Pete Shelley

Eine Kerze für Pete Shelley

„Die Buzzcocks waren verdammt nochmal unterbewertet! Vielleicht haben sie den falschen Namen gewählt, vielleicht ist auch meine Wahrnehmung falsch. Sie hätten viel erfolgreicher sein können, ich verstehe das nicht. Das ganze Gewese um die Manchester-Szene und so. Schau dir doch mal Oasis an – was soll an denen bitte so toll sein? Warum sind die Buzzcocks nicht so groß wie Oasis?“
(Keith Levene, in: John Robb, Punk Rock. Die Geschichte einer Revolution)

Der britische Punk-Musiker Pete Shelley ist gestern in seiner Wahlheimat Tallinn/Estland im Alter von 63 Jahren vermutlich an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben.
Shelley gründete 1976 zusammen mit dem späteren Magazine-Frontmann Howard Devoto die einflussreiche nordenglische Punkrock/Pop-Punk-Band Buzzcocks. In späteren Jahren versuchte er sich solistisch mit durchaus hörenswerten Ergebnissen auf dem Gebiet der New-Wave-Electronica, etwa auf dem bei der Kritik seinerzeit sehr geschätzten Album „Homosapien“ aus dem Jahr 1981, in dem sich Pete Shelley thematisch unter anderem auch mit seiner Bisexualität auseinandersetzte.
Was bleibt? Mit „Another Music In A Different Kitchen“ ein rasantes, herrlich überdrehtes Punk-Rock-Debüt aus dem Jahr 1978, die „Harmony In My Head“ dank grandioser, heute noch mustergültiger 7″-Compilation „Singles Going Steady“ mit überwältigenden Hymnen jener längst verblassten Ära des Aufbruchs, in denen die Buzzcocks mit Ohrwürmern wie „What Do I Get?“, „Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn’t’ve)“ oder der erwähnten Harmonie im Kopf eindrucksvoll unterstrichen, dass ihr Punk auch eine gehörige Portion Pop-Appeal zu bieten hatte. Sonst? Die Erinnerung an ein Buzzcocks-Reunion-Konzert im Münchner Atomic Cafe vor vielen Jahren, zu dem sich neben Pete Shelley mit Steve Diggle ein weiteres Ur-Mitglied zum nostalgischen Stelldichein gesellte, und zu dem die Band ihre Klassiker im Hochdruck-Tempo, ohne jegliche Schnörkel und vor allem mit einem mangelndem Gespür für die popmusikalischen Feinheiten ihrer Songs durch die Anlage jagte und damit eine zwar harte, letztendlich aber auch stumpfe Waffe in der Hand hatte, die die Tatsache nicht zu erschlagen wusste, dass die Relevanz des Punk in jener Zeit bereits unübersehbar am Verblassen war.