Liann

Liann + Gurdan Thomas @ „Abendrot im Hinterhof“, KAP37, München, 2016-07-01

2016-07-01 KAP37 Sommerfest -- DSC06093

Wetterbedingt verschoben, hat es im zweiten Anlauf geklappt: Wie im Vorjahr haben die Veranstalter Angélique und Christian vom KAP37 zum Sommerfest inklusive Grillen und FaderOne-Sprayer-Workshop in den wunderschönen Hinterhof des KAP37 am lauschigen Münchner Westermühlbach geladen, die Witterung hat vergangenen Freitag 1a mitgespielt, entsprechend riesig war der Besucherandrang.

Die erste Band, Piece Of Wood, dann gleich mal wegen angeregter Unterhaltung total versäumt, war dem Vernehmen aus der Ferne nach wohl ein ganz genehmer Mix aus Soul, schweren Blues-Riffs und wuchtigen Jazz-Bläsersätzen.

Der in München ansässige Brite Gurdan Thomas und seine MitmusikantInnen bewegten sich textlich skurril im Bereich Zappa und mäanderten musikalisch liebenswert, virtuos und gekonnt-lustig zwischen englisch geprägtem Folk, Alternative Country und Balkan-Pop, dieser circa im Bereich libanesische Hauptstadt, sprich Beirut/Zach Condon zu verorten, leider davon das Meiste wegen Blabla auch nur mit einem Ohr mitgekriegt, aber es sollte sich mal wieder die Gelegenheit ergeben, die Combo tritt gern und oft in München und anderswo auf, demnächst zu folgenden Terminen:

20.07. München/Haar – Kleines Theater Haar
21.07. München – Bootshaus/Draußen im Biergarten
31.07. Nürnberg – Bardentreffen
01.08. München – Backstage Free & Easy
16.10. Gefrees – Andy Langs Konzertscheune
22.10. München – Ewiges Licht
23.10. Augsburg – Kultur Café Neruda
12.11. Frankfurt/Oder – Trans Vocale Festival

Kurz vor der Geisterstunde ging dann nochmal trotz nächtlicher Finsternis die Sonne auf, unser liebster Münchner Deutsch-Folker Liann griff spontan zur Wandergitarre und erwärmte wie zuletzt auch bei seinem regulären, grandiosen KAP37-Auftritt unsere Herzen in einem kurzen Solo-Gig mit einer Auswahl seiner Songwriter-Perlen wie „Heim“, „Eismann“ oder „Murmeltier“ aus der gleichnamigen EP, deren Stücke sich in den letzten Wochen längst in unsere Gehörgänge gefräst haben, Ohrwurm Hilfsausdruck, würde Wolf Haas sagen…

Liann @ KAP37, München, 2016-06-09

LIANN @ KAP37 München 2016-06-09 --- DSC04779

„Zu seinen deutschen Texten zupft Liann Irish-Folk-Harmonien und erfindet so den Schlager für die Digital-Natives: weniger Kitsch und mehr rohes Gefühl!“
(Rita Argauer, Süddeutsche Zeitung, Junge Leute, Band der Woche, 25. Mai 2016)

Im Februar hat er im Rahmen des Auftritts von Antun Opic im KAP37 seine Bewerbung für ein SchaufensterKonzert in Form von ein paar eingestreuten Songs abgegeben, nun durfte Kilian Unger aka Liann just an seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag selber ran im lauschigen kleinen Saal der Nachbarschaft Westermühlbach, mit der sozialen Einrichtung verbindet den jungen Musiker eine langjährige Geschichte, in seiner Kindheit war er hier in der Nachmittagsbetreuung untergebracht, a sort of homecoming, sozusagen.
Das von ihm einiges zu erwarten war, deutete bereits der Kurzauftritt vor ein paar Monaten an, in der Zwischenzeit hat Liann bei seinem EP-Release-Konzert den Glockenbachviertel-Club Milla ausverkauft, ein Umstand, der bei weitem nicht jedem dort auftretenden Künstler vergönnt ist, diese Nummer hat die Erwartungen an den vergangenen Donnerstagabend abermals um ein paar Umdrehungen hochgeschraubt, und die hat der junge Mann aus der Isarvorstadt-Nachbarschaft nochmal um ein Gutes übertroffen.
Nach einem kurzen solistischen Ausflug in den deutschen Songwriter-Folk zum Start gesellten sich peu à peu Lianns musikalische Gäste des Abends auf die Bühne und lenkten den melodischen Sound unter der Regie des geborenen Entertainers weiter in Richtung Indie-Kammer-Pop, dahingehend die ganz große Ausgabe, die Beiträge von Elisa von Wallis am Cello, Preston Jones am Kontrabass, Derrick Waluube am Schlagzeug und dem begnadeten Geiger Buck Roger, gepaart mit den pfiffig-witzigen, originellen Alltagsbeobachtungen und Geschichten in den Texten Lianns sorgten für einen herrlich-launigen, beglückenden und maximalen Spaß garantierenden Konzertabend, man kennt es von den KAP37-SchaufensterKonzerten letztendlich auch nicht anders.
Den Großteil des Konzerts nahmen die Interpretation der deutschen Songwriter-Perlen der vor kurzem erschienenen Liann-EP „Murmeltier“ (2016, recordJet) ein, ergänzt um einige unveröffentlichte und neue Songs, die punktuell auch die nachdenkliche Seite des jungen Musikers herauskehrten, und gegen Ende des gemeinsamen Auftritts bereichert durch begeisternde Ausflüge in die Gefilde des Soul, bei denen Drummer Derrick Waluube als Interpret diverser Klassiker des Genres schwerst beeindruckte und Violinen-Spieler Buck Rodger eine beschwingte Kostprobe aus dem Repertoire seiner eigenen Combo The Sidetrackers zum Besten gab.
Beim BVB-Shootingstar und derzeitigen EM-Fahrer Julian Weigl haben sie wahrscheinlich damals schon beim SV Ostermünchen aufgrund des herausragenden Talents den zukünftigen Champions-League-Spieler gesehen, in der Saison 2013/14 hatten wir auf Giesings Höhen bei den Amateurspielen der Münchner Löwen vergleichbare Gedanken, und ein dahingehend ähnliches Gefühl wird wohl den ein oder anderen am Donnerstagabend beim Auftritt des hochsympathischen, unverstellten jungen Mannes auch beschlichen haben, bei einem mit derart viel Talent gesegneten Musiker und Texter wie Kilian Unger müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht noch eine ganze Ladung mehr kommt an größeren Bühnen und positiver Resonanz, weit über die Münchner Grenzen hinaus, gleiches gilt im Übrigen uneingeschränkt für seine an dem Abend großartig auftrumpfenden Mitmusikant(In)en.
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Liann / Homepage

Antun Opic @ KAP37, München, 2016-02-25

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Unplugged, stripped to the bone oder wie immer man das nennen mag: der begnadete Münchner Musiker und Songschreiber Antun Opic trat am vergangenen Donnerstag alleine mit Gitarre in kleinem, intimen Kreis ausnahmsweise ohne seine hervorragenden Mitmusiker auf, im sehr gut gefüllten KAP37 präsentierte er im Rahmen der Veranstaltungsreihe „SchaufensterKonzerte“ Songs, die er – sozusagen regulär – mit Bandbegleitung nicht spielt, alte Nummern mit nachdenklich-kritischen deutschen Texten aus seiner langjährigen Straßenmusiker-Zeit und Solo-Versionen von konzertanten sowie auf Tonträger gebannten Perlen aus seinem reichhaltigen Fundus wie „Moses“, „Shovel My Coal“, „The Journalist“ oder „Come With Me“, in diesen Interpretationen fehlte selbstredend mangels Mitmusikern der Opic-typische Gypsy-Swing/-Jazz, der Flamenco-artige Drive und das Chanson-hafte, umso mehr glänzten die Solo-Versionen in ansprechendem Akustik-Blues- und Country-Folk-Gewand, durch die Reduktion auf das Wesentliche kam der Songwriter in Antun Opic noch weitaus mehr zum Vorschein als in seinen opulenten Full-Band-Präsentationen.
Besondere Freude bereitete auch die Aufführung eines an musikalische Ahnherren wie Ry Cooder oder David Lindley angelehntes Country-Blues-Stückes, das Opic auf der Lap-Steel-Gitarre zum Besten gab, das feine Teil bekam er von einem slowenischen Gitarrenmeister vererbt, der dafür keine Verwendung mehr hatte, einen besseren Adressaten für das gute Stück hätte der Mann schwerlich finden können.

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Gegen Ende des Konzerts begrüßte Antun Opic einen very special guest auf der Bühne, der junge Münchner Songwriter Liann gab in einem kurzen Intermezzo seine akustische Bewerbung für ein kommendes SchaufensterKonzert in Form von ein paar schmissigen Folk-Pop-Songs über durchzechte Nächte und versoffene Freundinnen ab, sein EP-Release-Konzert gibt Liann im Übrigen am 7. April im Münchner Milla-Club, er wird an dem Abend vom schönen Folk-Wohlklang von Henny Gröblehner / pourElise unterstützt.

Zum Ausklang des gelungenen Abends enterte Antun Opic nochmals die Bühne für einen ergreifenden Vortrag von „No Offense“, dem Titelstück seiner hervorragenden 2013er-CD, und wem nicht spätestens bei dieser wunderbaren Ballade warm ums Herz wurde in dieser kalten Winternacht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen…
(**** ½ – *****)