komplexen wie Krieg oder industrielle Lebensmittel-Produktion bediente, damit den vehementen Charakter der Genre-übergreifenden Experimental-Noise-Symphonie komplementierte und um weitere Grade der Eindringlichkeit steigerte – ein kaum zu beschreibendes und mit allen Sinnen schwer fassbares, hyperaktives Bündeln an Ideen, die sich aus vehementem Hard- und Jazzcore, lärmendem Noise, aus avantgardistischen Progressive-Rock-Ansätzen von Zappa bis Zorn und dichten, komplexen wie zu Teilen gefälligen Post- und Math-Rock-Gebilden speisten, sich aus dem weiten Feld der Möglichkeiten des freien Jazzrock-Crossovers bedienten und selbst Elemente aus dem absurden Theater in den wenigen Vokal-Passagen mit einflochten, zu denen in stoisch-stumpfer Wiederholung Parolen wie „This is all necessary!!!“ im Chor gebrüllt wurden – ein propagandistisches, prägnant artikuliertes Unterstreichen, dass in diesem scharfen Gebräu jedem verwendeten Stilmittel seinen Platz zugesteht, ohne die Collage auch nur ansatzweise beliebig klingen zu lassen. !GeRald! beherrschen meisterhaft die große Kunst des Zusammentragens unterschiedlichster Einflüsse und des ureigenen Formens zu einer originären, surrealen Spielart. Diese Band kennt keinen Ruhezustand, am deutlichsten führt das der vor Ideen-Reichtum förmlich berstende, extrem erratisch wie extrem virtuos aufspielende Drummer vor Augen, dem seine Mitmusiker in Sachen versiertes Können, Inspiration, experimenteller Klangforscher-Drang, Improvisations- und Spielfreude in nichts nachstehen.
Die jungen Nachbarn aus dem Westen gingen in ihrem radikalen musikalischen Ansatz keinerlei Kompromisse ein, dem Publikum bleibt dabei kaum Gelegenheit zum Atemholen, geschweige den Muse zum Verarbeiten der gewonnenen Eindrücke, der !GeRald!-Sound entfaltet Sog und nachhallende Langzeitwirkung in den Hirnwindungen, ein großes Staunen im Nachgang über den Umstand, welch tonaler Naturgewalt man soeben als Zeuge beiwohnte. Der Klang-Exzess im ungebremsten Uptempo-Überfall ließ niemanden in der Hörerschaft unberührt, am Donnerstag-Abend in der Glocke ging der Daumen eindeutig nach oben, dem frenetischen Applaudieren des Auditoriums nach zu urteilen.
Raus aus der Komfortzone: Selten wurde der Irrsinn dieser Welt virtuoser, komplexer und Hörerfahrungen bereichernder zu einer überwältigenden Klangsprache verdichtet und damit auf den Punkt gebracht.

Wer’s verpasst hat (eindeutig zu viele): !GeRald! geben am kommenden Montag, 25. Februar, ein weiteres Konzert in München, auf der Alten Utting, dem mittlerweile weithin bekannten, zu Club und Gastronomie umfunktionierten Ausflugsdampfer auf der stillgelegten Eisenbahnbrücke an der Großmarkthalle, Lagerhausstraße 15, 20.00 Uhr, Eintritt auf Spendenbasis. Highly & extremely recommended! – oder wie die Band selbst so treffend feststellt: If you really want to find out, don’t read this, just come!

Nach dieser überfallartigen Progressive-Vollbedienung hatten die Musiker der ortsansässigen Formation Karaba im Nachgang beileibe keinen leichten Stand. Um es vorwegzunehmen: sie schlugen sich gleichwohl wacker und trugen das ihre zur Bereicherung des konzertanten Doppelpacks bei. Die mittlerweile fest in der Münchner Experimental-Szene verankerte Formation von Musikern aus dem Umfeld der Ethno/Jazz/Krautrock-Legende Embryo trieb ihre psychedelische Spielart des Jazzrock ohne Prolog und Overtüre mit umgehend befeuertem Tempo wie eh und je in höhere Sphären, ein beherztes Springen in den Improvisations-Fluss, dem Basser Maasl Maier mit virtuoser Fingerfertigkeit den Rahmen vorgab und mit beschwingtem Funk-Groove am Siedepunkt zum Brodeln brachte, im Taktgeben unterstützt von Drummer Jakob Thun, der entfesselt gemäß der Maxime „Immer nach vorn!“ mit gebührendem Enthusiasmus, technisch sauber, gleichwohl beseelt seine Sticks über das Instrumentarium tanzen ließ. Louis Bankvas war an der Gitarre einmal mehr eine verlässliche Größe mit flinken Fingern im Stakkato-artigen, harten und trockenen Anschlag der Rhythmik wie in filigranen Jazz-Rock-Soli. Andreas Kainz entschwebte dem Orgeln seines Keyboards dann und wann mit Trance-lichternden Einlagen am Synthie in Richtung Outer Space – Canterbury-Scene-Progressive, Jazzrock-Crossover und Siebziger-Jahre-Fusion wurden so punktuell um Reminiszenzen an den Krautrock vergangener Zeiten und Verneigungen vor dem großen Avantgarde-Jazzer Sun Ra bereichert.
Bei Karaba steht die freie Entfaltung der improvisierten Musik im Vordergrund, daran arbeiten die vier talentierten Instrumentalisten hochkonzentriert, auch wenn das Vortragen wie locker aus dem Ärmel geschüttelt erscheinen mag. Dass der wirkmächtige Karaba-Crossover nicht nur zu entrückter, Bewusstseins-erweiternder Meditation einlädt, sondern ganz einfach auch tanzbar ist, zeigte Embryo-Chefin/Erbin Marja Burchard als Gast zu später Stunde frohen Mutes, wenn auch beim Großteil der Besucherschar die alten Knochen ‚Round Midnight nicht folgen mochten und längst träge nach Erholung dürsteten…

Intensiver Jazzcore und Crossover wird in der Münchner Glockenbachwerkstatt demnächst wieder zu folgenden Gelegenheiten geboten: Am 7. März spielt die Amsterdamer Experimental-Band Spinifex, und am 18. März beschallt das Quartett Ni aus Lyon den Maj Musical Monday #94 mit ihrer „Aggressive Jazzcore Explosion“ und stellt bei der Gelegenheit ihr neues Album „Pantophobie“ vor.

Nekropolis + Karaba @ Import/Export, München, 2018-10-18

„Söder will in den Weltroum, wir kümmern uns um die Kronkenschwöstern“ ließ Opfesoft-für-olle-Oiwonger bei einer Pressekonferenz seiner Freien Wähler zu den Sternenfahrer-Plänen von Astronauten-Söder und seinem Projekt „Bavaria One“ verlauten, ein sinnigeres wie naheliegenderes Thema für die Koalitionsverhandlungen mit den Blendraketen-Zündlern der CeeeSu, zumal die Erforschung der Sternen-Galaxien in München längst in weitaus kompetenteren Händen liegt, zuforderst bei den Veranstaltern des sporadisch anberaumten Spaceshizzle, zu dessen aktuellster Ausgabe am vergangenen Donnerstagabend die beiden Krautrock-Formationen Nekropolis und Karaba luden, Cape Canaveral zum Abflug in die endlosen Weiten der freien Space-Improvisation war zu der Gelegenheit das Zwischennutzungs-Projekt der Import/Export-Kantine, wie stets in dem Rahmen buntfarbig illuminiert von der Kreuzer Lichtmaschine.

Den ersten Ausflug ins All wagten die Musiker von Karaba mit neuem, bis dahin nicht live gespieltem Material, die Münchner Formation under the influence der Ethno-Jazzkrauter Embryo und diverser anderen Ingredienzen war an diesem Abend zum Trio geschrumpft, was dem komplexen Sound hinsichtlich Kompaktheit und direktem Zugreifen auf die Hirnwindungen der Hörerschaft keinesfalls schadete, ohne Stamm-Basser Maasl Maier improvisierten Louis Bankvas an der E-Gitarre, Jakob Thun am Schlagzeug und Andreas Kainz an den Fender Rhodes Keyboards für gut fünfundvierzig Minuten im ausgedehnten Flow im schweren Canterbury-Scene-Prog-Rock, im psychedelischen Space-Gelichter und vor allem in ihrer ureigenen Spielart des instrumentalen Jazzrock. Die satten, frei fließenden, in ferne Galaxien vorstoßenden Orgel-Töne verdichteten sich zu einem weitläufigen Klangteppich, zu denen Trommler Thun variantenreich und straigt im Anschlag die rhythmischen Finessen lieferte und den Rahmen absteckte, in dem sich Gitarrist Bankvas zwischen stilistischen Fixsternen wie McLaughlin, Fripp, Zappa und angejazztem Band-Of-Gypsys-Hendrix mit beschwingt funky, filigranem wie mitunter hart zupackendem Anschlag seiner sechs Saiten auf den Klang-forschenden Trip begeben durfte. Wo bei Karaba zu früheren Apollo-Missionen ab und an zuviel an Keyboard-Dominanz auf die Zuhörerschaft einwirkte, mit Kurs auf ein schier unerschöpfliches Nirvana zudriftete und zu Gelegenheiten dahingehend auch ausfranste, präsentierte sich das Trio am Donnerstag als demokratisch agierende Einheit aus einem Guss, sozusagen ohne Worte mit einer Stimme sprechend, dem Klangbild hat’s nur gut getan und den Raumflug nach etlichen Erdumrundungen wieder im sicheren Hafen ohne Komplikationen landen lassen. Die Band hat im Übrigen seit September mit „Schwester Mondreal“ ein neues Album über youtube am Start, reinhören und gepflegtes abspacen lohnt, auch für Jazzrock-Fremdler, klickst Du hier.
Karaba sind demnächst im Rahmen des Krauthammer IV wieder live zu sehen und zu hören, zusammen mit der französischen Krautrock-Band Abschaum aus Lyon, am 29. November im Glockenbachviertel-Club Milla.

Die zweite Sternenfahrt des Abends übernahm kein Geringerer als Münchens Krautrock-Urgestein Peter Frohmader mit seinem Mutterschiff Nekropolis. Der renommierte Experimental-Musiker, Kunstmaler und Spezi von Größen wie Damo Suzuki und HR Giger wurde an diesem Abend einmal mehr seinem Ruf als Urvater des Gothic-Krautrock gerecht und gab die Flugroute vor in Sachen ausgedehnter Psychedelic, harter Progressive- und Post-Rock, irrlichternde Noise-Drones und dunkel schimmernde Elemente aus der Ursuppe des Dark Wave und Postpunk. Frohmader als versiertem Taktgeber am Rickenbacker-Bass würde längst der Titel „Thunderfingers“ zustehen, wäre der nicht seinerzeit an den Who-Kollegen Entwistle vergeben worden, wie der legendäre Musiker des britischen Kult-Quartetts spielt auch Frohmader auf seinen vier Seiten weit mehr Soli als Rhythmen und schwört so in völlig freier Improvisation die Band-Begleiter mit seinem harten Anschlag und seinen dröhnenden Tunes auf die ausgedehnten Klangreisen ein, die in urtypischer und unnachahmlicher Nekropolis-Manier zwischen herrlicher Progressive-Melodik, mitunter gar erhabener Hymnik, zwingender, Black-Sabbathianischer Härte und düsteren Abstrakt-Space-Milchstraßen mäandern. Peter Frohmader als zentraler Dreh- und Angelpunkt, Soundwelten-Erschaffer und dekonstruierender Zerstörer, musikalischer Brahma und atonaler Shiva in Personalunion, begleitet an dem Abend von Keyboarder Udo Gerhards, der mit seinem Tastenspiel das bei weitem elementarste Kraut-Element in das komplexe Improvisations-Geflecht einbrachte, kongenial wie Gerhard „Machtkrampf“ Lallinger als musikalischer Antipode – der Musiker, Texter und Kopf der Münchner Punklegende Rauschangriff bringt durch seine spontan eingestreuten Antworten mit messerscharfen Riffs und jahrzehntelang geschultem Verständnis für die Möglichkeiten der jaulenden, krachenden und schneidenden Saiten der Rockgitarre die entsprechende Dringlichkeit und zusätzliche Vehemenz in die heterogenen, spannungsgeladenen, jederzeit tragenden Soundwände ein.
Die derzeitige Nekropolis-Stammformation Frohmader, Lallinger und Gerhards wurde an diesem Abend von Drummer Tom Henzen begleitet, der sich nahtlos und formvollendet ins freie Improvisieren einbringende Virtuose ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der hiesigen wie überregionalen Musik-Szene, Kooperationen und Studio-Arbeiten mit dem Bayerischen Staatsorchester, im Rahmen internationaler Produktionen mit Diana Ross, Gianna Nannini und diversen Hardrock-Acts zeugen von einer nicht alltäglichen Vita und entsprechendem Talent.
Nach einstündiger Hypnose mittels ausgedehnter Klang-Expeditionen durch eine Handvoll improvisierter, zu dieser Gelegenheit spontan entstandener Nummern war dem Quartett der hochverdiente, frenetische Applaus der Nekropolis-Gefolgschaft gewiss, angetan von der euphorischen Reaktion ließen sich Frohmader und Co zu einer weiteren Jam-Session überreden, die von eingangs swingender Leichtfüßigkeit in das stürmische Fahrwasser dramatischer Progressive-Epen mündete, ein würdiger Abschluss eines intensiven Ausflugs in die kaum ausgeleuchteten und erforschten Kraut-, Prog- und Drone-Galaxien.
Das „Bavaria One“-Projekt von diesem unsäglichen Frankenbeitl Söder kann sich daneben nur als verheerender Rohrkrepierer ausnehmen, insofern darf man dem Oiwonger gutes Gelingen beim Ausbremsen der freistaatlichen Raumforschungs-Pläne im Rahmen der laufenden Koalitionsverhandlungen zur Bildung der nächsten bayerischen Landesregierung wünschen – der Münchner Orbit ist unter dem Motto „Space Is The Place“ bereits prominent bevölkert mit grandios funkenden Satelliten wie eben Nekropolis und Karaba oder weiteren leuchtenden Himmelskörpern wie Ippio Payo, One Trip Pony, Bosch, Verstärker, to name a view…

Damo Suzuki & Karaba feat. Marja Burchard + Peter Frohmader @ Milla, München, 2018-04-26

„I Am Damo Suzuki“ propagierte der Postpunk-Grantler Mark E. Smith 1985 auf „This Nation’s Saving Grace“, der vermutlich besten Schallplatte seiner Manchester-Kult-Combo The Fall, mit dem Wunschdenken hinsichtlich Identitäts-Wechsel hatte es sich dann spätestens Anfang des Jahres durch das Ableben des notorisch schlecht gelaunten Fall-Diktators erledigt.
Der einzig echte Damo Suzuki, der wandelt hingegen nach wie vor unter den Lebenden und ist in Sachen Krautrock rührig wie eh und je, am vergangenen Donnerstag hat es ihn nach Jahren auf Einladung der ortsansässigen Band Karaba wieder nach München verschlagen, in die Stadt, in der für ihn 1970 alles losging mit dem Musikbusiness. Holger Czukay und Jaki Liebezeit, damals auf der Suche nach einem neuen Can-Sänger, engagierten den Japaner 1970 vom Gehsteig weg, wo er als Straßenmusiker für seine Reisekasse spielte.
Der Rest ist bekannte Kraut-Historie: Suzuki war von 1970 bis 1973 an allen Meilensteinen der Kölner Experimental-Institution beteiligt und in späteren Jahren unter anderem mit exzellenten Combos wie Dunkelziffer, Mugstar oder Radio Massacre International und dem Mars-Volta-Gitarristen Omar Rodriguez-Lopez zugange.
Die Münchner Jazzrock/Fusion/Space-Experten von Karaba zusammen mit der lebenden 70er-Krautrock-Legende, das hatte bereits ordentlich Schmäh, damit aber nicht genug, die Nummer lief offiziell unter „Damo Suzuki’s Network“, bei einer entsprechend gut vernetzten Szene brachte die improvisierte Zusammenkunft mit dem langjährigen Münchner Suzuki-Freund und Nekropolis-Mastermind Peter Frohmader am dröhnend-treibenden Space-Bass und Embryo-Leaderin Marja Burchard am Vibraphon weitere hochgeschätzte „Sound Carrier“ als Special Guests an den Start.
Der erste Teil des Abends gestaltete sich dementsprechend als All-Star-Großformat-Prog-Flow, in dem Damo Suzuki ohne Unterbrechung monologisierend, schwadronierend, zumeist unverständliches Japanisch murmelnd im Zentrum des Geschehens stand, begleitet von einer exzellent improvisierenden Band, in der die Musiker von Karaba ihren 70er-Jahre geprägten Psychedelic/Jazzrock-Fusion-Trance einbrachten, ein in buntesten Dur-Klangfarben blitzendes, hypnotisches Soundgelichter, das vom schweren, dröhnend-eindringlichen Space-Bass Frohmaders und Marja Burchards beschwingt-inspirierter Vibraphon-Percussion und anderweitigen Takt-/Töne-gebenden Glocken- und Rasseln-Geräuschen befeuerte wurde, die Tochter des leider vor kurzem verstorbenen Embryo-Gründers Christian Burchard stand der experimentellen Brillanz ihres Vaters in nichts nach und wurde mit ihrem enthusiastischen Spiel und dem unverkennbaren Brennen für die eigene Klangkunst neben Drummer Jakob Thun und den Bässen von Peter Frohmader und Maasl Maier zur treibenden Kraft, die das vehement brodelnde Prog/Space/Kraut-Gebräu um eine besondere Note bereicherte.
Spontaner Szenen-Applaus brandete auf, als Suzuki ins englische Idiom wechselte und – schwer akustisch verständlich, aber vermutlich – kurz selige Can-Zeiten mit einem „Future Days“-Zitat aufleben ließ, eventuell ist hier auch nur der sehnliche Can-Fan-Wunsch der Vater des Gedanken, oder die Wahrnehmung war von der bunt lichternden analogen „Liquid“-Psychedelic-Lightshow getrübt, die wie zu solchen Gelegenheiten wieder passend in Szene gesetzt wurde von Kreuzer Lichtmaschine, vollumfängliches Zurück-Beamen in die Hochzeiten des Krautrock war damit garantiert.
45 Minuten waren Jam-geprogt, da setzte der legendäre Suzuki zum freundlichen Abschieds-Winken ins begeisterte Publikum an und sollte dann nach der viel zu lange anberaumten Rauch-Pause wie auch Krautrock-Großmeister-Spezi Peter Frohmader nicht mehr auf die Bühne zurückkehren, zum schwersten Bedauern von Konzertgänger-Volk wie auch der Musikanten von Karaba und Marja Burchard, die das zweite Set dann komplett ohne die Altvorderen bestritten – ein spontanes Improvisieren, das in dieser Kombi selbstredend weit mehr in Richtung Jazzrock-Gefilde driftete, die Musiker von Karaba entstammen quasi als Seiten-Projekt alle dem aktuellen Embryo-Umfeld, so nahm es nicht weiter Wunder, dass sich die Formation blind verstand im Fusion-/Crossover-Zusammenwirken von funky Bass-Grooves, rhythmischen Gitarren-Licks und abgehackten Riffs, Seventies-Orgel-Kaskaden im frei fließenden Endlos-Modus und einem losgelösten, treibenden, schwerst im Jazz verhafteten Virtuos-Trommeln auf Drum-Kit und Vibraphon. Teile der Kraut-/Prog-Rock-Fraktion im Publikum des Milla-Kellerclubs mochten den Fusion-Jazz nicht goutieren und verließen vorzeitig den Ort des Geschehens, ein furios gestarteter Konzertabend dampfte damit mit einem unterschwellig schalen Nachgeschmack in den anbrechenden Freitag aus, schade. On the other hand: Ein Beitrag, der thematisch mit dem großen Indie-Ungustl Mark E. Smith einleitet, muss zwingend zur stimmigen Abrundung mit ein wenig Gemotze enden… ;-))