Kulturstrand

Lloyd Williams @ Kulturstrand, München, 2018-06-20

Die widrige Witterung hat bereits einige von den Münchner Bookern [fwd: like waves] anberaumte Konzerte im Rahmen des diesjährigen Münchner Kulturstrands am lauschigen Vater-Rhein-Brunnen buchstäblich ins Wasser fallen lassen, am vergangenen Mittwoch hat offensichtlich trotz herrlichstem Sommer-Wetter nicht viel gefehlt und der nächste Gig wäre in dem Fall der Niederlage im Kampf mit der Technik zum Opfer gefallen. Mit einer Stunde Verspätung war er dann irgendwann soweit in Linie, der völlig Überforderte am Mischpult, und hatte die PA für den auftretenden Künstler startklar, nachdem der schier nicht mehr endend wollende Soundcheck von grausamster Samba-Strand-Beschallung aus der Konserve und zusehends banger werdenden Blicken von allen Seiten begleitet wurde.
Der für den Auftritt gebuchte Songwriter Lloyd Williams aus dem südenglischen Seebad Brighton wusste es mit stoischer Gelassenheit und ab und an einem Nippen am Weißweinglas zu nehmen, gleichwohl ahnend, dass man sich den unfähigen Soundmixer nicht schön-trinken kann. Nachdem die Regler nicht mehr für möglich gehalten final richtig justiert waren, durfte Williams die vollbesetzte Beach-Party am Isarlauf gegenüber dem Deutschen Museum mit seinem feinen Liedgut beschallen – auch wenn nicht wenige im Publikum sich dem geschwätzigen Chill-Out-Parlieren hingaben und das beherzte Musizieren des britischen Barden als angenehme Hintergrund-Musik missbrauchten, stießen die Balladen und Songs zumindest in den vorderen Reihen verdientermaßen auf offenes Gehör, zugewandtes Aufnehmen und dankbares Applaudieren.
Im Geiste und Outfit seelenverwandter Busker, jener die trostlosen Einkaufspassagen und U-Bahn-Zugänge der Großstädte bevölkernden und vor allem bereichernden Straßenmusiker, legte Lloyd Williams Zeugnis ab von seinem ureigenen Verständnis der akustischen Songwriter-Kunst, die sich aus unterschiedlichsten Quellen/Stilrichtungen der Folk-Musik speist, aus dem Bluegrass der amerikanischen Appalachen und Old Time Roots Americana bis hin zu Spielarten irischer und englischer Volksweisen und britischem Free-/Progressive-Folk in der Tradition Nick Drakes und John Martyns, vorgetragen in technisch versiertem, virtuosem Saitenanschlag in offener Stimmung und beseeltem Uptempo-Schrammlen auf dem Banjo, das der Musiker zwischen beherztem, rauem Anschlag und filigranem Anzupfen variierte, der jeweiligen Gemütslage seiner Hymnen, Beschwörungen, Lobgesänge und melancholischen Wehmuts-Bezeugungen entsprechend. Seine unverfälschte, simpel gehaltene wie stringente Instrumentierung durchdringt Lloyd Williams mit empathischem, reinem Gesang, des Öfteren nicht zu knapp mit Hang zum klagenden Pathos ausgelebt. Die individuelle Gabe des Musikers liegt im Ausbalancieren von gelebter Energie und Kraft im Bühnen-Vortrag und der den erzählten Geschichten innewohnenden Nachdenklichkeit und den mit Inbrunst besungenen Emotionen.
Lloyd Williams hat viel zu erzählen, von verflossenen Liebschaften, unerfüllten Wünschen, Sehnsüchten und anderen Unebenheiten des Lebens, liegt auf der Hand bei einem wie ihm, den die Vorsehung als fahrenden Musiker bisher von Vorprogramm-Auftritten bei Bob-Dylan- und Magic-Numbers-Konzerten – harte Schule ob der fragwürdigen Haupt-Acts, ohne Zweifel – bis hin zu Tourneen nach Indien und Nepal geführt hat. Aus dem Leben gegriffene und Straßen-erprobte Geschichten, als Tondichtungen zu sensiblen und behutsamen Folk-Miniaturen verwoben.
Wer weiß, vielleicht präsentiert der sympathische und talentierte Folk-Barde von der englischen Südküste demnächst eine Songwriter-Meditation über inkompetente Sound-Abmischer, plärrende Kleinkinder und an feinem Liedgut desinteressierte After-Work-Young-Urban-Professionals am Münchner Stadtstrand, Stoff hierzu hätte dieses seltsame Gesamtbild am Mittwochabend im Abendsonnen-durchfluteten Grün am Isar-Ufer weiß Gott genügend abgegeben…

Upcoming Konzerte am Kulturstrand, Vater-Rhein-Brunnen, Museumsinsel, Ludwigsbrücke, München, Eintritt frei, vielleicht dann auch mit funktionierendem Soundboard in time:

29.06. One Sentence Supervisor (Krautpop)
03.07. Queen Alaska (Pop)
16.07. Crashcaptains (Indierock)
21.07. Agi Naju (Experimental)
25.07. The Burning Hell (Folk)
26.07. Willy Michl (Isarindianer-Blues)
31.07. Nick & June (Acoustic Pop)
11.08. Safari (Indie/Electro-Pop)

The Marble Man @ Kulturstrand, München, 2015-08-18

The Marble Man aus Traunstein traten am vergangenen Dienstag in reduzierter Besetzung auf, und das in mehrfacher Hinsicht, zum einen schrumpfte die Combo zum Quartett, anstelle zweier E-Gitarren war „nur“ eine akustische am Start, zum anderen war der Schlagwerker der Band durch einen verletzten Arm gehandicapt und konnte demzufolge sein Musizieren nur einarmig praktizieren, unter diesen verschärften Bedingungen hat er sich mehr als wacker geschlagen, Respekt hierfür.
Respekt auch für den herrlich gelungenen Auftritt des Marmor-Manns, wo die Musiker als Quintett deutlich mehr in Richtung progressiver, verspielter Art-Pop/-Rock gehen, tendierten die vier Künstler bei ihrem Kulturstrand-Auftritt zum Songwriter-Gitarrenpop, bei dem Freunde der Go-Betweens oder der entspannteren Wilco- und R.E.M.-Preziosen voll auf ihre Kosten kamen. Die Band hat ein ausgeprägtes Gespür für schöne Melodien und die ganz großen, in Ton gegossenen Dramen des Indiepop, und so passte der Vortrag im Grünen wunderbar zum an dem Abend deutlich spürbaren Spätsommer, das Publikum zollte gebührend Hochachtung und freute sich zum Abschluss im Zugabenteil über die von Sänger und Gitarrist Josef Wirnshofer vorgetragenen Solonummern, eine davon eine Coverversion namens „Thirteen“, die Ansage des Originalinterpreten habe ich nicht verstanden, aber falls ich mich richtig an den Text erinnere, müsste es sich um die Big-Star-Nummer von Alex Chilton und Chris Bell gehandelt haben, der gleichnamige Anthrax- oder Megadeth-Brüller wird’s wohl nicht gewesen sein…
The Marble Man sind demnächst wieder konzertant in unseren Gefilden am 17. September in der Glockenbachwerkstatt zu genießen.
(**** ½ – *****)

The Marble Man / Homepage

The Moonband @ Kulturstrand, München, 2015-06-26

Nach einjähriger Pause veranstalten die ‚Urbanauten‘ unter dem Motto „We’re back, Baby!“ heuer wieder den Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen auf der Praterinsel, direkt gegenüber vom ‚Deutschen Museum‘, Schirmherr ist der zweite Bürgermeister Seppi Schmid (von der CSU, ausgerechnet!), geboten werden neben dem ‚Pavillion der guten Dinge‘ (Flüchtlingshilfe, etc.) diverse hochkarätige Konzerte, wohlgemerkt bei freiem Eintritt, am vergangenen Freitag haben meine Münchner Lieblings-Folkies von der Moonband aufgespielt und die zahlreich erschienen Strandbesucher in relaxter Freitagabend-Open-Air-Atmosphäre mit ihrem wie immer höchst angenehmen Bluegrass-/Alternative-Country-Mix aus Eigenkompositionen und dem gelungenen Coverversionen-Material ihres neuen Tonträgers „Back In Time“ beglückt, das auch zu dem Anlass wieder angezeigte Loben und Preisen spar ich mir heute mal im Detail, gab’s ja in den letzten Wochen schon hier und hier und genau so wunderbar war’s dieses Mal auch wieder.

Heute spielen Ebi, Supi und Co. von den Gerner Zipfeklatschern ihre herrliche bayerische Wirtshausmusik am Strand und morgen tritt die Formation Goya Royal mit formidablem Deutsch-Indie-Pop/-Rock auf. Badeschlappen und Badematte raus und hingehen!

Kulturstrand / Homepage

The Moonband / Homepage