Spanien

Raut-Oak Fest 2018 @ Riegsee, 2018-06-08

This is how we do things in the country: Drei Tage Muddy Roots, Raw Underground & Deep Blues in the Spirit of Chris Johnson nebst einer Handvoll artverwandter stilistischer Vertreter links und rechts von der einzig wahren Ur-Suppe: Das lang herbeigesehnte Raut-Oak-Wochenende im schönen Murnauer Voralpen-Land, endlich war es da: 3 Tage Open-Air-Rundum-Glücklich-Vollbedienung vor herrlichstem Bergpanorama im Grünen der sanften Hügellandschaft hinter der 1200-Seelen-Gemeinde Riegsee und dem gleichnamigen Gewässer aus der Würmeiszeit, mit einer handverlesenen und kaum mehr zu toppenden Musikanten-Schar aufwartend, organisiert und präsentiert from the one and only Christian Steidl, Son of Riegsee, Father of AWay Concerts, Holy Ghost of So-stellt-man-das-rundum-grandioseste-Open-Air-Festival-zwischen-Auer-Mühlbach-und-Mississippi-auf-die-Füsse.

Der Start konnte nicht besser gelingen, bei herrlichem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen unterstrichen Christian Berghoff und Sebastian Haas einmal mehr mit ihrem Duo Pretty Lightning, dass der psychedelische Desert Blues auch im Saarland seine Kakteen-Blüten treibt und sich zu einem berauschenden Mescal-Gebräu destilieren lässt. Verzerrte Gitarren und ein harter Rhythmus-Anschlag verdichten sich bei Pretty Lightning zu diffus lichternder, gespenstischer Drone-Blues-Mystik und einem ureigenen, Spannungs-geladenenen Delta-Flow, der neben den experimentellen Halluzinationen die uralte Blues-Tradition nicht zu kurz kommen lässt. Der Soundtrack für die Schamanen-Beschwörung zu mitternächtlicher Stunde am Lagerfeuer am Rande der Wüste, am helllichten Tag im üppigen oberbayerischen Grün, und damit ungewollt irgendwelche Wettergötter oder andere bösen Geister wachgerufen und/oder geschmäht, denn dann kamen sie, die Unwetterwolken, so offensichtlich unausweichlich zu der Gelegenheit wie der noch anstehende jährliche Raut-Oak-Auftritt vom großartigen James Leg. Nimmt man den furiosen Sound-Orkan des ehemaligen Black-Diamond-Heavies-Musikers immer wieder gerne mit Kusshand, hätte man auf das aufziehende Gewitter am Freitagnachmittag wie auf alle anderen Sintfluten bei den vorangegangenen Riegsee-Festivals getrost verzichten können. Der Anglizismus vom „Showstopper“ dürfte selten treffender gewesen sein, heftigste Hagelschauer, Windböen, Dauerregen, Sturzbäche und überflutetes Geläuf brachten den Festival-Betrieb für die nächsten vier Stunden völlig zum Erliegen, Bühne und Beschallungs-Anlage wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, zwischenzeitlich musste mit komplettem Abbruch der Konzerte des verbleibenden Freitags-Programms gerechnet werden.

Viele helfende Hände brachten die Nummer nach etlichen Reparatur- und Entwässerungs-Aktionen dann doch wieder in trockene Tücher, das US-Trio Shotgun Sawyer aus Auburn/California konnte mit Verspätung den abrupt abgebrochenen Soundcheck fortsetzen, sodann das durchweichte Publikum mit ihrem lärmenden Uptempo-Blues beglücken und Howlin‘ Wolf mit dem Led Zeppelin fliegen lassen – roher und intensiver Krach-Blues, der ab und an etwas verschämt in Richtung Hippie-Psychedelic spechtete wie im Großen und Ganzen mit einer soliden Hart-und-Heftig-Show nichts anbrennen ließ, wenn auch der ein oder andere kritische Zeitgenosse mit wenig schmeichelhaften Vergleichen wie „Lynyrd Skynyrd auf Metal“ ums Eck kam, die jungen Westcoast-Burschen konnten es nicht jedem recht machen, auch unsereins sollte noch ein paar Gelegenheiten zum Naserümpfen finden, wie sich sogleich zeigen wird.

„This is Avalanche Party and nobody comes from where we come from“ – nach dem Raut-Oak-Auftritt der Engländer drängt sich die Vermutung auf, dass der Menschheit nicht allzu viel verlustig geht, wenn von der Sorte nicht mehr unterwegs sind. Ruppig-melodischer Brachial-Garagen-Rock’n’Roll/Blues im 70er-UK-Punk-Modus kredenzt, inklusive einem zur Dekade passenden, gehörig überdehnt-extrovertiertem Gepose, das die musikalische Substanz – sofern vorhanden – in die zweite Reihe drängte. Leidlich gefälliges Offensiv-Geschepper, das in der Form wenig bis nichts Neues zu bieten hatte und den Funken nicht zum Überspringen brachte, vielleicht wär’s mit ein paar Bieren mehr im Gesicht zur besten Showtime geschmeidiger reingelaufen. Zu der Gelegenheit schmerzte es wenig, dass der vorangegangene heftige Regenguss den Zeitplan straffte und für die ursprünglich nachmittags angesetzten Gigs die Konzertdauer auf eine halbe Stunde eindampfte, das abtanzende und abfeiernde Publikum vor der Bühne hat’s gleichwohl zweifellos anders empfunden, und so soll es auch sein – Hauptsache, Ihr habt Spaß! ;-))

Nach den jungen Briten wären die Landsmänner vom Garagen-Blues/Psychedlic/Punk-Duo Green Fuzz geplant gewesen, Gitarrist/Sänger Timothy Oxnard (ex-High Plane Drifters/Magick Godmothers/The Approved) hat alternativ vor ein paar Wochen das Trio The Oilbirds formiert und ist ersatzweise mit dieser Combo zum Raut Oak angetanzt, den Platz in der Garage füllte die jüngst aus der Taufe gehobene Band nicht minder einnehmend, der stoisch monoton treibende Trommelanschlag von Sophie Gatehouse, der Bass vom mindestens optisch aus der Zeit gefallenen Glam-Rocker Michael Cooper-Gers und Oxnards rauer Gesang wie trashiger Saitenanschlag formten sich zu zupackendem Blues-Psych-Punk, der zu gefallen wusste, seine ganze Pracht aber vermutlich noch weit mehr mit einem frischen Pint in der Hand zu vorgerückter Stunde im verrauchten Pub (verrauchte Pubs gibt’s nicht mehr, I know) entfaltet hätte.

Die drei Ladies von L.A. Witch aus – genau – Los Angeles hatten zu Beginn ihres Gigs mit der Technik zu kämpfen, der Gesang von Sade Sanchez wurde von ihrer eigenen, wunderschön verhallten Gitarre verdeckt, nach etlichen Nummern waren die Regler dann für ein rundum zufriedenstellendes Klangbild justiert und das Trio konnte ihren Versuch, mit dem Sex-Appeal von Susanna Hoffs und der unterschwelligen Erotik von Hope Sandoval den guten alten Gun Club in einer Kaschemme irgendwo in Downtown L.A. nach ein paar harten Drinks zu umgarnen, endlich vollumfänglich ausleben. Psychedelischer, atmosphärisch-dunkler Prärie-Blues-Punk auf Valium mit femininer Note, nachdem es hintenraus endlich funkte zwischen Bangles-Schönheit und Ramblin‘ Jeffrey Lee, war’s der kurz anberaumten Gig-Dauer geschuldet leider schon wieder vorbei mit den weiblichen Reizen und dem Wüsten-Spuk, und so müssen wir die Verifizierung oder Verwerfung dieses ganzen Presse-gestreuten Lynch/Manson-Family/City-Of-Broken-Dreams/Lost-Angels-Blablas auf ein andermal vertagen.

Mit Guadalupe Plata alte und gern gesehene Raut-Oak-Veteranen aus dem andalusischen Úbeda: Das Trio mit dem selbstgebauten Bass-Instrumentarium brachte den zähen Delta-Blues im steten Trance-Fluss zum Swingen. Mit hypnotischem Bottleneck-Sliden auf der Halbakustischen, steter, versierter Rhythmus-Arbeit und dem für die Band urtypisch charakteristischen, mit viel Hall vernebelten Spanier-Gejaule versetzten die iberischen Blues-Männer das Publikum in sanft wogende Glückseligkeit und sorgten so für ein erstes dickes Ausrufe-Zeichen im Festival-Line-Up. Tausende an Meilen von Clarksdale or elsewhere outside the Mississippi Delta entfernt spüren Guadalupe Plata wie nur wenige Europäer dem Geist der rohen, unbehandelten Blues-Energie der alten Tage nach und packen das Erbe in ein zeitloses Gewand, allein dafür eine Handvoll Robert-Johnson-Heiligenbilder zur Belobigung. Die Band war in der vergangenen Freitag-Nacht im Flow und musste in ihrer Spielfreude weit nach Mitternacht von Sound-Guru Jay Linhardt händeringend und flehend zum finalen Abgesang genötigt werden, man mag sich nicht ausmalen, was ohne nachmittäglicher Sintflut noch angestanden wäre an beherztem Blues-Groove aus südeuropäischen Gefilden mit entsprechender Zeit zum tonalen Auleben, hintenraus.

Da im fernen Russland demnächst die mediale Großereignis-Nummer angezeigt ist, bei der jeweils 22 Deppen vier Wochen lang einem Ball hinterherrennen, sei der Vergleich erlaubt: In Fußball-Ultra-Kreisen würde man den Frust mit einem beherzten „Wenn das Bayern-Blut auf die Kutte spritzt, ist alles wieder gut, ist alles wieder gut!“ wegwischen, spätestens mit dem grandiosen Raut-Oak-Auftritt von Slim Cessna’s Auto Club war der Unwetter-Spuk vom Nachmittag vergessen, wenn auch notgedrungen nicht mehr als eine gute Dreiviertelstunde blieben für Slim, Munly Munly und Co, um ihre Visionen von großartigem Bühnen-Entertainment, der Christianisierung des amerikanischen Hinterlands, so-called Alternative Country, Erweckungs-Predigten für ein Gott-gefälliges Leben und ihre morbiden Geschichten über Suff, Gewalt und kaputte Beziehungen im Geiste Faulkners und Pollocks mit dem Volk zu teilen. Dem knappen Zeitrahmen geschuldet hielt sich die Southern-Gothic-Institution aus Denver/Colorado nicht lange mit Vorgeplänkel und präliminarem Heranführen der Errettungs-würdigen Seelen an den Kern der Wahrheit auf und begann umgehend mit Taufe, Handauflegen und Seelen-Einsammeln mittels apokalyptischem Country Folk Gospel in intensivster Show auf und vor der Bühne in Interaktion mit der schwerst animierten und hingebungsvoll betenden Kirchengemeinde. Maximalst-Rampensau-Absolution im Geiste Roger Williams‘ und aller dahingeschiedenen Country- und Hillbilly-Heiligen. Die rasante Gangart an der frischen Luft zauberte selbst einem Munly Munly sowas wie einen Hauch von Farbe ins Gesicht, durchaus ein selten erlebter Umstand, Denver-Sound-Pionier Jay gleicht ansonsten kreidebleich dem sprichwörtlichen Tod von Altötting in seiner Duett-Darbietung mit Sanges-Partner Slim.
Gab es früher und gibt es – wie beim jüngsten Raut-Oak Fest erlebt – nachweislich auch noch heute, die Gelegenheiten, zu denen man Slim, Munly, Rebecca Vera, Lord Dwight Pentacost und die begleitenden Laienprediger mindestens unter Vollbedienungs-Entertainment-Aspekten schlichtweg für die beste Live-Band ever dieser und anderer Welten durchgehen lässt, Friday Very Late Night am Hügel unter der Eiche vorm Wettersteingebirge war ganz sicher so einer, und damit war das Schicksal der tatsächlich sehr guten, bereits im Vorjahr schwerst überzeugenden Psychedelic-Griechen von Screaming Dead Balloons besiegelt, keine Band dieser Welt kann nach einer derart überwältigenden Slim-Cessna-Show bestehen, in Sachen undankbarer Job haben die Hellenen dahingehend die sprichwörtliche A-Karte gezogen, zumal der Großteil der Festival-GängerInnen im Zweifel zu weit vorgerückter Stunde der Kräfte-regenerierenden Horizontalen den Vorzug gab.

Raut-Oak Fest 2018-06-09 / Tag 2 – coming soon…

Toundra + Maudlin @ DOK, Gent, Belgien, 2018-05-09

Den diesjährigen Kulturforums-Betriebsausflug zum belgischen dunk!Festival weitaus entspannter als in den vergangenen Jahren angegangen und zur Entschleunigung bereits am Vortag angereist, stand der Aufenthalt vor dem dreitägigen Spektakel in der nahe gelegenen, altehrwürdigen und geschichtsträchtigen Stadt Gent bereits schwerpunktmäßig im Zeichen des Postrock, nebst der sich selbstredend anbietenden Besichtigung imposanter Bauwerke der ostflandrischen Provinz-Hauptstadt wie dem Schloss von Gerhard dem Teufel, der beeindruckenden St.-Bavo-Kathedrale als Hort des weltberühmten Genter Altars von Jan van Eyck, dem Belfried, der architektonisch imposanten Stadthalle und einem Stolpern über das alljährliche Street-Food-Festival, ging es am späten Nachmittag zur Privataudienz bei Consouling Sounds, der gute Mike Keirsbilck hatte die Pforten seines schönen Ladens und Label-Büros in der Baudelostraat am Mittwoch-Ruhetag extra für uns geöffnet und nebst einem netten Plausch ein Paket Promo-Material parat gehalten, die exzellenten, aktuellen Arbeiten von Barst und Inwolves sind hier bereits vor Kurzem zur Sprache und ausdrücklichen Belobigung gekommen, weitere demnächst anstehende Veröffentlichungen des kleinen, feinen Genter PR/PM/Experimental-Labels sollen beizeiten gewürdigt werden.
Und weil für die kommenden drei Tage nicht schon hinreichend genug tonale Beschallung an intensivem Gitarren-Rock mit und ohne Gesang angezeigt war, stand für das Abendprogramm ein Konzertbesuch zur Einstimmung auf die Festivitäten an, drängten sich doch hierfür die Madrilenen von Toundra im Rahmen des Gent-Zwischenstopps ihrer aktuell laufenden Tour zur Bewerbung des brandaktuellen „Vortex“-Tonträgers förmlich auf.

Austragungsort war das in Fußweg-Nähe zum Stadtzentrum gelegene DOK-Gelände, ein ehemaliges, alternativ genutztes Hafenareal am Achterdok-Kanal, dessen zentrale, überdachte, Außenwand-freie Lagerhalle Platz für mehrere hundert Besucher bietet, die fehlenden Wände wurden durch eine schwarze Abhängung ersetzt, was der Lokalität in ihrer zwitterhaften Aufmachung aus Open-Air-Gelände und Konzert-Club einen sehr speziellen, eigenen Charakter verleiht. In strengen Wintermonaten schwer vorstellbar eine heimelige Angelegenheit und dann wohl auch kaum genutzt, bot der alternativ-autonome DIY-Kunst-Freiraum an diesem lauen Frühsommer-Abend den idealen und überaus relaxten Rahmen für die Veranstaltung des ortsansässigen Muziekclub Democrazy, der zum Auftakt der konzertanten Beschallung die belgische Band Maudlin aus dem Seebad Oostende lud, das junge Quintett präsentierte in einem überaus gefälligen Warm-Up-Gig über gut 40 Minuten vorwiegend Material ihres Anfang März bei Consouling Sounds erschienenen Konzeptalbums „Sassuma Arnaa“ über die Tiefen des Ozeans, einer nicht zuletzt auch live gekonnt vorgetragenen Mixtur aus flirrender Psychedelic-Verschleierung und Desert-Rock-Mystik, beherztem Indie-/Alternative-Zupacken und schwerer Stoner-Wucht, die in ihren kompromisslosesten Ausprägungen gerne und wiederholt in metallene Prog- und Doom-Wucht abdriftete, es sich in bleierner wie komplexer Heavy-Gewichtigkeit wohl sein ließ und in den dunkelsten Momenten einen apokalyptisch beklemmenden Abgesang anstimmte, ein illusionsloses Lamentieren an einem Ort, der in seiner Funktion als Binnenhafen wohl schon bessere Zeiten gesehen hat und von dem der in der Nachbarschaft schwerst vor sich hin fluchende Schrottplatz-Betreiber vermutlich in naher Zukunft durch die Genter Gentrifizierungs-Maßnahmen vertrieben wird. Die Musikanten von Maudlin waren am Mittwoch mit ihrer Kunst in jedem Fall gut unterwegs wie einnehmend im Vortrag, in der Form darf man auf weitere Ausführungen gespannt sein und der Band die Daumen drücken, dass es sich dereinst ausgeht, mit einem höheren Bekanntheitsgrad über die Grenzen Flanderns hinaus.

Die vier Matadore von Toundra sind hinsichtlich Popularität über die iberischen Landesgrenzen hinaus bereits gut unterwegs, die Spanier haben schon vor zwei Jahren ihre Visitenkarte in heimischen Gefilden mit einem exzellenten Auftritt in der Münchner Kranhalle abgegeben, dementsprechend war die Vorfreude über die Gelegenheit zum Konzertbesuch fern der Heimat selbstredend groß, zumal die Band mit ihrer laufenden Tour einen großen Bogen um die bayerischen Gehöfte, Auen und Täler macht. Esteban Girón und Co sollten die Erwartungen dann auch nicht enttäuschen mit ihrem gut einstündigen, inoffiziellen dunk!-Einstimmen und ein Energie-geladenes, von schweren Gitarren, erhebenden Melodiebögen und vehementem Vorantreiben der instrumentalen Soundwellen dominiertes Set auf die Bühne der unkonventionellen Konzerthalle stellen, das sich in der Stücke-Auswahl neben einer Handvoll älterer Nummern naheliegend im Schwerpunkt den Werken vom jüngsten Album „Vortex“ widmete, überzeugende und ausladende Straight-Forward-Versionen von „Cobra“, „Touareg“, „Mojave“ und „Kingston Falls“, mit denen das Quartett aus Madrid einmal mehr unterstrich, womit es sich vor allem konzertant fundamental von artverwandten Instrumental-Bands unterscheidet: Wo sich die Brüder und Schwestern im Geiste gerne und oft introvertiert vor sich hinsinnierend der elegischen, ausladenden Schönheit des Musik-Genres widmen, geben die vier Mannen von Toundra die Rock’n’Roller des Postrock, eine keine Gefangenen nehmende, munter drauflos werkelnde Truppe mit dem Fokus auf das Wesentliche, auf Spaß am eigenen Schaffen und maximalstes Publikums-Entertainment, mit dem entsprechend energetischen, das Borstenvieh befreiendem Bühnengebaren. Der Auftritt wäre auch eine nicht zu knapp bemessene Bereicherung des 2018er-dunk!Fests gewesen, soviel darf an der Stelle bereits verraten werden, Tags zuvor in Gent ist er ohne Zweifel mit begrenzter Spieldauer viel zu kurz ausgefallen, das dankbare Publikum hungerte völlig zurecht nach weiteren Zugaben, die leider nur noch spärlich von der Band gewährt wurden, auch am Hafengelände wohnt wohl Nachbarschaft, die hinsichtlich Nachtruhe nach Halbelf keinen Spaß versteht, kennt man ja aus dem heimatlichen Isar-Dorf zur Genüge. Kann auch sein, dass der übellaunige Schrottplatz-Mensch keinen Postrock mag und mit Gabelstapler-Attacke drohte, wer weiß…
Gent war so oder so in jedem Fall einen Abstecher wert, Kultur-historisch, konzertant und nicht zuletzt zur Beziehungspflege zum Consouling-Label, wie auch das Abend-beschließende Schlendern über die illuminierte Belfortstraat und den Emile-Braun-Plein, wo das Genter Party-Volk in Massen unterstrich, dass der/die Belgier/in nicht nur den Postrock goutieren, Scooter-Hyper-Hyper und weitere Scheiß-Musik Hilfsausdrücke, wie Haas zu sagen pflegt, muss man nicht weiter erörtern… Nächste Ausfahrt E40/17 Wetteren → Zottegem.