Regisseur

Eine Kerze für Jonathan Demme

Jonathan Demme / Foto © Shelley Rutledge

Der amerikanische Filmregisseur Jonathan Demme ist gestern in Manhattan im Alter von 73 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.
Mit seinem bekanntesten Werk, „The Silence Of The Lambs“, einer vielfach prämierten Verfilmung des gleichnamigen Serienkiller-Romans von Thomas Harris, hat er 1991 im Krimi-Konsumenten-Lager den Hannibalismus-/Kannibalismus-Kult um den Menschen-verzehrenden Psychologen Dr. Lecter losgetreten, im Film meisterhaft dargestellt vom großartigen Anthony Hopkins und kongenial begleitet von Jodie Foster.
Der Musikwelt wird er durch etliche sehenswerte Streifen in Erinnerung bleiben, vor allem durch den exzellenten Konzert-Film „Stop Making Sense“ über einen Auftritt der Talking Heads in Los Angeles im Dezember 1983, mit Neil Young drehte er mehrere Dokumentarfilme, unter anderem „Neil Young: Heart Of Gold“, einer hochgelobten Arbeit über die Live-Prämiere seines Albums „Prairie Wind“.
Eine charmante musikalische Fußnote war der Auftritt der Feelies im Spielfilm „Something Wild“ (Dt. „Gefährliche Freundin“), in dem die New-Jersey-Schrammel-Götter unter dem Pseudonym The Willies etliche Coverversionen zum Besten gaben.

Eine Kerze für Helmut Dietl

Eine Kerze für HELMUT DIETL

Der Münchner Schicki-Micki-Bussi-hier-und-Bussi-da-Bagage hat er gnadenlos und extremst humorig den Spiegel vorgehalten mit seinen Erfolgsserien „Kir Royal“ und „Monaco Franze“, dem Kino-Publikum war er vor allem durch seine Filme „Rossini“ und „Schtonk!“, der Persiflage über die vermeintlichen Hitler-Tagebücher, bekannt.
Sein absolutes Meisterwerk hat er bereits 1974 mit den „Münchener Geschichten“ abgeliefert, der Kult-Serie meiner Generation, Jahrzehnte vor HBO und „Breaking Bad“. Die Episoden um den liebenswerten Hallodri und Taugenichts Tscharlie Häusler, kongenial dargestellt vom jungen Günther Maria Halmer, spielte im Münchner Kleinbürgermilieu und thematisierte unter anderem – sozusagen zeitlos – die Gentrifizierung des Münchner Lehels. Während Jungschauspieler wie eben Halmer und die junge Michael May, Frithjof Vierock und Towje Kleiner ihren Durchbruch bei einem breiteren Publikum mit der Serie schafften und altgediente Mimen wie Ruth Drexel, Hans Brenner, Fritz Straßner oder der geniale Misanthropen-Darsteller Karl Obermayr in auf den Leib geschneiderten Ideal-Rollen glänzten, gab die große alte Dame des deutschen Theaters und Brecht-Darstellerin Therese Giehse eine ihrer letzten herausragenden Vorstellungen als Oma Häusler.
Die Episode „Der lange Weg nach Sacramento“, in der „Zorro“ Tscharlie mit seinen Freunden „Gringo“ und „Zapata“ durch den Münchner Fasching vagabundiert, zählt für mich neben Meisterwerken wie „The Good, The Bad and The Ugly“ oder „The Wild Bunch“ zu den Top Five der Westernklassiker ;-)))
Zuletzt arbeitete Helmut Dietl zusammen mit dem österreichischen Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader an einem Drehbuch, unser Münchner Dietl und der Wahl-Wiener Hader, das wäre nochmal ein Kracher geworden, da bin ich mir sicher…
Am vergangenen Montag ist Helmut Dietl, nach „einer knappen Million gerauchter Zigaretten“ (O-Ton Dietl) an den Folgen seiner Lungenkrebs-Erkrankung im Alter von 70 Jahren in München verstorben.

Helmut Dietl / Wikipedia

Eine Kerze für Francesco Rosi

Francesco-Rosi

Der italienische Filmregisseur Francesco Rosi ist heute in Rom im Alter von 92 Jahren verstorben. Der vielfach ausgezeichnete Filmemacher war ein Hauptvertreter des italienischen Neorealismus. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Mafia-Filme „Wer erschoss Salvatore G.?“ (1962) und „Lucky Luciano“ aus dem Jahr 1974, in dem Gian Maria Volonté den italoamerikanischen Gangster spielt. Eines seiner späteren Werke ist die Verfilmung „Chronik eines angekündigten Todes“ (1987) nach dem Roman von Gabriel García Márquez. Sehr beeindruckt war ich von seinem Film „Christus kam nur bis Eboli“ (1979) nach dem gleichnamigen dokumentarischen Roman des antifaschistischen Aktivisten, Schriftstellers, Malers und Arztes Carlo Levi, der hier seine Verbannung in das süditalienische Lukanien literarisch verarbeitet, Levi wird im Film ebenfalls von dem großartigen Gian Maria Volonté dargestellt.