Sterling Morrison

Reingehört (103)

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The Velvet Underground – The Complete Matrix Tapes (2015, Polydor)
The Velvet Underground: Eine der wichtigsten Bands der Sixties, bezüglich ihres Einflusses auf die späteren Entwicklungen im Punk, im Gitarren-Pop und in der Independent-/Alternative-Musik vielleicht sogar die wichtigste schlechthin, damals sträflich von den Tonträger-Konsumenten links liegengelassen, immerhin meint die Legende zu wissen, dass jeder, der seinerzeit ihre Alben kaufte, später eine Band gründete.
Die Combo spielte im November 1969 zwei Sets im Matrix, einem kleinen Club in San Francisco, die Konzerte wurden per Soundboard aufgezeichnet, Aufnahmen davon fanden sich bisher in Ausschnitten auf ‚The Quine Tapes‘ (2001, The Bootleg Series Vol.1, Universal) oder dem ‚1969: The Velvet Underground Live‘-Album (1974, Mercury).
Ein Jahr zuvor wurde John Cale aus der Band gekickt, Sterling Morrison musste den Laufburschen spielen und die Entscheidung des Egomanen Lou Reed überbringen, der Waliser Ausnahmemusiker wurde durch den New Yorker Gitarristen Doug Yule ersetzt, die Besetzung Reed/Tucker/Morrison/Yule zelebrierte bei den auf 4 CDs dokumentierten Konzerten Werke aus allen vier klassischen Velvet-Underground-Alben in teils ellenlangen Versionen inklusive schönem Gitarren-Geschrammel und nahezu meditativem Georgel, wir hören bis zu 4 Versionen von Großtaten wie „Heroin“ und “ We’re Gonna Have a Real Good Time Together“, frühe Fassungen von „New Age“, „Sweet Jane“ und „Rock And Roll“, die offiziell erst ein Jahr später auf dem ‚Loaded‘-Album erscheinen sollten (1970, Cotillion) sowie „Ocean“ und „Lisa Says“, die beide erst 1985 auf der hervorragenden Verve-Compilation ‚VU‘ in ihrer Studio-Version das Licht der Welt erblickten, die ‚VU‘-Sammlung enthielt bis dahin komplett unveröffentlichtes Material aus den Archiven aus der Cale-Ära und dem sogenannten ‚Lost Album‘.
Die Matrix-Aufnahmen sind Sound-technisch optimal bearbeitet und für das komplette Songmaterial gilt nach wie vor uneingeschränkt die Lou-Reed-Ansage zur ersten Version von „I’m Waiting For The Man“: A Song written under the Influence of Genius…
(*****)