Nova Mob

Eine Kerze für Grant Hart

He floated away: Der Songwriter, Gitarrist, Sänger und Drummer Grant Hart ist heute im Alter von 56 Jahren einem Krebsleiden erlegen.
Grant Hart hat im Jahr 1979 zusammen mit dem Gitarristen Bob Mould und dem Bassisten Greg Norton in Saint Paul/Minnesota das in den achtziger Jahren eminent einflussreiche Trio Hüsker Dü gegründet, die Band gilt mit ihrer damals einzigartigen Mixtur aus beinhartem US-Hardcore-Punk und dem Melodien-Reichtum der Beatles und Byrds als eine der wichtigsten Wegbereiter des Grunge.
Hüsker Dü veröffentlichten mit Alben wie dem grandiosen Doppel-Album „Zen Arcade“, „Flip Your Wig“ oder „New Day Rising“ einige der essenziellsten Hardcore-, Noise- und Alternative-Rock-Werke ever. 1985 verließ die Band das Alternative-Label SST und heuerte beim Major-Konzern Warner Bros. an, wo sie zwei respektable, kommerziell allerdings nicht sonderlich erfolgreiche Alben veröffentlichten, bevor sich die Indie-Legende 1987 nach zermürbenden Touren und internen Differenzen, vor allem zwischen Grant Hart und Bob Mould, bedingt auch nicht zuletzt durch die massiven Heroin-Probleme Harts, zum tiefen Bedauern der Hüsker-Dü-Fans auflöste.
Sänger und Drummer Grant Hart, neben Bob Mould der wichtigste Songwriter der Band, wechselte nach dem Split an die Gitarre und startete 1989 mit dem grandiosen SST-Album „Intolerance“ seine Solo-Karriere, unter eigenem Namen oder dem Band-Outfit Nova Mob veröffentlichte er in den folgenden Jahren etliche absolut hörenswerte, oft betörend melodische Alternative-Rock-Alben, denen durchwegs der hochverdiente Erfolg bei den breiten Massen verwehrt blieb. Dieser Umstand, ständige Wechsel der Platten-Firmen wie seine anhaltende Drogen-Abhängigkeit ließen Hart zur tragischen Figur der US-Indie-Szene werden.
Ex-Go-Betweens-Mastermind Robert Forster hat 1994 den wunderbaren Grant-Hart-Song „2541“ für seine Coverversionen-Sammlung „I Had A New York Girlfriend“ eingespielt, ein Ritterschlag, immerhin.
Grant Hart war bekennender Homosexueller, bereits vor etlichen Dekaden, als dies noch auf weitaus mehr Ressentiments stieß als in unseren dahingehend Gottlob inzwischen toleranteren Zeiten.
Die US-Indie-Szene hat mit ihm einen seiner großen Songwriter verloren. Möge er seinen Frieden finden, den er zu Lebzeiten oft vergeblich suchte.