Robert Plant

Lost & Found (6): Rainer Ptacek

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Den geerdeten Indie-Slide-Gitarren-Blues haben sie nicht erst im Muddy-RootsUmfeld erfunden, man muss im Plattenregal nur ein wenig in der Arizona-Abteilung wühlen, dann stolpert man zwangsläufig über einen Mann, der in dem Bereich bereits vor Jahrzehnten großartige Pionier-Arbeit geleistet hat.

Rainer Ptacek, 1951 in Ost-Berlin als Sohn deutsch-tschechischer Eltern geboren und Mitte der fünfziger Jahre zusammen mit der Mischpoke dem Arbeiter- und Bauern-Paradies in Richtung Chicago/Illinois entflohen, ist in der nordamerikanischen Metropole intensiv mit dem Blues der großen schwarzen Urväter des Genres in Berührung gekommen. In den frühen Siebzigern zieht es ihn in die Wüste nach Tucson/Arizona, wo er sein eigenes Trio Rainer & Das Combo betreibt und zusammen mit Howe Gelb die Combo Giant Sandworms gründet, aus der später Gelb’s Band Giant Sand hervorgehen wird.
Billy Gibbons von ZZ Top und Robert Plant sind schwer beeindruckt von seiner Arbeit, mit dem ex-Zeppelin-Frontmann arbeitet Ptacek später im Rahmen der „Fate Of Nations“-Sessions zusammen.
1996 fällt er vom Fahrrad und erleidet einen Gehirn-Schlaganfall, im Rahmen der medizinischen Untersuchungen wird bei Ptacek ein nicht operabler Gehirntumor entdeckt. Bedingt durch die folgende Chemotherapie muss er das Gitarrenspiel neu erlernen, nach zwischenzeitlicher Erholung verschlechtert sich sein Zustand ab Mitte 1997, am 12. November desselben Jahres stirbt Rainer Ptacek im Alter von 46 Jahren, er hinterlässt in der zeitgenössischen Blues-Musik eine nicht mehr zu schließende Lücke und bleibt ein großer Unvollendeter seines Fachs.

Zur finanziellen Unterstützung der kostspieligen Therapien organisierten befreundete Musiker zwei Tribute-Sampler, auf der von Robert Plant und Howe Gelb initiierten Sammlung „The Inner Flame – A Tribute to Rainer Ptacek“ (1997, Atlantic) interpretieren Größen wie etwa Gelb und Plant selbst, Emmylou Harris, Jonathan Richman oder Evan Dando Rainer-Material, das Album ist 2012 in erweiterter Version bei Fire Records wiederveröffentlicht worden. Herausragend sind das LoFi-Kleinod, das Vic Chesnutt mit seiner Frau Tina beisteuert und der schräge Vaudeville-Kracher von PJ Harvey, John Parish und dem langjährigen Beefheart-Gefährten Eric Drew Feldman, der Glitterhouse-Katalog hat seinerzeit über die Harvey-Bearbeitung von „Losin‘ Ground“ den folgenden Schenkelklopfer rausgehauen: „PJ Havey läßt ihr ich-bin-ja-so-eine-intensive-Frau-Gehabe größtenteils bleiben, was dem Stück nicht schlecht bekommt“ ;-)) Besonders erwähnenswert ist auch die „Life Is Fine“-Interpretation von Madeleine Peyroux, die das Stück als entspannten New-Orleans-Sumpf-Blues bringt, auch in der Version bleibt der Titel eine exzellente Nummer.
Weitaus weniger prominent besetzt, dafür stilistisch stimmiger und homogener gestaltete sich das Fundraising-Tribute „Wood For Rainer – A Wooden Ball Compilation“ (1996, Epiphany) im Geiste des Alternative Country und Folk-Blues (mit einem nicht weiter störenden Soul-Ausreißer), live eingespielt im Club Congress in Tucson/Arizona, mit unter anderem Rainer himself („Top Of The World“, einer seiner größten Würfe, in jedweder Version), Howe Gelb, dem Rich-Hopkins-Spezi Billy Sedlmayr und Szene-Größen wie Al Perry („The Only Thing That Hurts Now Is The Pain“ !!!), Greyhound Soul und Naked Prey.

Rainer & Das Combo – Barefoot Rock With Rainer & Das Combo (1998, Glitterhouse)
Bereits 1986 als LP veröffentlicht, hat das verdiente Beverunger Label Glitterhouse das mit seiner Stamm-Combo eingespielte Rainer-Werk in den Neunzigern mit vier zusätzlichen Bonus-Tracks wieder aufgelegt. Allein schon wegen „Life Is Fine“ im Band-Gewand jeden Cent wert. Das Opus offenbart sich als abgehackte Blues-Feedback-Orgie, hätten Pink Floyd in der Frühphase der Band schlechte Drogen konsumiert (haben sie wahrscheinlich sowieso) und im Bereich der afroamerikanischen Volksmusik weiterexperimentiert, wäre wohl etwas Vergleichbares in der Güte entstanden.
Ansonsten bietet das Album eine launige Sammlung von trashigem Bottleneck-Bluesrock, gestandenen Garagen-Boogie-Stampfern, süffigen Slide-Instrumentals und eine Handvoll psychedelische Prog-Blues-Perlen, die von der charakteristisch-fiebrigen Stimme Rainers gekrönt werden, die seltsamer Weise in etlichen Phrasierungen an Bryan Ferry in der Roxy-Frühphase erinnert, andere Hörer haben vermehrt den Talking Head David Byrne als Vokal-Referenz genannt. Neben Eigenkompositionen Coverversionen zuhauf von Robert Johnson, Willie Dixon, Billy Boy Arnold und anderen Ahnherren des Blues.

Rainer & Das Combo – The Texas Tapes (1996, Glitterhouse)
In Billy Gibbons‘ Gold Star Sound Services Studio abgemischt, aufgepeppt und klangtechnisch exzellent produziert. Seine eingängigste Platte, böse Zungen würden wohl „Mainstream“ und „Gary Moore“ motzen, was Wunder, die Stücke wurden mit den Rauschebärten von ZZ Top als Backing-Band eingespielt, Gibbons und Co durften aber aus rechtlichen Gründen namentlich nicht auf dem Platten-Cover genannt werden.
„Merciful God“ ist allerdings eine großartige Instrumental-Slide-Bluesrock-Ballade, die einer wie Ry Cooder wohl auch gerne eingespielt hätte.
Inklusive dreier Bonus-Tracks in gewohnt erstklassiger Rainer-Solo-/Akustik-Manier, in der Fremdkomposition „Another Man“ verneigt er sich würdig vor einem seiner vermutlich größten Vorbilder, der Delta-Blues-Legende Big Joe Williams.

Rainer – Nocturnes (1998, Glitterhouse)
Sechs Instrumental-Meditationen, mit National Steel Guitar und elektronischen Loops atmosphärisch dicht in Szene gesetzt, der „Paris, Texas“-Soundtrack von Ry Cooder mag ab und an als Bezugspunkt durch’s Hirn zucken, tribalistische Beschwörungs-Töne und Verneigungen vor American-Primitive-Guitar-Größen wie Leo Kottke oder John Fahey runden den Wüsten-Blues zu einem stimmigen Ganzen ab. „Within You, Without You“ vom Beatles-Fußeinschläferer Harrison treibt er in der Instrumental-Version in geradezu spannende Gefilde.
Das Glitterhouse-Label schrieb seinerzeit in der Presse-Info: „Etwa wie Ry Cooder auf schlechtem Acid. Perfekte late night music“, da mag man nicht widersprechen.
Als Bonus-Beigabe gibt es als The-Grid-Remix das extrem entspannte Trance-/Ambient-Stück „Nod To N2O“ als 12-minütigen, sphärisch-meditativen Rausch.

Rainer – Live At The Performance Center (2000, Glitterhouse)
Aufzeichnung des Solo-Konzerts, dass der Ausnahme-Musiker am Vorabend zu seinem 46. Geburtstag (es sollte sein letzter sein) in seiner Wahlheimat Tucson/Arizona gab.
Schwerer, dem angeschlagenen Gesundheitszustand entsprechender Solo-Slide-Blues, 20 ausgewählte Werke auf der National Steel dargereicht, gewichtige eigene Werke und Fremdmaterial aus der Feder von unter anderem Billie Holiday, Willie Nelson und J.B. Lenoir.
Die prägnant-eindringliche Stimme schwebt über dezentem Anschlag, beherztem Akkord-Greifen und dem Spiel mit zwei alten Bandschleifen, mit Hilfe derer Rainer Ptacek oft mehrere Riffs und Licks gleichzeitig gegeneinander oder ein darübergespieltes Solo laufen lässt, ohne je in undefinierbarem Soundgebräu zu scheitern, immer einer klaren Songstruktur verpflichtet. Selten war Akustik-Blues spannender.
Das Album dokumentiert einen vor Leben strotzenden Künstler, der auf der Höhe seines Könnens agiert. Fünf Monate später erliegt er seinem Krebsleiden.

Rainer – Worried Spirits (2000, Glitterhouse)
Wiederveröffentlichung des bereits 1992 in den Staaten erschienenen Solo-Albums, das die Intensität der Live-Auftritte perfekt widerspiegelt. Die Schwere der Einsamkeit und die Weite der Wüste Arizonas, es findet sich alles an Assoziationen auch hier im Existentialisten-Blues des Rainer Ptacek, der seine Slide-Gitarren-Kleinode oft bis auf das blanke Skelett der Songstrukturen freilegt und so diese traditionelle Musik in ihrer reinsten Erscheinungsform zeigt.
Eine intensive Folk-Blues-Messe mit Verweisen auf Roosevelt Sykes, Willie Nelson und Greg Brown. Enthält zudem die Solo-/Akustik-Version seines „Life Is Fine“-Krachers und eine sensationelle Fassung des Traditionals „Long Long Way To The Top Of The World“.
Stilistisch angelehnt an die großen Country-Blues-Solo-Scheiben der alten Helden John Lee Hooker, Big Joe Williams, Lightnin‘ Hopkins und Fred McDowell aus deren Schaffensphase von circa Ende der 50er bis Mitte der 60er-Jahre und somit ganz großer Sport.

Rainer – Alpaca Lips (2000, Glitterhouse)
Posthum veröffentlichte Studioaufnahmen, in denen Rainer größtenteils solistisch unterwegs ist, lediglich auf der sagenhaft intensiven Interpretation der Stevie-Wonder-Nummer „Pastime Paradise“, die er in der Version in Richtung schwerst ergreifende Ballade treibt, wird er von den beiden führenden Calexico-Köpfen John Convertino und Joey Burns optimalst unterstützt.
Das Album bewegt sich stilistisch zwischen instrumentalen Akustik-Drone-Experimenten und klaren Songstrukturen, in beiden Extremen eine gelungene Ergänzung und Erweiterung zu seinen zu Lebzeiten erschienenen Alben. Ambient und der immer zeitgemäße Country-Blues der Vorväter gehen eine gelungene Symbiose ein. Man kann mit diesem Album mehr als nur erahnen, was da noch gekommen wäre…

Rainer – 17 Miracles / The Best Of Rainer (2006, Glitterhouse)
Schöne Best-Of-Compilation des Hauses Glitter mit Schwerpunkt auf die Alben „Alpaca Lips“, „The Farm“ und „Live At The Performance Center“.
Ideale Übersicht als Einstiegspunkt in die wundersame Blues-Welt des Rainer Ptacek.

Rainer with Joey Burns & John Convertino – Roll Back The Years (2011, Bandcamp)
Im Sommer 1997 mit der ehemaligen Giant-Sand-Rhythmusabteilung eingespielt, die hier das Grundgerüst für den Rainer-Wüsten-Blues liefert. Der relaxte „Desert Noir“-Ansatz der beiden Calexico-Vorturner harmoniert perfekt mit dem National-Steel-Anschlag des Ausnahmegitarristen, der hier im Haus von Howe-Gelb-Freund Bill Carter eine der letzten Male für Studioaufnahmen zugange war. Stimmig restauriert, abgemixt und posthum veröffentlicht.

Rainer Live @ The Sound Factory, Tucson/Arizona, 1986-04-08 / KXCI Studios, Tucson/Arizona, 1983-12-05 / archive.org

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Reingehört (35)

15

Ralph Stanley & Friends – Man Of Constant Sorrow (2015, Cracker Barrel)
Der seit 1946 (!) aktive Dr. Ralph Stanley, der inzwischen auch schon 87 stolze Jahresringe zählt und seit Jahrzehnten durch seinen unverkennbaren Gesang und sein Banjo-Spiel eine feste Größe in der amerikanischen Bluegrass-Szene ist, hat illustere Gäste für sein neues Album geladen, von den 13 Stücken zelebriert er nur eine Nummer solo und eine weitere mit seiner festen Band, den Clinch Mountain Boys. Beim Großteil der Einspielungen wird „The Good Doctor“ von stilsicheren Gästen wie Elvis Costello, Robert Plant, Buddy Miller, Del McCoury, Gillian Welch und Dave Rawlings unterstützt, alles durch die Bank Künstler, die sicher mehr als nur eine Ahnung von guter Musik haben. Heraus kam ein mit vielen Traditionals gespicktes, wunderbares Bluegrass-Album im Sinne der reinen Lehre, ohne modischen Firlefanz oder überflüssige Experimente, direkt auf den Punkt gebracht.
Seinen Ehrendoktor der Musik bekam Ralph Stanley 1976 von der Lincoln Memorial University in Harrogate, Tennessee – hört man diese neue Scheibe: völlig zu Recht !! ;-))

Die Songs im Einzelnen – guckst Du hier:

01. “We Shall Rise,” Ralph Stanley and Josh Turner with The Clinch Mountain Boys
02. “I Only Exist,” Ralph Stanley and Dierks Bentley with The Clinch Mountain Boys
03. “We’ll Be Sweethearts in Heaven,” Ralph Stanley and Ricky Skaggs with The Clinch Mountain Boys and Ronnie McCoury
04. “Rank Stranger,” Ralph Stanley and Nathan Stanley with The Clinch Mountain Boys
05. “I Am the Man, Thomas,” Ralph Stanley, Buddy Miller and Jim Lauderdale with The Clinch Mountain Boys and Ronnie McCoury
06. “White Dove,” Ralph Stanley and Lee Ann and Aubrie Sellers with The Clinch Mountain Boys and Ronnie McCoury
07. “Red Wicked Wine,” Ralph Stanley and Elvis Costello with The Clinch Mountain Boys
08. “Pig in a Pen,” Ralph Stanley and Gillian Welch and Dave Rawlings with Paul Kowert
09. “Two Coats,” Ralph Stanley and Robert Plant
10. “Brand New Tennessee Waltz,” Ralph Stanley and Del McCoury with The Clinch Mountain Boys and Ronnie McCoury
11. “Short Life of Trouble,” Ralph Stanley and Old Crow Medicine Show
12. “Hills of Home,” Ralph Stanley
13. “Man of Constant Sorrow,” Ralph Stanley and The Clinch Mountain Boys

(*****)


 

Abgerechnet wird zum Schluss: Platten des Jahres

„The First Shall Be The Last
And The Last Shall Be The First
Until Next Time“

(Robert Pollard, Until Next Time)

Mono

Der „Kulturk(r)ampf des Jahres“ in Gold geht für 2014 in der Kategorie Tonträger – Trara! – nach Tokio an das japanische Postrock-Quartett Mono für ihre beiden herausragenden CDs
Mono – Rays Of Darkness (2014, Pelagic) und
Mono – The Last Dawn (2014, Pelagic),
die nur im Verbund Sinn machen, die die Grenzen des Genres erweitern und die kongenial in Szene gesetzt wurden während der jüngst stattgefundenen Konzertreise der Band. Große Kunst, die die Jahre überdauern wird, da bin ich mir sicher.


 

Den zweiten Platz teilen sich unterschiedliche Werke wie die folgenden, ich mag keine durch-nummerierten Listen, auf die ein oder andere Art haben die Scheiben alle ihren Stellenwert für mich und sind mir über das Jahr entsprechend ans Herz gewachsen, insofern: Tusch! – und los geht’s:

Guided By Voices – Motivational Jumpsuit (2014, Fire Records)
Ich behaupte: Keine Band kommt schneller, energischer und melodienreicher auf den Punkt als Guided by Voices. Dank Robert Pollard und seinen Kameraden hat Indie-Rock nach wie vor einen guten Namen.


 
The Brian Jonestown Massacre – Revelation (2014, a Recordings)
Toller Indie-Psychedelic-Pop des kalifornischen Musiker-Kollektivs.


 
Archie Bronson Outfit – Wild Crush (2014, Domino Records)
Prog-Rock funktioniert auch 2014 dank des Londoner Trios.

Protomartyr – Under Color Of Official Right (2014, Hardly Art / Cargo Records)
Treibender Postpunk aus Detroit. Die Konzerte im August wurden leider abgesagt.

Sleaford Mods – Divide And Exit (2014, Harbinger Sound / Cargo Records)
Da hab ich eine Weile gebraucht, bis ich es richtig zu schätzen wusste: Englischer Punkrock mit elektronischen Spielereien, rotzfrech, respektlos und energiegeladen, wie Punkrock eben sein soll.

The Vaselines – V For Vaselines (2014, Rosary Music)
Ramones treffen Shop Assistants – ab geht die Post!

Officer! – Dead Unique (2014, Blackest Ever)
Erinnert an die Zeit, als in der Popmusik kurzfristig alles möglich war: Pere Ubu, Half Japanese, Blurt, Residents, Red Crayola und und und…. Zusammengehalten von einer starken Dub-Klammer.

Bill Callahan – Have Fun With God (2014, 99999 / Rough Trade)
Weil wir gerade beim Dub sind: Bill Callahan hat seine 2013er-Scheibe „Dream River“ mit viel tranceartigem Hall bearbeitet und als Dubversion nochmal auf den Markt gebracht. Super!

Wovenhand – Refractury Obdurate (2014, Glitterhouse)
Keiner beherrscht die großen Southern-Gothic-Dramen besser als der getriebene Wanderprediger David Eugen Edwards. Amen.

Wrekmeister Harmonies – Then It All Came Down (2014, Thrill Jockey)
Ambient-Metal, faszinierend wie bereits im Vorjahr auf „You’ve Always Ment So Much To Me“.

Rhyton – Kykeon (2014, Thrill Jockey)
Die Psychedelic-/Prog- und Post-Rock-Pioniere aus Brooklyn verbinden ihre Endsechziger-Pink-Floyd-Klangteppiche dieses Mal mit Sounds aus Griechenland und dem Mittleren Osten. Gelungen wie immer.

Kerretta – Pirohia (2014, Golden Antenna / Broken Silence)
Instrumentale Aufnahmen der drei Neuseeländer aus dem Grenzbereich Prog- und Post-Rock, zwischen epischen Hymnen und brachialen Gitarrenausbrüchen.

Swans – To Be Kind (2014, Young God / Mute)
Wer dachte, nach dem 2012er Meisterwerk „The Seer“ wäre keine Steigerung mehr möglich, wird hier von Michael Gira und seinen Swans eines Besseren belehrt. Ein Stahlbad in Musik-Form, konzertant noch intensiver.

Einstürzende Neubauten – Lament (2014, Mute Records)
Die Neubauten liefern mit einer Auftragsarbeit über den ersten Weltkrieg das Comeback des Jahres – spannend wie zu besten „1/2-Mensch“-Zeiten.

Thurston Moore – The Best Day (2014, Matador)
Der ex-Sonic-Youth-Mann mit seiner bis dato ausgereiftesten Platte.

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The Marble Man – Haidhausen (2014, Redwinetunes / Rough Trade)
Tolle Progressive-Indie-Rock-/-Pop-Scheibe des Quintetts aus Traunstein. Melodisch, stilsicher, spannend. Muss keine internationalen Vergleiche scheuen, zumal die Jungs auch konzertant eine gute Figur machen.

The Moonband – Atlantis (2014, Rockville Music)
Exzellente Alternative-Country- und Folk-Scheibe der Band aus München, die mit diesen herausragenden Songs auch in Seattle, Brooklyn, Nashville, Athens, London oder sonstwo gegen die international renommierte „Konkurrenz“ bestehen könnten, I am pretty sure!

 
Hanna Fearns – Sentimental Bones (2014, Songs & Whispers / Broken Silence)
Warum in die Ferne schweifen – das Gute liegt so nah! Was für die 2014er-Platte der Moonband gilt, trifft auch uneingeschränkt auf „Sentimental Bones“ der Konstanzer Songwriterin Hanna Fearns zu: formidabler Songwriter-Folk von internationalem Format. Ich freue mich auf das nächste München-Konzert!


 
Bonnie ‚Prince‘ Billy – Singer’s Grave A Sea Of Tongues (2014, Domino)
Seine Beste seit „Ease Down The Road“, und das will was heißen!

bonnie

Mirel Wagner – When The Cellar Children See The Light Of Day (2014, Sub Pop)
Spartanische, wunderschöne Folkscheibe der Ähtiopierin.

Tweedy – Sukierae (2014, dBpm Records)
Wilco-Chef und Sohnemann mit einer wunderbaren Experimental-Folk-Scheibe, die das Warten auf die nächste Wilco-Platte auf’s Angenehmste verkürzt.

Dragging An Ox Through Water – Panic Sentry (2014, Party Damage)
Experimental-LoFi-Folk-Field-Recordings von Brian Mumford aus Oregon. Sehr eigen und sehr hörenswert.

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Angel Olsen – Burn Your Fire For No Witness (2014, Jagjaguwar)
Angel Olsen changiert zwischen flottem Indie-/Folk-Rock und gespenstischem , streckenweise hochdramatischem Alternative Country mit viel Hall – eine abwechslungsreiche, aber stets homogene Scheibe, bei deren wiederholtem Hören ich mich zunehmend gräme, da ich meinen faulen Kadaver im vergangenen Jahr nicht zum Konzert in die Kranhalle geschleppt habe.

angelolsen

Musée Mécanique – From Shores Of Sleep (2014, Glitterhouse)
Wunderschöner Folk in Breitband-Cinemascope aus Portland, Oregon.

Malawi Mouse Boys – Dirt Is Good (2014, Irl / Rough Trade)
Afrikaner-Gospel. So macht Ethno Spass.

Alte Meister:

Marianne Faithfull – Give My Love To London (2014, Naive)
Dieser Stadt gebe ich meine Liebe gerne – und dieser Platte auch. Marianne Faithfull mit dem ihr eigenen Gespür für große Dramen und gesegnet mit einer Stimme, mit der es ihr ein Leichtes ist, diese umzusetzen. Unter Mithilfe von musikalischen Schwergewichten wie Steve Earle, Nick Cave, Anna Calvi, Roger Waters und Leonard Cohen. Großartig und erhaben wie ihre Vorgänger-Alben „Before The Poison“ und „Easy Come, Easy Go“.

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Neil Young – Storytone (2014, Reprise)
Immer wieder für ein Überraschung gut, der alte Young ;-)) Nachdenkliche, Balladen-lastige Platte, wie sie nur Neil Young hinkriegt. Spartanisch und auf den Punkt gebracht. Die Deluxe-Ausgabe enthält die Songs auf einer zweiten CD in Orchester-, Chor-, Big-Band-und-sonstige-Grausamkeiten-Gewand. Kann man getrost vergessen, die Einfachausgabe reicht in dem Fall völlig.

Robert Plant And The Sensational Space Shifters – Lullaby And… The Ceaseless Roar (2014, Nonesuch)
Der Zeppelin-Vorturner mit einer seiner besten Soloplatten. Ethno trifft Folk und Blues.

Aus den Archiven:

Wilco – Alpha Mike Foxtrott: Rare Tracks 1994 – 2014 (2014, Nonesuch)
Tolle Outtakes-/Live-/Sonstwas-Sammlung, die das Warten auf die neue Wilco…Ihr wisst schon…

Old & In The Way – Live At The Boarding House (2014, Acoustic Disc)
Zwei komplette Konzerte der Bluegrass-Supergroup um den Grateful-Dead-Gitarristen Jerry Garcia und seinen Spezi David Grisman, aufgenommen im Oktober 1973, hervorragend wie alles, was die beiden Rauschebärte in dieser Richtung unternahmen.

The Grateful Dead – Houston, Texas 11-18-1972 (2014, Rhino)
Ein beseeltes Konzert aus der Live-Hochphase der Band. Inklusive 26-Minuten-Killerversion von „Playing In The Band“.

Grateful Dead - Houston, TX 11-18-1972

Big Star – Live In Memphis (2014, Omnivore)
Live im Oktober 1994 – eine späte Verbeugung vor dem großen Alex Chilton.

The 13th Floor Elevators – Live Evolution Lost (2014, Charly Records)
Das komplette Konzert der Psychedelic-/Garagen-Rock-Pioniere um Roky Erickson im Houston Music Theatre vom 18. Februar 1967. Die Band ist in bestechender Spiellaune, die Setlist der ersten CD besteht aus den Band-Klassikern dieser Zeit, CD 2 dokumentiert eine ausgedehnte Jam-Session der Combo.

Terakaft – The Tapsit Years (2014, Reaktion)
Treibender Tuareg-Blues aus Mali aus den Jahren 2007 – 2011.

Robert Wyatt – Different Every Time – Ex Machina / Benign Dictatorships (2014, Domino Records)
Best-Of- und Seltene-Duette-Sammlung des britischen Progressive-Altmeisters.

Möge das Musikjahr 2015 ein ähnlich gutes werden !