Kerze

Eine Kerze für Jonathan Demme

Jonathan Demme / Foto © Shelley Rutledge

Der amerikanische Filmregisseur Jonathan Demme ist gestern in Manhattan im Alter von 73 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.
Mit seinem bekanntesten Werk, „The Silence Of The Lambs“, einer vielfach prämierten Verfilmung des gleichnamigen Serienkiller-Romans von Thomas Harris, hat er 1991 im Krimi-Konsumenten-Lager den Hannibalismus-/Kannibalismus-Kult um den Menschen-verzehrenden Psychologen Dr. Lecter losgetreten, im Film meisterhaft dargestellt vom großartigen Anthony Hopkins und kongenial begleitet von Jodie Foster.
Der Musikwelt wird er durch etliche sehenswerte Streifen in Erinnerung bleiben, vor allem durch den exzellenten Konzert-Film „Stop Making Sense“ über einen Auftritt der Talking Heads in Los Angeles im Dezember 1983, mit Neil Young drehte er mehrere Dokumentarfilme, unter anderem „Neil Young: Heart Of Gold“, einer hochgelobten Arbeit über die Live-Prämiere seines Albums „Prairie Wind“.
Eine charmante musikalische Fußnote war der Auftritt der Feelies im Spielfilm „Something Wild“ (Dt. „Gefährliche Freundin“), in dem die New-Jersey-Schrammel-Götter unter dem Pseudonym The Willies etliche Coverversionen zum Besten gaben.

Eine Kerze für Chuck Berry

Instead of falling flat on his face, however, he did the splits and came up on his haunches, skipping like a Cossack. Thus was invented the Duck Walk. That changed everything. In an instant, he was transformed into a superman. They called him the St. Louis Tiger and he was a poet, a lover, a necromancer.
„This man and his Duck Walk“, said Alan Freed, „are destined to make history…“
(Guy Peellaert / Nik Cohn, Rock Dreams)

„Du weißt doch, wie sehr ich auf Chuck Berry abfahre. Ich dachte immer, ich wäre meilenweit der einzige Fan, aber dann stehe ich eines Morgens mit einer Platte von Chuck am Bahnhof von Dartford, als ein Knabe, den ich von der Grundschule her kenne, auf mich zukommt. Er besitzt alle Platten von Chuck Berry…“
(Keith Richards über seine erste Begegnung mit Mick Jagger, in: Keith Richards, Life)

Chuck Berry: The Godfather of Rock and Roll ist in die ewigen Jagdgründe gegangen. Ohne ihn wäre die Rockmusik, wie wir sie heute kennen, nicht denkbar. Ohne ihn keine Beatles, keine Stones, keine Who, keine Led Zeppelin, kein Springsteen.
Selbst das rotzige Punk-Gepolter der Sex Pistols oder der Stadien-taugliche Proll-Rock von AC/DC waren im Grunde nichts anderes als härtere, dreckigere, manchmal schneller gespielte Chuck-Berry-Riffs. Kaum eine Band, die sich nicht bei ihm bediente, viele völlig offensichtlich mit entsprechender und gebührender Autoren-Nennung, andere wiederum mit schwindligen Versuchen mittels geänderter Texte und einem neuen Song-Titel wie „Surfin‘ USA“, den Anwälten im Zuge der Tantiemen-Streitereien sollte es hinsichtlich Arbeitsbeschaffung nur Recht gewesen sein…
Selbst der große John Cale, der ansonsten mit der afroamerikanischen Spielart der Rockmusik nie allzu viel am Hut hatte, hat sich vor Chuck Berry im Punk-Jahr 1977 auf seiner „Animal Justice“-EP vor Gott verneigt.