Majmoon

VLMV @ Maj Musical Monday #89, Glockenbachwerkstatt, München, 2018-10-15

Freundinnen und Freunde des gepflegten Postrock-Entertainments hatten am vergangenen Montagabend die Qual der Wahl, zur Auswahl standen vierfach geballte Vollbedienung der lauteren Gangart des Genres im Import/Export mit den amerikanischen Postmetallern von Shy,Low und den bajuwarischen Vertretern Pictures From Nadira, Noise Raid und MarrowVoltage, oder alternativ das entspanntere Driften in die konzertante Woche, im Rahmen der 89. Ausgabe des Maj Musical Monday in der Münchner Glockenbachwerkstatt mit dem Londoner Duo VLMV (früher/sprich „Alma“) – da war Grübeln angesagt ob des momentan voll bepackten Münchner Konzert-Kalenders, Letzteres sollte es sein, da Zweiteilen unmöglich, der faire Münzwurf in dem Fall auch nicht weiterhalf und im Zweifel der inneren Stimme stets Gehör zu schenken ist.
„An Almost Silent Life“ betitelte die nordenglische Indie-Formation Dakota Suite um Weltschmerz-Verinnerlicher Chris Hooson ihr 2012er Glitterhouse-Album, ein Motto, das sich auch für das Münchner VLMV-Konzert mit einem Set größtenteils aus den Nummern des im vergangenen Frühjahr erschienenen Longplayers „Stranded, Not Lost“ und die weitern veröffentlichten Arbeiten der Formation als thematischer Aufhänger anbieten würde, im stilistischen Ansatz sind die beiden jungen Soundkünstler Pete Lambrou und Ciaran Morahan mit ihrem nach innen gekehrten musikalischen Grundverständnis sowieso kaum weiter als in Steinwurf-Distanz von der Slowcore-Band aus Leeds entfernt. Wo sich Hooson und Co im völlig entschleunigten Songwriter-Indierock weiden, zelebrieren die beiden Londoner eine Postrock- und Dark-Ambient-affinere Spielart der leisen Töne, nicht zuletzt wohl in prägender Anlehnung an den eigenen Background, neben ihrem separaten Duo-Projekt sind beide Musiker bei der südenglischen Instrumental-Postrock-Band Codes In The Clouds engagiert. Gemeinsam entwerfen Lambrou und Morahan mittels wunderbar eleganter, reiner und einschmeichelnder Moll-Gitarren-Töne, getragener, gesampelter Violinen- und Piano-Neoklassik und live geloopter Melodien-Bögen anrührende und in ihrer nahezu unfassbaren Schönheit fast schon schmerzhafte Songs und erhabene Soundlandschaften. An der Grenze zur Zerbrechlichkeit besingt Gitarrist Pete Lambrou mit filigranem, leisem Intonieren die Downtempo-Shoegazer-Preziosen, die Duett-Partner Ciaran Morahan durch experimentelles Bespielen der Gitarre mit einem Drum-Stick als Geigenbogen- und Bottleneck-Ersatz, dem Effekte-generierenden Einsatz der Pedals und Bedienen der elektronischen Gerätschaften zu großartig erhebenden, atmosphärischen Hymnen und Song-Epen verdichtet. VLMV liefern mit ihrer introvertierten Melancholie, dem dezent nachhallenden, zu der Gelegenheit exzellent abgemischten Kammermusik-Sound und dem nachdenklichen, meditativen, zu Teilen in andere Welten entrückten Grundton ihrer Songs die musikalische Untermalung für Nebel-verhangene Herbsttage, für die innere Einkehr und den tönenden Rückzugsraum im hektischen Treiben unserer Zeit, schade eigentlich, dass dieser Sonnen-durchflutete Jahrhundertsommer scheints kein Ende nehmen will… Aber wie heißt es immer prophetisch in einer Blockbuster-TV-Serie: „Winter is coming“, und damit wird auch die Zeit für diese leise tönende Klang-Wunderwelt kommen.
Postrock muss nicht ausschließlich mit auftürmenden Gitarrenwänden und wuchtigem Getrommel durch das Tor stürmen, im An- und Abschwellen der Intensität reicht mitunter auch der leise Teil, ohne der innewohnenden Dramatik Abbruch zu tun, VLMV haben das am Montagabend mehr als eindrucksvoll in der gebührenden Ernsthaftigkeit mit ihrem verletzlichen Kompositionen unter Beweis gestellt. Ganz ohne Gelärme ging’s aber dann auch beim Londoner Duo nicht über die Bühne, ihre traumwandlerisch schwebenden Slowcore-Perlen ließen die beiden Musiker durch Geräte-schraubende Verzerrung der geloopten Samplings in einem diffusen Drone-Fadeout final verrauschen.
Das Bauchgefühl täusche sich nicht mit seinem Rat zum Besuch der MMM-Oktober-Ausgabe in der „Glocke“, einziger Wermutstropfen zu dieser beseelten Veranstaltung war der schwache Besucherzuspruch, die ätherische konzertante Schönheit der beiden Briten hätte soviel mehr an zugewandtem Zulauf verdient, die eingangs erwähnte Parallel-Veranstaltung zog da wohl etliches an interessiertem Publikum in den anderen Saal.

Die von den Münchner Musikern Josip Pavlov und Chaspa Chaspo aus dem Umfeld der Postrock-Band Majmoon organisierte Do-It-Yourself-Serie Maj Musical Monday für Indie-, Post-, Experimental-, Noise-Rock, Artverwandtes und Multimedia-Installationen präsentiert am 19. November in der 90. Auflage der Reihe die US-amerikanische Minimal-/Artrock-Formation Facs mit ehemaligen Bandmitgliedern der Chicagoer Alternative-Combo Disappears sowie das Münchner Post-Dub/Postrock-Duo WhåZho aus dem hiesigen Gutfeeling-Stall, Glockenbachwerkstatt, Blumenstraße 7, München, 21.00 Uhr.

Carpet + 0101 @ Maj Musical Monday #80, Glockenbachwerkstatt, München, 2017-05-15

Die 80. Auflage des regelmäßig im Münchner Stadtteil-Treff Glockenbachwerkstatt stattfindenden Maj Musical Monday zeigte sich hinsichtlich Experimentierfreude von seiner besten Seite, die gut besuchte Montagabend-Veranstaltung eröffneten die unter dem Duo-/Projektnamen 0101 firmierenden Media-Künstler und Musiker Daniel von Rüdiger und Carl, die beiden Rosenheimer spielten hinter einer halbtransparenten Plastik-Folie ihren „Cinematic Postrock“ als Live-Soundtrack zu bewegten Bildern, die als Leinwand gedachte Abtrennung von Bühne und Zuschauerraum diente als Projektionsfläche für sozial-dokumentarische Filmaufnahmen, die Daniel von Rüdiger 2014 in Papua-Neuguinea drehte. Die schlagenden, hauenden, sägenden, monotonen Arbeitsgeräusche der Ureinwohner beim aufgezeichneten Bau eines Kanus wurden wunderbar stimmig als Rhythmus-gebende Field Recordings in den konzertanten Vortrag des Duos integriert und verliehen der instrumental dominierten Soundlandschaft aus karibischem Western, Ennio-Morricone-Anleihen, durch Effekt-Geräte behandeltem Gitarren-Postrock und maschinellen Elektro-/Industrial-Drones und -Loops die sprichwörtliche besondere Würze.
Die „1Hz“ betitelte Live-Performance ist eine mehr als sehens- und hörenswerte Multimedia-Präsentation, ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, dass in der Form 2015 beim Kasseler Dok-Fest uraufgeführt wurde.
(*****)

Den zweiten Auftritt des Abends bestritt das Quintett Carpet, die Augsburg-München-Connection präsentierte ihre Klangkunst zwar „nur“ im herkömmlichen Konzertformat, jedoch nicht minder anregend-spannend war ihr in Anlehnung an den großen Zappa selbstbetitelter „Jazz From Hell“, die hochqualifizierten fünf Virtuosen verstanden es meisterhaft, ihr Demokratieverständnis im musikalischen Kontext ohne die Dominanz eines einzelnen Instruments formvollendet vorzuleben, ihre Spielart des Jazzrock-Grooves in Grenzen-überschreitender Erweiterung hin zum Kraut-, Psychedelic-, Progressive- und Postrock-Flow und zur schweren Eindringlichkeit des Stoner Rock vermochte das aufmerksame, kundige Publikum für gute neunzig Minuten völlig in den Bann zu ziehen, die Präsentation des jüngst erschienenen Carpet-Werks „Secret Box“ (2017, Elektrohasch Schallplatten) gelang in nahezu perfektionistischer Manier. Neben den Detail-reichen, komplexen, stimmig austarierten Songstrukturen, die sich bei Carpet im Live-Vortrag zu großen Teilen im rein instrumentalen Bereich bewegen, gilt es das Können des Mannes am Mischpult ausdrücklich zu loben, der glasklare Sound sorgte für ein berauschendes Hörerlebnis, der Klang-Teppich war an dem Abend in allen Teilen ein fein gewobener.
(*****)

Die Veranstaltung Maj Musical Monday ist eine feste Einrichtung der Münchner Glockenbachwerkstatt, jeden dritten Montag im Monat präsentieren Musiker und Künstler aus dem Umfeld der ortsansässigen Postrock-Band Majmoon experimentelle Klänge und visuelle Kunst: „Supporting development of a solidarity event like this has made possible to host many European artists, create artistic exchange, and improve quality in logistic and technical conditions for independent music production.“

In dem Zusammenhang sei auch auf das kommende Noise Mobility Festival #7 zur Präsentation europäischer Underground-Kunst und -Musik von 3. bis 5. Juni in der Münchner Glockenbachwerkstatt und die dazugehörige Warm-Up-Night mit Ippio Payo und Igor Hofbauer am 1. Juni in der Roten Sonne verwiesen.

Qui + Pictures From Nadira @ Maj Musical Monday #78, Glockenbachwerkstatt, München, 2017-02-20

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Die regelmäßig im Münchner Stadtteil-Treff Glockenbachwerkstatt stattfindende Veranstaltungsreihe Maj Musical Monday präsentierte zum Wochenauftakt ein mehr als ansprechendes Paket aus Post- und Noise-Rock, den Auftakt zu dieser über die Maßen beglückenden Veranstaltung bespielten die vier Mannen von Pictures From Nadira, die Münchner Postrock-Band präsentierte in intensiven 45 Minuten das Material des vor kurzem erschienenen Debüt-Albums „Nadira“, im vehementen Instrumental-Vortrag zog die Band alle Register des klassischen Postrock und stellte erneut eindrucksvoll unter Beweis, das sie die feine Klinge des Genres in den kontemplativen Passagen ihrer Klangreisen ebenso beherrschen wie die brachiale Streitaxt in Form rauschhafter Gitarrenattacken und druckvoll treibender Rhythmik. Hinsichtlich brachialer Wucht, entrückter Atmosphäre und orkanartiger Beschallung muss sich die Band aus München vor vergleichbaren internationalen Vertretern des Postrock weiß Gott nicht verstecken, Pictures From Nadira sind musikalisch längst in Sphären unterwegs, die sie über den Status einer lokalen Größe weit hinausheben.
Zudem: welche international renommierte Band aus der wunderbaren Welt des Postrock hat Vergleichbares wie den „Pictures From Nadira Imkerhonig aus Bogenhausen“ am Merchandising-Stand anzubieten?
(*****)

Pictures From Nadira spielen morgen Abend im Rahmen der „Bergfest“-Veranstaltung im Münchner 8Below, weitere anstehende Konzerte der Band:

21. AprilWien – Venster 99
22. AprilDachau – Freiraum

Als Headliner des Abends standen mit Paul Christensen und Matt Cronk vom kalifornischen Noiserock-Duo Qui zwei Legenden des amerikanischen Indie-Rock im Saal der Glocke, die Herrschaften aus L.A. musizierten bereits mit Größen wie Mike Watt, Alexander Hacke und Melvins-Drummer Dale Crover, ab 2006 hatten sie für einige Jahre keinen Geringeren als den begnadeten ex-Scratch-Acid/-Jesus-Lizard-Brüller David Yow als Sänger und festes Bandmitglied am Start, auch in Duo-Besetzung ließen Qui zu fortgeschrittener Stunde am Montagabend nichts anbrennen hinsichtlich beseeltem Noise, schwergewichtigem Experimental-Rock und beherzt-erratischem Punk, Drummer/Keyboarder Christensen und (Bass-)Gitarrist Cronk loteten die Möglichkeiten des Gesangs in jeglicher Schräglage von polterndem Gebrüll bis zu Falsett-artigem Pop-Gesang aus, das in der gebotenen Härte präsentierte Klangbild wanderte von Beefheart- und Zappa-Exzentrik über den Dead-Kennedys-Punk und sprödes No-Wave-Gitarren-Gehacke bis hin zu Outsider-Experimenten, wie man sie von Originalen wie den Flying Luttenbachers oder Clint Ruin/Foetus kennt, und doch lassen sich die Referenzen zu entsprechenden Underground-Größen nur erahnen, zu eigen ist die Noise-Welt von Qui, als das sie sich eins zu eins in irgendwelche Schablonen pressen ließe.
Dabei verstand es das Duo geschickt, die brachialen Attacken immer wieder mit dem uramerikanischen Schmalz des Piano-Bar-Jazz, schrägem Indie-Pop in Reminiszenz an die beiden Vögel von They Might Be Giants und bizarrem Burlesque-Getänzel aufzulockern, in Abwandlung zu einem Schiller-Spruch gilt für die Kalifornier: Ernst ist die Tondichtung, heiter die Darbietung. Qui haben an dem Abend alle Erwartungen weit übertroffen und eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das unkonventionelles Gebaren, Laut-sprechen, Weirdness und sprunghafte Performance nicht automatisch ins Weiße Haus führen müssen und im günstigsten Fall auch maximalen Unterhaltungswert ohne peinliches Berührtsein bieten können…
(***** ½ – ******)

Very special thanks an Josip Pavlov.

Die Veranstaltung Maj Musical Monday findet jeden dritten Montag im Monat in der Münchner Glockenbachwerkstatt statt und wird von Musikern und Künstlern aus dem Umfeld der ortsansässigen Postrock-Band Majmoon präsentiert: „Supporting development of a solidarity event like this has made possible to host many European artists, create artistic exchange, and improve quality in logistic and technical conditions for independent music production.“
Maj Musical Monday #78 findet am 20. März statt, auftreten wird das aus dem Schlagzeuger Jörg A. Schneider und dem Gitarristen Jens Berger zusammengesetzte Jealousy Mountain Duo.

D’Aqui Dub @ Great Bavaria Reef / Stadtstrand, München, 2016-08-11

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Nachdem es in den letzten Monaten zu etlichen Verwerfungen in der Münchner Kulturpolitik hinsichtlich des sommerlichen, mittlerweile traditionellen Kulturstrands am Vater-Rhein-Brunnen in Form einer einstweiligen gerichtlichen Verfügung und konzeptioneller/juristischer Streitigkeiten bezüglich des Vergabe- und Förderverfahrens gekommen ist, hat das jährliche Kultur- und Freizeit-Programm an der Isar in der Nähe des Deutschen Museums seit ein paar Wochen unter dem neuen Logo „Great Bavaria Reef – Stadtstrand“ doch noch ordentlich Fahrt aufgenommen.
Am vergangenen Donnerstag warteten die neuen Veranstalter mit einem besonderen musikalischen Leckerbissen auf der Musikbühne auf: Der von den geneigten Münchner Konzertgängern vor allem als Gitarrist der wunderbaren Postrock-/Prog-/Experimental-Band Majmoon geschätzte Musiker Asmir Šabić hatte seine Freunde Arnaud Fromont, Sylvain Bulher und Manuel Castel aus Marseille bzw. Paris zu Gast, mit denen er seit einigen Jahren die Trance-/World-Formation D’Aqui Dub betreibt.
Mit elektrisch verstärkter Bouzouki, Klarinette, E-Gitarre, Gesang und rhythmischen Elektro-/Trance-/Dub-/Ambient-Loops/Beats begeisterte das Quartett die Besucher am gottlob regenfreien frühen Abend von der ersten Minute an.
Die Band versteht es meisterhaft, ihre Geschichten über Wanderschaft, Flucht und Gefangenschaft in einen stimmigen, einnehmenden Mix aus orientalischer Volksmusik, Balkan-Folk, schweren, westlich geprägten Rockriffs, hypnotischer, experimenteller Electronica, melancholischen Klarinetten-Klängen und den Postrock-artigen Flow der griechischen Laute einzubetten. Würde die friedliche, sich gegenseitig befruchtende Koexistenz der Kulturen öfter so gut funktionieren wie im mediterranen Konglomerat dieser Frankreich-/München-Connection, die Welt wäre eine bessere.
Der perfekte Soundtrack für die Fabio-Montale-/Marseille-Krimi-Trilogie von Jean-Claude Izzo oder einfach nur supergute, zum Mitgrooven einladende Musik für einen etwas zu kühlen Sommerabend am schönsten Fluss der Welt…
(**** ½ – *****)

D’Aqui Dub / Bandcamp

BANDS NEED SPACE – Benefizkonzert @ Glockenbachwerkstatt, München, 2016-02-06

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Ende 2015 musste das Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt auf Anordnung des Gesundheits-Referats der Stadt München die Band-Übungsräume im Keller schließen, der Umstand ist der zu hohen Feuchtigkeit im Untergeschoss geschuldet.
35 Jahre lang nutzten Münchner Bands im Zentrum der Stadt die Räume der Glockenbachwerkstatt zum Proben, Aufnehmen, zum Rückzug und zum Experimentieren. Bis zuletzt probten hier 15 Bands und Projekte. Über 60 MusikerInnen tauschten sich musikalisch, künstlerisch und organisatorisch in den Sparten Metal, Noise, Experimental, Punk, Indie und Folk aus.
Die Bands und MusikerInnen, die die Räumlichkeiten bisher nutzten, tragen abseits des Mainstreams wesentlich bei zum Renomée der Musikstadt München, nicht zuletzt Haus-eigene, teils regelmäßige Glockenbachwerkstatt-Programme wie Fish ’n‘ Blues, Maj Musical Monday, danebenleben und unterschiedlichste Sessions wurden durch sie geprägt.
Am vergangenen Samstag lud der Stadtteiltreff zusammen mit den Bands Majmoon, Cadelilla, Friend Of Gas und den Fish ’n‘ Blues Allstars zur Benefizveranstaltung für die Sanierung der Proberäume, die Gäste strömten zahlreich und wurden für ihr Kommen gegen Entrichtung eines geringen Obulus hinsichtlich musikalischer Leckerbissen im GBW-Saal und in der Kneipe fürstlich belohnt.

Den Auftakt im Saal machte die Münchner Instrumental-Band Majmoon, die an dem Abend als Quartett aufspielenden Musiker bereicherten den Postrock-Kosmos erneut um ein Vielfaches an exzellenten Ideen, die Trance-artigen Gitarrenwände lassen Reminiszenzen an die großen Momente im Progressive-/Krautrock erahnen, alles was gut und wichtig war im Bereich frühe Pink Floyd, King Crimson, Can, ohne diese großen Namen nur zu zitieren oder gar zu kopieren, vielmehr binden Majmoon die Einflüsse geschickt ein in das eigene musikalische Verständnis, erweitern und bereichern auf das Beeindruckendste und finden nicht zuletzt neben der hervorragenden Gitarrenarbeit von Asmir „Chaspa“ Sabic, Josip Pavlov und Thomas Westner durch das agile und druckvolle, mitunter an Jazz-Drummer erinnernde Spiel des Schlagzeugers Axel Wagner zu ihrer ureigenen tonalen Sprache. Die konzertante Wohltat wurde wie immer vorbildlich ergänzt und bereichert durch die visuell berauschenden, bildgewaltigen Effekte von Gene Aichner. Glückshormone erzeugender Multimedia-Experimental-Spaß, once again.
(*****)

Majmoon / Homepage

Friends Of Gas gaben in ihrem kurzen, intensiven Auftritt der urbanen Ästhetik der Früh-Achtziger Raum, Stakkato-artige Parolen, von Sängerin Nina Walser frostig-hart inklusive formvollendetem Bühnengebaren irgendwo zwischen Ian Curtis und David Yow vorgetragen, unterlegt mit schneidenden, Großstadt-Kälte assoziierendem Gitarrensound – wer sich an frühe Associates, Cure, Joy Division und vor allem hinsichtlich der Texte an SYPH, Fehlfarben, Malaria! aus heimatlichen Gefilden im Klangbild der Band erinnert fühlt, liegt vermutlich nicht falsch, gepaart mit einem bezwingenden No-Wave-/New-Wave-Ansatz und bereichert durch treibende Noise-Rock-Klangmalereien ergab die tonale Attacke einen betörenden Mix, an dem München und der Rest der Welt vermutlich noch viel Freude haben wird.
(**** – **** ½)

Friends Of Gas / Homepage

Superguten Noiserock gepaart mit deutsch-englischen Texten boten zum Abschluss der gelungenen Konzertreihe im Saal die vier jungen Frauen von Candelilla, den Ritterschlag im Genre erhielt die Band vor drei Jahren durch die Produktionsarbeit an ihrem 2013er-Album ‚Heart Mutter‘ (Indigo) von keinem geringeren als Big-Black-/Shellac-Chef Steve Albini, über den Textgehalt der nur durch Nummern benannten Songs der Band mag man sich streiten, die Ernsthaftigkeit der Musik jedoch ist über jeden Zweifel erhaben, der durch schneidend-schwere Gitarrenwände, experimentelle Klavieruntermalungen, treibenden Bass und druckvolles Getrommel dominierte, von jeglichem Pop-Wohlklang/-Firlefanz befreite Indie-/Postrock-/Postpunk der Damen Seybold, Argauer, Mann und Hilpold ließ das geneigte Publikum mehr als nur erahnen, dass sich München in dieser Liga vor der internationalen Szene wahrlich nicht verstecken muss. Well done, Ladies…
(**** ½)

Candelilla / Homepage

Da Zweiteilen nach wie vor unmöglich ist, kann zum parallel zum Saal-Geschehen stattgefundenen Auftritt der Fish ’n‘ Blues Allstars wenig berichtet werden, Andi Sturm und der ehemalige Zündfunk-Redakteur Carl Ludwig Reichert von Sparifankal II wuselten im Vorfeld rum, hätte ich gerne gehört (Gelegenheit dazu dankenswerter Weise bald wieder, im Substanz am 18. Februar), immerhin war mir der großartige Antun Opic noch für ein paar Songs beschieden, zusammen mit Fish ’n‘ Blues-Veteran Stani Kirov jammte er sich durch feinen Gitarren-Blues, Antun Opic ist im übrigen demnächst auch wieder live in seiner ganzen Pracht zu genießen am 25. Februar, im KAP37, demnächst mehr dazu. Die Open-Stage-Jam-Session Fish ’n‘ Blues findet nebenher bemerkt jeden Mittwoch in der Kneipe der Glockenbachwerkstatt statt, hingehen lohnt sich grundsätzlich immer…

BANDS NEED SPACE Antun Opic + Stani Kirov @ GBW München 2016-02-06

Antun Opic / Homepage

Glockenbachwerkstatt / Homepage