Musik

Repetitor @ Glockenbachwerkstatt, München, 2017-04-27

Repetitor are so genuine and unique that you can describe their music just by saying „Repetitor“.

Drei junge Menschen aus Belgrad haben in ihrer musikalischen Sozialisierung scheint’s alles aufgesaugt, was altgediente, herausragende Vertreter der lauten, harten und energetischen Musik von Hendrix über die Wipers bis hin zu Hüsker Dü und Dead Moon in den vergangenen Jahrzehnten an Beglückendem unter die Menschheit brachten, am vergangenen Donnerstag hat das Trio Repetitor im vollgepackten kleinen Saal der Glockenbachwerkstatt eindrucksvollst unter Beweis gestellt, dass bei ihnen die Lektionen der Vergangenheit auf äußerst fruchtbaren Boden fielen. Vorschusslorbeeren und vollmundige Vergleiche mit Legenden wie Black Sabbath, Sonic Youth und Fugazi eilten der Combo voraus, völlig zu Recht, wie es sich bei der Münchner Präsentation ihres aktuellen, dritten Tonträgers „Gde ćeš“ weisen sollte.
Mit einer urgewaltigen Mixtur aus kompromisslosem Post-Punk, heftigen Grunge-Attacken und beherztem Uptempo-Garagen-Trash drehten die Serben von der ersten Minute an das Energie-Level auf die höchste Einstellung und beeindruckten im Verbund mit ihrem extrovertierten Bühnengebaren nachhaltig, dem überbordenden Noise-Ansatz im Klangbild auch optisch durch entsprechende Körperverrenkungen Ausdruck gebend.
War dann auch ohne Belang, dass die Mehrheit im Saal von den mit einer Mischung aus Verzweiflung und gesunder Wut vorgetragenen Lyrics im serbischen Idiom kein Wort verstand, die schneidigen Gitarren-Attacken und sich in Gehörgang und Hirn fräsenden Riffs von Gitarrist Boris Vlastelica und das unvermindert direkte und treibende Trommeln im flotten Uptempo-Rhythmusbereich von Milena Milutinović waren beeindruckend genug, die Krönung und die besondere Würze zum Auftritt lieferte Ana-Marija Cupin mit ihrem druckvollen, über die Maßen virtuosen Bass-Spiel, dass dem brachialen Sound-Orkan Form und Struktur gab und das stramme Beben über die gesamte Konzert-Distanz trug. Der Vortrag der agilen jungen Frau zeugte von einem selten gehörten Übermaß an Segnung mit Talent, das die heftige einstündige Klang-Explosion weit aus der Masse der handelsüblichen Krachkonzerte heraushob.
(***** ½ – ******)

Repetitor sind seit 2005 aktiv, sie zählen in ihrer Heimat zu den prominentesten Vertretern der „New Serbian Scene“. Das Trio war 2011 die erste serbische Band nach über zehn Jahren, die ein Konzert in Priština im Kosovo spielte. Die Band veröffentlicht ihre Alben seit 2012 beim slowenischen Independent-Label Moonlee Records in Ljubljana.

Soul Family Tree (18): Sampha, Mikey Dread, Lexsoul Dancemachine, Chuck Jackson, The Ebonys

Black-Friday-Soul-Weekender mit einem Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan, so groovt und läuft der Haase ;-)) :

Heute gibt es wieder einen abwechslungsreichen Mix aus der Soul Kitchen, mit neuer Musik von Sampha, Funk aus Estland, Reggae aus Jamaika, Northern Soul und einem raren Phillysound-Song.

Sampha aus England ist ein ungewöhnlicher Künstler. Man konnte ihn oft als Gastsänger, zum Beispiel bei SolangeFrank Ocean oder Kanye West, hören. Er produzierte auch das erfolgreiche Debut von SBTRKT und dazu veröffentliche er einzelne Singles. Erst seit Februar 2017 gibt es das lang erwartete Debütalbum „Processing“, das erfolgreich in die internationalen Charts einstieg. Daraus eine Ballade, sparsam von Sampha am Klavier begleitet, ein Lied, das nachklingt. Hier kommt „(No One Loves Me) Like The Piano“.

Michael George Campbell, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mikey Dread, war einer der einflussreichsten Musiker, Produzenten und Moderatoren für jamaikanische Musik. Besonders die Freundschaft zur Band The Clash und seine Mitarbeit am Album „Sandinista“ machten ihn weltweit bekannt. 2008 starb er im Alter von 54 Jahren. Aus seinem Album „Pave The Way“ von 1982 habe ich einen Kultsong ausgesucht: „Roots And Culture“.

Von Jamaika und England geht die Reise weiter nach Estland. Soul und Funk gibt es weltweit. Und auch die Esten haben den Groove. Die Mitglieder der Lexsoul Dancemachine kommen aus Tallin und beschreiben sich in eigenen Worten so:
„Raw street funk on one side, sweet soul on the flipside – Lexsoul Dancemachine is known for tearing venues apart with their merciless stage presence. Active since 2013, the aim of the machine is to hypnotize feelgood music lovers with fundamental basslines, syncopated rhythms and repetitive grooves“.
Soulbrothers and Sisters, jetzt wird es funky:

Kommen wir zum Northern Soul,  der besonders in England populär wurde. Hier geht es nicht um die große Namen, sondern um seltene, rare Songs von Künstlern, die man fast schon wieder vergessen hat. Innerhalb der Popkultur gehört die Northern Soul-Bewegung zu den ältesten. Jetzt gibt es raren Soul mit Chuck Jackson und seinem Song „Hand It Over“ aus dem Jahre 1964. Einige seiner Songs wurden später durch andere Interpreten populär. Am bekanntesten ist darunter Michael McDonalds Version von „I Keep Forgotten“. Doch wir bleiben beim Original:

Mit The Ebonys darf die Woche relaxed ausklingen. Das Vokal-Quartett hatte mit „Making Love Ain’t No Fun (Without The One You Love)“ 1976 ihren größten Hit. Phillysound at his best.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Reingehört (303): David “Honeyboy” Edwards

David „Honeyboy“ Edwards – I’m Gonna Tell You Somethin’ That I Know: Live At The G Spot (2017, Omnivore Recordings)

Der finale Vorhang für eine große Blues-Legende: Der letzte mitgeschnittene Auftritt von David „Honeyboy“ Edwards vom September 2010, aufgezeichnet im G-Spot-Club in Los Angeles.
Edwards war sage und schreibe über 8 Jahrzehnte als Delta-Blues-Mann on the road, im zarten Alter von 14 Jahren hat er 1929 seine Heimat in Mississippi verlassen, um mit keinem Geringeren als dem großartigen Big Joe Williams durch die Lande zu ziehen und von ihm das Blues-Handwerk zu erlernen, zu Beginn seiner Laufbahn war der Honig-Bub mit dem sagenumwobenen Robert Johnson befreundet und hat mit ihm zusammen musiziert. Edwards war beim Ableben Johnsons im August 1938 zugegen, seine Version vom Hinscheiden des „King of the Delta Blues Singers“ gilt in Fachkreisen als die vertrauenswürdigste.
Die ersten Platten-Aufnahmen von „Honeyboy“ Edwards zeichnete der Musikethnologe Alan Lomax 1942 im Zuge seiner Feldstudien für die Library of Congress auf, seine ersten kommerziellen Aufnahmen veröffentlichte der Musiker Anfang der fünfziger Jahre.
Auf den vorliegenden G-Spot-Aufnahmen liefert Edwards mit kleiner Combo eine über die Maßen gelungene letzte Demonstration seiner traditionellen Kunst, der hochbetagte Blueser präsentiert sich in rüstiger, agiler und spielfreudiger Verfassung, zuweilen nur vom eigenen Gitarrenspiel und der Blues-Harp begleitet, die alles in allem anständige, aus der Zeit gefallene Bootleg-Qualität der Aufnahmen verleiht den rohen, geerdeten, ungekünstelt-direkten Blues-Riffs die zusätzliche Würze, unbehandelt, naturbelassen und unverfälscht, so wie der Blues eben in seinen vitalsten Momenten klingen muss.
Zum Zeitpunkt der Konzert-Aufnahmen war David „Honeyboy“ Edwards 95 Jahre alt, ein knappes Jahr später ist der „Last of the Great Mississippi Delta Bluesmen“ zu seiner letzten Reise aufgebrochen.
(*****)