Markus Naegele

Willie Nelson Tribute @ Unter Deck, München, 2015-11-09

Der große Willie Nelson Tribute Abend mit Franz Dobler, Philip Bradatsch und Markus Naegele zum Erscheinen der Willie-Nelson-Biografie „Mein Leben: Eine lange Geschichte“ bei Heyne Hardcore.

„Was ist der Unterschied zwischen einem Steuerfahnder und einer Hure? Eine Hure hört auf, dich zu ficken, wenn du tot bist.“
(Willie Nelson)

Eine großartig-launige Country-Nacht wurde am vergangenen Montag im Münchner Unter Deck von Markus Naegele anmoderiert und spaßig kommentiert, der Chef-Lektor des Heyne-Hardcore-Programms hat die Werbetrommel mächtig-prächtig gerührt für die in diesen Tagen erscheinende Lebensrückschau der amerikanischen Country-Ikone Willie Nelson, zum Vorlesen aus dem Werk war kein Geringerer als der Augsburger Autor, Journalist und Country-Music-Experte Franz Dobler angereist, wer sollte sich auch besser für den Job eignen als er, hat er doch selbst vor einigen Jahren eine gewichtige, absolut lesenswerte Biografie über den großen Johnny Cash verfasst, die Nummer bereits vor einiger Zeit mit Ry Cooders Story-Sammlung „In den Straßen von Los Angeles“ mustergültig durchexerziert und fortwährend vor allem auf seinem Blog blitzgescheite Kommentare zur amerikanischen Volksmusik zum Besten gegeben.

In ausgewählten Passagen gewährte uns Dobler mit seinem Vortrag erste Einblicke in die Willie-Nelson-Welt, die musikalische Prägung in Willies Kindheit, den Stress mit den Frauen, das Versinken im Keinen-Job-finden-Blues, den Zirkus mit der amerikanischen Steuerbehörde, seinen Zugang und seine Gedanken zum Bewusstseins-erweiternden Kraut, sein Verhältnis zur Hippie-Kultur und die Erlebnisse mit Präsident Jimmy Carter auf dem Dach des White House, bei dem der Konsum vom Cannabis-Produkt eine nicht unwesentliche Rolle spielte.
Eine Neugier-anregende Lesung, die ohne große Umschweife die gewichtige Frage klärte, was sich der Kulturforums-Gringo dieses Jahr als Lektüre unter den Christbaum schmeißt. Howdy, Cowgirls and Cowboys, I’ll keep you informed…

Da sind sie extra aus Augsburg angereist, die Country-Experten, um uns Münchner Hillbillies zu zeigen, wo der Bartel in Sachen Cowboy-Musik den Most holt:
Der ebenfalls aus der schönen Fuggerstadt stammende Philip Bradatsch, Bandmitglied bei der Allgäuer Americana-Combo The Dinosaur Truckers und Deutschlands derzeit vielleicht bester Bluegrass- und Country-Musiker, gab dem Abend zur Ehre gereichendes Liedgut des großen alten Mannes der amerikanischen Country-Musik in den Lesepausen wie „On The Road Again“, „Crazy“ oder „Red Headed Stranger“ zum Besten, eine anrührende Fassung von „Always On My Mind“ und den All-Time-Klassiker „Pancho And Lefty“ vom größten Songwriter aller Zeiten, the late and great Townes Van Zandt, und zum Ausklang des Abends glänzte Bradatsch mit eigenem, nicht minder großartigen Songs aus seinem jüngst erschienenem Solo-Werk ‚When I’m Cruel‘ (2015, Off Label Records), auch darüber wird hier noch zu berichten sein.

Jetzt aber erstmal das Pferd gesattelt, den Stetson auf die Birne gepflanzt, die Flinte durchgeladen, den Flachmann klargemacht und in den Sonnenuntergang geritten. So long, Brothers and Sisters…