The Almost Boheme

The Almost Boheme @ In The Attic Private Show, München, 2018-12-21

Like Calling Up Thunder: Der geschätzte Münchner Songwriter k.ill hat seinem Namen als Mörder alle Ehre gemacht und die für eine Weile begleitende Background-Sängerin, damit alle wie auch immer gearteten homöopathischen Soul-Einflüsse und in dem Zug einhergehend auch sogleich noch den Geist von Leonard Cohen über die Klinge springen lassen. In seinem neuen Outfit als One-Man-Band runderneuerte er den Sound seines Indie-LoFi-Projekts The Almost Boheme und lud zum Präsentieren und Antesten der neuen Klangwelten an zwei aufeinander folgenden Abenden in traute, handverlesene Runde.
Alles neu macht der Dezember (es ist Klimawandel, Baby, also vergiss den Mai): Neue Gitarre, neue Verzerrer, neue Fußtrommel inklusive Hi-Hat und Tamburin, komplett neuer Sound direktemang heraus aus der Schrammel-Garage, alles aus einer Hand und dazugehörigen Tretern, hört, hört. k.ill schrubbte die Saiten und bediente begleitend die Pedale in kurzen, vor allem kurzweiligen Gigs, zu einer Handvoll altbewährter Balladen und Indie-Pop-Sarkasmen im neuen LoFi-Noise-Gewand wie in der konzertanten Premiere zu einer Auswahl an aktuellen, mit intensiver Desert-Psychedelic durchdrungenen Entwürfen, es war ein höchst angenehm überraschendes Aha-Erlebnis des Umbruchs, was da an solistischem Musik-Entertainment in stilistischer Reformation auf dem konzertanten Laufsteg präsentiert wurde.
Wo in vergangenen Darbietungen der entschleunigte, nachdenkliche Crooner-Neofolk das Auditorium ergriff, glänzte k.ill/The Almost Boheme im neuen tonalen Ornat mit schroffem Saiten-Anschlagen inklusive unterschwellig verzerrt-dissonantem Nachhall – da schwebte in den intensivsten Momenten urplötzlich der Geist von Jeffrey Lee Pierce in den Dachbalken und der gute alte Fred Cole feierte Wiederauferstehung zum sich hochwürdig ins neue Klangbild einfügenden Dead-Moon-Cover „Out In The Blue“, inmitten der verwaschenen Lyrics aus dem Nebel der Lärm-Wallungen mit Reminiszenz an die frühen Jesus And Mary Chain, dem Fuzz-Dröhnen des Garagen-Punk und dem Nachschwingen des Wüsten-Uptempo-Blues vom Pierce-Schützenverein.
Ob das jetzt Säuberung im quasi-stalinistischen Kontext, revidierende Selbstkritik im Geiste der Kulturrevolution oder die Nummer mit der oft thematisch bemühten Neuerfindung war (gegen die ersten beiden Interpretationen spricht die exzellente kulinarische Versorgung vom Buffet wie das alkoholische Pendant aus der mittlerweile legendären Tiki Bar, approved through some great Raut-Oak- and Muddy-Roots-Celebrations), einerlei, das vehemente Aufbegehren gegen den Folk-Gleichklang verlangt in jedem Fall nach schleunigster Bannung auf Tonträger zur allseits gefälligen Verbreitung des „Fire Spirit“.
In dieser Form, mit derlei anregenden musikalischen Darbietungen wie kulinarisch/hochprozentiger Vollbedienung, darf eigentlich jedes Konzertjahr ausdampfen – das wird’s an Frontberichterstattung für heuer an der Stelle schwerstvermutlich gewesen sein, falls nicht noch unverhofft in der letzten Woche des Jahres was an beschallender Live-Erbauung reingegrätscht kommt – so wie die Cops zu fortgeschrittener Stunde in der Nacht von Freitag auf Samstag, angefordert aus der Nachbarschaft, der das nachfolgende, sehr feine, in erster Linie wohl etwas zu laute DJing die weihnachtliche Erholungsphase verhagelte. Dank auch dafür, endlich mal wieder so was wie ein Hauch von Subversion in diesem verschlafenen Millionendorf.

The man of many talents k.ill als The Almost Boheme bis dato auf zwei feinen Tonträgern, „Loss. man, woman, men & women“ (2013) und „Consecrations“ aus dem Jahr 2017, sowie als Radio-DJ beim Independent Subculture Radio Substanz.FM, jeden Montag um 19.00 Uhr mit der Sendung „Die gute Genesung. Eine Stunde, ein Motiv. Untergrund und Oberfläche“. Turn your Internetz-Radio on.

The Almost Boheme @ Bergschmiede, München, 2017-12-02

Letztes Konzert im dahinschwindenden Jahr in der Sendlinger Bergschmiede, der Münchner Songwriter k.ill konnte das eigene Equipment mit seinem Indie-Projekt The Almost Boheme endlich final selber im Künstler-Atelier an der Pfeuferstraße bespielen, nachdem er seine Technik dankenswerterweise etliche Male für durchreisende Musikanten aus Übersee wie Chris Brokaw oder das Alternative-Country-Duo Wayne Graham zur Verfügung gestellt hatte.
Bevor es an die Präsentation der Nummern des neuen TAB-Albums „Consecrations“ ging, eröffnete der Musiker mit einer würdigen wie anrührenden Verneigung vor dem kürzlich verstorbenen Fred Cole, ohne große Vorrede brachte er die Dead-Moon-Ballade „Out In The Blue“ formvollendet nahe am Original zum Vortrag, der Abend war für die Verehrer des Kult-Garagentrash-Trios aus Portland/Oregon bereits zu dem Zeitpunkt gerettet.
The Almost Boheme gestaltete das erste Set als One-Man-Band mit einer Auswahl an alten Songs vom Erstwerk „Loss. man, woman, men & women“ und neuem Stoff, im Stile eines abgeklärten Desert-Blues-Crooners, völlig entschleunigt, unsentimental und unaufgeregt erzählte k.ill seine leisen LoFi-/Neofolk-Geschichten über die Wendungen des Lebens und der Liebschaften, den Solo-Teil des Abends präsentierte er der kalten, finsteren Winternacht entsprechend in einer erhabenen Getragenheit, in einem Innehalten auf den Kern der Songs reduziert, man möchte fast von elegischer München-Americana sprechen, aber dafür hat dann doch weitestgehend jegliche Spur von Kitsch im vom Moll geprägten Gitarrenanschlag wie sonoren Grummeln gefehlt.
Nach einer kurzen Pause formierte sich The Almost Boheme zum Duo, die Sendlinger Sängerin Patricia Schmid, die auch das neue Werk mit ihren Vokal-Künsten bereichert, gestaltete den Vortrag durch eine wohl tönende Portion Soul wie Blues im ausgeprägten Stimmvolumen mit, neben etlichen weiteren Almost-Boheme-Originalen im ureigenen Anschlag wurden konzertant bewährte Fremdwerke wie der englische Folk-Klassiker „Dirty Old Town“ und die Southern-Ballade „Simple Man“ angestimmt, ehe es nach einer Zugabe und dem wohlverdient langanhaltenden Applaus an den improvisierten Imbiss-Stand zur Verköstigung, zum Umtrunk und zur Nachbetrachtung oder direktemang heimwärts hinaus in die frostige Nacht der bettelarmen Dirty Old Town Munich ging, die sich bei gut 50 – 60 Besuchern nicht mehr Hutspende als mäßige 150 EUR für musikalische Beschallung inklusive freiem Catering leisten kann… Kultur-Wüste, wir kommen, den Desert Blues haben wir schon im Gepäck…
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„Consecrations“ ist seit einigen Tagen auch als Vinyl in edlem Königsblau erhältlich → guckst Du auf der TAB-Homepage.

The Almost Boheme spielen das nächste Konzert am 21. Dezember im Münchner Club Rote Sonne im Rahmen der „Munich Again“-Reihe, zusammen mit dem Albert-Pöschl-Pseudonym Jason Arigato und der Münchner Postpunk-Band Dark Number. Begleitet werden die Konzerte von einem DJ-Set des The-Grexits-Musikers Nikos Papadopoulos.

Das nächste Konzert in der Sendlinger Bergschmiede findet am 9. Februar 2018 statt, es wird der US-amerikanische Folk-Songwriter Jaye Bartell auftreten.

Konzert-Vormerker: The Almost Boheme

Der Münchner Indie-Songwriter k.ill aka The Almost Boheme stellt nächsten Samstag zusammen mit der Sängerin Patricia Schmid in der Sendlinger Bergschmiede sein neues, höchst hörenswertes Neofolk-/Indie-Pop-/LoFi-Balladen-Album „Consecrations“ vor, die pressfrische blaue Vinyl-Ausgabe wird es bei der Gelegenheit am Merch dann auch zu erwerben geben.
Und ich selber stelle bei der Gelegenheit ein sehr altes und ein paar sehr neue Gemälde aus, das bereichert zwar höchstwahrscheinlich den konzertanten Vortrag nicht, macht ihn hoffentlich aber auch nicht schlechter…

The Almost Boheme – 2. Dezember 2017, Bergschmiede, München-Sendling, Pfeuferstraße 38, 20.00 Uhr.