Leonard Cohen

Soundtrack des Tages (177): Mark Kozelek

Weniger ist manchmal mehr: US-Songwriter Mark Kozelek überschlägt sich 2017 mit Neuveröffentlichungen, Anfang des Jahres „Common As Light And Love Are Red Valleys Of Blood“ unter dem Alias Sun Kil Moon, gemeinsam mit Justin Broadrik/Jesu ein paar Monate später die ziemlich überflüssige, da kaum Neues bietende Kollaboration „30 Seconds To The Decline Of Planet Earth“, mit dem Parquet-Courts-Bassisten Sean Yeaton und prominenten Gästen wie Will Oldham und Steve Shelley schwadroniert er sich in inzwischen gewohnter „Drauflos-labern“-Manier auf dem jüngst erschienenen Album „Yellow Kitchen“ (Caldo Verde) durch Themen wie die vergangene US-Wahl und zuviel Kalorien-Aufnahme zum Weihnachtsfest im völligen musikalischen Stillstand, der gute Helge würde anmerken: „Das ständige Geblubber wo man bekloppt von wird“.
Auf der zwischenzeitlich erschienenen „Night Talks EP“ (Caldo Verde) finden sich immerhin zwei neue Folk-Werke, eine alternative Version von „I Love Portugal“ vom „Common As Light…“-Album im Akustik-Gewand plus zwei Coverversionen, neben einer von der Autorin selbst begleiteten Interpretation von Kath Blooms „Pretty Little Flowers“ eine würdige Verneigung vor dem großen, im letzten Jahr dahingeschiedenen Leonard Cohen:

Soundtrack des Tages (165): Tedeschi Trucks Band

Nachschlag zum Soul-Freitag: Die Tedeschi Trucks Band bringt dieser Tage ihren zweiten offiziellen Konzertmitschnitt auf den Markt, auf „Live From The Fox Oakland“ (Concord Records) findet sich unter anderem auch diese wunderbare Verbeugung vor dem großen Leonard Cohen:

Eine Kerze für Leonard Cohen

cohen

Einer der prägendsten Poeten der neueren Musikgeschichte ist tot. Leonard Cohen ist am 7. November in San Francisco im Alter von 82 Jahren gestorben. Vor drei Wochen erschien sein letztes Album „You Want It Darker“ (Columbia), ein Werk, das neben dem prophetischen Titel final noch einmal ergreifende Cohen-Momente und großes Songwriting im Überfluss bot, wie man es in seinen besten Momenten vom Kanadier seit nahezu 50 Jahren gewohnt war. Loblieder auf Alben wie „Songs Of Leonard Cohen“ (1967), „Songs From A Room“ (1969), „Songs Of Love And Hate“ (1971) oder „New Skin For The Old Ceremony“ (1974, alle Columbia) und dort enthaltene Song-Klassiker wie „So Long Marianne“, „Hey, That’s No Way to Say Goodbye“, „Bird On A Wire“, „The Partisan“ oder „Chelsea Hotel“ zu singen, hieße nicht nur für Folk-Fans Eulen nach Athen tragen.
Leonard Cohen war neben seiner Tondichtung auch als Autor des Romans „Das Lieblingsspiel“ und der Lyrik-Sammlung „Letzte Prüfung / Death Of A Lady’s Man“ bekannt. Der Nobelpreis für Literatur wurde vor kurzem erstmals an einen Musiker vergeben, leider nicht an ihn.
Seine melancholischen Songs beeinflussten spätere Musiker-Generationen maßgeblich, Nick Cave, Michael Stipe, Lloyd Cole, Robert Forster und Bill Callahan zählen neben vielen anderen Künstlern zu seinen Verehrern.
Der 1934 in Quebec geborene Jude Cohen hat sich seit den siebziger Jahren intensiv mit dem Zen-Buddhismus auseinandergesetzt, 1996 wurde er als Mönch ordiniert. Möge er seinen Frieden mit der Welt gefunden haben.

Eine Kerze für Bob Johnston

bob-johnston-right-with-bob-dylan-and-johnny-cash

Der aus Texas stammende Musikproduzent Bob Johnston ist am vergangenen Freitag in Nashville/Tennessee im Alter von 83 Jahren gestorben.
Zusammen mit seiner Frau Joy Byers komponierte er in den frühen sechziger Jahren mehrere Songs für Elvis Presley, legendär ist seine Produzententätigkeit ab dem Jahr 1965, für die Liste der Klassiker, die er zu verantworten hatte, würde so mancher die eigene Oma opfern, allein die Aufzählung der essentiellen Dylan-, Cohen- und Cash-Aufnahmen liest sich wie der Pop-historisch relevante Kanon dieser Ära, unter anderem war er Produzent der folgenden Meilensteine:
‚Highway 61 Revisited‘, ‚Blonde On Blonde‘, ‚John Wesley Harding‘, ‚Nashville Skyline‘ und ‚New Morning‘ von Bob dem Meister, den Leonard-Cohen-Klassikern ‚Songs From A Room‘ und ‚Songs Of Love And Hate‘, den beiden bahnbrechenden Knast-Live-Platten von Country-Ikone Johnny Cash, ‚At Folsom Prison‘ und ‚At San Quentin‘, dem Byrds-Album ‚Dr. Byrds & Mr. Hyde‘ sowie weiterer relevanten Arbeiten von Musikern wie Simon & Garfunkel, Loudon Wainwright III, Marty Robbins, Pete Seeger und Michael Murphy.
Ab den siebziger Jahren war Johnston, enttäuscht von den spärlichen Einnahmen aus seiner Anstellung bei Columbia Records, als freier Produzent tätig, seine erfolgreichste Einspielung aus dieser Zeit war das Album ‚Fog on the Tyne‘ der britischen Folk-Rock-Band Lindisfarne, welches im Frühjahr 1972 Platz 1 der UK-Charts enterte.

„Bob Johnston was very sophisticated. His hospitality was extremely refined. It wasn’t just a matter of turning on the machines. He created an atmosphere in the studio that really invited you to do your best, stretch out, do another take, an atmosphere that was free from judgment, free from criticism, full of invitation, full of affirmation. Just the way he’d move while you were singing: He’d dance for you. So, it wasn’t all just as laissezfaire as that. Just as art is the concealment of art, laissezfaire is the concealment of tremendous generosity that he was sponsoring in the studio.“
(Leonard Cohen)

I remember you well in the Chelsea Hotel

I remember you well in the Chelsea Hotel,
you were talking so brave and so sweet,
giving me head on the unmade bed,
while the limousines wait in the street.
Those were the reasons and that was New York,
we were running for the money and the flesh.
And that was called love for the workers in song
probably still is for those of them left.
(Leonard Cohen, Chelsea Hotel #2, New Skin For The Old Ceremony)

222 West 23rd Street, Chelsea, Manhattan, New York City
2008-04-26

Wallfahrtsort, irgendwie. Wer sich hier alles die Klinke in die Hand gab, Hammer. Kerouac hat angeblich ‚On The Road‘ in dem Kasten geschrieben. Davor gestanden, tatsächlich mit der Lloyd-Cole-Version des Cohen-Klassikers via iPod im Ohr. Erhebend.

Remember Brendan Behan, Dylan Thomas & Sid Vicious.

Well never mind, we are ugly but we have the music.
(Leonard Cohen, Chelsea Hotel #2, New Skin For The Old Ceremony)

Hotel Chelsea / Wikipedia