Nashville

Reingehört (242): Lambchop

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Lambchop – FLOTUS (2016, City Slang / Merge)
Vier Jahre nach dem sehr traurigen, sehr getragenen „Mr. M“ (2012, Merge Records) kommen Kurt Wagner und die Seinen mit neuem Album und neuem Schwung zurück, viel war die Rede von Neu-Erfinden, Rundum-Reform, Weiterentwicklung des Lambchop-Klangbilds, und das ist auch soweit alles richtig, was sich die Fachpresse dahingehend zu „FLOTUS“ aus den Fingern gesaugt hat.
FLOTUS: „For Love Often Turns Us Still“ soll’s ausgeschrieben heißen, nicht „First Lady Of The United States“, wie einige anmerkten – die Nummer hat sich seit dem gestrigen Wahl-Sieg des durchgeknallten Immobilienmaklers für den Demokraten Wagner sowieso erledigt. Eingerahmt von dezent groovenden, überlangen Werken, die mit zum Besten gehören, was das Musikjahr 2016 zu bieten hat – fast 12 Minuten „In Care Of 8675309“ zum überwältigenden Einstieg und dem über 18-minütigen „The Hustle“ als glorreiches Finale – zelebrieren Wagner und Co. auf höchstem Niveau die Zusammenführung der vertrauten, tiefenentspannten Alternative-Country-/Soul-Welt, wie man sie seit vielen Jahren von Alben-Meisterwerken wie „Nixon“ oder „Is A Woman“ der Band kennt und schätzt, und dezenten, den Sound in eine neue Richtung treibende Electronica-/Ambient-/Triphop-Zutaten, Kurt Wagner hat dahingehend mit seinem HeCTA–Nebenprojekt bereits ordentlich vorgearbeitet und Erfahrungen gesammelt.
Weg vom orchestralen Sound, den die Band in der Vergangenheit mit Streichern und Bläsern zu perfektionieren wusste, hin zu abgespeckten Soundstrukturen, oft nur Piano, Bass, Drum-Machine und punktuell eingesetzte Electronica erschaffen einen Klang zwischen trägem, Ambient-artigem, kargem und unaufdringlichem Ruhe-Modus und einer dezent nach vorne drängenden, gedämpften Rhythmik, dem Salz in der Suppe, sozusagen, und über allem schwebt diese unnachahmliche, abgeklärte, nichts aus der Ruhe bringende Stimme des Ausnahme-Country-Crooners Kurt Wagner, die emotional wärmt und dafür sorgt, dass diesem geloopten und anderweitig nachbehandeltem Wunderwerk nicht zuviel technische Kälte innewohnt, da kann selbst der punktuell eingesetzte Stimmverzerrer TC-Helicon Voicelive 2 keinen Schaden anrichten.
Lambchop wissen immer noch zu überraschen, mit „FLOTUS“ vielleicht mehr denn je. Ein Schritt in die richtige Richtung und ein mutiger Ansatz Wagners, wie er in Langeweile erstarrten Kollegen wie etwa Jeff Tweedy offensichtlich seit einiger Zeit völlig abhanden gekommen scheint. 2016 ist ein wunderbares Lambchop-Jahr, neben dem aktuellen Band-Werk gab es bereits im Sommer die feine Solo-Instrumental-Arbeit „Modern Country“ des Meister-Gitarristen William Tyler zu bestaunen.
Lambchop spielen 2017 im Rahmen der anstehenden Europatournee am 15. Februar in den Münchner Kammerspielen.
(*****)

Reingehört (235): Hammock

KULTURFORUM Winter www.gerhardemmerkunst.wordpress.com (10)

Hammock – Raising Your Voice… Trying To Stop An Echo (2016, Hammock Music)
Postrock aus der Country-Hochburg Nashville/Tennessee: Das Gitarristen-Duo Marc Byrd und Andrew Thompson aka Hammock hat neben dem vor kurzem veröffentlichten, aktuellen Album „Everything And Nothing“ (Hammock Music / Bandcamp) ihr 2006er-Werk „Raising Your Voce…“ runderneuert und auf insgesamt opulente 26 Stücke erweitert, die Band begeistert mit getragenem, sphärischem, emotionalem Shoegazer-Postrock, spannendem Gitarren-Drone und fragilen Ambient-Klangmalereien, im elegischen Gesang mag das ab und an eine Spur zu ätherisch klingen, in den ausgedehnten Instrumental-Passagen wird dieses latente Defizit mehr als wett gemacht. Als „Transcendent Shoegaze“ hat das mal ein schlauer Kopf bezeichnet, die zwischen Düsternis und Licht wechselnden melodischen Kompositionen gehen in jedem Fall weit über das verhuschte Belanglos-Geplätscher des Dream Pop hinaus und funktionieren im Großen und Ganzen auch in den für das Postrock-Genre eher untypischen Gesangspassagen, Sigur Rós in gut, sozusagen.
(**** ½)