Peter Brötzmann

Die virtuelle Reste-Schublade (2)

In der Arte-Mediathek letztens über diese brandaktuell am 20. Mai im Rahmen des mœrs festival 2018 aufgezeichnete konzertante Giganten-Kooperation gestolpert: Free-Jazz-Großmeister Peter Brötzmann trifft auf Eugene S. Robinson und den großartigen experimentellen Noise-Blues seiner Formation Oxbowdo yourself a favour und guckst Du hier.

Reingehört (240): Black Bombaim & Peter Brötzmann

KULTURFORUM PORTUGAL 1 www.gerhardemmerkunst.wordpress.com 16

Black Bombaim & Peter Brötzmann – Black Bombaim & Peter Brötzmann (2016, Shhpuma Records)
Peter Brötzmann, Meister der rauhen Free-Jazz-Saxophon-Klangfarben, Vielveröffentlicher seit nahezu fünfzig Jahren, Vattern vom Massaker-Caspar, und die portugiesische Stoner-/Progressive-Rock-Band Black Bombaim haben sich für eine Gemeinschaftsproduktion im Estúdios Sá Da Bandeira zu Porto zusammengefunden, die Live-Einspielung der fünf durchnummerierten Instrumental-Ergüsse nimmt vom Start weg für sich ein, das heisere, sich in die Gehörgänge fräsende Holzblasinstrument-Getröte der deutschen Ikone der freien Improvisation und der schwere Progressive-/Noise-Rock gehen eine sich gegenseitig befruchtende Symbiose ein, der intensiv rockende Prog-/Kraut-/Space-Groove des Trios aus dem nordportugiesischen Barcelos wird von frei fließender Bläser-Heftigkeit auf gleich hohem Level kongenial begleitet, der hypnotische, vom schweren Bass getriebene Fluss erfährt sporadische Zäsuren zur Sammlung in experimenteller Kontemplation, um sich in den nächsten Momenten erneut in einen rauschhaften Klangorkan zu stürzen.
So hört sich das an, wenn sich Meister ihres Fachs in ihrer individuellen Profession aufeinander einlassen und offen sind für gedeihliche, grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Obwohl Free Jazz und Space-Rock nicht zwingend in nächster Nachbarschaft im musikalischen Spektrum angesiedelt sind, erweckt das Hörerlebnis nicht den Eindruck, dass sich die Protagonisten im Sinne des Konsens und des Kompromisses groß aufeinander zubewegen mussten, das Zusammenwirken klingt organisch, stimmig, wie seit jeher ineinander greifend und zusammenpassend.
Im Nachgang, zur Ergänzung, quasi zum Desert seien die schweren Gitarren-Attacken des Junior-Brötzmanns zur Abrundung des intensiven Hörerlebnisses empfohlen.
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