Loft

Thunder And Blitzkrieg + Kein Signal + Munks Jungs @ Neujahrsempfang der „Löwen-Fans gegen Rechts“, Loft, München, 2016-01-05

Wie üblich bei den „Löwen-Fans gegen Rechts“ ging es Anfang der Woche konzertant mit Karacho ins neue Jahr, traditionell wurden drei Münchner Bands der musikalisch eher brachial-harten Gangart engagiert, nach kurzer Ansprache und Spendenaufruf zur Finanzierung der Gerichtskosten für die Klage der LFgR versus Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ging der bunte Abend musikalisch mit Munks Jungs in die erste Runde, beinhartes Hardcore-Deutsch-Punk-Gebrüll donnerte auf den vollgefüllten Saal nieder, bei derbstem Liedgut mit Themen wie Schnaps und Alice Schwarzer wurden Erinnerungen an den Kölner Proll-Punk Hans Jürgen Zeltinger wach, nix für zartbesaitete Gemüter und Eckkneipen-Verächter. Eine Ulrich-Seidl-Doku als Punk-Band, quasi. Das Quartett nennt ihre Kunst „SendlingermetalOi!GiasingerPunkrock“, unglaublich, für was mein schönes Sendling alles herhalten muss… ;-))

Munks Jungs / facebook

Punkrock ist auch bei der ortsansässigen Combo Kein Signal großgeschrieben, die etwas ausgefeiltere, vielseitigere, latent Fugazi-lastigere Variante. Laut Facebook-Seite der Band soll sich auch etwas Ska und ein wenig Folk im Klangbild der vier jungen Männer tummeln, damit haben sie am Dienstag gut hinterm Berg gehalten, aber auch ohne gab es bei dem unterhaltsamen, energiegeladenen Auftritt wenig zu beanstanden. Ging gut in Ohr und Tanzbein, somit fällt das Fazit leicht: Gerne mal wieder.

Kein Signal / facebook

Als Headliner durften die durch viele Auftritte bewährten und gestählten Punk-Hardrocker von Thunder And Blitzkrieg zum Abschluss der Sause die Gäste euphorisieren, trashiger Rock ’n‘ Roll mit der nötigen Prise Rotz aus Band-eigener Feder und fremdes Liedgut von Kiss oder der immer gern genommene Rose-Tattoo-Kracher „Nice Boys“ (die bekanntlich keinen Rock ’n‘ Roll spielen) inklusive exzessivem 70er-Jahre-Rockstar-Gebaren stießen auf viel Gegenliebe bei Löwenfans und mitgeschleppten FreundInnen, auch wenn die Soundanlage hinsichtlich klanglicher Abbildung des kraftvollen Gesangs einiges zu wünschen übrig lies. Für die Angefixten und Nimmersatten: Thunder And Blitzkrieg spielen ihr nächstes München-Konzert am 14. Februar im Backstage.

Bei den LFgR werden die Feste gefeiert, auch wenn sie nicht fallen, sozusagen: Zur prekären Tabellensituation des TSV 1860, zum ewigen Investoren-Hick-Hack und zur allgemeinen Stimmung im Verein hätte die Gothic-Party im Loft in den Räumlichkeiten im Stockwerk darunter bedeutend besser gepasst…

Thunder And Blitzkrieg / Homepage

Löwen-Fans gegen Rechts / Homepage

Terraformer, Nasmyth, Yakpilot @ Loft, München, 2015-04-12

Post-Rock-Vollbedienung am vergangenen Sonntagabend im Loft, einem abgeranzten klassizistischen Altbau hinter dem Münchner Ostbahnhof, gibt es als Veranstaltungsort schon ewig, ich war bis dato noch nie dort – was soll ich sagen, man lernt halt nie aus ;-)) Bin in meiner jahrzehntelangen Konzertgänger-Historie schon so ziemlich in jedem Loch in München unterwegs gewesen, in dem wer aufgespielt hat, aber die Butze ist mir noch nicht untergekommen. Feine Sache, und für sechs (!!!) Öre Eintritt konnte man eh nicht knurren, aber der Reihe nach:

Den stimmungsvollen Abend eröffnete die Münchener Band Yakpilot. Angekündigt waren sie stilistisch unter dem Label „Screamo“, ich war vorab schwer am rätseln, was uns da erwartet, wohl irgendwas mit Gebrüll, die Erinnerungen schweiften in Richtung „Vágtázó Halottkémek / Rasende Leichenbeschauer“, jener Budapester Schrei-Therapie-Band, die auf den Bühnen nicht nur unserer Stadt in den Achtzigern und Neunzigern wiederholte Male ihr Unwesen trieb, aber die Befürchtung hat sich dann doch als ziemlich grundlos herausgestellt, der junge Mann am Mikro hat sich zwar schwer einen abgeröhrt, aber letztendlich doch in geordneten Bahnen und begleitet von drei kompetenten Mitmusikern, die einen hochinteressanten, stimmigen, vom amerikanischen Hardcore beeinflussten Gitarrenteppich auslegten. Anstelle „Screamo“ hätte ich det Janze als „90% Peter Hein/10% Rio Reiser trifft Black Flag/Rollins Band trifft Soulside/Fugazi“ betitelt, aber das ist vom Text natürlich viel zu wenig griffig…;-))) Muss natürlich auch noch lobend erwähnt werden: Die Texte wurden auf Deutsch vorgetragen, was ich bei einer Inländer-Band grundsätzlich begrüsse, sehr poetisch, was ich bei dem Geschrei so rausgehört habe und damit in völligem Kontrast stehend zur lauten, energetischen und mitreißenden musikalischen Untermalung der Combo. Ein überzeugender, kurzer Auftritt einer jungen Band from Minga, von der man hoffentlich noch einiges hören wird, ich drück die Daumen!
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Fortgesetzt wurde die feine Veranstaltung vom Mädel (Kim Gordon of Munich ? Who knows…) und den Burschen von Nasmyth, die im Übrigen auch für die Veranstaltung der Sause verantwortlich zeichneten, wofür ihnen an der Stelle auf das allerherzlichste gedankt sei! Ich habe die Band im vergangenen Herbst bei einem ähnlich geschnürten Post-Rock-Paket in der Glockenbachwerkstatt entdeckt und es ist erstaunlich, welch grandiose Entwicklung das Quartett seither gemacht hat. Von damals vorhandenen Metal-Element ist kaum mehr was übrig geblieben im Sound von Nasmyth, beim Konzert am Sonntag ging die Reise eindeutig in Richtung instrumentaler Gitarren-Post- und Prog-Rock, und das inzwischen tatsächlich in einer Güte von Bands wie Explosions In The Sky, Caspian, Sleepmakeswaves oder Red Sparrowes. Ausdifferenziert, abwechslungsreich, euphorisch und zupackend, zuhauf sich aufbauende Gitarrenwände, ich könnte mich mit lobenden Worten überschlagen, was soll ich sagen, Post-Rock von seiner besten Seite und ein Fest für einen Freund des Genres wie mich. Das anwesende, leider nicht sehr zahlreiche Publikum sah es ähnlich und spendete höchst animiert begeistert Applaus.
Wie Drummer Timo kundtat, kommt im Juli die erste CD der Band auf den Markt und da freu ich mich schon wie Bolle drauf, zumal er auch noch was von einem dann anstehenden Konzert zum Besten gab… ;-)))) I’ll keep you informed and entertained….
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Einen mehr als würdigen Abschluss fand dieser Festtag in Sachen Post-Rock mit dem belgischen Instrumental-Trio Terraformer aus Lüttich. Die drei Wallonen gaben ihre aktuelle CD „Creatures“ (2014, Dunk!records) im abgedunkelten Raum zum Besten und versetzten so das dankbare Publikum mit geschliffener Härte und kompromisslosem Vortrag in den finalen Rauschzustand. Wer nach stilistischen Verwandtschaften sucht, dürfte bei der Chicagoer Post-Metal/Post-Rock-Band Russian Circles am ehesten fündig werden. Der grandiose Vortrag der Belgier hätte wahrlich – und das gilt auch uneingeschränkt für Yakpilot und Nasmyth – wesentlich mehr Publikum verdient. Warum Mogwai – die ich im übrigen sehr verehre, nicht falsch verstehen – in rappelvollen Hallen vor tausend Leuten spielen und Terraformer nur vor ein paar Hanseln, dass muss mir mal beizeiten wer erklären. Anyway, ich hoffe, die Belgier haben sich vom spärlichen Besuch nicht abschrecken lassen und geben in naher Zukunft ein weiteres ihrer phantastischen Konzerte in unseren Breitengraden…
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