Südstadt

Yotam, Joe McMahon, Mike Neograf @ Südstadt, München, 2016-08-17

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Als „Acoustic Punk Night“ wurde das Bardentreffen im Südstadt am vergangenen Mittwoch angekündigt, drei junge Männer stellten zumindest in ihrer Haltung und in entsprechenden Songtexten den Bezug zum Geist der 70er-Jahre-Subkultur her, im musikalischen Vortrag waren die Darbietungen durch das begleitende Akustik-Gitarren-Geschrammel weit mehr an den Folk und Protestsongs der Sechziger angelehnt.

Den Sangesreigen eröffnete der junge Franzose Mike Neograf aus Lyon, der in seinen ausgewogenen, kurzen Vortrag vor allem auch die leisen und nachdenklichen Töne einfließen ließ.
Ein klassisches, Straßensänger- und Lagerfeuer-taugliches Folk-Repertoire inklusive filigranem Saitenanschlag, das zu gefallen wusste, hinsichtlich Punk aber auch bei größter Fantasie kaum eine Idee aufkommen ließ.

Mit deutlich mehr Drive bestritt Joe McMahon, Sänger und Gitarrist der US-Hardcore/Punk-Band Smoke Or Fire, im Mittelteil des Abends seinen Solovortrag, der seit einiger Zeit im westfälischen Münster ansässige Mann aus Boston packte eine gehörige Portion Wut und Empathie in seine Protestsongs und Geschichten über verstorbene Freunde, das amerikanische Gesundheitssystem („They gave us a toothbrush„) und die Stimmung vergällende Politiker wie diesem Vollidioten, der sich dieser Tage anschickt, 45. Präsident der US of A zu werden. Ungefähr so Folk Punk, wie Frank Turner Folk Punk macht. Neue Platte kommt im September beim Bremer Gunner-Records-Label.

Große Entertainer-Qualitäten legte der Israeli Yotam Ben Horin an den Tag, in einem beherzten, euphorischen Auftritt, mit entsprechenden Uptempo-Songs, den Geschichten über das Leben „on the road“ inklusive Übernachten im eigenen Auto sowie den daraus resultierenden Rückenschmerzen (wir erinnern uns: UK Subs, „I live in a car“) und Verneigungen vor den großen Vorbildern in Form von flotten Akustik-Versionen der Ramones-Klassiker „Pet Semetary“ und „We Want The Airwaves“ kam der Musiker der Haifa-Punk-Combo Useless ID dem Motto des Abends mit am nächsten. Schade eigentlich, dass man zur Wandergitarre nicht pogen kann, aber mitsingen war auch schön… ;-)))
Mit der von allen drei Sangeskünstlern gemeinsam vorgetragenen Pixies-Nummer „Where Is My Mind?“ als abschließendem Mitmach-Budenzauber nahm der launige Konzertabend in der vollgepackten Südstadt stimmungsvoll sein Ende. Schönes Gesamtpaket mit entsprechendem Unterhaltungswert.
(**** – **** ½)

catl. @ Südstadt, München, 2016-07-21

catl. @ Südstadt München 2016-07-21 --DSC06306

„We are not a loud band, we are a very loud band!“
(Sarah Kirkpatrick, catl.)

Da half nur noch gnadenloser Sarkasmus und gezielter Einsatz der Spirituosen. „Ich hab das ganze Lokal für dich reserviert“ meinte die Suza beim Einlaufen, was den Umstand der gähnenden Leere im Südstadt eine halbe Stunde vor anberaumtem Konzertbeginn recht treffend auf den Punkt brachte. Münchens Konzertgänger waren vermutlich alle beim Napalm-Death-Free-&-Easy-Backstage-Konzert versammelt, Freibierlätschn, allesamt… ;-)))
Dabei gab es mit der feinen Musikkneipe in der Thalkirchner Straße nur einen Ort in München, wo am vergangenen Donnerstag der wahre Geist des Rock ’n‘ Roll wehte, netterweise haben sich im weiteren Verlauf des Abends dann doch noch ein paar Interessierte ins Lokal verirrt, um dem wunderbaren Trash-Blues und dem ungeschliffenen, entfesselten Garagen-Rock’n’Roll des kanadischen Duos catl. Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken – was die bezaubernde Sarah Kirkpatrick mit Standschlagzeug und der hochsympathische Jamie Fleming mit Gitarre und Gesang an energiegeladener Show auf die Bretter der kleinen Bühne des Südstadt stellten, hätte so viel mehr an Besuchern verdient, keine Frage. Die Band nahm’s gelassen, das Arbeitsethos des Duos aus Toronto ist ohnehin vorbildlich, wie meinte Jamie Fleming beim Bier nach dem Auftritt so schön: „We try to do every show as good as the last one, no matter if there are three, thirty or three hundred people in the audience.“
Die, die da waren, durften den unverfälschten, beherzten, zupackenden Blues zur Eröffnung des Konzerts genießen, im weiteren Verlauf des Abends blieb der Auftritt bei gesteigertem Tempo, formvollendetem Rock-’n‘-Roller-Bühnengebaren und trashigem Garagensound unvermindert grandios. Man nehme in etwas das Beste, was man gegebenenfalls bisher von Jon Spencer, Alex Chilton, Beat Happening, den Cramps und den White Stripes gehört oder gesehen hat und packe noch eine Schippe an Enthusiasmus, Spielfreude, Herzblut und untrüglichem Gespür für die wahren Werte in der Rockmusik drauf, dann hat man eine ungefähre Vorstellung, zu welchen Höhenflügen das Duo in Sachen großartiges Musik-Entertainment fähig ist. So schön hat’s schon lange nicht mehr gescheppert, und kaum einer hat’s bemerkt, wie schade…
(*****)

Walter Salas-Humara @ Südstadt, München, 2016-05-17

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„Me, Philipp Knapp on keys and Mäx Huber on drums in the capitol of Bavaria.
Hefeweizen anyone?“

Da hat sich die Suza eine gestandene Alternative-Country-/Indie-Rock-Legende in ihre immer gern besuchte Musik-Wohnzimmer-Kneipe im Münchner Schlachthof-Viertel geholt: Walter Salas-Humara, Gründungsmitglied der Vulgar Boatmen, Chef der Silos und zwischenzeitlich auch mal zusammen mit den amerikanischen Songwriter-Kollegen Michael Hall und Alejandro Escovedo bei ihrem gemeinsamen Setters-Seitenprojekt am Start, betourt derzeit sein aktuell beim Abstatter Blue-Rose-Label erschienenes Album ‚Work: Part One‘, auf dem er altes Silos-Material in neuem, abgespecktem, Folk-orientierterem Gewand präsentiert.
Zusammen mit seinen beiden begleitenden Mitmusikanten Philipp Knapp und Mäx Huber schöpfte der Kubanoamerikaner aus dem Song-Fundus seiner über dreißigjährigen Karriere, im ersten, kurzen Set vor der Pause zierte sich der Funke noch etwas mit dem Überspringen aufs Publikum, zu heterogen mag das Songmaterial angemutet haben, nach der Unterbrechung nahm der Vortrag des Trios dann ordentlich Fahrt auf, die Folk-, Americana- und Alternative-Country-lastigen Indie-Perlen im zweiten Teil fanden deutlich beherzter den Weg in Gehörgänge und Gemüt der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft, auch die sporadische, zusätzliche Unterstützung am Bass durch Überraschungsgast Pepe Pöschl mag dazu beigetragen haben. Lange nichts mehr gesehen und gehört von dem guten Mann, Pöschl war seinerzeit Bassist der legendären Regensburger Band Baby You Know, der unter anderem auch Karin Bäumler angehörte, ihres Zeichens mittlerweile Ehegattin und Mitmusikerin des auch sehr legendären Ex-Go-Betweens-Co-Chefs Robert Forster, eine Legende jagte an diesem Abend die nächste, sozusagen…
Um 22.00 Uhr hätte Schluss sein müssen mit dem schwungvollen Vortrag, das Südstadt ist auch eine jener Münchner Musikkneipen mit Live-Angebot und besonders unhumoriger Nachbarschaft, Salas-Humara indes, ganz der Profi, machte aus der Not eine Tugend und sattelte kurzerhand auf Akustik-Set um, mit Wandergitarre, seiner markanten Stimme und der rhythmischen Unterstützung seiner Mitmusiker begeisterte er das animierte Volk im Lokal in einem wunderbaren „Unplugged“-Zugabenteil, nicht nur hinsichtlich Songwriting, auch im Bezug auf Spontaneität darf sich da so mancher Sanges-Kollege für die Zukunft ein Stück von abschneiden…
(**** – **** ½)

Walter Salas-Humara, Philipp Knapp und Mäx Huber treten heute in Stuttgart im Laboratorium auf, in den folgenden Tagen an diesen Orten:

21.05. Bad Brambach – Café Grenzland
22.05. Wesel – JZ Karo
23.05. Norderstedt – Music Star
24.05. Dortmund – Subrosa
25.05. Neuenkirchen-Voerden – Kulturbahnhof
27.05. Berlin – Artenschutz Theater
28.05. Wredenhagen – Café Scheune

Walter Salas-Humara / Homepage