Skandinavien

Konzert-Vormerker: Thisell @ gUT

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„Peter Thisell ist ein Schreiber von Songs und ein Held des Schweifens durch die Prärie – selbst wenn sie eigentlich in Schweden liegt. Ein Aufmerksamer durch Strophe, Refrain und alles was sonst noch verklingt. Mit Gitarre, Tasteninstrumenten und Violine, mit Ideen aus Amerikas Westen. Und der Melancholie, die sprießt, wenn im Norden ein Sommer vergeht. Klingt wie: Am Fluss sitzen und der Zeit beim Vergehen zuhören. Ein Funkeln Musik, das ihr euch anhören solltet.“

Dass in den Weiten Skandinaviens erstklassiger Folk und feiner Americana-Sound gedeiht, ist seit vielen Jahren bekannt, Bands und Künstler wie Midnight Choir, St. Thomas, Easy October oder Kristofer Åström haben davon vielfach Zeugnis abgelegt. Einer, der in diesem Zusammenhang auch unbedingt genannt werden muss, ist der schwedische Songwriter Peter Thisell, der bereits im vergangenen Jahr beim Klienicum-Hauskonzert und an der Isar mit seinen ergreifenden Songs, seiner erstaunlichen Melodien-Vielfalt und seiner erstklassigen, beseelten Sangeskunst schwer zu überzeugen wusste.

Kommen Sie rüber, kommen Sie ran: Auf der Durchreise in Richtung Süden zur anstehenden Italien-Tour macht Peter Thisell zusammen mit David Odlöw und Tomas Larsson demnächst Halt in Sendling, stellt dabei sein im September erschienenes Album „Thisell II“ (2016, JellyFant / popup-records) vor und wärmt in dieser winterlichen Zeit die Herzen der Hörer mit seinen empathischen, wunderbar melancholischen Songs. Wird gUT! Versprochen.

Thisell Live!

09. Dezember 2016
Doors 19.30 / Show 20.30
gUT Atelier, München-Sendling, Pfeuferstraße 38
Eintritt frei, Spenden willkommen.

gUT-Art / Homepage

dasklienicum.blogspot.com

Reingelesen (33)

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„Er spürte eine Hand auf der Schulter und reagierte blitzartig, aber der Stich in den Hals schien augenblicklich die Verbindung zu seiner Pistolenhand zu kappen. Und bevor das Dunkel sich über ihn senkte, sah er das Gesicht des Mannes dicht neben seinem Spiegelbild auf der schwarzen Scheibe. Er trug eine grüne Haube und einen grünen Mundschutz. Wie ein Chirurg. Ein Chirurg unmittelbar vor einer Operation.“
(Jo Nesbø, Koma, Kapitel 46)

Jo Nesbø – Koma (2013, Ullstein)

Das große Harry-Hole-Finale: anfangs kritisch beäugt, zu James-Bond-haft waren die geschilderten Rettungsaktionen aus schier ausweglosen, tödlichen Situationen, in die sich Norweger-Raubein, Hardcore-Bulle und Vollblut-Alkoholiker Hole in den ersten Romanen der Serie – „Der Fledermausmann“ (1999) und „Kakerlaken“ (2007, alle: Ullstein) – hineinmanövrierte, mitunter erinnerten die völlig überzogen-unrealistischen Szenarien an dieses hanebüchene Stieg-Larsson-Gedöns, dranbleiben an der Serie hat sich mittelfristig dann doch mehr als rentiert, ab Teil 3/“Rotkehlchen“ wurden die Rahmenhandlungen und persönlichen Beziehungen der Protagonisten zueinander zunehmend komplexer und die Kriminal-Fälle spannender, die Geschichten um Alt-Nazis, Drogen-Barone und geisteskranke Serienkiller entwickelten Tiefgang, Nesbø verstand es mehr und mehr, den Suchtfaktor vergleichbar zu den maßgebenden, zeitgenössischen Krimi-Serien von Autoren wie David Peace, Henning Mankell oder Ian Rankin meisterhaft auf konstant hohem Niveau zu halten.

Teil 10 lässt noch einmal das gesamte Personal des Harry-Hole-Universums antanzen, die dort nicht zu Ende erzählten Geschichten um den Osloer Drogen-Krieg aus „Die Larve“ (2011, Ullstein) finden ihre Auflösung, eingebettet in den Haupt-Erzählstrang um einen Serienkiller, der sich auf Polizisten-Morde spezialisiert und so den Ermittlungsbeamten ihre Unzulänglichkeiten im Bezug auf alte, ungeklärte Fälle vor Augen führt.
Daneben bietet die Lektüre maximalen Genuss für die Rache-tiefende Auge-um-Auge-Geisteshaltung, korruptes Roman-Personal wie der androgyne Polizeipräsident Mikael Bellman, sein „Brenner“ und treu ergebener Handlanger, der Soziopath Truls „Beavis“ Berntsen, und die moralisch völlig verkommene Sozialsenatorin Isabelle Skøyen werden im Finale höchst befriedigend mit dem längst verdienten Abrieb bedacht.
Und auch das amouröse Beziehungs-Geschnulze kommt nicht zu kurz: Die lange und bange gestellte Frage, ob er nun endlich seine Rakel kriegt, der Harry, findet endlich, endlich seine Antwort.

Mit „Koma“ hat Jo Nesbø den würdigen Abschluss für die nach Henning Mankells Wallander-Romanen ambitionierteste skandinavische Krimi-Reihe geschrieben, hinsichtlich Thrill, Spannung und originellem Erzählungsinhalt mag der Schluss nicht ganz mit der Qualität der Serien-Highlights „Rotkehlchen“, „Die Fährte“, „Schneemann“, „Der Leopard“ und „Die Larve“ (alle: Ullstein) mithalten, im Bezug auf überraschende Wendungen in der Story aber durchaus, und wer die Vorgängerwerke verschlungen hat, muss hier nochmal als Leser ran, denn es gilt analog die Sepp-Herberger-Antwort auf die Frage, warum die Leute immer wieder zum Fußball gehen: „Weil sie nicht wissen, wie’s ausgeht…

„Die Orgel setzte ein. Bjørn hatte schon immer eine Schwäche für Orgeln gehabt. Mutters Heimorgel zu Hause in Skreia, die B3-Orgel von Gregg Allman, die knarrenden Blasebälge alter Orgeln, die einen Psalm spielten. Das war, wie in einer mit warmen Tönen gefüllten Badewanne zu sitzen und zu hoffen, dass die Tränen nicht die Überhand gewannen.“
(Jo Nesbø, Koma, Kapitel 51)