Neujahrsempfang

1328 Beercore @ Neujahrsempfang der „Löwenfans gegen Rechts“, Gewerkschaftshaus, München, 2019-01-05

Laut und trinkfreudig gestaltete sich am vergangenen Samstagabend im Münchner Gewerkschaftshaus der Auftakt zum Konzertjahr 2019, wie so oft in den vergangenen Jahren wurde der Anstoß angepfiffen beim traditionellen Neujahrsempfang der 1860-Supporter-Initiative „Löwenfans gegen Rechts“. Die politisch gegen Rassismus und Diskriminierung engagierte, mittlerweile mehrfach für ihre Arbeit an der Fan-Basis und im Stadion ausgezeichnete Gruppierung lud wie stets vor dem Dreikönigsfest zu Party, Umtrunk und konzertanter Erbauung durch ortsansässige Musikkapellen, heuer erstmalig in die Räumlichkeiten der Gewerkschaften in der Schwanthalerstraße.

Mit der Münchener Punk-Combo 1328 und ihrem strammen „Beercore“, der sich thematisch nahe liegend vorwiegend mit der Liebe zum Brauerei-Produkt auseinandersetzt, ging die Sause nach kurzer einleitender Ansprache unkompliziert in die Vollen – das nach dem Gründungsjahr des ältesten Münchner Brauhauses Augustiner benannte Quartett erwies sich mit nahezu zwei Jahrzehnten Erfahrung im Übungskeller, aus unzähligen Live-Gigs, diversen Plattenaufnahmen und Poltern im Geiste der Siebziger-Ursuppe als versierte Feten-Anheizer.
Bierzelt-Schunkeln war da eher weniger angezeigt, weitaus mehr der flott eingesprungene Pogo inklusive Bier-Dusche und zeitweiligem Gerempel zu den unverstellten Drei-Minuten-Gassenhauern. Ein Humpen aus dem Ramones-Sudkessel, etwas Buzzcocks-Stammwürze, angereichert mit ordentlichem Hardcore-Drive und kräftigem Geplärr, fertig war das Gebräu aus der Punkrock-Mälzerei der Weltstadt des Gerstensafts, und wo würde eine Band mit derartig unmissverständlichem philosophischem Unterbau auch mehr Sinn machen als in der Metropole des alljährlich im Frühherbst für zwei Wochen zelebrierten weltgrößten Massen-Besäufnisses?
Es muss weiß Gott kein Green-Day-Musical oder der ganze Fiedel- und Dudelsack-Firlefanz der Dropkick Murphys sein, drei stramme Akkorde, griffige, hymnische, Ohrwurm-taugliche Refrains fernab der intellektuellen Herausforderung und ein frisches Helles auf die Hand erfüllen da ihren Zweck weit mehr, und in jedem Fall authentischer, ehrlicher und näher an der street credibility der guten alten Uptempo-Rock-and-Roll-Beschallung.
Mag auch inhaltlich weitgehend der Bezug zum Fußball und speziell zu den Münchner „Löwen“ gefehlt haben – gut, vor und im Stadion wie anschließend in der dritten Halbzeit wird mitunter auch ordentlich weggepichelt, keine Frage – mit 1328 Beercore trafen die Gastgeber bei weitem nicht die schlechteste Wahl zur lautstarken Untermalung der LFgR-Feierlichkeiten, zumal so mancher Grottenkick in jüngster Zeit im Stadion an der Grünwalder Straße und das ewige Gezipfel mit dem jordanischen Investor tatsächlich oft nur noch mit erhöhten Promille-Werten zu ertragen waren. Gegen den Neonazi in der Kurve brauchts dann allerdings schon stärkeres Gift und gewichtigere Argumente, aber da kommt dann die Fan-Initiative selbst wieder ins Spiel.
In diesem Sinne: Fight Fascism, Reclaim The Game & Still Not Loving Ismaik, die linke hält die Faust hoch, die rechte hält das Bier fest, es muss ja nicht zwingend das Schädelspalter-Gustl sein… ;-))

Party-Sound zum Abskanken gab’s dann zu vorgerückter Stunde von der ortsansässigen Formation Sentilo Sono, im Ska-Rhythmus, mit knackigen Bläsersätzen, inklusive scharf gestochener Tattoos als optischer Hingucker. „Not my cup of tea“, wie der Brite sich zu solchen Gelegenheiten aus der Affäre zieht. Da mögen andere ihre Meinung zu abgeben, das Tanzvolk war zweifelsohne sehr animiert.

Thunder And Blitzkrieg + Kein Signal + Munks Jungs @ Neujahrsempfang der „Löwen-Fans gegen Rechts“, Loft, München, 2016-01-05

Wie üblich bei den „Löwen-Fans gegen Rechts“ ging es Anfang der Woche konzertant mit Karacho ins neue Jahr, traditionell wurden drei Münchner Bands der musikalisch eher brachial-harten Gangart engagiert, nach kurzer Ansprache und Spendenaufruf zur Finanzierung der Gerichtskosten für die Klage der LFgR versus Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ging der bunte Abend musikalisch mit Munks Jungs in die erste Runde, beinhartes Hardcore-Deutsch-Punk-Gebrüll donnerte auf den vollgefüllten Saal nieder, bei derbstem Liedgut mit Themen wie Schnaps und Alice Schwarzer wurden Erinnerungen an den Kölner Proll-Punk Hans Jürgen Zeltinger wach, nix für zartbesaitete Gemüter und Eckkneipen-Verächter. Eine Ulrich-Seidl-Doku als Punk-Band, quasi. Das Quartett nennt ihre Kunst „SendlingermetalOi!GiasingerPunkrock“, unglaublich, für was mein schönes Sendling alles herhalten muss… ;-))

Munks Jungs / facebook

Punkrock ist auch bei der ortsansässigen Combo Kein Signal großgeschrieben, die etwas ausgefeiltere, vielseitigere, latent Fugazi-lastigere Variante. Laut Facebook-Seite der Band soll sich auch etwas Ska und ein wenig Folk im Klangbild der vier jungen Männer tummeln, damit haben sie am Dienstag gut hinterm Berg gehalten, aber auch ohne gab es bei dem unterhaltsamen, energiegeladenen Auftritt wenig zu beanstanden. Ging gut in Ohr und Tanzbein, somit fällt das Fazit leicht: Gerne mal wieder.

Kein Signal / facebook

Als Headliner durften die durch viele Auftritte bewährten und gestählten Punk-Hardrocker von Thunder And Blitzkrieg zum Abschluss der Sause die Gäste euphorisieren, trashiger Rock ’n‘ Roll mit der nötigen Prise Rotz aus Band-eigener Feder und fremdes Liedgut von Kiss oder der immer gern genommene Rose-Tattoo-Kracher „Nice Boys“ (die bekanntlich keinen Rock ’n‘ Roll spielen) inklusive exzessivem 70er-Jahre-Rockstar-Gebaren stießen auf viel Gegenliebe bei Löwenfans und mitgeschleppten FreundInnen, auch wenn die Soundanlage hinsichtlich klanglicher Abbildung des kraftvollen Gesangs einiges zu wünschen übrig lies. Für die Angefixten und Nimmersatten: Thunder And Blitzkrieg spielen ihr nächstes München-Konzert am 14. Februar im Backstage.

Bei den LFgR werden die Feste gefeiert, auch wenn sie nicht fallen, sozusagen: Zur prekären Tabellensituation des TSV 1860, zum ewigen Investoren-Hick-Hack und zur allgemeinen Stimmung im Verein hätte die Gothic-Party im Loft in den Räumlichkeiten im Stockwerk darunter bedeutend besser gepasst…

Thunder And Blitzkrieg / Homepage

Löwen-Fans gegen Rechts / Homepage

Neujahrsempfang der „Löwen-Fans gegen Rechts“ @ Stadionwirtschaft, Stadion an der Grünwalder Straße, München, 2015-01-05

Wie passend: am Tag, als in ganz Deutschland zum wiederholten Mal diese rechten Pegida-und-Mügida-und-wie-sie-sonst-noch-alle-heißen-Neidhammel aufmarschierten, feierten die „Löwen-Fans gegen Rechts“ ihren traditionellen Neujahrsempfang, wie sie es seit vielen Jahren tun am Vorabend zum Dreikönigs-Tag. Die „Löwen-Fans gegen Rechts“ sind Münchens rührigste Fußballfan-Gruppierung mit entsprechend korrekter politischer Einstellung und unermüdlichem Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Faschismus und Intoleranz. 2009 wurden sie dafür mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB geehrt. Der Julius-Hirsch-Preis erinnert an den deutsch-jüdischen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch (1892-1943), der in Auschwitz ermordet wurde.

Im Vorfeld gab es gelegentliches Naserümpfen (auch von meiner Seite) ob des gewählten Austragungsorts der diesjährigen Party, zum ersten Mal fand die Sause in der neuen Stadionwirtschaft des Grünwalder Stadions statt, einer Kneipe, die ungefähr den Charme des Giesinger McDonald’s oder einer frisch renovierten Bahnhofstoilette hat. Umso überraschender war für manchen die hervorragende Akustik der Räumlichkeit, lud man doch für das musikalische Rahmenprogramm drei der profiliertesten Münchner Punk-Combos zum Vortrag. Nach kurzen Reden von Stefan und Ulla, der guten Seele der Gruppierung, gab es ordentlich auf die Ohren von Münchens Altherren-Punks von Rauschangriff, von den Ramonas und den Vorstadtkönigen. Gefeiert und gepogt wurde bis spät in die Nacht, gegen Neonazis und Ausländerfeinde, gegen den übermächtigen FC Bayern, gegen die Allianz-Arena und für unsere Münchner Löwen, die sich seit zehn Jahren im wirtschaftlichen und sportlichen Sturzflug befinden. Wenigstens haben die Blauen hinsichtlich Musik nach wie vor eindeutig die Nase vorne… Es war eine rauschende Ballnacht ! ;-))

Als einer der engagiertesten Löwen-Fans Münchens und „Keimzelle der Münchner Punkszene“ (Münchner Wochenanzeiger vom 30.12.2014) ließ es sich Gitarrist und Sänger Machtkrampf mit seinen Kumpels Kücken und O.S. von Rauschangriff nicht nehmen, den musikalischen Abend mit sozialkritischen Punksongs und herzerfrischendem Gestänker gegen den FCBää zu eröffnen. Würde es diese Band nicht bereits geben, man müsste sie für diese Veranstaltung erfinden.

Als nächstes durften die Isar-Punks von den Ramonas ran, die Burschen um Landy Landinger zelebrierten ihre höchst unterhaltsame bayerische Variante des Ramones-Punk wieder ganz vortrefflich und sorgten so für ausgelassene Pogo-Punk-Party-Stimmung.

Den krönenden Abschluss des musikalischen Programms lieferten die Vorstadtkönige, ein Quintett aus München, das mit ihrem erfrischenden Hardcore-Sound und ihrem charismatischen Sänger auf das Angenehmste an Bands wie Fugazi oder Soulside erinnert. Ihre inoffizielle Vereinshymne „Mit Leib und Seele“ war selbstredend der Mitgröhler des Abends.

Die nächste Aktion mit den „Löwen-Fans gegen Rechts“ als Mitveranstalter findet am 19. Januar um 20.00 Uhr in der Fußballkneipe „Stadion an der Schleißheimer Straße“ statt, gezeigt wird der Dokumentarfilm „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ des Regisseurs Peter Ohlendorf über die Neonazi-Konzertszene, im Anschluss gibt es ein Gespräch mit dem Filmemacher.

Stadion an der Schleißheimer Straße / Homepage
Löwen-Fans gegen Rechts / Homepage