SPD

Bucky Halker @ Vintage Pub, München 2018-06-29

„Every year we waste enough to feed the ones who starve
We built our civilization up and shoot it down with wars“
(Woody Guthrie, Christ For President)

Die Konzerte im Giesinger Vintage Pub von Veranstalter Mike Nagl sind handverlesen, mit Liebe und Sachverstand ausgewählt, rar, exzellent und exklusiv für FreundInnen der handgemachten Musik aus den Sparten Folk, Bluegrass, Alternative Country und Country Blues, hier erstmalig dokumentiert zum dortigen, denkwürdigen Americana-Auftritt von Charlie Parr Anfang des Jahres. Vergangenen Freitag hatte Publican Mike mit dem amerikanischen Folk-Singer Bucky Halker einmal mehr einen besonderen und herausragenden Musiker auf der kleinen Bühne seiner mit viel Liebe und Sammlerleidenschaft eingerichteten irischen Kneipe im Homeland der Münchner „Löwen“ zu Gast.
In the Spirit of Woody Guthrie & John Steinbeck: Clark „Bucky“ Halker ist in Wisconsin am Lake Superior aufgewachsen, in seiner Jugend in den Sixties wurde er wie so viele herausragende Musiker von Nobelpreis-Bob über Jerry Garcia bis Billy Bragg vom Protest-Folk der Songwriter-Ikone Woody Guthrie nachdrücklich geprägt. Inspiriert von den sozialkritischen Statements, Song-Texten und Ideen des berühmten Antifaschisten aus Oklahoma entwickelte Halker mit den Jahren neben der Liebe zur Musik, zum Gitarre-Spiel und zum eigenen Lieder-Schreiben ein ausgeprägtes politisches Interesse für die amerikanische Geschichte, insbesondere für die Historie der Arbeiter-, Gewerkschafts- und Protest-Bewegungen der Vereinigten Staaten, die Verwerfungen der „Great Depression“ in den Dreißigern und die Repressionen der McCarthy-Ära wie die Thematisierung dieser Ereignisse in der Literatur von Autoren wie Steinbeck und Dos Passos und im Songwriting heute noch bekannter Blues- und Folk-Musiker wie längst vergessener oder nur jenseits des großen Teichs geläufiger Namen aus der Tondichter-Gilde der frühen amerikanischen Sub-/Underground-/Working-Class-Kultur.
Bucky Halker engagiert sich seit Jahrzehnten für den Erhalt des musikalischen und geistigen Erbes Woody Guthries, durch eigene Forschungen, im musikalischen Vortrag, als Vorstands-Mitglied der Woody Guthrie Foundation in New York City, der Illinois Labor History Society in Chicago und als Fellow des 2009 verstorbenen Folkloristen Archie Green im American Folklife Center der Library Of Congress. An der University Of Minnesota hat Halker zum Thema „US Labor History“ promoviert. Seit Mitte der achtziger Jahre ist er als College-Lehrer, freier Wissenschaftler und Forscher tätig und nimmt regelmäßig Alben mit eigenen Folk- und Blues-Songs und Coverversionen alter Protest-Lieder auf.
Dass da am Freitag jemand auf der Bühne stand, der seine Nase gründlich in die maßgeblichen Bücher gesteckt hat, den relevanten Kanon des amerikanischen Folk-Protests aus dem Effeff kennt, und dementsprechend weiß, wovon er spricht und singt, wurde schnell offensichtlich im unaufgeregten und äußerst sympathischen Vortrag des Musikers und Historikers aus dem Mittleren Norden der USA, der die Song-Sammlung seiner drei längeren Sets informativ und mit Anekdoten aus dem eigenen wie dem Leben der altvorderen Songwriter-Legenden gespickt, zwischen ernsthafter politischer Auseinandersetzung und geistreichen Anmerkungen mit feinem Humor begleitete, fernab jeglicher mit erhobenem Zeigefinger angedienter, dröger Altlinken-Belehrungen.
Den ausgewählten Guthrie-Stücken wie „Hobo’s Lullaby“ oder „Do Re Mi“ drückte Halker untrüglich einen eigenen Stempel als beseelte, Herz- und Verstand-anrührende Folk-Nummern mit filigranem Wandergitarren-Spiel auf, so auch weiterem exzellent ausgewähltem und gespieltem Fremdwerk wie „Pancho And Lefty“ vom großen Townes Van Zandt, dem Klassiker „Joe Hill“ über den 1915 nach umstrittenem Gerichtsverfahren in Salt Lake City hingerichteten Hobo, Gewerkschafts-Aktivisten und Songwriter Joseph Hillström, dem frühen Dylan-Großwurf „Girl From The North Country“ und Blues-Songs von Ledbelly und J. B. Lenoir, die sich zu einem stimmigen Gesamtkonzept im Kontext der Feldforschungen zur US-Musikgeschichte und der Tradition amerikanischer Folk-, Protest- und Arbeiterlieder formten, nicht zuletzt selbstredend durch eigene Song-Perlen aus der Feder des musizierenden Aktivisten und Wissenschaftlers bereichert und ergänzt, etwa der wunderbar getragenen Ballade über den völlig in Vergessenheit geratenen Country-Preacher T. Texas Tyler – „What a great name for a country musician“, wie Bucky Halker völlig richtig in einer seiner vielen erklärenden Einführungen anmerkte.
In einer der beiden kurzen Pausen ergriff passend zur Thematik des Abends der „Löwen“-Fan, Neffe des legendären 1860-Stürmers Schorsch Metzger und – in dem Rahmen zuvorderst – Neu-MdB Michael Schrodi von der SPD das Wort, und vermittelte erste Eindrücke über die gewonnenen Erfahrungen seiner Bundestags-Arbeit, dabei warnte er eindringlich vor dem anti-demokratischen Agitieren und der völlig destruktiven Parlamentsarbeit der rechts-nationalen AfD, dem geistigen „Asyl für Deppen“, wie Christoph „Stofferl“ Well tags darauf andernorts zu dem Thema noch so treffend anmerken sollte.
Gegen Ende der ausgedehnten, ergiebigen und wiederholte Male schwer ergreifenden Folk/Blues/Country/Swing-, Polit- und Historien-Veranstaltung griff Wirt Mike Nagl zur Mandoline und unterstützte Bucky Halker im Duett bei einer schwungvollen Interpretation der von zahlreichen MusikerInnen gecoverten Woody-Guthrie-Nummer „Ain’t Got No Home“, der Mann weiß nicht nur, wie man erlesene Konzerte organisiert und eben solche Whiskeys kredenzt, er weiß auch, wo sich die richtigen Töne auf den Saiten seines Lauteninstruments verstecken.
Der Künstler sagt gegen Ende des Konzerts gemeinhin gerne „Thanks For Having Me“, bei einem Vintage-Pub-Auftritt in Giesing gilt indes einmal mehr: A Big Thank You an den großartigen Mike Nagl, dass er den großartigen Bucky Halker in einnehmender, familiärer Atmosphäre in seinem feinen Lokal präsentierte, uns dabeihaben mochte, und darüber hinaus mit fester und flüssiger Verköstigung nicht geizte. In diesem Sinne: A Working Class Hero Is Something To Be.

Bucky Halker spielt am 7. Juli auf dem Rudolstadt-Festival für Roots-, Folk- und Welt-Musik, Freiligrathstraße / Straßenmusik-Bühne, 23.00 Uhr.

Bucky Halker / Homepage

Wilhelm-Hoegner-Preisverleihung @ Bayerischer Landtag, München, 2016-02-28

Mit dem Wilhelm-Hoegner-Preis zeichnet die Landtags-Fraktion der bayerischen SPD jedes Jahr das Engagement für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität aus – in diesem Jahr erhalten ihn die Bürgerinnen und Bürger der Stadt München, mit der Auszeichnung soll das vorbildliche Verhalten der Stadtgesellschaft während des Flüchtlingsansturms im Sommer 2015 gewürdigt werden, wie SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher in seiner Festrede am vergangenen Sonntag bei der Preisverleihung im Bayerischen Landtag verkündete.

„Die herzliche Hilfe und spontane Unterstützung für Flüchtlinge haben München leuchten lassen. Die Münchner haben eindrucksvoll gezeigt, warum die bayerische Landeshauptstadt zu Recht den Titel Weltstadt mit Herz trägt. Dafür wollen wir mit der höchsten Auszeichnung, die die SPD-Fraktion zu vergeben hat, einfach Danke sagen“, betonte Rinderspacher.

In ihren Reden erinnerten Rinderspacher, Landesparteichef Florian Pronold und die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz an das Engagement des bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner für die im Zuge der Vertreibung nach Westen geflohenen Deutschen in Folge des zweiten Weltkriegs – auch Hoegner selbst musste 1933 als SPD-Reichstags-Abgeordneter vor den Nationalsozialisten mit Hilfe des Bergführers, Widerstandskämpfers und späteren Münchner SPD-Stadtrats Hans Fischer über das Karwendelgebirge nach Österreich und später weiter in die Schweiz ins Exil fliehen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter, der den Preis im Maximilianeum stellvertretend für die Münchner Bürgerinnen und Bürger entgegennahm und sich für das Engagement bei seinen MünchnerInnen herzlich bedankte, merkte in einer fulminanten Rede an, dass in der bayerischen Landeshauptstadt kein Platz sei für Rassisten und Volksverhetzer aus dem rechten Lager, die Anti-Pegida-Demonstrationen hätten das in der Vergangenheit eindrucksvoll verdeutlicht. In München ist Integration in seinen Augen eine Selbstverständlichkeit und fester Bestandteil der Stadtgesellschaft, Reiter sagte hierzu einen bemerkenswerten Satz: „In der Münchner Bevölkerung haben 40% der Menschen einen Migrationshintergrund, 40% – das glaubt mir keiner, wenn ich es in Politiker-Kreisen erzähle. Es glaubt keiner, weil es keiner merkt.“ Reiter wehrte sich dagegen, dass das Wort „Willkommenskultur“ zum Unwort verkommt, die Hilfe im vergangenen Sommer war ein Gebot der Humanität und der Achtung vor den Hilfesuchenden, im selben Atemzug kritisierte er die mangelnde Unterstützung und die bürokratische Vorgehensweise der Bundesländer bei der Umverteilung scharf, nicht zuletzt das Handeln und die aktuelle Haltung der CSU-geführten bayerischen Landesregierung. In dem Zusammenhang mahnte er Konzepte von Bund und Ländern an, die Kommunen, Kirchen, Hilfsorganisationen und Freiwilligen-Verbände würden in der Sache hervorragende Arbeit leisten, müssten aber auf Dauer in Form von tragfähigen Konzepten von staatlicher Seite entlastet und vor allem unterstützt werden.

Nach Entgegennahme von Preis und standing ovations für seine beeindruckende Rede griff der auch in dieser Situation unaufgeregte Pragmatiker Reiter zum Abschluss der Feierstunde zur Gitarre und unterstützte den letzten Song „Mia san ned nur mia“ der bayerischen Mundart-Band Dreiviertelblut in ihrem ureigenen Bayern-/Balkan-Folk-Mix, welcher der Veranstaltung einen würdigen musikalischen Rahmen gab.

Der Wilhelm-Hoegner-Preis ist benannt nach dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner. Er war von 1945 bis 1946 und von 1954 bis 1957 Bayerischer Ministerpräsident. Der Sozialdemokrat gilt zudem als Vater der heutigen bayerischen Verfassung. Seit 1987 wird der Preis an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um den Erhalt und die Sicherung der Freiheits- und Bürgerrechte verdient gemacht haben.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderen Hans-Jochen Vogel, Hildegard Hamm-Brücher, Dieter Hildebrandt, Barbara Distel, Max Mannheimer, die Biermösl Blosn, Jörg Hube, Hubert Weinzierl, Heinrich Albertz, Carl Amery, Regine Hildebrandt, Klaus Kreuzeder und Heribert Prantl. Als Institutionen wurden der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern, die „Weiße Rose Stiftung“, das „Bayerische Bündnis für Toleranz“, der Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ sowie mehrere Obdachlosenzeitungen ausgezeichnet.

Herzlichen Dank an Christian Fischer für die Einladung.

Eine Kerze für Egon Bahr

EGON BAHR + Helmut Schmidt

Der SPD-Politiker Egon Bahr ist heute im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Bahr war enger Vertrauter und Minister von Bundeskanzler Willy Brandt, mit ihm hat er – geprägt durch seinen Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“ – federführend die Ost- und Deutschland-Politik der siebziger Jahre gestaltet.
Bis zuletzt hat sich Bahr für ein Ende der Entfremdung zwischen Berlin und Moskau im Sinne der deutsch-russischen Beziehungen engagiert.
Einen Politiker von seinem Format, mit dem Mut zur Vision und zum großen Wurf, sucht man in der heutigen bundesrepublikanischen Polit-Landschaft vergebens, in der deutschen Sozialdemokratie allemal.