Pale Honey

Reingehört (55)

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Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun (erscheint im Juni 2015, Insular)
Es gibt Musikkonsumenten, und da will ich mich nicht ausnehmen, die finden den Umstand beklagenswert, dass von der wunderbaren amerikanischen Songwriterin Hope Sandoval und ihrer Dream-Folk/-Pop-Combo Mazzy Star grundsätzlich wenig und schon eine ganze Weile kein aktuelles Material verfügbar ist, aber ich kann an dieser Stelle die Darbenden beruhigen: Andere Mütter haben auch schöne Töchter und so möchte ich auf die kommende, dritte Langspielplatte der Hamburgerin Nadja Rüdebusch und ihrem Projekt Binoculers hinweisen, dass sie 2007 ins Leben rief und bei dem sie auf ihrem neuen Album, dass sie zusammen mit Daniel Gädicke produzierte, von eben jenem am Schlagzeug unterstützt sowie auf der anstehenden Tour – die, wie ich hoffe, auch nach München führt – begleitet wird.
Die kommende Veröffentlichung wird eine wunderschöne, psychedelisch angehauchte und behutsam instrumentierte und arrangierte Songsammlung sein, die die leisen Töne pflegt und die neben verhuscht-zauberhaftem Indie-Pop auch vermehrt an anspruchsvollen Chanson denken lässt. Und hinsichtlich sinnlicher Stimm-Ausstrahlung kann es die Hanseatin Nadja Rüdebusch mit Mrs Sandoval aus L.A., California, allemal aufnehmen. Ein Traum in Moll.
(**** ½)

Vielen Dank an Lennart Thiem von www.Niedervolthoudini.com für die nette Postkarte und den Download-Code.

Wer die Pressung des Albums sponsoren möchte, kann dies tun unter startnext.de/binoculers.

Pale Honey – Pale Honey (2015, Bolero Recordings)
Alter Schwede, von wegen! Junge Schweden! Mit feminin/lasziv/erotischem Gesang und rhythmischem Schepperrock. Der Sound, der beim kürzlich lautstärkenmäßig leider sehr gedämpften Konzert der Combo in der Südstadt noch recht schrammlig-melodisch in C86-Manier rüberkam, wird auf dem ersten Longplayer des Quartetts aus Göteborg von Rhythmusgitarren-Stakkato und technisch-elektronischen Beigaben dominiert, Vergleiche zu Sleater-Kinney, PJ Harvey aus deren wilder Zeit und dem Alternative-Rock-/Blues-Punk-Projekt Boss Hog um Cristina Martinez und ihren Göttergatten Jon Spencer seien ausdrücklich erlaubt. Schöne Platte für den Frühling, die groovig-munter mitzucken und das Tanzbein befreit schwingen lässt.
(****)

Giant Sand – Heartbreak Pass (2015, Rykodisc)
Die gefühlt 328. Veröffentlichung der Combo um Howe Gelb aus Tucson, Arizona. Wer den Überblick über die Veröffentlichungen aus dem Giant-Sand-Universum behalten hat und sie fehlerfrei herunterbeten kann, kriegt von mir als Belobigung ein Heiligenbild ;-)))
Qualitativ recht hochwertig schrubbt sich hier der alte Howe mit seinen zahlreichen Gefährten durch gewohnt lakonische Alternative-Country-Crooner-Nummern, launige Piano-Western-Swing-Balladen und – man höre und staune – für seine Verhältnisse recht mainstreamiges Folkrock-Liedgut. So straight forward und eingängig hörbar war’s bei Giant Sand jedenfalls lange nicht mehr, liegt wohl auch an der Mitarbeit von KT Tunstall, den Jungs von Desoto Caucus, John Parish (der det janze auch gemixt hat) und Grant-Lee Phillips.
Giant Sand spielen am 17. Mai live im Münchner Feierwerk / Hansa39. Hope to see you.
(****)

Pale Honey @ Südstadt, München, 2015-04-22

Schau einer an, scheint die Woche der schönen Frauen auf Münchens Bühnen zu sein ;-)) Am Montag die fesche Emma Swift, am Mittwoch die schwedischen Beauties Tuva Lodmark und Nelly Daltrey (verwandt mit Roger ??) aus Göteborg – und am Donnerstag glänzt auch noch unsere Münchnerin Franziska mit bayerisch-barocker Sinnlichkeit an der Harfe ;-))
Bevor mir der Gaul jetzt völlig durchgeht ob soviel weiblicher Anmut: zurück zur Musik und zur Konzertbesprechung des Südstadt-Gigs des Schweden-Quartetts um die eingangs erwähnten Ladies Lodmark und Daltrey.
Begeistert haben sie, die vier jungen Schwed(Inn)en, mit ihrem C86-geprägten Indie-Gitarren-Pop/-Rock, zumindest ein paar Musikinteressierte und mich, in der Musikkneipe Südstadt, die an dem Abend leider wieder mal gut gefüllt war mit Musik-Ignoranten, welche die Klappe auch während des feinen Vortrags der talentierten Combo nicht halten konnten und so die Veranstaltung mit ihrem lautstarken Geseier – wie leider schon öfter geschehen in dem Laden – empfindlich störten.
Liebe Suza Südstadt, ich mag Dein Beisl echt gern, aber die Nummer mit der Hutsammlung funktioniert einfach nicht, zu viel mit Taubheit geschlagenes Publikum lungert da während der tollen Konzerte in der Gegend herum.
Dabei hätte der wunderbare Gig der Schweden am Mittwoch so unendlich viel mehr interessierte Zuhörer verdient, ein betörendes, an Bands wie den Shop Assistants oder den Throwing Muses geschultes Klanggebilde wurde da auf die Bühne gezaubert und mit lasziv-verhalltem Gesang bereichert, der jedem David-Lynch-Soundtrack zur Ehre gereicht hätte.
Wie die Band nach dem Konzert im Gespräch bestätigte, war das Südstadt für ihre Musik nicht die ideale Bühne, gerne hätten sie sich hinsichtlich Lautstärke exzessiver ausgetobt, was den Sound der begnadeten Gitarren-Schrammler sicherlich auf ein noch berauschenderes Level gehoben hätte, aber die liebe Nachbarschaft in der Thalkirchener Straße wäre dann wohl Amok gelaufen. So war die sehr kurz gehaltene Konzertdauer neben dem mangelnden Zuhörerinteresse der an Möglichkeiten limitierten Örtlichkeit geschuldet und so gebe ich der Hoffnung Ausruck, dass Pale Honey München eine zweite Chance geben und an geeigneterer Stelle in naher Zukunft ihre ganze Pracht entfalten können.
(**** ½)

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