Puts Marie

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Puts Marie – Masoch I-II (2015, Two Gentlemen / Rough Trade)
Feine 10″-Doppel-EP vom Quintett Puts Marie aus dem Schweizer Kanton Bern mit schwerem Hang zum melancholischen Indie-Kammer-/Chanson-Pop, finsterem Hall und krachigen Gitarren, gepaart mit morbid-entspannter Nick-Cave-/Hugo-Race-Düsternis und nonchalanter Tindersticks-Grandezza.
Die Nummer „Pornstar“ hat das Zeug zum, nein, nicht Porno-Star, zum ganz großen Indie-Hit natürlich, überhaupt ist der Band um Sänger Max Usata mit seinem klagend-traurigen, verzweifelten Gesang ein feines Gespür für dezent-hypnotische Rhythmik und vor allem groß angelegte Dramen zu attestieren, gepaart mit den vermehrt auftretenden, ausweglos-brachialen Psychedelic-Rock-Erruptionen formt die Band eine ureigene Klangsprache und stellt ohne Zweifel unter Beweis, das sie über internationales Format verfügt.
Fängst Du Dir ein, hörst Du Dir die nächsten Tage in Dauerschleife an und stellst es dann neben Deine besten Hugo-Race-, Barry-Adamson-, Anita-Lane- und Gallon-Drunk-Platten, um immer wieder drauf zurückzukommen, machste nix falsch mit, mit diesem exzellenten Noise-/Blues-/Chanson-/David-Lynch-Konglomerat…
(**** ½ – *****)

Konzertant sind Puts Marie zu bestaunen nebst anderen Terminen am 4. April im Münchner Strom.

Very special thanks an Romano / Call Me Appetite’s Welt.

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Philip Bradatsch – When I’m Cruel (2015, Off Label Records)
Im Allgäu hat sich vor 10 Jahren eine Band gegründet, die zählt Hank Williams genau so zu ihren musikalischen Vorbildern wie Motörhead (gute Jungs also, keine Frage), nennen ihre Combo The Dinosaur Truckers, spielen Speed-Bluegrass und folgen der Maxime „Songs über Westernstädte, in denen man nie gewesen ist, und schwarzgebrannten Whiskey, den man nie getrunken hat, braucht kein Mensch!“. Sänger, Gitarrist und Banjo-Spieler Philip Bradatsch ließ es zwischendurch ruhiger angehen und veröffentlichte gegen Ende des letzten Jahres eine tolle 9-Song-Sammlung aus dem Bereich Alternative Country und American Roots Folk, mit der er eindrucksvoll unter Beweis stellt, das er zu den besten deutschen Country-Pickern zu zählen ist und den Vergleich mit den nordamerikanischen KollegInnen in keinster Weise scheuen braucht.
Auf ‚When I’m Cruel‘ dominieren neben Banjo-Bluegrass wie im exzellenten „Down By The Gallows“ vor allem schwergewichtiges, nachdenkliches und balladenhaftes Alternative-Country-Songwriting und die Geschichten vom harten Leben, in denen Bradatsch sein tiefempfundenes Appalachen-Blues-Verständnis unter Beweis stellt. Das Album-Highlight „This Time Around“ lässt in Erfurcht erstarren, auf den Tonträger-Veröffentlichungen der letzten Monate werden sich kaum bessere Country-Folk-Songs finden lassen, und „Mudhole“ ist die Nummer, die selbst Großtaten von Songschreiber-Meistern des Fachs wie Townes Van Zandt oder Bob dem Sinatra-Interpreten ein zusätzliches Juwel hinzugefügt hätte.
(**** ½ – *****)