Promise Of The Real

Reingehört (142)

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Luther Dickinson – Blues & Ballads, A Folksinger’s Songbook: Volumes I & II (2016, Pias UK / New West Records)
Hat den Blues von Kindesbeinen an verabreicht bekommen, der Junior von Memphis-Produzenten-Legende und Stones-/Cooder-/Chilton-Spezi Jim Dickinson, hat 2007 bis 2011 die Gitarre bei den Black Crowes bedient und wird ansonsten vor allem für die Zusammenarbeit mit seinem Bruder Cody und dem Basser Chris Chew beim Southern-/Blues-Rock-Trio North Mississippi Allstars geschätzt, bei einer derartigen Vita kann man die Wurzeln der eigenen musikalischen Sozialisation schon mal in einer opulenten Song-Sammlung Revue passieren lassen.
Solo oder in überschaubarer Besetzung, oft auch in Begleitung von so illusteren Gästen wie Mavis Staples, J. J. Grey, Jason Isbell oder Alvin Youngblood Hart präsentiert Dickinson einen stilistischen Blumenstrauß aus Swamp-/Country- und Folk-Blues, Gospel, mit Anleihen aus der Exile-On-Main-St-Phase der Stones und aus den herausragenden Little-Feat-Aufnahmen der frühen Lowell-George-Ära, die 21 intimen, eigenkomponierten Werke klingen in ihrer traditionellen Machart und in ihrer atmosphärischen Dichte, als hätten sie schon Jahrzehnte auf dem Buckel, ohne auch nur annähernd angestaubt zu klingen.
Einer wie der Kinkster würde sich beim Lauschen dieser Roots-Pracht einen ordentlichen Schluck Jameson ins Stierhorn füllen, die Beine auf das Geländer der Holzveranda legen und wohlig-versonnen in den Sonnenuntergang sinnieren.
Wird Zeit, dass der Sommer kommt…
(**** ½ – *****)

Luther Dickinson & The Wandering – Live @ nyctaper

North Mississippi Allstars – Live @ nyctaper

Lukas Nelson And Promise Of The Real – Something Real (2016, Royal Potato)
Nochmal Legenden-Nachwuchs: Der Lütte vom Willie macht auf seinem neuen Werk in der Nachfolge zum gemeinsam mit Old Neil Young veranstalteten Anti-Monsanto-Statement vom Vorjahr ordentlich Druck in Richtung schmutzige Stromgitarre, das Hard- und Psychedelic-Rock-geschwängerte Werk lässt vermehrt Reminiszenzen an die alte Zeppelin-Schule aufblitzen, aufgrund der geerbten Stimmlage vom Alten driftet das im Fall Nelson leider ab und an in Richtung Robert Plant für Arme, in den wenigen Balladen des Albums gelingt das Unterfangen weitaus überzeugender und in den beschwingtesten Instrumental-Passagen werden gar vereinzelt seelige Erinnerungen an David Lindley zu El-Rayo-X-Zeiten wach. Ein durchwachsenes Werk, dessen Bemühungen nichtsdestotrotz grundsätzliche Anerkennung verdienen.
(*** ½ – ****)

Lukas Nelson And Promise Of The Real – Live @ archive.org

Dan Stuart With Twin Tones – Marlowe’s Revenge (2016, Cadiz Music)
Hat auch schon mit Jim Dickinson zusammengearbeitet, auf dem nach einem Kriminalroman von Jim Thompson benannten Album ‚The Killer Inside Me‘ (1987) und dem folgenden Meilenstein ‚Here Come The Snakes‘ (1988, beide Mercury) seiner damaligen Combo Green On Red, der Krimi-Experte, Gitarrist und Songwriter Dan Stuart, und auch im Titel seines neuen Werks wird offensichtlich auf einen Hardboiled-Klassiker verwiesen, ansonsten ist es auf der neuen Scheibe des Steve-Wynn-Kumpels nicht mehr weit her mit der Erinnerung an alte Glanztaten, die hart am amerikanischen Rock-Mainstream segelnden und stumpf vor sich hin groovenden Arrangements werden zwar durch betont unsauber produziert klingendes Garagen-Trash-Grundrauschen und den lateinamerikanischen Touch der jungen Begleitband aus Mexico City aufgebrezelt, kundige HörerInnen kommen aber nicht umhin, sich wiederholte Male an die Belanglosigkeiten eines Mitch Ryder erinnert zu fühlen, die jener nach einer Reihe hervorragender Tonträger ab Anfang der neunziger Jahre zu veröffentlichen begann.
Chuck Prophet bleibt – in dem Fall ohne eigenes Zutun – der legitime Gralshüter des Green-On-Red-Erbes.
(*** ½)

Reingehört (64)

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Steph Cameron – Sad-Eyed Lonesome Lady (2014, Pheromone Recordings / Fontana North)
Bereits 2014 erschienenes Debüt-Album einer jungen Kanadierin aus British Columbia, deren toller Akustik-Country-Folk mit einer leichten Prise Blues auf das Angenehmste an die ‚Texas Campfire Tapes‘ von Michelle Shocked erinnert. Ohne dem dort dauerpräsenten Grillenzirpen und Lagerfeuer-Knacken im letzten Sommer im Revolution Recording Studio in Toronto eingespielt, wollte Steph Cameron, so geht die Geschichte, nur testweise ihren Song “Goodbye Molly” aufnehmen und hatte völlig ungeplant nach 3 Studiotagen ein komplettes Album im Kasten, das sich sehen und vor allem hören lässt, nachdenkliche Weisen mit Wandergitarre und Bluesharp umgesetzt, völlig aus der Zeit gefallen und darum umso wertvoller. Kerouac-On-The-Road-Feeling-vermittelnder Appalachen-Soundtrack in Moll. Dicker Tipp!
(*****)

Rhett Miller – The Traveler (2015, ATO Records)
Der Sänger und Gitarrist der texanischen Alternative-Countryrock-Band Old 97’s veröffentlichte Mitte Mai sein mittlerweile siebtes Solo-Album – und was für eines! Bereits der Einstieg mit der Nummer „Wanderlust“, einem exzellenten Alternative-Country-Uptempo-Kracher, gelingt ganz formidabel, im weitern Verlauf zeichnet sich das Werk durch erstklassiges Songwriting und eine unglaubliche Vielfalt an griffigen Melodien aus (ich nenn’s jetzt nicht „catchy“, sonst haut mir die Sätze-Birgit wieder was von wegen Anglizismen-verseuchte Musikleute-Deppen-Sprache um die Ohren ;-))).
Balladen, Pop und flotteres Musizieren in den Bereich Indie und Alternative Country halten sich auf dieser hochmelodischen und vor allem höchst befriedigenden Wundertüte wohlausgewogen die Balance. Ex-R.E.M.-Gitarrist Peter Buck und Scott McCaughey von The Minus 5 musizieren auf einigen Stücken mit. Immer noch mit Tränen der Freude in den Augen sage ich auch hier: Ein dicker Tipp! ;-)))
(*****)

Neil Young + Promise Of The Real – The Monsanto Years (2015, Reprise)
Old Neil Young hat zusammen mit den Willie-Nelson-Söhnen Lukas, Micah und Lukas und deren Band Promise Of The Real ein Konzeptalbum abgeliefert, mit welchem er die Machenschaften des multinationalen Biotechnologie-Konzerns Monsanto und dessen Genmanipulation- und Herbizid-Firmenpolitik anprangert. Andreas Borcholte gab in der Spiegel-Online-Rubrik „Abgehört“ aufgrund der doof-banalen Texte zum Thema lausige 5.0 Punkte, bezüglich der bescheidenen Qualität der Protest-Texte gehe ich da durchaus chloroform, wie der alte Helmut Schön sagen würde, eine bessere Bewertung hätte die Scheibe bezüglich diverser hochanständiger, Neil-Young-typischer Gitarrenkracher dennoch verdient. Klar ist die Platte kein neues Meisterwerk vom Schlage einer „Psychedelic Pill“, aber mit „Americana“ (2012) oder „Storytone“ (2014) hat Young seinen Fans in jüngster Vergangenheit musikalisch bei weitem Belangloseres zugemutet.
(****)

Rickie Lee Jones – The Other Side Of Desire (2015, The Other Side Of Desire Music / Alive)
Muss gestehen, seit „The Sermon On Exposition Boulevard“, ihrem herrlichen Blue-Rose-/New-West-Folkrock-Album aus dem Jahr 2007 war ich bei der Chicagoer Songwriterin nicht mehr auf dem Laufenden, die beiden Folge-Alben „Balm In Gilead“ (2009) und „The Devil You Know“ (2012) sind völlig ungehört an mir vorübergegangen, wohl ein schwerer Fehler aufgrund der Tatsache, dass auch das neue Werk der ehemaligen Tom-Waits-Muse eine höchst erfreuliche, gekonnte Mixtur aus Blues, Folk, Pop, Balladen und – wohl ihrem Umzug in die Musik-Metropole Louisianas geschuldet – gewichtigem New-Orleans-Sound bietet, mit dem Rickie Lee Jones eindrucksvoll die Lücke schließt, die der 2009 verstorbene und seitdem schmerzlich vermisste Willy DeVille hinterließ.
“I want to listen more than I want to be listened to. This is my moment to sing, and I will sing to you all that I have heard. Here are my feelings carved through the images and sounds of trains and rivers, how they speak to one another all night long when we who live near them can hear them clearly. The crow and the mockingbird, hard to tell that mockingbird sounds like the crow, the light through my old windows, my determination, my despair, my love of humans.”
Kurze Anmerkung: wer sich einen Überblick über das sehr lohnende Frühwerk Rickie Lee Jones‘ verschaffen will, kann dies seit 2005 höchst angenehm mit der überaus gelungenen 3CD-Anthologie „Duchess Of Coolsville“ (Rhino / Warner) durchexerzieren.
(**** ½)

Robin Williamson – Trusting in the Rising Light (2015, ECM)
Der Harfenspieler Robin Williamson, Gründungsmitglied der legendären schottischen Psychedelic-Folk-Combo The Incredible String Band, ist mir erstmals solo 2006 mit seinem hervorragenden, ebenfalls beim Münchner Experimental-Klassik/Jazz-Nobellabel ECM erschienenen Album „The Iron Stone“ über den Weg gelaufen, in der Folge hat Williamson eine Reihe von CDs mit Vertonungen von Dylan-Thomas- und William-Blake-Gedichten für Manfred Eichers Plattenfirma abgeliefert, auf dem neuen Werk glänzt er mit Eigenkompositionen an der Celtic Harp und diversen Gitarren, Geigen und Flöten und schafft mit diesem Instrumentarium einen höchst hörenswerten, betörenden keltisch-mystischen Experimental-Folk-Kosmos, der viel Raum lässt für freie Interpretationen, bei seiner einzigartigen Free-Folk-Mixtur wird der Mann aus Edinburgh von seinem langjährigen musikalischen Begleiter Mat Maneri an der Viola und vom Perkussionisten Ches Smith an Vibes, Gongs, Drums und anderweitigem Geklöppel auf das Einfühlsamste begleitet. Dicke Empfehlung nochmal, zum Abschluss der heutigen Neuerscheinungs-Sause… ;-)))
(*****)