Mere Woman

Reingehört (336): Mere Women, Feral Ohms

Mere Woman – Big Skies (2017, Poison City Records)

Drei Ladies plus Quoten-Kerl aus Sydney spielen auf ihrem vierten Volle-Länge-Tonträger bewährten Postpunk für die Siouxie- und Joy-Division-Veteranen, nix grundlegend Neues, aber auch nix Verwerfliches. Old School für die Schwarzgewandeten: die bewährten, kalten Alarmsirenen-Gitarren im schweren Anschlag gepaart mit wuchtig-dumpfen Bässen, garniert mit emotional zwischen Euphorie und Verzweiflung liegenden Sirenengesängen. Manisch-depressive Vokalkunst und atmosphärisches Wave-Geschrammel im Geiste der Endsiebziger. Wer sich mal wieder gepflegt im Entfremdungs- und Endzeit-Weltschmerz suhlen oder einfach nur der unterkühlten Großstadt-Romantik vergangener Zeiten gedenken mag: bitteschön, Mere Women liefern den passenden Soundtrack.
(****)

Feral Ohms – Feral Ohms (2017, Silver Current)

San-Francisco-Bay-Area-Trio mit herrlich krachigem Einstand – das Debütalbum der Feral Ohms hat alles, was eine schmissige Rock-and-Roll-Scheibe ausmacht: Energisches, verzweifelt die Wut herausrotzendes Geplärr am Mikro, schnelle, jaulende, schneidende Gitarren, die gerne und oft den Gang ins Feedback und in Fuzz-artige Verzerrung antreten, und eine druckvolle Rhythmusarbeit, die diesen knapp halbstündigen Headbanging-Mitzappel-Intensiv-Trip strukturell zusammenhält. Stooges-Durchgeknalltheit, Siebziger-Ami-Punk, Garagenschmutz und das roh-unverstellt Lärmende der frühen Grunge-Jahre, überbordend und ungehobelt, auch hier selbstredend kein Neuerfinden der Welt, aber wenn’s mit derartiger Inbrunst und spielfreudigem Speed aus den Boxen tobt, ist es allemal ein gefälliges Zuprosten und Abnicken wert. Basser Ethan Miller ist unter anderem auch beim SF-Psychedelic-Outfit Heron Oblivion zugange, da geht die Beschallung bekanntlich weitaus entschleunigter über die Bühne…
(**** ½)