Tamikrest

Reingehört (53)

KULTURFORUM Reingehört 53
 

Tamikrest – Taksera (2015, Glitterhouse / Glitterbeat Records)
Limitierte LP-Veröffentlichung zum heurigen Record-Store-Day. Toller Live-Mitschnitt eines Auftritts der Touareg-Blueser beim letztjährigen Burg-Herzberg-Festival. Großes Improvisationstheater der Band aus Mali, wie immer stehen die treibenden Gitarren im Zentrum des Vortrags, die hypnotischen Grooves tun ihr Übriges, um den Hörer innerhalb kürzester Zeit in einen beglückenden Wüsten-Blues-Flow zu versetzen. Acht von den Studio-Alben der Band bekannte Stücke, die hier oft in beschleunigten, mehr in Richtung Rock getrimmten und ausgedehnteren Fassungen auf die Bühne gebracht wurden.
(**** ½)

Takaakira ‚Taka‘ Goto – Classical Punk And Echoes Under The Beauty (2015, Pelagic / Cargo Records)
“It didn’t sound like Mono, so I left it as a trail to my envisioned world, as my personal collection.” sagt Mono-Gitarrist Takaakira Goto über sein aktuelles Solo-Album, dessen Material er bereits 2003 komponierte und einspielte. Am ehesten noch mit dem Mono-Klassiker „Hymn To The Immortal Wind“ (2009, Temporary Residence Limited) vergleichbar, beschreitet Goto hier Neo-klassizistische Pfade, die nur partiell mit Post-Rock-Versatzstücken versehen sind und in ihrer getragenen Erhabenheit musikalisch weit mehr beim zeitgenössischen Klassik-Komponisten Henryk Górecki als im japanischen Post-Rock-Heimathafen Mono zu verorten sind. Und doch: ähnlich wie die beiden jüngsten Mono-Wunderwerke „The Last Dawn/Rays Of Darkness“ (2014, Temporary Residence Limited) ein akustischer Rausch von betörender Schönheit.
(*****)

Valentina Lisitsa – Plays Philip Glass (2015, Decca)
Gelungene Doppel-CD-Sammlung mit werkübergreifenden Interpretationen repräsentativer Stücke des New Yorker Minimal-Meisters Philip Glass, eingespielt von der ukrainischen Klassik-Pianistin Valentina Lisitsa, die kurioserweise durch ihre hochgeladenen Videos auf youtube zum Star in der Szene avancierte.
Die Stücke „Mad Rush“, „Wichita Sutra Vortex“ und den „Methamorphosis“-Zyklus hat Glass himself bereits auf seiner CD „Solo Piano“ (1989, Sony) eingespielt, des weiteren werden Klavier-Bearbeitungen von Stücken aus den Soundtracks zu „Mishima“, „The Truman Show“ und „The Hours“ sowie Interpretationen aus „Glassworks“ und „How Now“ zu Gehör gebracht, welche diese Minimal-Music-Perlen in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Wo Philip Glass die Originale mit seinem Ensemble opulent und durch elektronische Keyboards dominiert einspielte, glänzen die Neubearbeitungen mit weitaus puristischeren Ton-Deutungen. Eine schöne Platte, die dem Werk von Philip Glass durchaus neue Facetten hinzufügt.
(**** ½)

Catherine Feeny & Chris Johnedis – Catherine Feeny & Chris Johnedis (2015, Fluff & Gravy Record)
Die aus Portland, Oregon stammende Folk-Songwriterin Catherine Feeny, die sich bereits ihre Tour-Meriten im Vorprogramm von Größen wie Suzanne Vega, Dr. John und John Prine erworben hat, ging für diese Produktion eine Kollaboration mit dem Jazz-Drummer Chris Johnedis ein, die am ehesten an Free-Folk-Werke Fiona Apples erinnert, mir jedoch an vielen Stellen hinsichtlich Jazz-Einfluss des Guten dann doch zuviel ist. Grundsätzlich für jedes Experiment offen, geht mir die Nummer gehörig auf den Zeiger. Als Einfluss nennt Catherine Feeny unter anderem Joni Mitchell, und damit habe ich für mich einen hinlänglich ausreichenden Erklärungsansatz gefunden, warum ich gegen die vorliegende Scheibe eine derartige Aversion hege…
(**)

Van Halen – Tokyo Dome Live In Concert (2015, Warner)
Hätte hier wahrscheinlich keiner erwartet, schon klar. In die Nummer hat mich die Neugier in Reminiszenz an meine verpfriemelte Hard-Rock-Jugend reingetrieben.
Erste Live-Scheibe mit David Lee Roth, dem Ur-Sänger von Van Halen, der seit 2006 wieder in der Band mitmischt. Das Material besteht dementsprechend zu großen Anteilen aus Stücken der Frühphase der Combo, vereinzelte Hauer wie „Dance The Night Away“, „Unchained“ oder das Kinks-Cover „You Really Got Me“ grooven nach wie vor recht putzig und Eddie Van Halen ist unter technischen Gesichtspunkten weiterhin Gitarren-Weltmeister, aber ganz ehrlich: die Zeiten des Griffbrett-Onanierens sind irgendwie doch lange vorbei, wie meine Jugend halt auch… ;-)))
(** ½)

Reingehört (14)

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Half Japanese – Overjoyed (2014, Joyful Noise Recordings)
Die Low-Fi-Trash-Kapelle ist nach 13 Jahren Abwesenheit zurück. Sie können nach wie vor wenig bis nix, aber das können sie gut. Flott hingeschrammelte Indierocker, phasenweise in ungewohnter, härterer Gangart, seltsamer Calypso und weirde Balladen, versehen mit Jad Fair’s Anti-Gesang. Die Scheibe erinnert an der ein oder anderen Stelle an Alex Chilton’s Trash-Phase (‚Bangkok‘, Can’t Seem To Make You Mine‘) und an die auch längst dahingeschiedenen Swall Maps. Früher haben Half Japanese nur an Half Japanese erinnert… Ob man heutzutage noch eine weitere, neue Scheibe von ihnen braucht muss jeder für sich selbst entscheiden. Für essentiell halte ich nach wie vor die Werke aus den End-Achtzigern: ‚Charmed Life‘ und ‚Music To Strip By‘.
(*** ½)

Panda Bear – Tomboy (2011, Paw Tracks)
Experimenteller Ambient-Elektronik-Psychedelic-Pop. Hymnisch und euphorisch und doch recht entspannt. Super Sound für den Cross-Trainer…;-))
(****)

Tamikrest – Adagh (2010, Glitterhouse)
Toller Touareg-Wüstenblues aus Mali. Entdeckt und produziert von Walkabouts-Mastermind Chris Eckman. Hypnotisch, mit treibendem Bass unterlegt, süchtig machend.
(*****)

John Hiatt – Terms Of My Surrender (2014, Rykodisk / Warner)
Schöner, zeitloser, tiefenentspannter Country-/Folk-Blues in erwartet guter Hiatt-Qualität. Swingt phasenweise wie die letzten Dylan-Werke, was dem Ganzen eine zusätzliche organische Würze verleiht. Die Platte für die lauen Sommerabende auf der Holzveranda…
(**** ½)

Bettysoo – When We’re Gone (2014, Bettysoo)
Alternative-Folk mit Torres-/Mazzy-Star-ähnlichem Gesang und viel zu viel Zuckerguss und glattpoliertem Gedudel. Nicht mein Fall.
(** 1/2)

Pavement – Brighten The Corners (1997, Matador Records)
Pavement – Crooked Rain, Crooked Rain (1994, Matador)
Lässig aus der Hüfte geschossene, teils entspannte und schwerelose, teils recht krachige Lo-Fi-/Indie-Rock-Meisterwerke. Gut abgehangen und doch immer noch taufrisch wie am ersten Tag.
(*****)

Mirel Wagner – When The Cellar Children See The Light Of Day (2014, Sub Pop)
Tolle, auf das Wesentliche konzentrierte Folkscheibe der in Finnland aufgewachsenen Äthiopierin. Reduziert, spartanisch, an manchen Stelle ins Chanson-hafte abdriftend, was mich lustigerweise in dem Zusammenhang überhaupt nicht stört. Odetta für das 21. Jahrhundert? Kann sein… Jedenfalls ein heißer Anwärter für die Jahrescharts 2014.
(*****)

Willie Nelson – Band Of Brothers (2014, Legacy)
Sehr entspannte Country-(was sonst??)Scheibe des Altmeisters. Yoga für die Ohren. Gehört tendenziell ins Country-Mainstream-Lager, als ausgesprochener Alternative-Jünger bin ich in dem Fall nicht abgeneigt…
(****)

White Fence – For The Recently Found Innocent (2014, Drag City)
Auf Sixties getrimmter Psychedelic-Pop. Hätten die Byrds nicht besser hingekriegt, seinerzeit.
(****)