Raut Oak Festival

Soundtrack des Tages (200): Possessed By Paul James

Foto Possessed By Paul James © by Sebastian Weidenbach

Ich weiß nicht, ob Ihr es wusstet (oder es hier geflissentlich das ein oder andere Mal überlesen habt): in acht Wochen steigt die 2018er-Ausgabe des unvergleichlich grandiosen Raut Oak Festivals am unvergleichlich schönen Riegsee vor unvergleichlich überwältigender Alpen-Bergkulisse mit – Ihr ahnt es – unvergleichlich exzellentem Line-Up aus der internationalen Deep-Blues-, Muddy-Roots-, One-Man-Band-, Garagen-Trash- und Punk-Blues-Szene.

Mit von der Partie: der großartige, um nicht zu sagen unvergleichliche Konrad Wert aka Possessed By Paul James. Slowboat-Underground-Filmemacher M.A. Littler hat mit „The Folk Singer. A Tale of Men, Music & America“ vor einigen Jahren einen abendfüllenden wie sehenswerten Dokumentarfilm über ihn gedreht, der Muddy-Roots-Veteran aus Florida ist einer der wahrhaftigsten Vertreter des amerikanischen Folk-Underground, ein Getriebener und Suchender, der die Musik als kraftvolle und Kraft spendende Ausdrucksform und Ventil benötigt wie die Luft zum Atmen, fernab von gängigen Trends und hippen Mainstream-Folk-Revivals. Und ein begnadeter wie intensiver Alleinunterhalter, wie er ganz gewiss auch auf dem diesjährigen Raut Oak Fest unter Beweis stellen wird.

Possessed By Paul James wird mit seinem Auftritt am Sonntag, den 10. Juni, ab 21.00 Uhr das dreitägige Raut Oak Fest beschließen, Tags zuvor spielt er zusammen mit dem auch sehr sehens- und hörenswerten Delaney Davidson in der Münchner Polka Bar – aber zu der Zeit sind eh alle, die was auf sich und ihr Verständnis von Musik und Festival-Kultur halten, am Riegsee…

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Reingehört (446): The Bonnevilles

The Bonnevilles – Dirty Photographs (2018, Alive Naturalsound)

Wüsste man’s nicht besser, man würde die Heimstatt der Herren Andrew McGibbon Jr und Chris McMullan irgendwo in den Swamplands Louisianas oder in der Nähe eines angeranzten Blues-Clubs in Chicago verorten, die grünen Auen der nordirischen Provinz Ulster wären’s wohl auch nach dem dritten Raten nicht, zu sehr ist das Musizieren des Power-Duos The Bonnevilles im amerikanischen Blues-Rock verwurzelt, den es auf dem jüngst erschienenen Longplayer „Dirty Photographs“ einmal mehr mit Herzblut und dem angerauten Charme des Garagen-Punk durch die Lautsprecher wuchtet.
Machen sie seit mittlerweile gut zehn Jahren, und auf der aktuellen Veröffentlichung machen es die beiden, die ihre Formation nach einem 1958 entwickelten Motorrad-Modell der britischen Firma Triumph benannten, wieder richtig gut, der Trash aus der Öl-verschmierten und vom Zigaretten- und Bier-Dunst geschwängerten Garage ist opulent und sauber produziert, ohne ihm die Zähne zu ziehen oder das Wilde auszutreiben und vor allem ohne auch nur im entferntesten Sinne glatt und beliebig zu tönen, ab und an wird die Messe mit einer Orgel und damit einer gehörigen Portion Soul gelesen und das süffig-üppige Gitarren-Lärmen, die messerscharfen Riffs und der schmissige Rock and Roll dezent dann und wann um Funk-Elemente und Sixties-Psychedelic-Spielereien an den Effektgeräten angereichert. Überhaupt die Bezugnahme auf jahrzehntealtes Material: das Album klingt, als hätten sich McGibbon und McCullen vor fünfzig Jahren mit der Jimi Hendrix Experience in den Londoner Olympic Studios die Klinke in die Hand gegeben, die Sound-Einstellungen an den Aufnahmegeräten zum Debüt der Kultcombo des Gitarren-Gotts aus Seattle eins zu eins übernommen und damit eine Arbeit abgeliefert, die wie der Meilenstein-Monolith der Experience zeitlos in ihrer ganzen tonalen Pracht wirkt.
Das Duo platziert mit seinem Garagen-Blues Wirkungstreffer am laufenden Band im Uptempo-Drive wie mit zurückgenommenem Tempo in den Balladen für den letzten Drink in der mitternächtlichen Kaschemme, im Live-Vortrag vermag es die Combo, den Druck auf den Kessel mit dem dampfenden Gebräu nochmals zu erhöhen, und dahingehend darf man hinsichtlich konzertanter Erbauung durch die nordirische Band bereits in Vorfreude schwelgen: Die Bonnevilles werden am 9. Juni die Bühne des wunderbaren Raut-Oak-Festes am schönen Riegsee vor herrlichem Alpen-Panorama rocken, zusammen mit vielen weiteren handverlesen exzellenten Entertainern an diesem langen, prall gefüllten Raw-Underground-Wochenende. Weitere Tournee-Termine der Bonnevilles: here we go.
Die im Albumtitel erwähnten schmutzigen Fotografien gab es im Übrigen bereits auf dem Cover des 2008er-Albums „Good Suits and Fightin‘ Boots“ zu begutachten, das nur als Hinweis am Rande für die Softporno-Spanner… ;-))
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