Landy Landinger

Rauschangriff + Ramonas @ Glockenbachwerkstatt, München, 2016-10-27

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Wer kennt ihn nicht in heimatlichen Gefilden, den Landy Landinger, das Münchner Gitarristen-Unikat dürfte so manchem BR-Regionalprogramm-Glotzer schon mal im TV-Werbespot mit seinem unvergleichlichen „I bin da Landy und do bin i dahoam“ untergekommen sein, am vergangenen Donnerstag eröffnete er in der Münchner Glockenbachwerkstatt zusammen mit den Ramonas-Isarpunks Loni Lackschaden und Alfons „Al unter Palmen“ Hefter den krachig-beschwingten Konzertabend, in bewährter Manier stellte das Trio eine geballte Ladung Spaß auf die Bühnenbretter und in den Saal der Glocke mittels ihres ureigenen Pogo-Gebräus aus 70er-/Ramones-Punk und den auch gern und oft ins Derb-Groteske abdrehenden bayerischen Texten, die wie immer in dem Fall am umfänglichsten für Kenner und Versteher des oberbayerischen Idioms zu genießen waren. Allen anderen blieb immerhin das beherzte Tanzbein-Schwingen zum schmissigen, immerfrischen Speed-Rock’n’Roll-Sound der Combo und ab und an ein Schluck zur Abkühlung vom Gerstensaft, dessen Konsum das Trio auch oft und gerne thematisiert… ;-))
Die Ramonas: obszön, laut und grob, wie sie in eigenen Worten über sich selbst Zeugnis ablegen, und live nach wie vor eine Bank. Onetwothreefour, Mordsgaudi!
(**** ½ – *****)

Teil 2 des Münchner Punk-Rock-Gipfeltreffens bestritten die Veteranen von Rauschangriff, das altehrwürdige, musikalisch für das Genre hochqualifizierte Trio ist mit einer zwischenzeitlichen Auszeit seit 1995 fester Bestandteil der lokalen Punk-Szene, wie von den Herren Machtkrampf, O.S. und Küken nicht anders erwartet, wetterte die Band in ihrer Fundamental-Systemkritik gegen Führer, Klerus, Vaterland, aktuelle gesellschaftliche Verwerfungen wie das Auftreten von Pegida/AfD, den täglichen Stumpfsinn im Arbeitsleben, die Allmacht der volksverdummenden Sprache, und begeisterte mit der deutschen Version der UK-Subs-Nummer „C.I.D.“ und „Deppert“, einer Adaption des Black-Sabbath-Klassikers „Paranoid“.
Als konzertantes Highlight durfte selbstredend auch am Donnerstag gemäß dem Gebot „Du sollst den FC Bayern schmähen alle Tage Deines Lebens, auf dass Dir der JVA-Landsberg-Aufenthalt und der Arroganz-Arena-Besuch erspart bleiben“ die Anti-FCB-Hymne „Faule Eier“ inklusive lautstarkem, textsicherem Fan-Chor nicht fehlen, mit anschließendem Lobgesang (was gibt es dahingehend eigentlich momentan groß zu loben??) auf die geliebten Münchner „Löwen“ nahm die Fußball-Thematik ihren gebührend-festen Platz im Rahmen des Rauschangriff-Auftritts ein.
Polit-Punk zuhauf und das für die Band obligatorische Gekicke-Thema inklusive Großklub-Beleidigung, mit schwergewichtig-wuchtigem Bass-/Drum-Rhythmus nach vorne getrieben und feinst garniert von technisch versierten, messerscharfen Gitarrenriffs, das kann in der bayerischen Landeshauptstadt nach wie vor keiner besser als die Punk-Altvorderen aus dem Neuaubinger Folterkeller.
(**** ½ – *****)

Das Rauschangriff-Kulturforum-Interview, Juli 1995: hier.