Krautrock

Konzert-Vormerker: Ippio Payo

Der Münchner Multi-Instrumentalist Josip Pavlov (of Zwinkelman-, Grexits-, Das Weiße Pferd- und Majmoon-Fame) und der ortsansässige Drummer Tom Wu sind Ippio Payo, das Duo spielt einen rauschhaften, betörenden Instrumental-Flow aus faszinierendem Postrock und feinem Krautrock-Gitarren-Ambient mit diversesten Querverweisen in die experimentelle Musik, im November wird die 5-Stücke-EP „All Depends On Nature“ bei Echokammer erscheinen, Besprechung folgt.
Live sind Ippio Payo demnächst zu folgenden Gelegenheiten zu genießen:

20.04. Audiovisuelle Performance „NAQ“ mit Genelabo, Rote Sonne, München
24.04. Konzert mit Mashroom in der Lothringer13-Kunstgalerie/Halle, München, Lothringer Straße 13.

Reingehört (300): Closet Disco Queen

Closet Disco Queen – Sexy Audio Deviance For Punk Bums (2017, Crazysane Records)

Drei-Stücke-EP der Schweizer Musiker Luc Hess und Jona Nido mit schwer in die Offensive gehenden Gitarren-/Schlagwerk-Instrumental-Attacken, die sich äußerst geschickt im Drei-Länder-Eck Kraut-, Post- und psychedelischer Noise-Rock tummeln. Raumgreifend, intensiv, bezwingend und kompromisslos wuchten die beiden Herrschaften ihre beherzt-rohen Ausbrüche durch die Lautsprecher, wie steht es in der begleitenden Presseinfo zum aktuellen Release so schön-treffend geschrieben: „Selten ist es einer Band mit nur zwei Instrumenten gelungen, wie eine wild gewordene Armee langhaariger 70s-Rocker in Western-Boots zu klingen“, da mag man bei dieser vehementen Beschallung lange nach Gegenargumenten suchen und am Ende doch nicht fündig werden…
Das Duo Closet Disco Queen wurde 2014 als Spontan-Projekt von den beiden Musikern Hess und Nido, ehemals bei der weithin bekannten Post-Metal-Combo The Ocean zugange, für den kurzfristigen Ersatz einer ausgefallenen Band auf einem Festival ins Leben gerufen, aus der angedachten Einmal-Aktion hat sich mittlerweile eine dauerhafte Formation manifestiert, in diesem Fall kann man diese Entwicklung nur gut heißen. Dass die Nummer auch über das kurze EP-Format hinaus eine tragfähige ist, haben Closet Disco Queen mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album bereits 2015 hinlänglich unter Beweis gestellt.
Sammler-Volk aufgemerkt: Das 12“-Vinyl von „Sexy Audio Deviance For Punk Bums“ ist streng limitiert auf Hand-nummerierte 330 Stück, Plattenladen: hier. Digital-Download bei Bandcamp.
(*****)

Nekropolis @ Kulturkeller Westend, München, 2017-04-06

Der Münchner Experimental-Musiker Peter Frohmader ist seit Jahrzehnten eine der prägenden Figuren in der europäischen Prog-/Electronic-/Krautrock-Szene, mit seinem Projekt Nekropolis und Vorgänger-Bands wie Alpha Centauri, Electronic Delusion und Kanaan ist Frohmader seit 1971 im instrumentalen Progressive-Rock zugange, der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki und der 2014 verstorbene, weltberühmte Schweizer Maler H.R. Giger zählen zu seinen Freunden, mit Giger teilt er sich seine Neigung und Talent für die Fantasy-, Okkult- und Science-Fiction-Malerei als zweite Profession.
Seit Jahren trifft sich der Bassist und Elektronik-Tüftler regelmäßig Mittwochs in seinem Studio-Keller mit befreundeten Musikern zur instrumentalen Klangreise und knüpft damit an seine experimentelle Frühphase an, die Süddeutsche Zeitung schrieb hierzu vor Kurzem: „Der Münchner Krautrock-Musiker Peter Frohmader gilt seit den Achtzigerjahren als „Godfather of Gothic“. Aus dem Keller seines Einfamilienhauses in Harlaching dringen bis heute düstere Klänge.“
Am vergangenen Donnerstag trat Peter Frohmader mit dem Münchner Punk-Urgestein, Rauschangriff-Chef und begnadeten Gitarristen Gerhard „Machtkrampf“ Lallinger, dem Drummer Lutz Röhmuß und Keyboarder Udo Gerhards im Kulturkeller des Münchner Westends im Rahmen der Freien-Improvisations-Mottojam auf, zelebrierte dabei zwei längere, ausladende, von schwerem Bass getriebene Instrumental-Epen im Spannungsfeld zwischen psychedelischem Kraut- und hartem Drone-Rock, dem durch den versierten, schneidenden Saitenanschlag Lallingers eine besondere Note verliehen wurde, eine feine Aufführung, die nach Wiederholung und ausgedehnterer Konzert-Dauer verlangt, im Rahmen dieser Open-Stage-Nummer durften zwischenzeitlich andere Formationen mit Kraut-fremdem Funk-, Jazzrock- und Siebziger-Westcoast-Beschallung unterschiedlichster Güte ihrer musikalischen Vision Ausdruck verleihen, beim Hinschlachten des Marley-Klassikers „No Woman No Cry“ wurden zwischenzeitlich die Grenzen des Contenance-Wahrens schwerst gestresst, Gottlob brachten Nekropolis mit einem finalen, hart rockenden Prog-Gothic-Rausschmeißer den Abend zu einem versöhnlichen Ende.
Nekropolis (**** ½ – *****) Rest (* ½ – *** ½)

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