Stoner-Rock

The Legendary @ Substanz, München, 2017-05-18

Release-Konzert zum brandaktuellen Tonträger „Let’s Get A Little High“ von Thorsten Rock und seiner Haudrauf-Combo The Legendary im Lieblingswohnzimmer. 45 Minuten Druckbetankung in Sachen Southern-, Stoner- und schwergewichtiger Siebziger-Mainstream-Hardrock. Blut, Schweiß und Tränen, fette Gitarrensoli, mächtig polternde Boogie-Grooves, schnörkelloser Drum-Anschlag, das staubige Prärie-Feeling in Töne gegossen, der Soundtrack aus der Biker-Garage. Männer- und Tätowierte-Weiber-Musik, ohne Firlefanz und unnötigen Zierrat, Ballast, Flitter und Tand. Rar, aus der Zeit gefallen und darum heute wertvoller den je. Muss ab und zu sein, sowas.
Hätte der Billy Gibbons aus dem Glockenbachviertel als Billy Gibbons in Texas das Licht der Welt erblickt, dann wär‘ er am vergangenen Donnerstag nicht auf der Substanz-Bühne gestanden, sondern vor zigtausend Leuten in irgend so einer Rock’n’Roll-Hall-Of-Fame inklusive nachfolgender Groupie-Vollbedienung, Edle-Brände-Verkostung und Luxushotelzimmer-Verwüst-Aktion, aber man kann sich’s ja nicht aussuchen… so hat’s für den guten Thorsten Mitte der Nuller-Jahre immerhin schon mal für ein paar Jahre Mitmusizieren bei den „Godfathers Of Grunge“ Malfunkshun in Seattle/Washington gereicht, auch nicht zu verachten.
Und für vergangenen Donnerstag gilt: Soviel Valentin-Stüberl war noch nie in der Ruppertstraße 28… ;-)))

The Legendary spielen live am 15. Juni im Wild At Heart in Berlin.

Very special thanks an Jürgen Franke / Substanz.

Reingehört (315): Fatalists, Yagow

Fatalists – Wayward Navigation (2017, Bandcamp)

Die Herrschaften vom schottischen Trio Fatalists haben ihre eindringlichen Agnostiker-Hymnen für ihr drittes Album unter dem Dachgebälk einer Kirche in Edinburgh eingespielt, die Band lässt keine Zweifel hinsichtlich geschliffener Härte im Vortrag aufkommen, klirrend-schneidende Gitarren im Geiste des Postpunk, mutiges Ausprobieren im Psychedelischen und der verschleppte Rhythmus des Noise Rock stecken den Rahmen ab für den grimmig-eindringlichen Gesang und die Einsichten über Freud und Leid des Daseins – die neun Stücke nehmen es in ihren besten Momenten mit der ins Hirn fräsenden Eindringlichkeit von Mission Of Burma und der Kompromisslosigkeit der Frühwerke der Gang Of Four auf. Celtic FC, Single Malt, Rankin, Oxford Bar, Arab Strap, Mogwai, Schottland hat immer einen Stein im Brett, die Fatalists und ihre Vision des Alternative Rock sind ein Grund mehr für zugewandtes Wohlwollen in Richtung Caledonia.
„Wayward Navigation“ erscheint am 20. Mai bei Bandcamp.
(**** ½ – *****)

Yagow – Yagow (2017, Crazysane Records)

Bewusstseinserweiternde Drogen im Vinyl- und CD-Format: Yagow aus Saarbrücken schießt die Hörerschaft von der heimischen Wiedergabegeräte-Abschussrampe in die unendlichen Weiten des Kosmos, dorthin, wo Captain Kirk und Meister Yoda im Weltenraum die verbotenen Substanzen kreisen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen, das saarländische Trio nimmt tiefenentspannt für sich ein mit entrückter, schwerer Psychedelic-Seeligkeit und melodischem Sternenglanz im Shoegazer-Format, mit Space-Drones und verhalltem Stoner Rock, die wie durch Nebel und Watte gefilterten, geisterhaften Sanges-Passagen tun ihr Übriges zum tonalen Weg-Beamen in andere Sphären. „Turn on, tune in, drop out“ zum Tummeln in den finsteren Ecken der Sonnensysteme oder so ähnlich…
Das Yagow-Debüt erscheint am 16. Juni beim Berliner Label Crazysane Records.
(**** ½ – *****)

Reingehört (311): Cakewalk, Pontiak

Cakewalk – Ishihara (2017, Hubro)

Das norwegische Label Hubro wurde hier erst vor kurzem für die Veröffentlichung der neuen Scheibe von Geir Sundstøl über den Schellenkönig gelobt, heute dann gleich wieder. Und mit was? Mit Recht. Das Trio Cakewalk aus Bergen mit Stephan Meidell an Synthesizern, Bass und Gitarren, Øystein Skar an den Tasten und Reglern und Ivar Loe Bjørnstad am Schlagzeug liefert auf seinem dritten Hubro-Release eine berauschende Mixtur aus experimenteller Electronica, zupackendem Postrock-Drive und ureigenen Spielarten von Free Jazz und Jazz-Rock, die als solche im herkömmlichen Sinne kaum mehr erkennbar sind und selbst dem Jazz-Verächter in der Form keine Schmerzen bereiten dürften, ein Ambient-artiges Experimentieren, das auch Trance-, Industrial-, Dub- und Trip-Hop-Elemente in den Klangteppich einwebt, im schweren Bass-Trommeln und Saitenanschlag selbst dem Postpunk die Ehre gibt und sich vor allem ausgiebigst im hypnotischen Flow des Space- und Krautrock delektiert. Ein sofort gefangen nehmendes Akustik-Konglomerat, in dem der King-Crimson-Prog genauso fließt wie das Industrial-Donnern grollt und der Synthie in schwerer Electronica-Vehemenz zum Hineinversenken einlädt.
Die Bandmitglieder sind in diversen renommierten norwegischen Formationen im Experimental- und Prog-Jazz-Bereich zugange – Stephan Meidell veröffentlicht im Übrigen mit „Metrics“ dieser Tage bei Hubro eine Experimental-Solo-Arbeit, die dann auch noch eingehender Würdigung bedarf – die Musiker bringen in schwer beeindruckender Fertigkeit ihre individuelle Könnerschaft ein und garantieren so in sechs gedehnten Werken einen fulminanten Instrumental-Flow.
Der norwegische Staatsfonds ist bei weitem nicht die einzige grundsolide Institution und verlässliche Größe, die sie da oben im hohen Norden eingerichtet haben, das Label mit der Eule kann dahingehend locker mithalten.
(*****)

Pontiak – Dialectic Of Ignorance (2017, Thrill Jockey)

Schwergewichtiges Psychedelic-Brett der Gebrüder Carney aus den Blue Ridge Mountains, das Familien-Trio versinkt knietief in zäher, nebelverhangener Entrücktheit, die der Hörerschaft trotz schwermütig-melancholischem Abdriften in den Sphären-Raum mit wuchtiger Vehemenz durch massive Stoner-, Prog-Metal- und Acid-Rock-Beschallung angedient wird.
Ob beim Komponieren und Einspielen dieser tonalen Outer-Space-Trips das eigen-gebraute Craft-Beer aus der im Nebenerwerb betriebenen Pen Druid Brewery die ausschließliche Bewusstseins-erweiternde Substanz zur kreativen Stimulanz der Musikanten war, erschließt sich aus dem Beipackzettel nicht, darf aber wohl getrost in Zweifel gezogen werden.
Die quasi-meditative Vollbedienungs-Dröhnung für all jene, denen im Pink-Floyd-Frühwerk zuwenig Black Sabbath steckt und denen in den Flaming-Lips-Spinnereien die Beton-schwere Erdung des Grunge und Heavy Rock fehlt.
(**** ½ – *****)