Kid Congo Powers

Reingehört (405): Des Demonas

Des Demonas – Des Demonas (2017, In The Red)

Kid Congo Powers ist Fan, warum auch nicht, macht man nix verkehrt mit. Die Des Demonas aus Washington DC huldigen auf ihrem Anfang Dezember veröffentlichten, selbstbetitelten Debüt-Wurf im Geiste der psychedelischen Sixties ordentlichst dem Fuzz-Gitarren-Garagen-Punk inklusive schwerem Georgel auf der Farfisa, im Vordergrund legt der in Kenia geborene schwarze Frontmann Jacky Cougar Abok nicht zu knapp drängend sein Herzblut in den Gesang zum Indie-Geschepper seiner Weißbrot-Combo. Zum Grundton der Drogen-verseuchten Sechziger-Jahre-Keyboards gesellen sich der Detroit-Sound aus der MC5-Ecke und die unverbrauchte Energie der darauf folgenden Punk-Eruptionen, Artverwandtes haben unter anderen bereits die französischen Vietnam Veterans in den Achtzigern fabriziert, letztlich egal, die kurzen und prägnanten Nummern der Des Demonas schrauben sich auch drei Dekaden später noch gut ins Ohr.
Der Grundton des Longplayers pendelt sich mit wenigen Ausnahmen im Uptempo-Bereich ein, Ausreißer wie das gespenstische „There Are No Vampires In Africa“ verfeinern das Grundrezept mittels dräuender Beschwörungs-Beschallung und facettenreicherem Sangesvortrag, der hier das vorherrschende Konzept des permanenten Wiederholens von Parolen-haften Textfetzen um ausgedehnteren Wortschatz und ein erzählendes Element erweitert.
Gitarrist Mark Cisneros hat sich seinen Lebensunterhalt in vergangenen Zeiten bei den Pink Monkey Birds verdient, daher wohl auch das explizite Kid-Congo-Fürsprechen. Vetternwirtschaft muss ja nicht immer was Verwerfliches sein, His Holiness The Allmighty FJS, Gottvater bis in alle Ewigkeit für die Doofbrindts dieser Welt, hat so einst ein ganzes Bundesland auf Vordermann gebracht… ;-))))
(**** ½ – *****)

Reingehört (160)

kid_congo_2

Kid Congo & The Pink Monkey Birds – La Araña Es La Vida (2016, In The Red)
Unser liebster Latino-Grinser: 1959 als Sohn mexikanischer Einwanderer in La Puente/Kalifornien im Los Angeles County als Brian Tristan geboren, in den Siebzigern Präsident des Ramones-Fanclubs, hat Kid Congo Powers am Ende jener Dekade das Gitarrenspiel vom späteren Gun-Club-Chef Jeffrey Lee Pierce erlernt, dabei werden sie sich wohl auch nebenher über ihre jeweilige Funktionärs-Karriere ausgetauscht haben, Pierce war mal Vorstand der organisierten Blondie-Fans.
Auf den ersten Gun-Club-Scheiben war er dann nicht dabei, zu der Zeit hat er sich mit den Cramps rumgetrieben und mit ihnen frühe Perlen wie ‚Psychedelic Jungle‘ (1981, IRS) und ‚Smell Of Female‘ (1983, New Rose) eingespielt, irgendwann soll er von Lux Interior vor die Tür gesetzt worden sein, das Rumscharwenzeln des Mexikaners um seine holde Ivy war ihm wohl irgendwann zuviel.
Ab Mitte der Achtziger dann Rückkehr zum Gun Club, diverse Tourneen und Mitarbeit an den sehr guten Alben ‚The Las Vegas Story‘ (1984, Animal Records), ‚Mother Juno‘ (1987) und ‚Pastoral Hide And Seek‘ (1990, beide What’s So Funny About), parallel dazu und im Anschluss mit Nick Cave und den Bad Seeds bis 1996 konzertant unterwegs und auf den exzellenten Cave-Tonträgern ‚Tender Prey‘ (1988) und ‚The Good Son‘ (1990, beide Mute) zu hören.
In den folgenden Jahren war Powers immer wieder gern gesehener Gast auf Alben/Projekten von unter anderem Barry Adamson, der experimentellen Berliner Noise-/Postpunk-Band Die Haut oder bei Honeymoon-Killer Jerry Teels kurzzeitigem Projekt The Knoxville Girls.
Gut rumgekommen, der Mann, keine Frage.
Seit Mitte der Nuller-Jahre schmeißt Kid Congo zusammen mit seiner Band The Pink Monkey Birds seinen eigenen Laden, auf dem aktuellen Werk ‚La Araña Es La Vida‘ begeistert er mit geschickt im Glam-Sound der Frühsiebziger verpacktem Trash-Rock-’n‘-Roll, für Freunde des Sixties-Garagen-Sounds und der Fuzz-Gitarre öffnet sich ein atmosphärisch dichter, bunter Strauß aus frei von der Leber weg abrockenden, frisch-knackigen TexMex-, Slide-Gitarren-Blues-, Punk-Surf-Trash- und Swamp-Gassenhauern.
Lässt uns träumen von Zeiten, in denen der Gun Club die beste Band der Welt, Lux Interior quicklebendig und die Bad Seeds noch irgendwie latent subversiv waren, long, long time ago, I can still remember how that music used to make me smile…
(**** ½)